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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-04 · 49 (4.12.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Lloch's WochrnfthrifL Seite 859 Sutari insgesamt brachten ihren reichen Tribut und küßten inmitten Sunaki meine Füße . . . (sar (watu). A-har-ri-i a si-ib sutari Ka-li-su-un bi-lat su-nu Ka-bi-it-tim ubi-lu-nim ma Ki-ir-ba Su-an-na Kd u-na-as-si-ku si-pua-a. (K. B. I, 8. 123.) Das Land A ch i r i ist in der Keilinschrift Palästina - Phönizien. In Phönizien gab es seit der Eroberung von Tyrus keinen König. Und in Palästina war der judäische Staat zerstört und der König außer Landes geführt. Es konnten daher keine Könige von Schiri zur Tributleistung und zum Fußkusse kommen. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß unter dem sar matu Ahm der in Babylon lebende, zur Herrschaft wieder berufene judäische König zu verstehen ist. Ebenso dürften „die Bewohner von Sutari", die judäischen Exulanten, die in einer Gegend, welche Sutari geheißen hat, ihren Ansiedlungskreis hatten, gewesen sein. Welches Mitglied der judäischen Dynastie dieser Fürst gewesen sei, ist schwer zu bestimmen. Jehojachin war wahrscheinlich schon gestorben. Von seinem ältesten Sohne Scheltiel ist außer seinem Namen nichts Geschichtliches bekannt. Es müßte dieses, wenn eine solche Huldigung stattgefunden hat, von demjenigen Mitgliede der königlichen Familie geschehen sein, welches später zum Fürste« von Juda berufen wurde. Das ist Serubabel, ben Schealhiel. Es ginge daraus mit Wahrscheinlichkeit hervor, daß Serubabel schon vor seiner offiziellen Einsetzung znm Herrscher in Babylon denselben Rang eingenommen hat, wie sein Großvater Jehojachin ihn besaß. Daß ihm ein königlicher Thron gewährt wurde, daß er einen fürstlichen Hofstaat besaß und daß er den Königstitel führte, daß er wie die späteren Exulanten eine Leibwache und wahrscheinlich ein militärisches Cortege besaß. Diese Attribute des Königtums dürfte er noch unter den babylonischen Herrschern erhalten haben. Sie kamen ihm als einen rehabilitierten Fürsten eines eroberten Landes nach altorientalischer Lehre eo ipso zu und es wäre dabei nichrs Auffallendes. Die leitende Idee, welche den Mittelpunkt des Perserreiches bildete und auf deren Grund von dem Begründer desselben die Weltherrschaft in Anspruch genommen wurde, war Recht und Gerechtigkeit in der r e i n st e n und st r e n g st e n Auffassung. Wohl fehlte es den früheren orientalischen Großreichen nicht an Rechtsgesetzen und Rechtsvorschriften, wohl waren sie Rechtsstaaten. Allein in keinem derselben wurde die Gerechtigkeit zum obersten und höchsten Prinzip so sehr erhoben wie in dem Staatsgebilde des Kyros. „Der König hat die Aufgabe zu erfüllen, die ihm von der obersten Gottheit vorgezeichnet wurde: Recht zu üben, Unrecht und Lüge zu bestrafen, die Freunde zu belohnen, die Feinde zu züchtigen und im Schatten des obersten Gottes den Ländern seine Gesetze aufzuerlegeu." So lautet die Mission, die einem jeden medo-persischen Herrscher zu teil wird. Diese ist aber bereits von dem ersten derselben, von Kyros, als die strikteste Regentenpflicht verkündet und ausgeübt worden. Kyros wollte nicht etwa Recht nur dem Scheine nach üben, nicht nur sein gegebenes Versprechen notgedrungen halten, sondern seine Obliegenheit voll und ganz durchführen. Wenn er den Entschluß gefaßt hat, den jüdischen Staat wieder herzustellen, so war ihm dieses eine hehre und ernste Aufgabe. Und wenn er sich um eine Persönlichkeit unter den Judäern umsah, welche er an der Spitze des neuen Staatswesens stellen sollte, so müßte dieselbe seinen Regentenidealen vollkommen