Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 898 m* Mom s Nr. 81 Vizepräsident: Ich bite um Ruhe, meine Herren! (Abgeordneter von Stransky: Die zionistischen und italienischen Krakeeler haben sich füttern lassen!) Abgeordneter Dr. Mahler: Das Urteil über diese Qualitäten ist gefällt! (Zwischenrufe und Lärm. — Abgeordneter von Stransky: Füttert euch eure Studenten selbst! Vizepräsident: Aber Herr Abgeordneter von Stransky, Sie halten ja eine ganze Rede, Sie haben jetzt nicht das Wort! Abgeordneter Dr. Mahler: Ja, aber ihr wollt mit unseren Gelde eure Studenten füttern! Das Geld für die Mensa habt Ihr von den Juden. (Zwischenrufe.) Schämen Sie sich. Der Ostrazismus hat sein Urteil über Sie gefällt. (Beifall. — Abgeordneter von Stransky: Treten Sie aus und gründen Sie eine jüdische oder italienische Mensa!) ' Das eine sage ich Ihnen, Herr von Stransky: Wenn es jemals eine jüdische Mensa geben wird, diese Barbarei wird bei uns nicht Vorkommen, daß wir einen Hungernden davonjagen (Beifall),- dessen sind nur Sie fähig. Verzeihen Sie, meine Herren, meine Erregung. Facit indignatio versum! Wer über gewisse Erscheinungen der Barbarei sich nicht aufregen kann, hat das Recht, sich einen Kulturmenschen nennen zu dürfen, überhaupt verwirkt. Und oft, meine Herren, steigen Zweifel in mir auf, ob diese vielgepriesene Kultur, der so hochgefeierte Fortschritt, auf den wir so stolz sind, wirklich einen so großen Realwert hat und ob angesichts solcher Erscheinungen nicht vielleicht jener geistreiche Franzose recht behält, der da sagt: „Nicht die Formen der Kultur, sondern nur" die Formen der Unkultur wechseln, sie selbst bleibt aber immer die gleiche." Und doch auf der anderen Seite, meine Herren, müssen wir angesichts der Tatsache, daß die Herren mit ihren Anschauungen vereinsamt geblieben sind, wieder Zutrauen fassen. Noch gibt es auf allen Bänken dieses Hauses Männer, die in gleicher Weise für Kultur und Fortschritt eintreten und die Barbarei verdammen. Die Aufgabe ist nur, diese Männer zu finden oder vielleicht besser gesagt: die Aufgabe ist es, daß sich diese Männer finden, daß sie über alle trennenden Grenzen der Nation, Rasse und Konfession hinweg sich die Hände «reichen zur gemeinsamen Arbeit, damit dieses Haus werde, was es in Wirklichkeit sein soll, nicht bloß ein Haus der Völker, sondern ein Haus für die Völker Oesterreichs. Ich habe gesprochen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vom Zabrmarkt des Lebens. „Verschenkte Juden". Die Juden in Prag und anderwärts, welche sich um des Deutschtums willen den Haß und die wirtschaftliche Schädigung von Seiten der tschechischen Bevölkerung zuziehen, bilden lächerliche Figuren, setzen sich dem Spott jedes vernünftigen und ruhig denkenden Menschen aus, spielen die unrühmliche Rolle des modernen Don Quixote. Die „Reichspost" meint: „sie machen mit dem Deutschtum ihre Geschäfte." In der Tat aber verdanken sie dem Deutschtum einen doppelten Boykott — sie werden von den Tschechen als nationale Gegner gehaßt und verfolgt und von den Deutschen aus angeborenem Antisemitismus gelästert und angespieen. „Geschäfte mit dem Deutschtum" macheu bloß die patriotischen Arier, welche unter dem Scheine des nationalen Radikalismus Mandate und einträgliche Stellen ergattern. In der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 15. Dezember war der Führer der „Deutsch-Fortschrittlichen", der Ministerkandidat Dr. P e r g e l t, so liebenswürdig, den Tschechen die Juden als Geschenk anzubieten. Er meinte, die Deutschen brauchen die Juden nicht und Juden, die man nicht braucht, werden verschenkt. „Wir schenken Euch die Juden", sagt er zu den Tschechen. Die Aussicht, an die Tschechen verschenkt zu werden, hatte für den Abgeordneten Hofrat Kuranda etwas Beängstigendes und er machte den Kollegen P e r g e l t ernstliche Vorwürfe. Er hatte ihn vorher zu seiner Rede beglückwünscht, unter