Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 52 Nr. Lwcb's MoedenscdrM. Seite «S reinheit nicht so zweifellos schien. Hingegen war der judenreichste Bezirk, nämlich die Leopoldstadt, sehr stark vertreten. Die Kleine und Große Schiffgasse mit ihren Nebengassen haben alles aufgeboten, um den deutschen Charakter der Stadt Wien zu dokumentieren, und da will man es noch versuchen, unseren rührigen Abgeordneten Dr. Ofner und Hofrat K u r a n d a, die die Repräsentanten dieser Gesellschaft im Parlamente find, das Deutschtum abzusprechen. Als seinerzeit die Juden aus den deutschen Turnvereinen trotz ihrer Bitten und Aufdringlichkeit hinausgeworfen wurden, hat sich in Wien eine wackere Schar von jungen Leuten (Studenten und Privatbeamten) zusammengefunden und gründete den „ersten jüdischen Turnverein", es schlossen sich ihnen alsbald einige, leider noch immer sehr wenige, Bürger an. Der erste jüdische Turnverein verfolgt gar keine politische Tendenz, er will nur die Muskel der jüdischen Jugend stärken, er hat auch nicht, was vielleicht gar nicht so gefährlich wäre, die hebräische Sprache als Umgangssprache eingeführt, das Deutsch, das dort gesprochen wird, kann es mit dem Deutsch, daß Samstag abends im Sofiensaal gesprochen wurde, ruhig aufnehmen. Und nun fragen wir, Juden und Jüdinnen Wiens! Wie lange noch werdet Ihr eine fremde Marke tragen? Ihr bemüht Euch wohl redlich, als Deutsche zu gelten, aber leider vergebens. An diesem Abende habt Ihr gesehen wie Euch die wirklichen Deutschen Wiens behandeln, drum hinaus aus dem „Deutsch-österreichischen Turnverein". Tretet alle, die Ihr das Bedürfnis habt, Eure Muskeln zu stärken (und dieses Bedürfnis soll und muß ein jeder junge Jude und Jüdin haben) in den „ersten jüdischen Turnverein" ein, dort in Eurem eigenen Heime, ohne Unterstützung von einigen nur sehr wenigen „Paradegoims" und getauften Juden, werdet Ihr Euch heimisch fühlen. - Auch der jüdische Turnverein geht daran, sich eine eigene Turnhalle zu errichten, unterstützt durch Euren Beitritt und Veranstaltungen von Geselligkeitsabenden dieses Unternehmen und Ihr werdet Euch dem Gesamtjudentllme zum Danke verpflichten. __ I. Grobtuch. Casare Lomdroso über Unterdrückung der rumänischen Juden. Die Redaktion der „Nova Revista Romana" in Bukarest hat sich an verschiedene hervorragende Italiener um ihre Meinung über die angebliche Bedrückung der Rumänen in Ungarn gewendet. Unter anderem auch an Professor Casare Lombroso. Dieser antwortete wie folgt: „Ich war stets und werde immer bleiben ein unerschütterlicher Anhänger der vollkommenen Freiheit und der weitestgehenden Entwicklungsmöglichkeit aller Nationen und Konfessionen. Während ich nun mit Ihnen die Unterdrückung der Serben und Rumänen verurteile, kann ich nicht umhin, die Unterdrückung und Verfolgung der Ruthenen und Iuden in Rumänien aufs tiefste zu beklagen. Professor Lombroso ist bekanntlich Jude. Der alte Orient und die Anfänge de« zweite« jüdischen Staate«. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Und der wunderbare Ratgeber, der gewaltige Gott, der ewige Vater nennt seinen Namen Fürst des Heiles. Er wird die Herrschaft vermehren, er wird Frieden stiften ohne Ende auf dem Throne Davids und in seinem Königreiche, - er wird ihn aufrichten und ihn befestigen durch Recht und Gerechtigkeit von jetzt bis immer, der Eifer des Herrn der Heerscharen vollbringt dieses." (1—7.) Die Pläne und die Entwürfe Serubabels für die Zukunftseines Volkes, seines Thrones und seines Landes liegen noch in streng verhülltem Dunkel. Niemand weiß, wie dieselben in seinem Geiste sich gestalten und welche Formen sie im Verlaufe der Zeit annehmen werden. Aber das