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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dl*a BIOCll’S Jahrgang XU Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -□- - Wie», 25. Dezember 1908 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Lertarlrkei: „Wenn zwei dasselbe tun". — Eine Theaterstück der Regierung. — Die neue russische Anleihe. — Interpellationen. Vom Jahrmarkt des Lebens: Nachklänge zu den Wahlen in den israelitischen Kultusvorstand. Der antisemitische Offizier. Der „Deutsch-österreichische Turnverein" in Wien. Casare Lombroso über Unterdrückung der rumänischen Juden. — Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Korrespondenzen: Generalversammlung des Tempelvereines Brigittenau. Eine Ausstellung Rembrandtscher Kupferstiche aus dem jüdischen Leben. Eine neue jüdische Kunstzeitschrift. Der Jahresbericht des amerikanischen Handelsministers. Die Juden in der neuen Türkei. Die jüdischen Ackerbaukolonien in Südrußland. Staatliche Gehaltsergänzung der Rabbiner in Ungarn. Moderne Inquisition in Spanien. — Vermischtes: Wien. Ein jüdischer Theaterabend in Wien. Ehrung für Oberkantor Joses Singer. Die Baronin Hirsch Kaiser-Jubiläums-Wohltätigkeitsstiftung. Jüdische Toynbee-Halle. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Wien—Mariahilf. Mariahilfer Frauen-Wohltätigkeitsverein. Chanukafeier im Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Austritte aus dem Judentum. Olmütz. Ung.-Brod. Triesch. Nagybecskerek. — Feuilleton: Um Mitternacht. — Literatur. Briefkasten — Inserate. Oü =OQ? 9tpx0apvti0 fitr tdfc: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller: Für'» Ausland: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gefpat» tene PetitzeUe 24 Heller. OG: 0(P O DG C A. h. Postfparkaffrnamk Sleartng-Verkebr Rr. 810.970. Redattton und Administration: J» len n/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. nO-— -Or An unsere Leser! Mit dem 1. Jänner 1909 tritt die „Oesterreichische Wochenschrift" in das erste Quartal ihres 26. Jahrganges ein. Wir richten an unsere Abonnenten, deren Abonnement Ende Dezember abläuft, die Bitte, dasselbe mittels des beiliegendenPosterlagscheines rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. „Wenn zmei dasselbe tun" — Gin Theaterstück der Regierung. Empörung und Heiterkeit sind die Gefühle, welche jeden Juden angesichts der neuen Maßnahmen der österreichischen Regierung ergreifen müssen. Empörung über die Heuchelei, Heiterkeit über ihre Bestrafung. Im Kampfe der Deutschen und Tschechen in Böhmen hat es in Prag eine Straßenschlacht gegeben und der alte Haß der Parteien lodert in neuen Flammen auf. Dieser Haß sucht nach Betätigung. Er sieht die furchtbare Wirkung des türkischen Boykotts und ahmt ihn nach. Das ist der Regierung mehr als unangenehm. Denn der Boykott ist Feuer in dem deutsch-böhmischen Vulkan, dessen Ausbruch fast noch jedem Ministerpräsidenten den politischen Tod gebracht hat. Da sich nun die Regierung der Einsicht nicht verschließt, daß die Meinung des Volkes weniger aus dem Herzen kommt als aus Redaktionen und Agitationsversammlungen, so schreitet sie gegen letztere mit aller Schärfe des Gesetzes ein, hat ihre Staatsanwälte mobilisiert und diese schwingen ihren dicksten Rotstift, konfiszieren und klagen an, weisen drohend auf den Verhetzungsparagraphen mit seinen strengen Strafen hin. Warum denn erst jetzt? Hat es denn die Regierung mit einer Neuers<^einung zu tun? In hunderten von Füllen wurden ihr Beweise dafür erbracht, daß der Verhetzungsparagraph in der schwersten Weise übertreten wurde, aber sie hat keinen Finger gerührt. Jetzt, wo es sich darum Handels den Bau einer Versöhnungslaube für Landsmannminister nicht stören zu lassen, hat sie sich an die für eine ruhige Entwicklung der Volkswirtschaft und der Gesellschaft überaus wichtige Gesetzesbestimmung erinnert, welche die Minoritäten vor moralischen und materiellen Schäden bewahren soll. Aber als es gegen die Juden ging, durfte der dümmste und moralisch defekteste Kerl, der aus dem Bankerott seines Geistes nur den Antisemitismus gerettet hatte, unbehelligt und unbestraft die ehrenhaftesten und fleißigsten jüdischen Bürger beleidigen, ihre Ehre durch den Kvt schleifen, ihre Religion besudeln, ihren Erwerb in der perfidesten Weise vernichten. Damals ließen die Staatsanwälte denRotstifthinter dem Ohr, den Verhetzungsparagraphen im Gesetzbüchel und die Herren Justizmiuifter gaben den klagenden Juden abgeleierte „beruhigende Versicherungen", au die sie im selben Moment vergaffen, als sie kaum ausgesprochen waren. Was aber ist dadurch herausgekommen? Eine Folge, die wir als die Rache des in den Juden beleidigten Rechtes bezeichnen müssen und die eine unumstößliche Wahrheit für jeden Staatsmann enthält. Das bei Judenexzessen unbehelligt gelassene oder mit äußerster Sanftmut behandelte Volk wurde dadurch ermutigt, auch andere Gefühle als die antisemitischen auf der Straße gewalttätig austoben zu lassen, Die gegen Juden erlaubte Propaganda für den Boykott wurde zu einer eingebürgerten Gewohnheit und mit Selbstverständlichkeit auch gegen andere Volksstämme angewendet. Glaubt die Regierung nicht, daß die Hetzer der böhmischen Nationalitäten sich niemals so weit hervorgetraut hätten, wenn man ihnen schon bei der Hetze gegen die Juden energisch entgegengetreten wäre? Aber diese Hetze war die Schule ihres Rechtsgefühles und ihrer Methode. Die Geister, welche die Regierung von einer Bande politischer Desperados hat rufen lassen, wird sie nun nicht los. Wird sie auch nicht los werden, so lange sie sich bei der Bekämpfung des Uebels mit halben Maßregeln begnügt. Entweder wird man im Staate den Rechtsstaat merken, wird sehen, daß Boykott, Roheit und Gewalttätigkeit überhaupt nicht geduldet werden, oder es wird niemals gelingen, in einem Falle dasselbe hintanzuhalten, was man in einem anderen ruhig zuläßt.

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