Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 862 m. LloÄ^s WocheMchrM» Nr. 49 Edler von Horowitz, der Handelskammerrat Wilhelm Pollak in Wien, ferner die Herren Julius Stern, Felix Strakosch, Direktor Adolf Weisse, Dr. Max Wilhelm, Sekretär der Bodenkreditanstalt, Adolf S t r o ß in Alexandrien, Dr. Eman. S t r o ß und Alfred Straße r. Das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens: Fabrikant Ludwig Moser in Karlsbad, kaif. Rat Josef Flesch und der Vizepräsident der Czernowitzer Handelskammer Wilhelm Tittinger, die Redakteure Friedrich Herrnfeld und kais. Rat Stefan S k r e i n, Kommerzialrat Leopold Simon, Rabbiner Jsaac H o r o w i tz, Rabbiner Dr. Jakob Tauber, der Präsident der israel. Kultusgemeinde in Brody, Herr L. Bloch, die Herren G. Fischer und Max Kantor in Wien, der Präsident der israel. Kultusgemeinde in Krakau Dr. S. Tille s. Den Stern zumKomthurkreuz des Franz Joseph-Ordens: Reichsratsabgeordueter Dr. Kolischer. Den Elisabeth- Orden II. Klasse: Frau Henriette Benies und Frau Sarah von Stern, Präsidentin der israelitischen Kinderbewahranstalt. Den Orden eiserner Krone III. Klasse erhielt der I. Vize-Präsident der Produktenbörse kais. Rat Jonas Weil, der Fabrikant Naumann Schefftel, Publizist kais. Rat Emanuel Singer, der Redakteur Dr Gustav S t e in b a ch und Generaldirektor des „Lloyd" Albert Frankfurter. Herr Oberkantor Josef Singer erhielt den Titel eines kaiserlichen Rates. Das goldene Verdien st kreuz mit der Krone die Präsidentin des Rekonvaleszentenheimes Frau Amalie Beck. Die Vorgänge au der Wiener Universität und die jüdischen Studenten. Infolge der Schließung der Mensa Academica sind zahlreiche unbemittelte Studenten, die ihren Mittagstisch in der Mensa hatten, in arge Verlegenheit geraten. Vorigen Mittwoch erschienen einige Studenten im Sekretariate der Wiener Kultusgemeinde und baten, der Kultusvorstand möge sich der Studenten anuehmen. Das Präsidium des Kultusvorstandes veranlaßte auch sofort, daß eine größere Anzahl jüdischer Studenten in der jüdischen Speiseanstalt des Vereines „Einheit", insolange die Mensa geschlossen bleibt, auf Kosten der Kultusgemeinde guten Mittags- und Abendtisch erhalten. Dieses Verhalten des Präsidiums der Kultusgemeinde hat in hiesigen jüdischen Kreisen einen umso angenehmeren Eindruck gemacht, als die meisten dieser Studenten erst einige Tage vorher, anläßlich der Wahlen in den Kultusvorstand die eigentlichen Agitatoren der Opposition waren und ein oppositioneller Kandidat in einer Versammlungsrede sogar die Behauptung aufstellte, der Vorstand beabsichtige allen jenen Studenten, beziehungsweise .studentischen Verbindungen, welche sich an der Agitation beteiligten, die Subvention zu entziehen. Es hat sich, leider allzu rasch, die Gelegenheit geboten, diese Behauptung durch eine edle Tat Lügen zu strafen. Feierliche Preis-Verteilung an JO verdienstvolle Arbeitsgehilfen und IO Lehrlinge anläßlich des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät vom Vereine zur Hebung der Gewerbe in Wien. Im Saale des Oesterr.-ung. Export-Vereines fand am 29. v. M« um 7 Uhr abends a n l ä ß l i ch des 60jährigen Regierungs-Jubiläums unseres Kaisers eine Fe st Versammlung statt. Der Präsident Herr S. Brod eröffnete die sehr zahlreich besuchte Versammlung und hielt unter großem Beifalle die F e st r e d e, an welche sich eine feierliche Ansprache an den Gewerbestand im Allgemeinen anschloß, die in ein stürmisches dreimaliges Hoch auf Se. Majestät unseren Kaiser ausklang. Sodann hielt Herr kaiserlicher Rat Dr. I. Lichtenstadt einen interesianten Vortrag über „Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", der ebenfalls mit Beifall ausgenommen wurde. Nun richtete der Präsident an die zu Prämiierenden einige erhebende Worte der Ermunterung, worauf die Prämienverteilung vorgenommen wurde. Jeder der zehn Gehilfen, von denen nachgewiesen war, daß er zwischen 15 und 30 Iihren in einer und derselben Werkstätte oder Fabrik gearbeitet, erh^-'r ein Sparkassebuch tn Löhe von 4 0 Kronen, jeder der zehn Lehrlinge ein solches von 20 