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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-18 · 51 (18.12.1908) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 908 Dr. Rlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 51 Dieses Verhältnis dauert sieben Jahre. Unterdes ist langsam eine Verschwörung herangereift, zu dem Zwecke, den König von seinem Zauberbann zu befreien. An deren Spitze stehen der Kanzler des Reiches, Don Alvaro Fanes, und ein alter kastilischer Edelmann, Don Fernando Garcias de Castro. Garcias de Castro ist für milden Vorgang und nur Beseitigung von Rachel. Minister Fanes ist für unbedingte Tötung Rachels und Austreibung der Juden aus dem Reiche. Bei Gelegenheit eines öffentlichen Festes erscheint der König unter dem Volke, im zweiten Wagen hinter ihm Rachel mit Gefolge. Der königliche Zug wird mit Murren empfangen, Rufe erschallen: „Es lebe der König, nieder mit Rachel!" Der König läßt Rachel umkehren und nach Hause fahren und gibt ihr seine Garde zum Schutze mit. Er selbst steigt aus und begibt sich unter die Menge. Garcias de Castro, an der Spitze einer Schar, nähert sich dem König und hält eine längere Rede, worin er dem Könige die Stimmung des Volkes schildert und die Entfernung Rachels verlangt. Minister Fanes unterstützt seine Vorstellung. Der König gibt nach und verspricht die Entfernung Rachels und die Austreibung der Juden. In den Palast zurückgekehrt, vermeidet er eine Begegnung mit Rachel und schickt Garceran Manrique zu ihr, ihr das Geschehene mitzuteilen. Sie nimmt die Nachricht mit einer Zorneswallung auf. Sie trifft dann mit Rüben zusammen, der ganz verzagt ist. Es kommt zu einer Szene zwischen beiden. Sie messen sich gegenseitig die Schuld am Unglücke zu. Rüben wirft ihr ihre Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit vor. Sie wirft ihm seine Habsucht vor, verspottet seine Furchtsamkeit und fordert ihn auf, nun die Macht seiner Kabala zu zeigen, an die er sowohl den König als auch sie selbst glauben zu machen wußte. Rachel läßt nun durch Garceran Manrique den König um eine Abschiedsaudienz bitten. Der König glaubt, ihr dies nicht verweigern zu sollen und empfängt sie im Thronsaale. Rachel erscheint, von Earceran und Rüben geführt, mit tränenden Augen vor dem König, versichert ihn ihrer unerschütterlichen Liebe zu ihm, und bedauert nur, daß er. der König, nicht mehr dieselben Gefühle für sie hege wie früher, und daß er den Gegnern gegenüber nicht mehr Festigkeit gezeigt und sich von ihnen befehlen lasse, statt ihnen zu befehlen. Der König, durch Rachels Erscheinen und Sprechen überwältigt, bereut das Geschehene, sagt, sie soll bei ihm bleiben, beruhigt ihre Besorgnis vor neuen Revolten mit der Bemerkung, daß ein Teil des Heeres, das er für den Feldzug gegen die Mauren zusammenziehe, in der Nähe von Toledo lagert, und heißt sie. sich an seiner Seite zum Throne hinsetzen. Dann läßt er die Türen des Thronsaales öffnen, und die im Vorzimmer befindlichen Personen hereinkommen, um der wieder aufgenommenen Gebieterin zu huldigen. Der König entfernt sich hierauf. Rachel auf dem Thronsitze zurücklassend. Jetzt kommt Minister Fanes in Begleitung von Garcias de Castro, mit dem Verbannungsdekrete in der Hand heran, um es vom Könige ausfertigen zu lassen. Die beiden, die von der Gesinnungsumwandlung des Königs noch keine Ahnung hatten, bleiben starr vor Schrecken, als sie Rachel auf dem Thronsitze gewahren. Sie läßt dem Minister die Papiere, die er in der Hand hat, entreißen, blickt hinein und zerreißt sie vor seinen Augen. Dann kündigt sie ihm seine Entlassung an. Garcias de Castro befiehlt sie, Toledo zu! verlassen