Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 52 " Seite ^21 Pr. V!och"s WochrnfttzrM. und seinen vorzüglichen Funktionären zufrieden ist. diene der Umstand, daß die Trauungen in diesem Tempel sehr gerne abgehalten werden. Wenn aber der Verein im Berichtsjahre trotz der großen Sparsamkeit mit einem Gebahrungsdefiüt schließt, so ist das darauf zuruckzuführen, daß im heurigen Jahre die Adaptierung des Wintertempels, die eine notwendige war, viel Geld gekostet hat. In diesem Tempel wird nach streng konservativem Ritus gebetet und der Almemor befindet sich in der Mitte des Saales; es haben somit die streng konservativen Elemente des Bezirkes über die Reformen in unserem Tempel kein Recht zu klagen und ist für die Gründung von Privat-Minjamin im Bezirke kein Bedürfnis. Die gegen den Tempelverein erhobenen Vorwürfe, daß er die Abhaltung des Gottesdienstes in privaten und von der Gemeinde nicht bewilligten Bethäusern nicht zuließ, sind ganz unberechtigt, denn der Tempelverein hat durch die Errichtung von zwei Filialbethäusern während der hohen Feiertage für die religiösen Bedürfnisse des Bezirkes vollkommen vorgesorgt. In diesen Filialbethäusern wurden 300 Sitzplätze gratis ausgegeben, ein großer Teil der übrigen Sitze wurde mit L 2.— berechnet und trotzdem, daß der Verein dafür gesorgt hat, daß würdige Funktionäre den Gottesdienst nach streng konservativer Art verrichten sollen, finden wir noch immer nicht die Anerkennung von gewissen Kreisen im Bezirke, die uns als Reformer verschreien. Bezüglich der Subvention des Kultusvorstandes (dieselbe beträgt bis jetzt K 5000 jährlich) bemerkt Herr Eltbo-gen, -daß sie, wie ja aus dem Berichte deutlich zu ersehen ist» trotz der großen Opfer einzelner Vereinsmitglieder noch immer nicht hinreicht, um unsere Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang zu bringen. Wir haben ein Recht, sagt Redner, vom Vorstande zu verlangen, daß er uns eine entsprechend höhere Subvention bewilligt, zumal ja wir im Bezirke wichtige Agenden, die sonst der Vorstand selber unter weit größeren Geldopfern'besorgen müßte, erledigen. Er wendet sich an den Delegierten des Vorstandes mit der Bitte, für die Erhöhung der jährlichen Subvention einzutreten, und zwar deshalb schon, weil der Tempel im nächsten Jahre eine sehr bedeutende Renovierung erfordert. Auch darüber beschwerte sich der Obmann Herr Eltbogen, daß die Auszahlung der Subvention nicht pünktlich vor sich geht und bittet den Herrn Delegierten, auch diesbezüglich sich im Vorstande für den Verein zu verwenden. Kultusvorstand Herr Adolf Schramek dankt für den überaus freundlichen Empfang und erklärt dann weiter, daß der Vorstand der Gemeinde für den „Tempelverein Brigittenau" mehr tut als für alle andere Tempelvereine von Wien. Er tut das deshalb, weil er von ^dex musterhaften Leitung derselben überzeugt ist und mit Rücksicht darauf, daß dieser Verein in einem der ärmsten Bezirke der Stadt Wien gelegen ist und von den zirka 12.000 Juden dieses Bezirkes nicht sehr viele vorhanden sind, die iu der Lage wären, für ihre religiösen Bedürfnisse selbst zu sorgen. Er verspricht im Vorstande dafür einzutreten, daß dem Temvelverein schon für das nächste Jahr eine höhere Subvention gewährt wird. Dem Obmann dankt er im Namen des Kultusvorstandes, ebenso im eigenen für seine vorzügliche Leitung des Vereines und bittet ihn, auch in Zukunft seine bewährten Kräfte dem Vereine zu widmen. Herr Pollak stellt den Antrag, dem Vorstande für sein ersprießliches Wirken das Absolutorium und den Dank auszusprechcn, welcher Antrag auch einstimmige Annahme fand. Herr Engel macht dem Kultusvorstande den Vorwurf, daß er für ein dem Tempelvereine zur Errichtung. des Tempels geliehenes Geld Zinsen nimmt. Herr Dr. Bloch, der als Gast sich das Wort erbat, erklärt, daß er wiederholt Gelegenheit hatte, den Tempel in der Brigittenau bei verschiedenen Anlässen zu besuchen, und sagt, daß der Vorstand und die Mitglieder des Tempels auf die würdige Abhaltung des Gottesdienstes stolz sein können. Die Predigten sind ausgezeichnet und die kantoralen Funktionen sind nicht minder gut. Kultusvorstand Herr Schramek ergreift nochmals das Wort, um die Vorwürfe des Herrn Engel zu entkräften. Tempelvorstandsmitglied Herr Josef Kohn bespricht sehr eingehend und sachlich die Darlehensangelegenheit und nimmt den Vorstand gegen den Vorwurf, daß er sich von einem Tempelverein Zinsen für ein Darlehen zahlen läßt, in Schutz. Die Minjaminfrage, die gerade , in der Brigittenau so fruchtbaren Boden fand, wurde von