Kronen. Vizepräsident Herr Beck überreichte die Auszeichnungen im Namen des Vorstandes. Nachdem ein Gehilfe im Namen der Arbeiterschaft dem Vereine den Dank und" Vorstandsmitglied Herr Klein dem Vereinspräsidenten den tiefgefühltesten Dank für dessen aufopfernde Tätigkeit aussprach, wurde die würdige Festversammlung geschlossen. Zu Ehren des Kaiser-Jubiläums ist ein 18jähriger Vereinsbexicht erschienen, auf den wir noch zurückkommen werden, da derselbe eine ganz besonders schätzenswerte Tätigkeit des Vereines zu: Hebung der Gewerbe umfaßt und auch sehr nett ausgestattet ist. Lektor M. Friedmann. Mähris ch-W e i ß k i r ch e n. Sehr geehrter Herr Doktor! Als Schwiegersohn des seligen Herrn Lektor M. Friedmann gestatte ich mir im eigenen Namen, sowie im Namen sämtlicher Angehöriger des teuren Verblichenen für die Würdigung der Person und der Verdienste, die Sie unserem lieben Familienoberhaupte in Ihrem geschätzten Blatte angedeihen ließen, herzlich und innig zu danken. Gott lohne es Ihnen! Uns war es ein Trost. Manches schöne und treffliche Wort in dem vorzüglichen Aufsatze des Herrn Dr. D. Feuchtwang ruft in mir die Erinnerung wach an die Worte des Herrn Dr. Adolf Jell i n e k s. A.. welche er einst in launiger Weise zum seligen Schwiegervater gesprochen: der kritische Geist Koheleths fuhr in Jbn Esra, von diesem kam er zu Ihnen. Sie sind ein moderner Jbn Esra. Herr Dr. Feuchtwang spricht die Befürchtung aus, daß der Verblichene „offenbar mit der Feder in der Hand abberufen worden und seine großangelegte Edition des Torath Kohanim, vielleicht ein Torso bleibt." So ist es auch. Er ist mit der Feder in der Hand gestorben. Erst vor einiger Zeit schrieb er meiner Frau, seiner ältesten Tochter: „Der alte Briefstil bediente sich der Redeweise: Ich nehme die Feder zur Hand. Dies kann ich nicht sagen, denn sie kommt mir fast nicht aus der Hand — ich möchte gerne die Arbeit vollenden." Da ich ihn voriges Jahr in den Weihnachtsferien besuchte, fing er sofort nach der Begrüßung an, vom Torath Kohanim zu sprechen. „Die Gesellschaft, in deren Auftrag ich die Arbeit begonnen", erzählte er freudig, „ist auf alle meine Wünsche eingegangen. Ich Möchte diese Arbeit fertig bringen und dann, wenn Gott will, schlafen gehen . . Er arbeitete auch geradezu fieberhaft daran. Wie weit er damit gekommen ist, weiß ich nicht, da ich leider nicht beim Leichenbegängnis war und sohin seine Handschriften auch noch nicht ansehen konnte. Der Grund meiner Abwesenheit bei der Beerdigung des mir so teueren Schwiegervaters war bie Erkrankung meines einzigen Söhnchens. Ich glaubte im Sinne des guten Großpapa zu handeln, wenn ich beim Krankenbette seines ältesten Enkelkindes blieb. Es seien hier zwei Schreiben des Verblichenen an das erwähnte Enkelkind mitgeteilt, weil auch in diesen seine Originellität und seine eigene Art im Verkehr mit seinen Kindern zum Ausdruck kommt. Das eine Schreiben richtete er an das Kind aus Anlaß des ersten Jahrestages seiner Geburt am Rüsttage des Laubhüttenfestes im Jahre 1896. Es lautet: „An mein liebes Enkelkind Alexander! Lieber Alex! Zu deinem ersten Geburtstag sollst du den ersten Brief im Leben und diesen von deinem Großvater erhalten. Die Wünsche, die ich dir sende sind, daß der Feststrauß ein Symbol deines Lebens sein möge. Gedeihe deinen Eltern wie eine Palme zadik katomor jifroch. Bleibe stets frisch und kräftig, wie die Myrte. In deinem Leben sei befruchtend und duftend, wie der Eßrog und dabei bescheiden, wie die Bachweide! Auf deine Beantwortung dieses Schreibens will ich gerne einige Jahre warten, und ich hoffe zum lieben Gott, deine Antwort lesen zu dürfen. Einstweilen soll dir der Brief aufgehoben werden. Es küßt dich im Geiste dein Großvater. M. Friedman n." Das zweite Schreiben vom 7. Oktober 1908 ist aus Anlaß der Barmizwah-Feier meines Sohnes an diesen gerichtet und hat folgenden Wortlaut: „Mein lieber Alexander! Ich gebe Dank und Preis dem lieben Gott, daß ich so glücklich bin, die Barmizwah-Feier meines ältesten Enkelkindes zu erleben. Persönlich an deinem Feste teilzunehmen, ist mir nicht leicht