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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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«M 998 Nr. »locb's MocbenscbrM. Nr. 52 Leben, es sind dies nur diejenigen seiner „jüdischen" Werke, die sich in der Ausstellung hier befinden. Rembrandt hat sich — als vermutlich guter Christ — auch mit Bildern und Stichen aus der Bibel beschäftigt. Es ist daher selbstverständlich, daß er seine Stoffe aus der Bibel der Juden ebenso geschöpft hat, wie aus dem Evangelium der Christen. Dennoch begegnen wir unter seinen biblischen Werken in auffallend großer .Zahl solchen, die sich in erster Reihe auf die jüdische Geschichte beziehen. Hierher gehört der, seinem Gemälde „Haman in Ungnade" nachgebildete Kupferstich, ferner der Originalstich „Triumphzug Mordechais". Es ist kaum anzunehmen, daß Rembrandt diese Szenen auf Bestellung der katholischen Kirchen im Bilde.verewigt hätte, wir können vielmehr .annehmen, daß das Zustandekommen dieser Bilder der Bestellung irgend eines wohlhabenden Amsterdamer jüdischen Kaufmannes zu danken ist. Zu dem Kupferstich (Nr. 86) „Jüdische Braut" ist seine frühzeitig verstorbene Frau Saskia van Uylenburg, mit welcher er bis zu dem Tode in achtjähriger glücklicher Ehe gelebt hatte, Modell gesessen. Seine junge Fpau hätte er m verschiedentlichen Bildern verewigt. Diese jüdische Braut ist auch nur eine Variation der Porträts seiner Frau. Es ist aber ein charakteristisches Faktum für die Unbefangenheit RembraNdts den Juden gegenüber, daß er sein geliebtes Weib als jüdische Braut sich kleiden läßt und sie als solche verewigt. Die Zeit nach dem Tode seiner Frau verlebte Rembrandt fast ausschließlich im Amsterdamer Judenghetto. Nach kurzem materiellen Wolleben, nachdem man ihm wegen seiner angehäuften Schulden seine Möbel und Kunstschätze gerichtlich feilgeboten hatte, zog er sich in größter Armut iiffiue jüdische Gasse zurück. Seine glücklicheren, dem Hofe gefälligen Kollegen sahen auf ihn herab und ignorierten ihn, den größten Bahnbrecher der bildenden Kunst, der Schule gemacht,- ein ganzes Reghnmt von Nachahmern und Schülern schuf, aber erst — nach seinem Tode. Es scheint, daß er sich in der JudengMe sÄbst mit christlich-biblischen Stoffen vergebens beschäftigte. Hierfür spricht die Tatsache, daß er gezwungen war, seine mit vielen Figuren gezeichnete Meisterkomposition, das in der Kunstgeschichte berühmte „Hundert- Gulden-Blatt („Jesus heilt die Kranken") nach einer Version für hundert Gulden zu verkaufen. Wer von den späteren Malern Rembrandt am nächsten steht, hierüber sind die Ansichten verschieden. Der größte Teil der Maler der neuesten Zeit anerkennt Rembrandt als den größten Meister. Für alle Fälle aber muß Rembrandt zu den fünf größten Gestalten der Kunstgeschichte gezählt werden. Im Kupferstich aber kommt ihm keiner seiner Rivalen nahe. Sicher ist auch, daß Rembrandt der erste Künstler ist, der jüdische Stoffe gemalt hat. Der erste, der die Juden nicht aus einem antisemitischen Gefühl heraus gemalt hat, auf welches Niveau sich auch zahlreiche Heiligenmaler nicht zu erheben vermögen. Der Jahresbericht -es amerikanischen Handelsministers. Der Handelsminister der Vereinigten Staaten. Oskar Straus, dem auch das Ein- und Auswanderungsressort zugewiesen ist, hat soeben seinen diesjährigen Bericht herausgegeben. Diesem Berichte wurde in Amerika mit Spannung entgegengesehen, weil man eine prinzipielle Aeutzerung über die Frage der Restriktion der Einwanderung, mit deren Anwachsen im Frühjahre wieder gerechnet wird, erwartete. Oskar Strauß wendet sich mit rlller Schärfe gegen jeden Versuch, die Einwanderung durch Verschärfung der betreffenden Gesetze hintanzuhalten. Cr betont, daß Amerika seine Größe gerade den Einwanderern zu verdanken habe, ohne daß Amerika deshalb. der Gefahr