Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 901 Nr. 61 Vr. Mocd's Mocvenscdnn sehen des Vorstandes auf diese Weise kompromittiert, sofort zu amovieren. Von einer Befristung könne aber auch schon deshalb keine Rede sein, weil man nicht vorher wissen könne, welche Gegenstände vorliegen, die einer dringenderen Behandlung bedürfen, die Arbeitskraft des Vorstandes absorbieren und die Vertagung anderer Gegenstände herbeiführen müssen, und man mich des Wortbruches zeihen würde. Ich fügte diesen Erklärungen als meine rein Persönliche Meinung hinzu, daß ich überhaupt paragraphenweise detaillierte Programme für den Vorstand für etwas halte, was keinen rechten Sinn habe. Ich könne mir allerdings vorstellen, daß man dem Vorstande eine bestimmte Richtung im allgemeinen empfehlen wolle, so beispielsweise, daß der Vorstand entweder einen konservativen oder einen liberalen Standpunkt einnehme u. s. w. Auch find Herren, welche auf ein Programm kandidiert werden, oft nicht in der Lage, dieses einzuhalten, weil ste bei genauer Kenntnis der Sachlage, die ihnen ja naturgemäß früher fehlte, einsehen müssen, daß die Durchführung gewisser Forderungen unmöglich ist. Zum Schlüsse will ich noch eines erwähnen. Es wird behauptet, daß ich erklärt habe, „ich würde gerade solchen Mitgliedern des Kultusvorstandes, die sich auf ein derartiges Programm haben verpflichten lassen, weniger Einfluß einräumen". Ich stelle es jedem frei, über meine Geisteskräfte zu denken, was er wolle, aber für so dumm dürfen Sie mich nicht halten, daß ich als Präsident derartiges versuchen oder eine derartige Aeußerung, oder auch nur eine ähnliche abgeben würde. Endlich bitte ich noch, zu genehmigen, daß folgende Ihnen wohlbekannte Urkunden ad perpetuam memoriam als Beilagen dem Protokolle der heutigen Sitzung beigeschlossen werden. 1. DieMonatsschriftderOesterreichisch-JsraelitischenUnionNr. 11 vom November 1908, in welcher meine angeblichen Aeußerungen in der vom Präsidium der Union gegebenen Darstellung enthalten sind. 2. Meine in der „Österreichischen Wochenschrift" vom 20. November 1908, Nr. 47, enthaltene Erwiderung auf diese Darstellung. 3. Die Erklärung der Union, in der „Neuen Freien Presse" von Samstag den 21. November 1908. 4. Die Gegenerklärung der Herren M. Baum, C. Bettelheim, Dr. Camill Kraus, Johann L i ch t e n st a d t und Dr. Josef W i n t e r n i tz in der „Neuen Freien Presse" von Sonntag den 23. November 1908. In der vertraulichen Sitzung gelangen diverse Steuerangclegenheiten und Personalien zur Erledigung. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Die Kaiserhnldigungsfeier der jüdischen Kinderhorte. Seit etwa drei Jahren besteht in Wien der unter der Patronanz des Vereines „Eintracht B'nai B'rith^ begründete „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder", dessen rasche Entwicklung den schönsten Beweis für das eminente Bedürfnis bekundet, welchem diese Institution angesichts der stetig zunehmenden Verrohung und Entsittlichung der Schuljugend entspricht. — Mit der Ausnahme von 30 Schützlingen in den Knabenhort im XX. Bezirke hat der Verein seine Tätigkeit begonnen und derzeit stehen fünf Horte mit fast 300 Schutzbefohlenen im Betriebe dieses Vereines. Die Fürsorge, welche diesen Kindern zuteil wird, ist eine umfassende, denn durch Kooperation mit den anderen jüdischen Kinderfürsorge-Jnstitutionen wird nebst der pädagogischen Erziehung für dieselben auch die Verköstigung, Bekleidung und Unterbringung in Ferienkolonien erwirkt. Gerne und zahlreich sind die Gönner und Mitglieder des Vereines der Einladung gefolgt, welche die rührige Vereinsleitung zu der am 8. d. M. im Lehrerhausvereine stattgehabten Kaiserhuldigungsfeier ergehen ließ. Nach der Begrüßungsansprache des Vereinspräfidenten Dr. S. S a m u e l y hielt das Vorstandsmitglied Waisenhausdirektor Alexander Hecht die Festrede, in welcher er den Kindern in tief zu Herzen dringenden Worten den bedeutungsvollen Anlaß der Feier darlegte. — Daran schlossen sich nun die trefflichen Gesangsvorträge und Rezitationen