solchen Umständen zog er sogar seine Glückwünsche zurück. Nach unserer bescheidenen Meinung hatte der Herr Hosrat Unrecht! Nach alten Rechtsgrundsätzen der Arier kann jeder Herr seine Heloten verkaufen oder auch verschenken. Herr Hofrat Kuranda ist zweifellos ein guter Kenner des römischen Rechtes, ihm sind die arischen Rechtssitten und Rechtsgrundsätze gewiß wohl vertraut. Warum also die Aufregung? Juden, welche sich selber zu Heloten erniedrigen, zu Sklaven fremder Volksinteressen, werden demgemäß auch als Heloten behandelt, dürfen gelegentlich auch verschenkt — und eventuell sogar gestohlen werden! Eine jüdische Antwort ans Roosevelts Brief. In unserer vorletzten Nummer veröffentlichten wir ein offenes Schreiben des Präsidenten der nordamerikanischen Republik Theodore R o o s e V e l t s, in welchem dieser seinen überaus liberalen Standpunkt in der Frage der Unter,cheidung nach Konfession darlegte. Dieses Schreiben hat nun von jüdischer Seite ein Echo gefunden. Der Vorstand der „Jewish Sabbath Association" („Schomrei Schabbos") sah sich veranlaßt, dem Präsidenten der Republik für sein mannhaftes Auftreten in einem recht interessanten Briefe zu danken, in welchem es unter anderem heißt: „Wir wünschen, Ihnen Dank zu sagen für die Vornehmheit, den wahren Liberalismus und den einzig richtigen Amerika» ,smus, der aus Ihren Anschauungen spricht. Sie stehen im wahren Einklänge mit den Traditionen unserer Republik und mit den Prinzipien, von denen notwendigerweise jeder Staat geleitet werden sollte, der das Bestreben hat, wirklich frei und fortschrittlich zu sein. Es wäre tatsächlich reaktionär, mittelalterlich und durchaus nicht amerikanisch, wollte man die amerikanischen Bürger aus konfessionellen Gründen von einander unterscheiden und behaupten, daß ein hohes Amt jemandem nur deshalb zugebilligt werde, weil er einer bestimmten Kirche oder einem bestimmten Glauben angehört, und wir sind Ihnen dankbar für die Klarheit und Unzweideutigkeit, mit welcher Sie diese fundamentale Wahrheit zum Ausdrucke brachten. Ihre Worte gewinnen besondere Bedeutung in einer Zeit, in welcher, wie wir zu unserem Bedauern bekennen müssen. Versuche gemacht werden, die amerikanische Nation mit Gewalt zu entfernen von ihrem ehrwürdigen Grundprinzipe der absoluten Gleichheit aller Bürger ohne Untelscheidung, ob sie Katholiken, Protestanten oder Juden seien, und hineinzutragen in unser Land^ konfessionelle Reibereien und Konflikte, welche der Wohlfahrt der Staaten stets zum Schaden war, von denen wir bisher glücklicherweise befreit waren. Ihr Brief ist eine meisterhafte neuerliche Erklärung der Grundprinzipien der amerikanischen Freiheit, die bestimmt ist, historische Bedeutung zu erlangen, und geeignet ist, für d e Zukunft jeden Versuch, in die Reihen der amerikanischen Bürgerschaft konfessionelle Mißhelligkeiten zu tragen, von vorneherein zu entmutigen." Die amerikanischen Ausgrabungen in Samaria. Wie aus Newyork berichtet wird, ist Prf. D. Gordon Lyon Hollis von der Harvard-Universität von seiner archäologischen Expedition nach Samaria zurückgekehrt. Seinen vorläufigen allgemeinen Mitteilungen ist zu entnehmen, daß in der Gegend von Samaria zahlreiche römische und griechische Thongefäße in einem ausgegrabenen Gebäude gefunden wurden, das als ein Tempel H e r v d e s des Großen angesehen wird. Die Stelle, wo diese Entdeckungen gemacht wurden, liegt in der Nähe der modernen Stadt Sebastijeh. Die Ergebnisse der Sommerarbeit der Expedition sind sehr zufriedenstellend. Die Kosten der Ausgrabungen werden fast ausschließlich vom bekannten amerikanischen Philanthropen Jakob H. Schiff in so ausgiebigem Maße beigestellt, daß die Harvard-Universität, welcher Schiff das Geld zur Verfügung gestellt hat, in der Lage sein wird, die Arbeiten vier Jahre lang fortzuführen. Während des Winters ruht die Arbeit, erst im April 1909, nachdem die Regen-