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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 Wr. MEs Wvchrnfchrtfr. Seite »28 ' gewöhnt, den anderen eine faktische kulturelle Autonomie zu überlassen. Leider find die Juden für sie nicht reif. Ihr Gemeindeleben liegt darnieder und ihr Schulwesen wird nur von außen durch die Alliance und den Hilfsverein der deutschen Juden künstlich auf das notwendige Niveau gehoben. Auf einen Plan gemeinschaftlich unternommenen wirtschaftlichen Aufstieges zur ökonomischen Befreiung ihrer Hunderttaufende von Bettelexistenzen oder gar zur Unterbringung heimatslofer ausländischer Volksbrüder verfallen sie nicht. Und doch wäre gerade hierzu Zeit und Gelegenheit geboten? Anstatt auf Größeres und Fruchtbares zu finnen, absorbieren sie sich in kleinlichem Cliquen- und Jnteressenkampf untereinander. Staatliche Gehaltsergänzung der Rabbiner in Ungarn. Der ungarische Kultusminister Graf Albert Apponyi hat vergangene Woche dem ungarischen Abgeordnetenhause einen Gefetzartikel über die Kongrua der Seelsorger unterbreitet. Da sich die Bestimmungen der Vorlage auch auf die Seelsorger aller rezipierten Religionen erstreckt, so ergibt sich für die Rabbiner folgende Begünstigung : Das Gehalt der Seelsorger mit höherer Qualifikation (8 Klassen des Gymnasiums oder der Realschule wird auf jährlich 1600 Kronen, das Einkommen der Seelsorger mit geringerer Qualifikation (4 Bürgerschulen) auf jährlich 800 Kronen ergänzt. Die Ergänzung der Hilfsgeistlichen erfolgt bis auf 1000, beziehungsweise 800 Kronen. Da die Rabbinatsassesforen und Dajanim bisher nicht als Hilfsgeistliche im Sinne der Kongrua anerkannt wurden, beabsichtigt die orthodoxe Landeskanzlei, diese Anerkennung durchzufetzen, um auf diese Weise die materielle Lage dieser Mitglieder des Rabbinats zu verbesiern. vermischtes. Wien. (Auszeichnungen.) Aus Anlaß des Kaiserjubiläumsfestes wurde Herr kais. Rat Emanuel von Kallberg, Großgrundbesitzer in Karolinental, durch Verleihung des Adels, Herr Fabriksbefitzer Ignaz Glaser in Bürmoos bei Salzburg durch das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien findet Sonntag den 27. Dezember 1908, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, statt. Gegenstand: Fortsetzung der Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der israelitischen Kultusgemeinde Wien, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1909. Wien. (Trauung.) Sonntag den 27. d. M. findet hier die Trauung der Schriftstellerin Fräulein Thekla Blech mit Herrn Dr. Emil Merwin statt. Wien. Der seit 38 Jahren wirkende Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein für Hausarme in Wien, dessen Hauptzweck die Unterstützung armer, alter Frauen ist, beteilt seit sechs Jahren anläßlich des Chanukafestes eine große Zahl seiner Schützlinge mit Kleidern und Biktualien. Auch Heuer wurden 35 alte Frauen reichlich bedacht. Wien. (Vortrag.) Der israelitische Religionslehrerverein „Esra" veranstaltet Samstag den 26. d. M., 6 Uhr abends, in der Religionsschule der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, einen Vortragsabend, an welchem Herr Religionslehrer L. Wiesner über „Die Bibelschule und derUnterrichtanderselben" sprechen wird. Gäste bestens willkommen. Ein jüdischer Theaterabend in Wie«. Ein studentisches Komitee für die Errichtung eines jüdischen