der Hortzöglinge und orchestrale Darbietungen der Zöglinge des Baron Springer schen Knabenwaisenhauses. Das sorgfältig und mit Geschmack arrangierte Programm fand lebhafteste Anerkennung, die sich noch steigerte, als die Gäste die in den Nebenräumen exponierten Hvrtarbeiten der Zöglinge in Augenschein nahmen, Handarbeiten der Mädchen, Zeichnungen, Holzschnitzereien und Papparbeiten der Knaben. — Nicht unbemerkt blieb aber auch das artige, wohldisziplinierte Verhalten der Kinder während des ganzen Verlaufes der Feier, die mit der Bewirtung und Beschenkung der Schützlinge ihren Abschluß fand. — Das sechzigjährige Regierungsjubiläum des Kaisers hat aber noch zu einer weiteren Aktion des Vereines Anlaß geboten. Ein „Jubiläums-Horterrichtungsfond" wird aufgebracht, der, getreu den edlen Intentionen des Monarchen, noch in späteren Tagen Kunde geben soll von jüdischer Nächstenliebe und Opferwilligkeit. Für diesen Zweck sind bereits 12.000 Kronen an Zuwendungen erfolgt, wovon 10.000 Kronen aus Spenden im Vereine „Eintracht B. B." gewidmet wurden. Der Sitz des Vereines befindet sich IX., Univerfüätsstraße 4. Mögen die wahrhaft ethisch-humanitären Bestrebungen dieser Institution zahlreiche Gönner finden, damit sie sich weiter entfalte, zum Besten unserer Zukunft, unserer Jugend! * * * Der Wiener Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hielt sein Kaiserfest im israel. Tempel, IX., Müllnergasse, in Anwesenheit des gesamten Vorstandes und der Zöglinge. Die Festrede hielt Herr Prof. A n t s ch e r l. Im israel. Tempel „B e t h Israel" wurde, wie alljährlich seit dem Jahre 1898, im Anschluß an das Kaiserfest, ein armes Brautpaar ausgestattet und getraut. * * * In Lobositz erschienen am Kaiserfeier im Tempel der Bürgermeister, die Stadtvertretnug, die Vertreter des Bezirksgerichtes, des Steneramtes, des Grundbuches, der Poü, der Polizei, der Gendarmerie und sämtlicher Wohlfahrtsvereine, sowie die Direktoren der beiden Volks- und Bürgerschulen II. v. A. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Salomon Frankfurter. In Jglau hatte sich zur Kaiserfeier im Tempel nahezu die gesamte Stadrbevölkeruug eingefuuden. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Unger hielt die Festpredigt. In Freiwaldau hrben sich zur Kaiserfeier im israelitischen Tempel der Bürgermeister Klein und die Stadträte, Vertreter der k. k. Bezirkshauptmaunschaft und Schuldirektion eingefunden. Herr Rabbiner Dr. Rudolfer hielt die Festpredigt. Kaiserhnldigungsfest. Das Kaiserfest im festlich beleuchteten Tempel des Bethausvereines in Orlau fand statt in Anwesenheit der Gemeindevertretungen von Orlau, Lazy, Dombrau mit ihren Bürgermeistern, des hochw. evangelischen Pfarramtes, des k. k. Gendarmeriekommandos, des Lehrkörpers der diversen Schulen, Vertreter des Steinkohlenbergbaues Orlau-Lazy re., der freiwilligen Ortsfeuerwehr, endlich der k. k. Militär- Veteranenvereine, welch letztere zwei Vereine im Vorgarten Aufstellung nahmen, der Ankunft des Herrn k. k. Bezirkshauptmannes Ritter Jasa v. Bobowsky aus Freistadt harrend. Der Herr Bezirksbauptmann kam in Begleitung des Amtsvorstandes, wurde vom Obmann Herrn S. Blumenthal begrüßt und in den Tempel begleitet. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Tr. Mehrer. Der Festgottesdienst war ein beredtes Zeugnis für die in dieser Gegend herrschende konfessionelle Eintracht. Czernowitz. Vergangene Woche wurde hier in einer Versammlung über das Thema „Sozialpolitik in der Bukowina" debattiert. Vorsitzender war Prosessor Dr. Kellner. Referent Pros. Dr. Ehrlich erklärte, daß die Judenschast der Bukowina dem wirtschaftlichen Ruine entgegengehe, wenn nicht an eine gründliche Reform der bestehenden Verhältniffe geschritten wird. Redner erklärt, daß ein großer Teil der Bukowinaer Juden einen speziellen Beruf habe. Wenn man einen solchen fragt, was denn seine Beschäftigung sei, meint er: „er dreht sich." (Heiterkeit.) Die Debatte, an der sich mehrere Redner beteiligten, umfaßte zwei Punkte: Die Bauernfrage und die Judenfrage. i 1 I i i <