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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-18 · 51 (18.12.1908) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 61 Mr» ÄiöCD'g MLHeVLRscontt« Seite 903 Stile, mit einer Fülle geistreicher Bemerkungen und eingeflochtener treffender Erläuterungen verschiedener Bibel- und Talmudstellen. Anknüpfend an Baba mezia 59 und Rosch haschana 25 zeichnete der Oberrabbiner ein Lebensbild, den Charakter und die literarische Eigenart des Verewigten, entwickelte die Bedeutung seiner Editionen und Kommentare für die jüdische Wissenschaft, schilderte die unvergleichliche Kunst seiner Lehrvorträge, welche Jung und Alt gleichmäßig fesselten. Dabei war er von einer rührenden Bescheidenheit, anerkannte und förderte er willig jede fremde Leistung, hielt sich gerne in dem umgrenzten Gebiet, auf dem er als Meister herrschte, vermied es streng, die Grenzen dieses Gebietes zu überschreiten. Mit der Geschichte des Wiener Bcth- Hamidrasch wird der Name Friedmann unlöslich verknüpft bleiben, und so lange jüdisches Wissen Jünger und Pfleger finden wird, die Werke Friedmanns Gegenstand des Studiums sein werden, so lange wird sein Andenken nicht verschwinden aus den Hallen jüdischer Lehrhäuser. Herr Oberkantor G u t t m a n n rezitierte sodann mit seiner wunderbaren Stimme das Dl moto raobamiw, woraus der greise Präsident des Beth- Hamidrasch Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l das Kaddischgeöet vortrug. Baronin Hirsch-Kaiserjubiläums-Wohltätigkeits- Stiftung. Zum zehnjährigen Bestände der Baronin Hirsch-Kaiserjubiläums-Wohltätigkeitsstiftung, die am 2. Dezember 1898 gegründet wurde und zugleich als Kaiserjubiläumsfeier galt, gab der Präsident des Kuratoriums Herr Guido E l b o g e n im „Hotel Metropole" persönlich ein Bankett, zu dem etwa siebzig Gäste erschienen waren. Der Gastgeber brachte einen sinnvollen und begeisterten Toast auf den Kaiser aus. Kaiserlicher Rat Wiener hielt eine von Wärme erfüllte Gedenkrede auf Baronin Hirsch. Namens der „Rechercheure" — angesehener Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reiches — hielt Oberlandesgerichtsrat Dr. S p i tz k o p f einen mit Enthusiasmus aufgenommenen, gehaltvollen Trinkspruch auf das Kuratorium der Stiftung, in dem er, dessen humanitäre Wirksamkeit rühmend, zugleich der hochbeglückenden Anrede gedachte, mit der der Kaiser an die Huldigungsdeputation der israelitischen Kultusgemeinde die Worte richtete: „Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun." Univerfitätsprofessor K ö n i g st e i n toastierte auf das verdienstvolle Bureau der Stiftung. Komotau. (Verbot der Teilnahme eines k. k. Lehrkörpers bei einer Jubiläumsfeier.) Wie überall, fand am Dienstag den 1. Dezember auch in unserer Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei welchem außer der von Herrn Rabbiner Dr. Krakauer gehaltenen Festpredigt und von dem von Herrn Oberkantor Max F r i e d l mit dem Tempelchor gesungenen „Königspsalm" von Lewandowsky auch eine vom Direktor der hiesigen k. k. Lehrerbildungsanstalt gedichtete und vom Musiklehrer derselben Anstalt vertonte „Jubelhymne", welche vom Unterrichtsministerium sämtlichen höheren Lehranstalten zur Aufführung empfohlen und durch die Aufnahme in die k. u. k. Familienbibliothek ausgezeichnet wurde, zum Vortrage gebracht wurde. In Anbetracht der patriotischen Veranlassung dieser Feier ersuchte der Komponist der genannten Jubelhymne mehrere Frequentanten der k. k. Lehrerbildungsanstalt um ihre Mitwirkung bei der Aufführung der Chöre, wobei er bemerkte, daß er es jedem einzelnen freistelle, mitzuwirken oder nicht, und daß er auf niemanden einen Einfluß ausüben wolle. Infolgedessen meldeten sich 12 Hörer, mit welchen — gemeinsam mit dem Tempelchor — die Proben abgehalten wurden. Wie bemerkt, war der Festgottesdienst für Dienstag den 1. Dezember, und zwar für 5 Uhr nachmittags angeordnet. Zu aller Ueberraschung erhielt der Vorstand gegen Mittag des genannten Tages die Mitteilung, daß infolge Konferenzbeschluffes des Lehrkörpers der Anstalt, also des Lehrkörpers einer k. k. Lehrerbildungsanstalt, einer Anstalt, deren Lehrkräfte doch k. k. Beamte sind und