Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Gerte 902 Nr. »locb's Mocdenscvrltt. Nr. 51 Zwanzigjähriges Jubiläum einer jüdischen Kaiserin Elisabeth-Loge. Wie aus New-Dork berichtet wird, hat dort Ende des vorigen Monats die Jubiläumsfeier des zwanzigjährigen Bestandes der Kaiserin Elisabeth-Loge vom Unabhängigen Orden B'rith Abraham in solenner Weise stattgefunden. Jedes der 400 weiblichen Mitglieder der Loge, die mit der Präsidentin Frau Samuel Sommer am Feste teilgenommen hatten, erhielt zum Andenken an das Fest eine Goldnadel mit dem wohlgetroffenen Miniaturbilde der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich. Die Festreden, die sich fast alle mit dem Anteile der verstorbenen Kaiserin an der fortschrittlichen Bewegung in Oesterreich beschäftigten, wurden von den Herren Max Stern, M. L. Holländer und Frau Johanna Posen gehalten. Israelitischer Humanitäts Verein für die westlichen Bezirke Wiens. Dieser Verein beging am 10. Dezember d. I. die Feier seines vierzigjährigen Bestandes. Gegründet im Jahre 1868 von den verewigten Herren Aron Baumgarten, Moses Feßler, Moritz Knepler, Josef N e u h ö f e r und Michael Winkler, beschränkte der Verein in den ersten Jahren seine Tätigkeit auf die Verabreichung einmaliger oder periodischer Unterstützungen an Arme, wozu dann 1876 die Bekleidung armer Schulkinder trat. Der erste Präsident des Vereines Herr Josef Neuhöfer amtierte bis 1883: nachdem Herr Adolf P o l l a k ein Jahr lang das Präsidium geführt patte, übernahm der um den Verein hochverdiente Herr Michael Winkler die Leitung. Unter seiner Führung wurde 1885 der segensreich wirkende Freitisch für arme Schulkinder errichtet, an dem in den letzten Jahren auch Lehrlinge und Praktikanten teilnahmen. Im Jahre 1893, starb tiefbetrauert von allen Mitgliedern und zahllosen Armen, denen er ein Wohltäter gewesen war. der Präsident Michael Winkler. An seine Stelle trat der durch seine jüdische Gelehrsamkeit ausgezeichnete Herr Moses Feßler, der mit zärtlicher Fürsorge an dem Humanitätsverein hing und bis zum letzten Atemzuge diesem Ehrentitel oblag. Nach seinem Tode (1898) wurde der noch jetzt fungierende Präsident Herr Dr. Karl L ö w y gewählt. Die Feier des vierzigjährigen Bestandes wurde durch eine intime Feierlichkeit im Freitischlokale des Vereines eingeleitet. Für dieses Lokal, welches bereits durch die Bildnisse der früheren Präsidenten Winkler und Feßler geschmückt ist, widmeten die Vorstandsmitglieder nunmehr auch ein gelungenes Porträt des gegenwärtigen Präsidenten Herrn Doktor Löwy. Der Vizepräsident Herr Dr. Ludwig Land-au übergab mit einer herzlichen Ansprache das Bild der Freitischinstitution, worauf der Präsident in bewegten Worten dankte und seine Kräfte dem Vereine gerne weiterhin zu widmen versprach. Diesem Akte folgte die Bescherkung von 60 armen Kindern mit warmer Winterkleidung. Auch an die Kinder richtete der Präsident einige Worte, in denen er ihnen die Bedeutung der heutigen Jubelfeier des Vereines vor Augen führte. Um 7 Uhr Abends fand im Sitzungssaale des Tempelvereines, VI., Schmalzhofgasse 3, die 41. ordentliche Generalversammlung statt, welcher zahlreiche Mitglieder beiwohnten. Als Vertreter des israelitischen Kultusvorstandes war Herr Kultusvorsteher Samuel Steiner erschienen, den israelitischen Tempelverein vertrat der Gesamtvorstand mit dem Präsidenten Herrn Dr. Jakob Engel an der Spitze, den Frauen-Wohltätigkeitsverein Frau Präsidentin Frida Strauß und Frau Dr. Engel, ferner befanden sich unter den Anwesenden das Ehrenmitglied des Vereines Herr Dr. I. S. Bloch, der Rabbiner des Bezirkes Dr. D. T a g l i ch t. Besonders freudig begrüßt wurde auch das einzige, noch lebende Mitglied des ersten Vorstandes Herr Philipp Naschitz. Nachdem der Präsident Herr Dr. Karl Löwy alle Erschienenen und besonders die soeben namentlich. Erwähnten auf das Herzlichste begrüßt hatte und das