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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 914 Vr. Mocd's MoebenscbrM. Nr. SS S5a fyat in der Vorwoche ein Jubiläum stattfinden können, welches eine Schmach für die Regierung ist. Das „Deutsche Vvlksblatt" ist zwanzig Jahre alt geworden. Es hat de» zwanzigjährigen Triumph der skrupellosen Lüge, der gemeinsten Verleumdung, der niedrigsten Gemeinheit feiern können aus dem zahlreiche blutige Judenexzesse, die Verurteilung Hilsners als besondere Glanzpunkte hervorleuchten. Zweimal an jedem Tag in diesen zwanzig Jahren erschien das Blatt als ein Verbrechen im Sinne des Verhetzungsparagraphen, aber man ließ es ruhig jeden Rechtsstandpuukt beugen, Gewalttaten predigen, die öffentliche Memung vergiften. Man ließ es ruhig bestehen und zur großen Lehrmeisterin werden für eine Menge von kleinem Gezücht, das mit Vergnügen sah, daß die Gesetze ruhig übertreten werden können, das sich aber nicht mit den Juden begnügte, sondern auch die Deutschen so behandelte, oder die Slovenen. oder die Italiener, kurz den großen Hexenkessel schuf, den wir heute im Staate haben und der niemals entstanden wäre, wenn man die Verletzung des Gesetzes im Anfang niemals geduldet hätte. Das mag eine Lehre sein für unsere jetzige Regierung. So jung sie ist, hat sie sich bereits einer schweren Tartüfferie schuldig gemacht. Während sie als Friedensengel mit dem Schwerte zwischen die böhmischen Nationalitäten tritt, kümmert sie sich trotz aller Bitten absolut nicht um Hetze und Boykott gegen die Juden. Man tritt gegen die beiderseitigen Blätter auf und konfisziert sie ohne Erbarmen, wenn sie sich gegen Deutsche oder Tschechen wenden. Gleichzeitig aber klagen die böhmischen Juden über Boykottürtikel der Presse, die niemand beanständet, bringen wir die Interpellation Straucher über ein antisemitisches Organ, das die ganze Bukowina vergiftet, setzen die Preßhyänen im Staate überall ihre Verbrechen fort. Mag das die Regierung nur dulden, mag sie ihr Ohr den jüdischen Abgeordneten und Körperschaften verschließen. Ein halbes Recht ist gar kein Recht, wird den Willen zur Ordnung niemals Hervorrufen. Das Volk macht keine feinen Unterschiede, und wenn man ihmnicht energisch und deutlich zeigt, daß überhaupt jeder Mensch unverletzlich sei in seiner Ehre und Arbeit sowie in seinem Leben, so wird es immer wieder bei seinen Exzessen die Mische Richtung verlassen. Das ist die unfreiwillige Moral des Theaterstückes, in welchem sich jetzt die Regierung friedfertig und boykottfeindlich gebärdet. —y. Die «ene russische Anleihe. Der russische Fiuanzminister hat sich von der Dnma die Bewilligung einer neuen Anleihe geholt. Hätte er die Bewilligung nicht bekommen, so hätte das auch nichts gemacht. Denn die Duma hat eigentlich gar nichts dreinzüreden, ist eine mißachtete, beratende Körperschaft für den maßgebenden Staatsrat, ist ein Kasperltheater für große Kinder, die nach Verfassung schreien nnd sich mit der Komödie im Taurischen Palast zufriedengeben. Aber jetzt wurde sie dazu mißbraucht, durch ihre Bewilligung den ausländischen Bankleuten vorzutäuschen, daß der neue Pump mit Bewilligung und. Anerkennung des Volkes gemacht werde. Die Bewilligung der Duma soll in allen Kassen Europas die Schlüssel eiuöleu.. Es steht also fest, daß wir die stolzen Herren von der Newa, demnächst wieder mit dem Hute in der Hand bei uns sehen werden, und entsteht die Notwendigkeit, das jüdische Publikum jetzt schon ernstlich zu warnen. Denn es ist sonst Jedermanns Privatsache, wie viel von seinem Gelde er den gefräßigen, russischen Schuldenmachern anvertraueu will, aber für den Juden ist es eine gemeinrechtliche Sache des ganzen Volkes und muß von einem höheren Standpunkt aufgefaßt werden, als von dem der Tasche. Es darf nicht wieder geschehen, daß unter