Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021814--17873-3042771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 49 &c. ^öioco's MLscvEMselöMN. Seite 863 durchführbar. Gerade Freitag abend habe ich ein Requiem für Herrn S. C. zum Andenken feines Vaters abzuhalten; zudem bin ich durch eine Erkältung sehr verschleimt, was mir das Sprechen erschwert und mir Hustenreiz verursacht. Wills Gott, so wird sich wohl ein Tag fügen, den ich mit dir und deinen lieben Eltern ausfüllen werde. Zur Erinnerung an deine Feier sende ich dir eine schöne und kunstvoll gearbeitete Menorah. Die Menorah ist das Symbol des religiösen Lichtes. Mit Licht verbindet die menschliche Phantasie alles Schöne, Angenehme, Heitere; nun gibt ihnen das Judentum ein religiöses Gepräge; deshalb soll dir die Menorah sagen, daß ich dir wünsche ein schönes, angenehmes, heiteres und jüdisches zufriedenes Leben In Liebe und Treue, dein Großvater M. Friedman n." Wie ich nachträglich erfuhr, war die Torath Kohanim- Arbeit auch ein Mitgrund, daß der Schwiegervater nicht zur Barmizwah seines Enkelkindes kam. Er hatte einmal den Rest seines Lebens diesem Werke geweiht und alles andere mußte zurückstehen. Torath Kohanim war sein letztes Werk, seine letzte Arbeit. Die alte jüdische Pädagogik fordert, daß man beim Unterricht der Kinder nicht mit dem ersten und nicht mit dem zweiten Buche Moses beginnen soll, sondern mit dem dritten. Die ersten zwei Bücher enthalten Erzählungen über Brudermord, Erzählungen über Unterdrückung von Menschen durch Menschen, das aber könnte für das zarte Kindergemüt von Nachteil sein; das dritte Buch mit seinen Torath Kohanim, mit seinen Vorschriften über die Priester und die Opfer ist geeignet, das reine Gemüt noch mehr zu veredeln. Der alte jüdische Pädagoge Herr Lektor M. Friedmann wandte diese Pädagogik bei sich selber an. Sein reines Gemüt sollte vor seinem Hinscheiden ganz in den Vorschriften über Reinheit, den Torath Kohanim aufgehen. Er hat sein Werk nicht vollendet. In meiner engeren Heimat, in Littauen, sagt man : Al jifrosch odom mechavero elo mitoch devar halacha, schemitoch kach sochvehn, man soll mit o ch dewar halacha, d. h. mitten in der Auslegung einer Halacha fortgehen, weil in diesem Falle man desto mehr an den Betreffenden denken muß, indem man die Fortsetzung gerne noch erfahren möchte. Ja, hätte Herr Lektor M. Friedmann sein Werk ganz vollendet, mancher hätte nicht gewußt, was dazu gehört, solche Arbeit zu verrichten. Die abgebrochene und unvollendete Arbeit wird viele belehren, daß nur derjenige, der sie begonnen hat, imstande wäre, sie zu vollenden. Der geistreiche und gründliche Artikel des Herrn Doktor D. Feuchtwang beginnt mit dem Wahlspruch meines Schwiegervaters: „Die Welt geht ihren gewohnten Gang. Es war auch sein Wunsch, daß dieser Spruch auf seinem Grabstein stehe und vier Kinder werden ihm, so uns Gott leben läßt, diesen Dienst erweisen. Im Leben war dieser Spruch sein Trost und dieser Spruch soll uns über den schweren Verlust, den wir durch seinen Tod erlitten, trösten. Dr. I. Rabbinowicz, Bezirksrabbiner. Galizischer Judenhaß. Daß der Antisemitismus in Galizien durchaus nicht nur auf Motive rein politischer oder ökonomischer Natur zurückzuführen ist, sondern daß in den hiesigen „leitenden" Kreisen derselbe instinktmäßige und fanatische Judenhaß herrscht, wie ihn etwas roher der Straßenpöbel von Odessa oder Kiew zeigt — das beweist ein kleines Vorkommnis, das nicht sehr welterschütternd, aber umso charakteristischer ist für die Gesinnung, die man uns Juden hier im gelobten Lande Galizien entgegenbringt. Nach österreichischem Gesetze müssen bekanntlich die Advokaten vor Etablierung einer Advokaturskanzlei einen Eid leisten. Diese Eidesleistung geschieht im Oberlandesgerichte vor einer Kommission von fünf Gerichtsräten. Es besteht. nun die Sitte, den christlichen Advokaten nach der