k. k. Uniform tragen, den Lehramtskandidaten verboten wurde, an dieser Feier, die doch weder einen religiösen noch einen nationalen oder anderen politischen, sondern einen rein patriotischen Zweck hatte, mitzuwirken. Da eine Begründung dieses höchst sonderbaren Verbotes nicht erfolgte, ist man sich hier nicht darüber klar, ob dieses Verbot auf pädagogische, sittlich-religiöse, antisemitische, antipatriotische, klerikal-unduldsame oder andere Gründe zurückzuführen ist. Mit Rücksicht darauf nun, daß in den ausgegebenen Programmen zu dieser Feier, die zum Vortrage gebrachten Gesangsstücke als gemischte Chöre angeführt wurden, der Tempelchor aber nur zweistimmig ist, mußte den Festteilnehmern diese Aenderung der Chöre bekanntgegeben werden, was selbstverständlich bei den meisten derselben lebhafte Verwunderung hervorrief. Wir betonen ausdrücklich, daß dieses Verbot nur bei den meisten und nicht bei allen Teilnehmern Verwunderung hervorrief, denn unter denselben befanden sich außer den Herren Exzellenz FML. Ficker, Oberstleutnant Rosenberg, Major v. M a s ch k a mit Osfiziersdeputationen der Garnison, Bezirkshauptmann Doktor Czerny, Oberfinanzrat Meder, Landesgerichtsrat Graß. Postamtsdirektor Lust, Bezirksobmann I. U. Dr. K u g l e x mit dem Stellvertreter Domänendirektor Welz. Bürgermeister Schiefer, evangelischer Pfarrer P i e s ch nebst anderen Vertretern sämtlicher k. k. Behörden, des k. k. priv. Schützenkorp?. der beiden Veteranen- und beiden Feuerwehrvereine, des Patriotenvereines u. v. a., auch drei Vertreter der k. k. Lehrerbildungsanstalt. während wir von den anderen hiesigen Schulanstalten nur einen einzigen Oberlehrer bemerkten. — Und dies alles in einer Zeit, in welcher das so viel gebrauchte Schlagwort von der „freien Schule" die Tagesordnung beherrscht. Wie stellt man sich wohl diese „freie Schule" vor, wenn an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt derartige Verbote erlassen werden?! Budapest. (Ein jüdischer Bürgermeister.) In der ungarischen Magistratsstadt Lubkö wurde vorige Woche unter dem Vorsitze des Vizegespans in außerordentlicher Repräsentantensitzung der jüdische Advokat Dr. Bela Klein einstimmig zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Dr. Klein ist seit vielen Jahren städtischer Anwalt der Stadt Lublü und hat sich um das Aufblühen derselben große Verdienste erworben. Eine interessante Rabbiner-Jubiläumsfeier. Vorige Woche feierte der greise Rabbiner von Z a l a - Egerszeg in Ungarn Israel Engelsmann sein 50jähriges Rabbinerjubiläum. An der Feier haben die Vertreter aller lokalen und staatlichen Behörden, der Lehranstalten und des Militärs teilgenommen. Nach der Feier in der Synagoge begab sich die ganze Festgesellschaft in das städtische Rathaus, wo die Festsitzung abgehalten wurde. Nach der Begrüßungsrede des Kultus- Präsidenten Julius Boschan, der dem gefeierten Rabbiner bie Urkunde über eine reich dotierte „Rabbiner Engelsmann-Stistun g" überreichte und nachdem der Jubilar unter großem Beifall geantwortet hatte, ergriff der Bürgermeister der Stadt Dr. Karl Korbay das Wort zu einer bedeutungsvollen Rede, aus welcher wir den folgenden Paffus besonders hervorheben: „Ueber dem Eingang der hiesigen Synagoge find die folgenden Worte zu lesen: „Mein Haus ist das Bethaus aller Nationen". Ich anerkenne die Wahrheit und Richtigkeit dieses Spruches, wie ich es auch für wahr und richtig halte, wenn welche Religion immer verkündet, daß ihr Gott der Gott aller Nationen sei. Der Glaube an den lebendigen, einig-einzigen, wahren und ewigen Gott bildet jenes Bindeglied, das alle Religionen miteinander verbindet, und an der Befestigung und Stärkung dieses die gesamte Gesellschaft zusammenschließenden Glaubens wirkt jede Konfession mit, indem sie die Lehren der eigenen Religion befolgt und indem sie den eigenen Glaubenssätzen entspricht, erfüllt sie auch allgemeine große Menschheits- Aufgaben." Diese Rede besitzt deshalb besondere Bedeutung, weil sie von dem Bürgermeister einer Stadt gesprochen wurde, in welcher noch am Ende des abgelaufenen Jahrhunderts der Antisemitismus seine giftigsten Blüten zeitigte, und es muß anerkannt

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