Beihilfe von jüdischeu- Finanzleuten und-Privaten die Pogromhelden von Neuem ihre Säcke füllen können. Als das zum letzten Male geschah, da hatten die Schuldigen noch die faule Ausrede, daß die echt russischen Leute für die finanzielle Hilfe seitens des jüdischen Publikums die russischen Juden besser behandeln würden. Diese Verschleierung der Profitgier wird nun nichts mehr nützen. Denn die Versprechungen wurden absolut nicht gehalten. Es finden zwar nicht- Pogroms in großem Umfang statt, sondern nur kleinere Volksfeste mit weniger Toten und geringerer Beute. Aber es ist nur ein Wechsel in der Methode eingetreten. Man gebraucht mehr die stille Folter, läßt die Ausnahmsgesetze in aller Strenge wirken und Elend und Hungertyphus erfüllen dann schon die Herzenswünsche der in Rußland herrschenden Parteien. Es liegen zuverlässige Berichte dafür vor, daß die Drangsalierungen im Ansiedlungsrayon unerträglicher, die Not entsetzlicher, die erzwungene Auswanderung stärker sind als je zuvor. An diesen Zuständen trägt vornehmlich die Re- . gierung selbst die Schuld, welche nach den jüngsten Meldungen hat ausdrücklich verlauten lassen, daß sie die mildere - Behandlung der Juden aufgebe. Darf unter solchen Umständen ein Jude die asiatischen Pharaonen auch nur mit einem Heller unterstützen? Wahrlich, wir verdienen unser trauriges Los, verdienen die tiefste Verachtung der ganzen Welt, wenn wir es täten, wenn wir eines Gewinnes wegen unsere Ehre derart besudeln. Wie sollen schließlich die russischen Machthaber auch nur den geringsten Respekt vor den Juden bekommen, wenn sie sehen, daß sie die inländischen nach Belieben unmenschlich quälen dürfen, ohne die finanzielle Unterstützung der ausländischen zu verlieren? Wie sollen schließlich die Mächte sich unserer Brüder erbarmen, da es doch klar am Tage liegt, daß wir selbst sie im Stiche lassen? Wir gehen zu allen Höfen und Konferenzen der Staaten um Hilfe betteln gegen dieselben Leute, denen wir bereitwillig Geld zur Verfügung stellen, dessen moralische Interessen unsere russischen Brüder mit ihrem Blute zahlen. Den Türken hat man nur einen Titel weggenommen, den Serben nur eine Hoffnung — aber man sehe, mit welcher Wut diese Völker darauf antworten. Wir aber stehen gegen diese Völker am wilden Balkan moralisch himmelweit zurück, wenn wir der russischen Regierung einen Heller borgen. Gerade die Türken zeigen uns jetzt durch ein flagrantes Beispiel, wie selbst ein kleines, aber einmütiges und ehrenhaftes Volk eine Großmacht treffen kann. Sind wir Juden, denn am Finanzmarkt, wo die neue Anleihe der russischen Hordenkommandanten begeben werden solle, ganz ohnmächtig? Der scharfe jüdische Verstand hat sich in der Bankwelt viele leitende Stellen erobert, der fleißige genügsame Jude legt für seine Familie manchen Spargroschen zurück. Sei nun keiner so infam, auch jetzt noch das Motto zu befolgen: „Geschäft ist Geschäft!" Wir sind gewiß gegen jeden gewalttätigen, ungerechten Boykott. Aber dort, wo Boykott der einzig mögliche Protest gegen Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit bildet, gegen Mord und Raub, gegen geistige und körperliche Mißhandlung, dort kann er nicht scharf genug. sein. Die Juden können durch den finanziellen Boykott den russischen Pogromhelden unangenehm werden — verächtlich der, der bei dieser heiligen Sache für schmutzigen Gewinn seinen Brüdern in den Rücken fällt! . — u. Interpellation des Abgeordneten Dr. Straucher und Genossen an die k. k. Gesamtregierun g, betreffend Abhilfe gegen gesetzwidrige Umtriebe. Bekanntlich soll jetzt auch die Bukowina mit einer christlichsozialen Partei beglückt werden. Wie überall, laufen auch, hier die verrufensten und schmutzigsten Elemente zusammen, um sich durch die bewährte Methode des Schimp.fens

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