Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 924 Dk. Llöcd's Moebenscdrikt. Nr. 52 Wien. (Silberne Hochzeitsfeier.) Am 19. d. M. beging der wegen seiner Herzensgüte und seines selbstlosen und hingebungsvollen humanitären Wirkens, sich großer Sympathien erfreuende Herr Karl F r e u n d mit seiner Gattin Marie geb. Taußig das Fest der silbernen Hochzeit. Als Obmann-Stellvertreter der Toynbee-Halle, Vorstandsmitglied der jüdischen Kinderhorte, Beirat des Vereines „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" und Ausschußmitglied des „Oesterreichischeu Kaiser Franz Josefsjubilaums-Seehospizes" ist Herr Freund unermüdlich im Dienste der Nächstenliebe tätig und insbesondere die jüdische Bevölkerung der Brigittenau weiß diesen Mann, der in aller Stille zu helfen bemüht ist, wohl zu schätzen. Bou den vielen Kundgebungen, die dem Jubelpaare zur Silberhochzeit . als Ehrungen zuteil geworden, war die der armen jüdischen Proletarier, welche die Toynbee-Halle besuchen und dort allabendlich nun seit Jahren Herrn Freund wirken sehen, die herzlichste und rührendste. Sie hatten ganz heimlich die Profefsionisten aus ihrer Mitte bestimmt, welche die Halle für den 19. d. M. in Festschmuck kleideten. Ein trefflich gelungenes Bill» des Herrn Freund war über dem Podium angebracht und von dem ältesten Paare aus der Mitte der Toynbee-Hallen- Besucher wurden Herr und Frau Freund zu der improvisierten Feier abgeholt. Gleich edel wie ihr Gatte, wirkt Frau Freund als Ehrendame der Toynbee-Halle und der Kinderhorte, und so ist es klar, daß die Glückwünsche, die aus dem Munde der Veranstalter kamen und die jeden der Anwesenden mit Rührung erfüllen mußten, warm und echt klangen! Möge es dem trefflichen Paare noch viele, viele Jahre gegönnt sein, sich der wohlverdienten Sympathien zu erfreuen, zur Freude und zum Wohle jener, denen ihr Wirken gilt! Jüdische Toynbee-Halle. Sonntag den 20. d. M., nachmittags, fand in der Toynbee-Halle die Chanuka-Kinderjause statt, an welcher 390 der ärmsten Kinder aus der Brigittenau teilgenommen haben. Fachlehrer I. Kühner hielt die Festrede, Lehrer G r o ßman n mit den Zöglingen des Ottakringer Knabenhortes als Chor nahm unter den üblichen Gesängen das Anzünden der Lichter vor. Nach Spiel, Gesang uud Vorträgen wurden die Kleinen mit einer ausgiebigen Jause bedacht und mit Kleidungsstücken, Schulrequisiten, Spielzeug und Süßigkeiten beschenkt. — Abends wurde in überaus würdiger und feierlicher Weise die Chanukafeier für die Toynbee-Hallebesucher abgehalteu, zu welcher, lebhaftest akklamiert, sich der Präsident der israelitischen Kullusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, eingeftmden hatte. Herr Gotthold Friedländer versah die kantorale Funktion und in einer inhallsreichen und schwungvollen Rede erläuterte Rabbiner Dr. Armin Abel es die religiöse Bedeutung des Festes. Nach der „Teepause" — allabendlich wird jedem Besucher Tee und Gebäck unentgeltlich verabfolgt — bildete ein Konzert den Abschluß des Abends. Die vorzüglichen Stimmittel und der verständnisvolle Vortrag des Herrn Friedländer kamen da in Tenor-Arien und Liedern vorwiegend jüdischer Meister zu schönster Wirkung. Lebhaften Beifall erntete Fräulein Stern für ihre trefflichen Darbietungen am Klavier. Wie«—Mariahilf. Die 35. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau findet Mittwoch, den 30. d. M., 7 Uhr abends im Vereins-Cercle VI., Schmalzhofgaffe 3 statt. Wien. «Todesfall.) Mittwoch am 23. d. M. fand auf dem Zentralfriedhof unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis der Frau Eva K i s ch n e r, Gattin des Kantors E. Krsckner, statt. Fast sämtliche Kollegen des tiefgebeugten Gatten gaben der Verstorbenen das letzte Geleite und in Vertretung des Bethausvorstaudes war Herr S. A. W a s s e r v o g e l und namens deS Beamtenkörpers die Amtsleiter Herren Braun und Fi eist adt erschienen. Die kantoralen Funktionen vollzog in erhebender Weise Oberkantor Guttmann unter Assistenz des I. Kantors Jurberger mit dem Gefamtchorpersonal. Rabbiner Dr. Bach widmete der Verblichenen einen tiefemvfundenen Nachruf, am Sarge sprach noch Professor Nascher rührende Abschiedsworte. Mariahilfer Frauen Wohltätigkeits-BereLn. Zur Ehrung des Andenkens seiner seligen Mutter, Frau Cäcilie E i s e n b e r g e r, der Gründerin und langjährigen Präsidentin des Vereines, widmete Herr k. k. Kommerzialrat Max Eisenberger dem Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeits- Verein den Betrag von K 3000.