Eidesleistung zu gratulieren, was die übrigen Mitglieder der Kommission stets nlitmachten. Bis jetzt trat der vom Oberlandesgerichtspräfidenten gemachte Unterschied zwischen Juden und Christen nicht kraß hervor, weil man es so einrichtete, daß entweder lauter Juden oder nur Christen zur Eidesleistung erschienen. Vorige Woche ereignete es sich nun, daß unter den vier erschienenen Advokaten ein Christ und drei Juden waren. Da fanden es die Herren Richter für passend, den christlichen Advokaten zu beglückwünschen, dessen drei jüdische Kollegen jedoch chtlos beiseite stehen zu lassen . . . Juden gegenüber darf man eben nicht nur roh und ungerecht, sondern sogar — was in der „guten Gesellschaft" vdoch viel schlimmer ist! — taktlos sein! Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines fand am 26. d. M. im großen Lehrsaale der Wertheimerschen Handelsschule unter dem Vorsitze des Obmann-Stellvertreters Herrn Siegfried L i e b e r s bei zahlreicher Beteiligung statt. Der vom Geschäftsleiter Herrn Jur.-Dr. Theodor Welt sch vorgetragene Jahresbericht gedenkt zunächst der dahingeschiedenen Mitglieder und in erster Reihe des erst kürzlich verblichenen verdienstvollen und langjährigen Obmannes Herrn kais. Rat Ph. F a l k o w i c z, dessen Bedeutung für den Verein in einer für die nächste Zeit geplanten Gedächtnisfeier gewürdigt werden wird. Nach Besprechung der erfreulichen Resultate in der Handwerkersektion und der vollständig neuen Ausgestaltung des Lehrlingsheimes, dann der befriedigenden Tätigkeit der Studierendensektion erinnert Redner an die glänzend gelungenen Vereinsveranstaltungen, den Vortrag des Kultusgemeindepräsidenten Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, die Vorlesung Klausner-Pospischil, die noch in bester Erinnerung stehende Morris Rosenfeld- Matinee, sowie an die überaus interessanten Veremsabende, die die Herren Sekretär Fleischer von der Wiener Union und Dozent Dr. Jsid. Pollak als Vortragende zu Gaste hatten. Der Geschäftsleiter berührt sodann die einzelnen Vereinsagenden in sozialer und kultureller Beziehung, die Gemeinden und Mitgliedern vom Lande gewährte Rechtshilfe und die vielfachen Interventionen und Manifestationen, die dem Verein zum repräsentativen Hervortreten Veranlassung gaben. Der Geschäftsbericht, der mit einem Dank an die Gönner und die Tagespresse und mit einem Appell zum wirkungsvollen Zusammenstehen aller Richtungen der Judenschaft schließt, wird einstimmig genehmigt, ebenso auch der Bericht der Sektion für Krankenpflege, den die Präsidentin Frau Julie Leipen, beifülligst begrüßt, zur Verlesung bringt und ans dem die vorzügliche Organisation des Pflegerinnenheimes und die streng wissenschaftliche Schulung der Pflegerinnen, sowie die starke Nachfrage von Prag und vom Lande zu entnehmen ist. Auch der Bericht des Kassiers Herrn David T r o l l e r sowie der Revisionsbericht des Herrn Springer wurden genehmigt und der Vereinsgebarung das Absolutorium erteilt. Bei diesem Anlasse wird auch über Antrag des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. L. B e nd i e n e r, der die Verdienste des Vereines in kultureller, sowie sozialer Beziehung, insbesondere im Interesse der Landgemeinden, sowie das Streben der Vereiusleituug, die friedlichen Zustände innerhalb der verschiedenen Strömungen aufrechtzuhalten, hervorhob, der Vereinsleitung Dank und Vertrauen ausgesprochen. Bei den darauf stattgefundenen Ausschußergänzungswahlen wurden die austretenden Ausschußmitglieder wieder-, die Herren Dir. Ad. B r o d, kais. Rat Robert Fuchs, G. Steiner und Karl R e s e k neugewählt und die bisherigen Revisoren per Akklamationen im Amte bestätigt. Im festlich dekorierten großen Saale der Wilhelm Wertheimerschen Handelsschule fand am 26. d. M., 7 llhr abends, die Huldigungsseier anläßlich des bevorstehenden sechzigjährigen Rrgierungsjubiläurns statt. Der l. Obmannstell-