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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-18 · 51 (18.12.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 896 Nr. 15 Wr. Mscd's Mocdenscdrm. Meine Herren! Wenn man dann mit Brachialgewalt gegen uns vorgeht und wenn Man dann schamrot werden zu müssen fürchtet ob all dessen, was man getan hat, dann greift man zu dem verwirrenden Schlagworte, welches das Bild trübt, weil man glaubt, dann um so besser im trüben fischen zu können. Das war auch bei den Vorgängen der Fall, die sich im November dieses 2ahres an der hiesigen Universität abgespielt haben. Es liegt mir vollständig ferne, mich als Wortführer der nichtdeutschen Minoritäten in der Studentenschaft aufspielen zu wollen, aber das eine haben diese Vorgänge, meine ich, klar und deutlich gezeigt. Wenn man einmal mit dem Bedrängen, mit der Drangsalierung der Minoritäten bei den Juden angefangen hat, dann hört man bei den Juden nicht auf. (Abgeordneter Bielohlawek: Man hat auch mit den katholischen Studenten angefangen!) Sehen Sie, Herr Landesausschuh, das ist die Folge dieses Brutalisierens einer Minderheit. (Abgeordneter Bielohlawek-. Ich bin auch nicht dafür, auch nicht gegenüber den Juden. Ein Jude soll, wo er im Rechte ist, recht haben; Sie verlangen es aber auch, wenn Sie im Unrecht sind, durch Ihre elende Presse! Recht bleibt immer Recht, wo immer es auch ist,!) Ich nehme mit Freude zur Kenntnis, dah Herr Landesausschuh Bielohlawek erklärt. Recht muh Recht bleiben. Wir werden uns das wohl einschreiben und werden Gelegenheit nehmen, den Herrn Landesausschuh und seine Partei gelegentlich daran zu erinnern. (Abgeordneter Bielohlawek: Ich bitte sehr! Nur - heißt es: Ein Jude kann auqestellt werden, aber er muh es nicht! So stcht r§ im Staatsgrundgesetze! — Zwischenrufe.) Abgeordneter Dr. Mahler: Herr Landesausschuh, ich möchte Sie daran erinnern, dah im Dienste der Gemeinde Wien Beamte, die sich tadellos führen, seit 20 Jahren stehen. (Abgeordneter V ielohlawek: Das ist doch das Recht der Abstimmung, ich kann niemand zwingen, so zu stimmen!) Das ist kein Recht, sondern eine Vergewaltigung. (Abgeordneter Bielohlawek: Ich kann doch nicht dem Stadtrat sagen: Stimmen Sie so! — Zwischenrufe.) Abgeordneter Dr. Mahler: Um wieder den Herrn Landesausschuh zu zitieren: Gehen wir weiter. (Heiterkeit.) Ich habe von den Vergewaltigungen gesprochen und sage, dah, wenn man erst einmal bei den Juden angefangen hat, man bei ihnen nicht aufhört. Als einzelne Studenten, die aus den Vorlesungen kamen, überfallen und geschlagen wurden, als man in wirklich unwürdiger Weise den akademischen Boden entweihte . . . (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Die Juden haben überfallen!) Nein, die Herren sitzen ja im Landesgericht! (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Die frechen Juden!) Schämen Sie sich doch, so die Wahrheit ins Gesicht zu schlagen. (Abgeordneter Eduard von Stransky: Im Cafe „Marienbrücke" haben die jüdischen Studenten überfallen!) Ich werde später Gelegenheit haben, Ihnen darauf zu antworten. Herr von Stransky. (Abgeordneter Eduard v. Stransky: Wir können das jeden Augenblick beweisen!) Ich kann es Ihnen beweisen mit den Herren Ihrer Partei, die im Landesgericht sitzen, damit kann ich Ihnen beweisen, wer überfallen hat. Da hat man sich hinter dem Schlagwort verschanzt — als ob es für ein derartiges Vorgehen überhaupt eine Rechtfertigung geben könnte —, man sei gezwungen, den deutschen Charakter der Wiener Universität zu wahren. Meine Herrenl Gestatten Sie mir, dah ich auf dieses Problem, das doch von einer solchen Wichtigkeit ist und so viel Aufregung hervorgerufen hat, ein wenig