Studentenheims in Wien veranstaltet am 27. d. M. im großen Saale des „Hotel Continental" einen Theaterabend, dessen Reingewinn dem Stiftungsfond zufällt. Zur Aufführung gelangen drei Einakter jüdischer Autoren und zwar: „Schwestern" von I. L. Perez, „Roter Schnee" von A. Coralnik und „Der ewige Jude" von D. Pinski. Den Veranstaltern ist es gelungen, ein Ensemble erstklassiger Wiener Schauspieler unter der künstlerischen Leitung des Herrn Egon Brecher zu gewinnen. Karten im Vorverkauf erhältlich bei Kehlendorfer, I., Krugerstraße, Cafe Brammer, IX., Liechtensteinstraße 1; Cafe Marienbrücke, I., Rothenturmstraße; Cafe Jägerhos, IX., Porzellangaffe 32; Cafe Louvre, I., Wipplingerstraße; Cafe Gartenbau, I., Parkring. Ehrung für Oberkantor Josef Singer. Der Oesterreichisch-ungarische Kantorenverein brachte dem langjährigen Präsidenten Herrn Obertantor Singer anläßlich seiner allerhöchsten Ernennung zum kaiserlichen Rate Donnerstag den 17. d. M., abends 6 Uhr eine herzerhebende Ovation dar. Unter Führung des Vizepräsidenten versammelten sich fast sämtliche Kantoren Wiens um die angegebene Stunde in der Wohnung des Präsidenten, woselbst der Vizepräsident in einer überaus warmen Ansprache die Verdienste Singers als Kantor, Schriftsteller und Vereinspräfident schilderte, welche Ansprache zu wiederholten Malen von der Zustimmung der Anwesenden unterbrochen wurde. Der Tenor der Ansprache gipfelte in der Klarlegung der großen Verdienste, die kaiserl. Rat Singer sich um die Wiederbelebung des traditionellen Synagogengesanges erworben, worauf dem Gefeierten eine künstlerisch ausgeführte, in geschmackvoller Enveloppe gehüllte Adreffe überreicht wurde. Nach Verlesung der Adreffe durch den Vereinssekretär brachte Herr Oberkantor M. S ch o r r ein von ihm verfaßtes, schwungvolles hebräisches Festgedicht zur Verlesung, worauf Herr kaiserlicher Rat Oberkantor Singer in bewegten Worten sowohl dem Vereinsvorstande, als den anwesenden Bereinsmitgliedern für die ihm dargebrachte Ovation, wie für die zahlreiche Beteiligung an derselben innigen und herzlichen Dank aussprach und zu gemeinsamer ersprießlicher Arbeit in der Weiterbetätigung des Vereinsintereffes aufforderte. Die Baronin Hirsch Kaiser Jubiläums-Wohttätigkeits Stiftung veröffentlicht nach nunmehr zehnjährigem Bestände einen stati-. stischen Bericht, dem wir nachstehende Daten entnehmen: Die an Unterstützungsbedürftige gewährten unverzinslichen Darlehen beziffern sich auf K 2,119.245.—. Durch die stetig steigende Quote der zumeist in kleinen Raten erfolgten Rückzahlungen (1899 : 38 Perzent, 1908 : 71 Perzent) war es möglich, von Jahr zu Jahr eine größere Anzahl von Gesuchstellern zu befriedigen und einen immer steifenden Betrag dem Stiftungszwecke zuzuwenden. Im Jahre 1899 wurden 920 Parteien beteilt und K 184.022.— an Darlehen verausgabt; im Jahre 1908 konnten 2200 Parteien berücksichtigt und Darlehen im Betrage von X 260.000.— gewährt werden. Außerdem hat die Stiftung in dem gedachten Zeiträume Geschenke im Gesamtbeträge von X 276,815.— und anläßlich des Kaiserjubiläums noch eine besondere Armenspende von K 50.000.— verteilt. Beth-Hamidrasch „Montefiore II., Taborstraße 38. Sonntag abends halb 5 Uhr Vortrag des Herrn Rabbiners Schönfeld: Midrasch-rabba. Mittwoch abends halb 5 Uhr: Psalmen.

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