ausgesetzt worden wäre, seine nationale Eigentümlichkeit, seinen „Amerikanismus", emzubüßen. Hingegen gibt Oskar Straus zu. daß der sinnlosen Ueberflutung einzelner Großstädte durch die Emigranten in irgendeiner dem Geiste der amerikanischen Gesetzgebung entsprechenden Weise ein Ende bereitet werden müsse. In einem besonderen ausführlichen Abschnitte weist der Minister. nach, daß diese Ueberfüllung einzelner Zentren, sowohl den betreffenden Städten, als auch den Einwanderern große materielle und moralische Nachteile bringe. Dieses blinde Zuströmen zu Plätzen, wo der wenigste Platz vorhanden, habe sich für alle Beteiligten bereits zu einer Katastrophe zugespitzt, und es klingt wie eine ernste Mahnung vor drohender «Gefahr, wenn Minister Oskar Strauß gewissermaßen nach Europa hinüberruft: „Die richtige, gleichmäßige Verteilung der Einwanderer über das ganze Land ist die erste und wichtigste Voraussetzung für die Möglichkeit, das Prinzip der freien Einwanderung einzuhalten!" ... Es ist kein Zweifel, daß dieser wohlmeinende Rat eines guten Freundes zunächst an die Adresse der jüdischen Einwanderer gerichtet ist, deren Ueberflutung der Ghetti von Newport und anderer Industrie- und Handelszentren eine ernste Gefahr geworden ist. Der Handelsminister verspricht, äuch allen .Bestrebungen, die auf eine Aendevung dieser unhaltbaren Zustände gerichtet sind, die weitestgehende Förderung angedeihen zu lassen. Die Juden in der neuen Türkei. Die Juden fehlten bei den Wahlen ins türkische Parlament. Sie waren unsichtbar und unhörbar. Sie haben keine einzige Anstrengung gemacht, sich für den friedlichen Wettkampf zu rüsten, und wie im Schlummer haben sie einige Parlamentsvertreter vom jungtürkischen Komitee geschenkt erhalten, den dritten und letzten in der Hauptstadt. Nicht die Konstantinopeler Judenheit hat sie erstritten, sondern die nichtjüdischen Volkselemente sich ihn gegenseitig abgetrotzt. Weil die Türken keinen vierten Griechen und die Griechen und Armenier keinen sechsten Türken unter den Vertretern der Hauptstadt haben wollten, bewilligten sie einander einen Juden. Und es ist eine tragikomische Ironie, daß hernach eine Gruppe die andere beschuldigte, daß sie keinen Juden habe zulassen wollen, während jede, sich verteidigend, behauptete, es wäre eigentlich ihr Kandidat, den sie den Juden abgegeben hätte. Es ist vollkommen gleichgültig, wer es sein wird, ob er Farraggi, Russo oder Afseo heißt. Der eine sei ein besserer Redner, der andere ein zuverlässigerer Charakter, der dritte ein klügerer Parteimann: es ist gleichviel. Einen Typus, eine Persönlichkeit, eine Sache vertritt keiner. Die Türken haben ihre Märtyrer und Befreier, die Griechen ihre bekannten Vorkämpfer im Patriarchat und der Presse, die Armenier ihre Volksmänner, die Juden niemand. Niemand, weil sie keinen eigenen Gedanken haben. Sie wollen nichts und fordern nichts. Sie wünschen von der Zukunft nur ein Negatives: keinen Antisemitismus. Das ist ihre ganze Politik. Trügt nicht alles, so beginnen die türkischen Juden schon jetzt Mimicry zu treiben. Die „reinen Ottomanen", die „erst Ottomanen" und die „nichts als Ottomanen" machen sich bemerkbar. Die wundersame Einheit des alljüdischen Charakters, oder vielmehr die traurige Einförmigkeit des alljüdischen Golus! Die Emanzipationsepoche. des Westens rollt im türkischen Osten wieder auf. Dabei wäre hier die glänzendste Möglichkeit eigener Entfaltung gegeben. Die Türken kennen keine Assimilation und verlangen sie nicht. Ihr Koran sieht die Erhaltung der religiösen und völkischen Verschiedenheiten vor. Und wenn sie auch chauvinistisch wie je eine Nation ihre Vorherrschaft in dem von ihnen in jahrhundertelangen Kriegen eroberten Gebiet wahren und mit aller Rücksichtslosigkeit behaupten werden, so find sie doch daran

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