—. Der Vorstand hat nunmehr beschlossen, diesen Betrag als Gründungsfond einer Cäcilie Eisenberger-Stiftung zu verwenden, deren jeweiliges Erträgnis zur Ermöglichung eines Landaufenthaltes armer, erholungsbedürftiger Mädchen oder Frauen dienen soll. Wien. Im Mädchen-Waisenhause der Charlotte Merores-Jtzeles-Stiftunq wurde Sonntag nachmittags eine erhebende Kaiserfeier in Verbindung mit dem Ebanukafeste abgehalten, die einen überaus weihe- und würdevollen Verlauf hatte. Im geräumigen Turnsaale des nach den meisterhaften Plänen des Baurates Stiaßny errichteten Hauies versammelten sich die Kinder um die in einem Blumenbaine postierte Kaiserbüste. Den Beginn der Festlichkeit bildete das Anzünden der Chanuka-Lichter durch ein Mädchen, worauf die stimmbegabten Zöglinge das Lied „Moaus zur leschnossi" zu Gehör brachte»«. Einer auf das Fest bezughabenden Rezitation folgte das Absingen der Rosenfeld'scken Dichtung „O, ihr lieben Lichtelein" in der Vertonung von Josef Herz, worauf die Feier durch eineAnsprache des Rabbiners Dr. Feuchtwang ihren festlichen Höhevunkt erreichte. Mit einem dreimaligen Hoch auf den Jubelkaiser schloß Dr. Feuchtwang seine Ausführungen, denen die Wiedergabe eines patriotischen Chores folgte. Nach einer auf das Fest bezughabenden Rezitation erklangen die Akkorde der Volkshymne, die seitens aller Teilnehmer stehend angehört wurden. Nun wurden die Kinder in ein anderes Gemach geleitet, in welchem ihrer zahlreiche Geschenke harrten, und die freudestrahlenden Gesichtszüge der beteilten Mädchen bildeten wohl die schönsten und ergreifendsten Lichteffekte des gelungenen Abends, dessen Gelingen in erster Reihe der umsichtig ihres Ehrenamtes waltenden Frau Adele von Mises, sowie der durch ihre Tüchtigkeit sich auszeichnenden Direktrice Fräulein Johanna Lehmann zuzuschreiben ist. Unter den zahlreich Erschienenen waren zu bemerken: Präsident Dr. Alfred Stern von der Kultusgemeinde, vom Kuratorium der segensreich wirkenden Anstalt die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemamr, Doktor Felix Katzau und Hofrat a. D. Dr. Benno Nappaport, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, ferner Professor Dr. Guido Adler, Generalkonsul Prumler. die kaiserlichen Räte M. Engel von Janosi, kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak, das gesammte Dämenkomitee, dann die Frauen Charlotte Klinger und Martha Sttaßny. der Anstaltsarzt Dr. Heinrich Haase, der Vorsteher der israelitischen Armenanstalt Wilhelm Pappenheim, die Sekretäre Dr. Emil Adler, Dr. Bern. Frankl, Dr. A. Kaminka und Isidor Pollak u. a. Wien. Das Kaiser-Jubiläumskonzert des „Wiener Synagogensänger-Vereines" findet Samstag, den 26. Dezember halb 10 Uhr abends im „Hotel Post" (I., Fleischmarkt) statt. Die wenigen noch vorhandenen Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Wien. (Akademie des Vereines „Zuflucht".) Das interessante Programm der am 6. Jänner 1909 stattfindenden Akademie des Vereines „Zuflucht", mit dem sich Fräulein Selma Kurz wieder in den Dienst der Wohltätigkeit stellt, hat eine weitere Bereicherung erfahren, indem außer den bereits genannten Künstlern, den Herren Alfred Grünfeld, Demuth und Trefiler, die Mitwirkung des Beamt-Quartetts, des Fräuleins Hostasel und des Herrn Pallenberg gesichert erscheint. Karten bei Gutmann, Frau- Goldschmidt, II., Obere Donaustraße 75, Frau Jda Figdor, I, Gonzagagasse 3, sowie bei allen Vorstandsdamen. Wien. Das Vereinslokal des akadem. Vereines „Jüdische Kultur" befindet sich ab 15. Dezember II-, Schrcygaffe 9, Parterre. Die jüdischen Sprachkurse werden wie früher, jeden Dienstag und Donnerstag von 7-6 bis 7-9 Uhr abgehalten. Wien. („Beth-Hamidrasch Talmud - Torah", II., Malzgasse 16.) Am Freitag den 25. d. M. um 7a8 Uhr abends findet daselbst ein Vortrag von Professor M. Antscherl statt. Thema: Helden in der jüdischen Geschichte. Am Sonntag den 27. d. M., um 726 Uhr abends, findet ebendaselbst ein Vortrag von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang statt. Thema: „Die Kunst des Erzählens in der heiligen Schrift." Gäste willkommen. Am 1. Jänner 1909, um 728 Uhr abends, findet ein Vortrag von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Leopold Gold stein statt. Thema: Raschi's Werke, dessen Leben und Wirken. Wien. Die Chanukafeier des VereinderMattersdorfer in Wien unter Leitung des Obmannes Herrn Dr. Ludwig Breuer versammelte am 19. d. M. in den Sälen des Hotel Guth ein äußerst zahlreiches, distinguiertes Auditoriurn. Der Festprolog (von Nascher) äußerst wirksam von Fräulein Johanna PH illipp