Ansehen, das er bei dem neuen Weltherrscher geniest, die Autorität, deren er sich bei seinen Volksgenossen in Babylon erfreut, verleihen seinem Namen einen Glanz, der weit über die Grenzen der babylonischen Hauptstadt und über den Ansiedelungskreis der Exulanten erstrahlt. Bis nach Judäa reichen die Strahlen dieser Glorie. Die im jndäischen Lande zurückgebliebenen Bauern und Pflanzer, deren Lage trotz mancher agrarischen Vorteile eine ungünstige war, hören in weiter Ferne seinen Namen, hören von seinen Tugenden, von seinem Rechtssinn, von seiner Gerechtigkeitsliebe, vernehmen von Herrlichkeit, die diesem Gerechten zuteil geworden ist. Sie jubeln bei dem Bekanntwerden der Nachricht aus dem Mittelpunkte des Reiches. Sie richten sich einen Augenblick auf in der Hoffnung, daß das im Norden aufgegangene Gestirn bald zu ihnen kommen und mit feinem befestigenden Lichte ihre Wohnungen erhellen wird. Aber noch ist die Zeit nicht gekommen. Sie finken zurück in ihre frühere Mutlosigkeit, beim Anblicke der düsteren, traurigen Gegenwart, welche nur Gräber, Höhlen und Schrecken darbietet. Aber auch das gewaltige Grollen des Donners, welches das Entladen des welthistorischen 'Ungewitters im fernen Nordosten anzeigt, dringt an ihr Ohr, das Krachen des zusammenstürzenden Weltreiches wird vernommen, und aus diesem betäubenden Getöse dringen einige beschwichtigende, beruhigende Töne hervor. Aus dem Chaos von Völkerkämpfen, Völkerschlachten. Völkerringen steigt ein Schimmer der Erlösung hinauf. Noch hat Kyros Babylon nicht erobert, noch ist Serubabel zum Herrscher von Judäa nicht ernannt worden. Als ein Ausdruck dieser Vorgänge und dieser Stimmung dürfte die Prophezeiung in Jesajas 24, 16 — 23 gelten: „Vom Rande des Landes vernehmen wir eine Gesangsbotschaft; Herrlichkeit ist dem Gerechten zuteil geworden. Ich aber spreche, .mir ist es noch ein Rätsel und ein Geheimnis, denn wehe mir, noch üben die Bedrücker Bedrückung. Grauen und Gräben und Fallstricke über dich, Bewohner des Landes. Und wer vor dem Grauen flieht, fällt in die Grube, und wer aus der Grube emporsteigt, verfängt sich in den Fallstricken, denn die Schleusen des Himmels sind geöffnet und es beben die Grundfesten der Erde. Zerschmettert wird die Erde. Zersplittert wird die Erde. Erschüttert wird die Erde. Es wankt die Erde gleich einem Trunkenen und schwankt wie eine Nachthütte, denn schwer lastet die Missetat auf ihr, sie fällt und erhebt sich nicht. Und es geschieht an jenem Tage, da ahndet der Ewige an der Schar der Höhe in der Höhe und an den Königen der Erde auf der Erde.... Und es errötet der Mond und es schämt sich die Sonne, denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem regiert der Herr der Heerscharen und angesichts seiner Aeltesten erstrahlt Herrlichkeit." Das Sehnen der Menschheit, das Hoffen der Bewohner Judäas sollte bald in Erfüllung gehen. Das völkerunterjochende, ungerechte, neubabylonische Reich ging unter und der medo-perfische Stern erschien am Himmel der Weltgeschichte. Die Erhebung des Sprosses Davids wird in nächste Aussicht gestellt, die Ernennung Serubabels zum Herrscher wird verkündet. Die Wiederherstellung des Staates Juda wird von Kyros feierlichst versichert. Dieses dürfte die Prophezeiung in Jeremias 23, 5—7 zum Ausdrucke bringen. „Es kommen Tage spricht der Ewige, da werde ich dem David einen gerechten Sproß erstehen lassen, er wird als König regieren, er wird Erfolge haben, er wird Recht und Gerechtigkeit im Lande üben. In seinen Tagen wird Juda erlöst werden. Israel wird in Sicherheit ruhen, und das ist sein Name, der ihm beigelegt werden wird: Gott ist unser Heil." Eine ähnliche Prophezeiung ist die in Jeremias 33, 14 — 17.