ihm gebührend gewürdigt. Herr Josef Kohn machte auch seinen eigenen Vereinsmitgliedern den Vorwurf, daß sie während des Jahres den Tempel viel zu wenig besuchen. Er sagte, „Männer, die eigene Geschäfte besitzen, können und müssen sich die Zeit nehmen, am Freitag abends und Samstag vormittags in den Tempel zu gehen." Der Obmann schreitet sodann zur Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern. die dem Statute nach heuer zur Ausscheidung gelangen, und da er sich selbst unter den Ausgeschiedenen befindet, übergibt er dem Obmann-Stellvertreter Herrn Dr. Ernst Rosenthoj den Vorsitz. Die ausgeschiedenen Herren Hermann Ettboaen, Michael Retter. Dr. Ernst Rosenthal, Dr. Max Weißenstein und Josef Wünsch wurden wiederum gewählt. Der Obmann Herr Eltbogen dankte dann für das Vertrauen, das ihm und seinen Kollegen geschenkt wird und versprach, nach wie vor seine ganze Kraft im Dienste des Tempelvereines zur Verfügung zu stellen. 6 Eine Ausstellung Rembrandtscher Kupferstiche aus dem jüdischen Leben. In Budapest wurde vor Kurzem eine Rembrandt- Ausstellung eröffnet, über welche der jüdische Maler Alfred La kos im „^menloefeg" folgende Würdigung schreibt: ..,; ' Die Persönlichkeit Rembrandts interessiert uns Juden außerordentlich, andererseits hat auch Rembrandt für die Juden außerordentliches Interesse bekundet. Dieser große, echte Boheme, der mit seinem großen Können der Hofmaler mächtiger Könige hätte werden können, verstand es so wenig, seine Kunst zu finanzieren, daß er den größten Teil seines Lebens in den engen Gassen des Amsterdamer Ghettos in ständiger Armut verbrachte, mit Rabbinen Freundschaft schloß, während einer seiner Kollegen und Landsleute, Paul Rubens, zur selben Zeit der Hofmaler und Günstling der Maria Medici, und ein anderer Landsmann und Zeitgenosse van Dyck der bewunderte Maler des Königs Karl I. von England und der höchsten englischen Aristokratie gewesen. Rembrandt hat nlchsdestoweniger seine Kollegen nicht beneidet, obgleich diese von ihm nicht viel hielten. Rembrand hat sich niemals an die vornehmen, hohen Kreise gelehnt. Seine Kunst war ihm viel reiner, als daß er die Sehnsucht empfunden hätte, Vorfälle des Hofes zu verewigen. Der große Rubens nahm keinen Anstand, gleich seinem verewigten Kollegen Tizian, neben seinen Bildern aus Hof- und religiösem Leben auch eine Anzahl pornografischer Bilder zu malen, welche besorgte Väter ihren Heranwachsenden Töchtern kaum zeigen würden. Rembrandt hingegen hat seinen Pinsel niemals zu solcher Arbeit mißbraucht, ohne daß er deshalb der Scheinheiligkeil geziehen werden könnte. — war er einer der größten, fast leichtsinnigsten Bohemiens unter allen Künstlern. Anstatt deflen erhob er — und das galt zu jener Zeit als eine fast unerhörte liberale Kühnheit — die Juden zu einem Kunstthema. Rubens, Tizian und van Dick haben den Juden nur als Judas dargestellt. Brauchten sie eine den Verräter des Begründers der christlichen Religion darstellende Gestalt, so suchten sie ihre Modelle in den Ghetti der verfolgten Juden. Diese päpstlichen und königlichen Hofmaler, wie groß sie auch als Künstler sonst sein mochten, halten sich den Juden eben nur in dieser verächtlichen Rolle denken können. In der Malerei hat Rembrandt die Juden emanzipiert. Er hat die ersten sympathischen Judenbilder gemalt. Er malte die Juden als Gelehrte, Sinnende und Denkende. In diese Kategorie gehören in der Ausstellung die Bilder Nr. 1: „Abbild eines Juden", Nr. 9: „Ein bärtiger Jude" und besonders der wundervolle Kupferstich (Nr. 80), der den Amsterdamer Rabbi Manasse Ben Israel, den Verfasser des „Nischmath Chajim" darstellt, der bekanntlich im Jahre 1657 England den Juden erschloß, den Cromwell so hochschätzte. Königin Christine von Schweden (die „10. Muse") ihren Lehrer und Hugo G r o 1 i u s seinen besten Freund nannte. Es ist das ein erhabenes, ehrwürdiges und wundervolles Bild, dem man es ansieht, daß sein Meister Rembrandt es mit Liebe und Achtung gemalt hat. Hier ist auch das Porträt des portugiesischen jüdischen Arztes Ephraim Bonus aus dem Jahre 1647, „Die Synagoge", ein Kupferstich aus dem Jahre 1648, ferner „Die jüdische Braut", ein nach seinem gleichnamigen Gemälde angefertigter Kupferstich, dessen Original im Besitze des Herzogs von Buccleuch in London sich befindet. Eine interessante Nummer der Ausstellung bildet auch der von C. L. Dcke ausgeführte Kupferstich des Rembrandtschen Bildes „Ein Rabbiner". Die hier angeführten Bilder erschöpfen natürlich nicht alle Schöpfungen Rembrandts aus dem jüdischen