eingehe. Der deutsche Charakter der Wiener Universität! Das kann — ünd ich glaube, darin werden Sie mir alle zustimmen — unmöglich bedeuten, dah die Universität Alleinbesitz irgendeiner politischen Partei sei, die zufällig erklärt, sie habe einzig und allein dasDeutschtum gepachtet. Denn dann werden die Herren heute erklären, an der Wiener Universität dürfe als Lehrer und Hörer nur derjenige sein, der etwa bis ins sechste Glied seine deutscharische Abstammung Nachweisen kann, morgen werden die Herren erklären, an der Universität sei nur derjenige eXistenzberechtigt, der auf dem Boden der Waidhofener Beschlüsse steht und so cum Gracie in infinitum.! Ich glaube, das ist von vornherein eine Absurdität. Eine Universität ist ihrem ganzen Wesen nach nicht politischer, sondern kultureller Besitz und die Kriterien ihres Wesens können einzig und allein in kulturellen Momenten gefunden werden. Wenn man sich also auf den Standpunkt stellt, deutscher Charakter der Wiener Universität, so kann das nur soviel bedeuten, dah die Universität eine Hochschule mit deutscher Unterrichtssprache, ein Besitztum der deutschen Kultur sei, an welcher die Wissenschaft in der bei der Allgemeinheit der deutschen Gelehrten üblichen Weise vorgetragen und tradiert wird. Und nun frage ich Sie, meine Herren: Ja um Gotteswillen, wer hat denn das jemals in Frage gestellt? Überlegen Sie sich doch, wenn man erst diese Definition anerkennt, ist die naturgemäße Konsequenz, dah der Charakter einer Hochschule im wesentlichen nicht von der Hörerschaft abhängig ist. Ich glaube, man muh im Gegenteil sagen, dah derjenige, dem es wirklich und ernsthaft um die Ausbreitung der deutschen Kultur zu tun ist, darnach streben muh. dah recht viel nichideutsche Hör?r diese Hochschule besuchen, weil sie ja dann in den Bannkreis der deutschen Kultur kommen und das deutsche Wesen weitertragen. Wer das tut, würde damit für das Deutschtum viel mehr leisten, als wenn er 12 Glas Bier trinkt, ein Paar Juden und Italienern den Schädel einschlägt und dazu die „Wacht am Rhein" singt. Das, meine Herren, hat man hier getan. Man hat die nichtdeutschen Studenten überfallen und brutalisiert, man hat uns erklärt, wir seien Fremdlinge an dieser Universität. Nein und tausendmainein, wir sind keine Fremdlinge an dieser Universität! Wir sind hier ebenso vollberechtigt wie alle anderen. Aber selbst wenn — ich lehne es ausdrücklich ab — man sich auf den Standpunkt stellen würde, wir seien Fremdlinge, haben Sie denn vergessen, dah mit diesem Überfall das größte Verbrechen begangen wurde, für das die Antike gar keine Sühne kennt, dah in Wien das Gastrecht in der niederträchtigsten Weise verletzt und beleidigt wurde. Ich lehne es, wie gesagt ab, mich auf diesen Standpunkt zu stellen. Die Wiener Universität ist noch eine österreichische Hochschule, sie ist Allgemeinbesitz der Völker Österreichs und alles das, was die großen Geister, die besten der Völker für diese Hochschule geleistet haben, was ein Jagic, Mustaffia, Stricker, Neuster, Rokytanski, Albert, Skoda getan haben, das hat uns allen nichtdeutschen Völkern das Bürgerrecht an der Wiener Universität verliehen. Durch gemeinsame Arbeit ist sie das geworden, was sie heute ist. Sie können das heute nicht mehr auslösen und Sie mögen vom Fremdlingtum sprechen so viel Sie immer wollen, die geistige Arbeit, die wir geschaffen und geleistet haben, gibt uns das Bürgerrecht und gegen diese geistige Kraft werden noch so gewaltige und noch so rohe Fäuste nichts auszurichten vermögen. Wir schätzen das Wesen der Wissenschaft und Kultur viel zu hoch, als daß wir um irgendwelchen Brutalitäten willen das

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