Protokoll der letzten Generalversammlung verifiziert worden war, ergriff Herr Kultusvorsteher Samuel Steiner das Wort und erklärte, daß der Kultusvorstand dem Vereine die wärmsten Sympathien entgegenbringe und ihn zu dem Jubliäum auf das Herzlichste beglückwünsche. Der Präsident Herr Dr. Löwy dankte für diese liebenswürdigen Worte, bemerkte jedoch, daß er, so angenehm ihm die Anwesenheit des Herrn Steiner als Repräsentanten der Kultusgemeinde sei, bei dem heutigen Anlasse eine stärkere Vertretung derselben erwartet hätte, als durch Herrn Vorsteher Steiner, den wir ohnehin zu den Mitgliedern unseres Vereinsvorstandes zählen. In dieser Bemerkung erblickte Herr Steiner eine persönliche Beleidigung und entfernte sich aus der Versammlung, ohne daß es den zahlreichen Teilnehmern, die ihm nachgeeilt waren, gelungen wäre, ihn zurückzuhalten. Der Präsident sprach sein lebhaftes Bedauern über diesen Vorfall aus, da er Herrn Kultusvorsteher Steiner persönlich schätze und nicht kränken wollte, erklärte jedoch neuerlich sein Befremden über das Verhalten des Kultusvorstandes, der die Bezirksvereine, welche Aufgaben auf sich nahmen, die eigentlich in den Pflichtenkreis der Kultusgemeinde gehörten, in so geringschätziger Weise behandle. Der Kultusvorstand solle darin beizeiten Wandel schaffen, bevor ihm solche Vorwürfe von der Opposition gesagt würden. (Lebhafte Zustimmung.) Sodann erstattete der Präsident Herr Dr. Löwy den Rechensckaftsbericht des Vorstandes, Herr Hermann König den Kassebericht, Herr Hermann Liebermann den Bericht der Revisoren, worauf dem Vorstande einmütig das Absolutorium erteilt wurde. — In einer überaus herzlichen Rede feierte Herr Dr. Engel den jubilierenden Verein. Herr Ignaz Fröhlich, das langjährige Vorstandsmitglied, der wegen Kränklichkeit resigniert hatte, wurde von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Die aus dem Vorstande turnusgemäß ausscheidenden Herren Dr. Ludwig Landau, Hermann König und Samuel Steiner wurde einstimmig wieder-, die Herren Doktor Maximilian S a x l und Adolf Hirsch neugewählt. Ebenso wurden die Revisoren Herren Hermann Liebermann und Ernst Schüller wiedergewählt. — Zum Schluffe der Generalversammlung stellte Herr B a r k a n den Antrag, ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser abzusenden. welcher Antrag unter lebhafter Zustimmung einstimmig angenommen wurde. An die Generalversammlung schloß sich ein Festbankett im Restaurant Golden, welches einen sehr animierten Verlauf nahm und durch zahlreiche ernste und heitere Trinksprüche gewürzt wurde. Herr Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t beleuchtete in seiner in Form und Inhalt trefflichen Predigt, während des Freitag- Abendgottesdienstes am 11. d. M. das 40 jährige Jubiläum des Vereines; zu diesem Gottesdienste hatte sich auch der erste Sekretär der Kultusgemeinde, Herr kais. Rat Dr. Lieben, eingefunden. Trauerfeier für den verewigten Lektor M. Friedmann. Der Wiener „Beth - Hamidrasch-Verein" veranstaltete Sonntag den 13. d. M. abends im Vortragssaale des Beth- Hamidrasch eine Trauerandacht für den Heimgegangenen Lektor Meyer F r i e d m a n n. Unter den erschienenen Trauergästen bemerkte man außer der Witwe, den Söhnen und Töchtern des verewigten Gelehrten den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vorstandsmitgliedern Dr. Alfred Spitzer und Adolf S ch r a m e k, nahezu sämtliche Rabbinen Wiens, Rektor Dr. Schwarz, Prof. Dr. Sam. K r a u s z, I. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Adler, Amtsleiter Braun und F r e i st a d t, Vorsteher des Beth-Hamidrasch-Vereines Gottlieb Bettelheim, Vorsteher des Vereines zur Unterstützung Kurbedürftiger Doktor Isidor B r a u n, der Vorsteher der Armenanstalt M. A. P o l l a k, u. a. Die Gedenkrede hielt über Ersuchen des Bereinsvorstandes Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. Es war ein Hesped in altem