und sich nicht mehr in der Stadt zu ziegen.I Rüben und auch Garceran Manrique bitten nun! Rachel, sich zu mäßigen, gegen ihre Feinde Nachsicht zu üben, und zu versuchen, dieselben versöhnlicher zu stimmen. Sie erwidert stolz: Schonung ist das Mittel schwacher Seelen. Ich will zeigen, wie man unter schwierigen Umständen Hindernisse bemeistert. Sie läßt alle Waffenvorräte in Toledo ausheben. Sie bildet eine, aus Nichtkastilianern bestehende Palastwache. Sie trifft Vorbereitungen, um den König in den Feldzug zu begleiten. Die Verschwörung gegen Rachel nimmt unterdes ihren Fortgang, im Geheimen, aber desto intensiver. Hauptsitz derselben sind die Klöster der Mönche. In den Kirchen werden geheime Waffenlager errichtet. Die Verschworenen kommen verkleidet nach Toledo und halten ihre Versammlungen in Kirchen und Klöstern ab. Der gewesene Minister Alvaro Fanes, der Leiter der Verschwörnng ist beim Erzbischof versteckt. Endlich wird bei einer Versammlung der Verschworenen im Dominikanerkloster beschlossen, die Abwesenheit des Königs von Toledo während einer Jagdpartie zur Ausführung des Streiches zu benützen. Am Tage des Jagdausfluges des Königs versammeln sich die Verschworenen in den verschiedenen Kirchen, wie zum Gottesdienste. Sobald der König und sein Gefolge die Stadt verlassen haben, wird von der Kathedrale aus ein Signal gegeben, worauf in sämtlichen Kirchen die versteckten Waffen hervorgeholt und die Verschwörer bewaffnet werden. Ein Teil besetzt die Stadttore, die von der Kathedrale ziehen gegen den Königspalast. Die Palastwache wird überrascht und nach geringem Widerstand entwaffnet. Beim ersten Lärm und Entwaffnung der Palastwache beauftragt Rachel Garceran Manrique, sofort den König zu benachrichtigen und die in der Nähe der Stadt lagernden Truppen hereinzuschicken. Garceran tut als ob er den Auftrag vollführe, geht aber verräterischerweise zu den Verschwörern über. Rachel selbst will sich einstweilen in den festen Turm des Palastes zurückziehen und dort die Rückkunft des Königs abwarten. Aber die Verschworenen haben dies vorausgesehen, und als Rachel in den Turm sich begeben will, findet sie den Eingang von vier bewaffneten Geistlichen besetzt. Nun erkennt sie die Größe der Gefahr. Sie durcheilt die Räume des Palastes und begegnet überall teils erschreckten, teils gleichgültigen Gesichtern, nirgends aber freundlichen Blicken. Sie sieht, daß sie ganz verlassen ist. Garcias de Castro, der einen Mord vermeiden will, sucht in diesem Momente Rachel auf, und erbietet sich, sie durch einen geheimen Gang aus dem Palaste zu führen, um ihr Leben zu retten. Rachel hält dies für eine Falle, um sie im Geheimen zu ermorden. Garcias beteuert, daß er einer so niedrigen Gesinnung unfähig sei. „Ich sehe, daß ich. im Irrtum war. sagt hierauf Rachel, aber ich besitze hinreichend Mut, lieber mein Leben zu verlieren, als es dir verdanken zu müssen." Sie wendet ihm stolz den Rücken und läßt ihn erstaunt und bestürzt allein. Sie durcheilt noch mehrere Räume und gelangt so in den Thronsaal. Daselbst trifft sie Rüben unter einer Bank versteckt, mit dem Gesichte nach unten. Die wilden Schreie der Menge dringen bereits von allen Seiten heran. Ich bin verloren, ruft sie aus, aber ich will würdig sterben! — Sie setzt sich auf den Thronsitz und bleibt dort sitzen. Alsbald gelangt die sie suchende Menge zum Thron- , saale. und dringt hinein. Beim Anblick von Rachel, ^.stolz und schweigend auf dem Throne sitzend, ertönt 'Dein wütendes Geschrei und Hunderte von Dolchen blitzen gint der Lust, aber keiner.will der erste sein, an ein Weib ^^Hand anzulegen.

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