entsprechen und ihm durch ihren erprobten Charakter die Gewähr bieten, daß sie auf der Höhe der heiligen Aufgabe steht. Wenn die Wahl des Kyros auf Serubabel fiel, so ist es gewiß, daß der neuernannte Fürst aus altem Stamme derjenige war, in welchem die edelsten Herrschertugenden zu finden waren. Als ein solcher muß er in seinem Volke bekannt gewesen, von seinen Stammesgenossen gefeiert worden sein, als ein solcher muß er sich die Liebe seiner Volks- und Religionsgenossen in der Nähe und in der Ferne erworben haben. Und wirklich war Serubabel* *) diese hohe, von Gott erwählte Persönlichkeit, in ihm kamen die edelsten Eigenschaften eines Volksleiters und Volksführers zum herrlichsten Ausdrucke Er ist es, auf den Propheten und Seher in Verkündigungen hingewiesen haben, dessen vorzügliche Herrschereigenschaften sie hervorgehoben haben. Schon als Knabe in dem frühesten Alter seines Lebens dürften seine edlen Herzenseigenschasten zum Vorschein gekommen und leuchtende Spuren seines künftigen Berufes achtbar geworden sein. Es ist daher wahrscheinlich, daß auf ihn die in Jesajas 9, 1—11 sich befindende Verkündigung sich bezieht: „Das Volk, welches in der Finsternis wandelte, sah ein großes Licht, die im Lande der Todesschatten wohnen, wurde von einem Glanz überstrahlt. Du hast erhöht das Volk, du hast ihm die Freude groß gemacht, es freut sich vor dir wie bei der Freude der Ernte, wie man frohlockt, wenn man Beute teilt. Denn ein Kind ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns geschenkt worden, auf dessen Schulter die Herrschaft gelegt werden wird." Die Jünglingsjahre Serubabels sind in die Regierungsjahre Nabonaids. des letzten chaldäischen Großkönigs, gefallen. Es waren diese eine drängende und stürmische Zeit. Ein Weltreich ging unter und ein anderes war im Entstehen. Alle staatlichen und sozialen Verhältnisse gerieten ins Schwanken und Wanken, alle menschlichen Zustände glichen einem wild aufgeregten Meere, in welchem die Wogen von einem heftigen Orkan aufgepeischt und die Fluten himmelhoch getrieben werden. Mehr als alle Völker des ungeheuren Reiches, bedurften die Judäer einer Persönlichkeit, welche wie ein starrer Felsen inmitten der brandenden, politischen und sozialen Wellen dastand, an dem sie einen Halt fänden in Stürmen der Zeiten. Der vom Jüngling zum Manne herangereifte Serubabel war seinen Volksgenossen Schutz und Stütze in dieser historisch hochbedeutsamen Epoche. Daß er, der zukünftige Herrscher, in dieser Zeit ein großes Arbeitsfeld urbar zu machen, daß er große Aufgaben zu lösen hatte, ist mit Bestimmtheit vorauszusetzen. Es ist auch wahrscheinlich, daß er bei dem Uebergang der Regierung Nabonaids in die Hand des Kyros nicht in letzter Reihe stand, daß er bei dem Mitwirken der judäischen Exulanten während des Falles Babylons um seinen Rat gefragt wurde, der ausschlaggebend war. Er wuchs immer mehr und mehr in seine hohe Bestimmung hinein und stieg von Tag zu Tag in der Verehrung und in der Liebe seines Volkes. Und wiederum waren es die Tugend und die Gerechtigkeit, welche ihn auf allen seinen Pfaden leiteten. Inmitten seiner rastlosen, politischen Bestrebungen, inmitten seiner fieberhaften, vielseitigen Tätigkeit für das Wohl seines Volkes treten die Umrisse seines Herrschertalentes deutlicher und klarer zutage. Eine besondere Würdigung seiner Regeuteneigenschaften dürfte die Verkündigung in Jesajas 11, 1—11 bieten. „Es steigt ein Zweig empor aus dem Stamme Jsais und ein Ast blüht aus seinen Wurzely hervor. Es *) Ueber die Etymologie des Wortes Serubabel schreibt Selm: „Der Prinz wird mit dem babylonischen Namen Zer-Babili „Same Sproß Babels" benannt, der sich in babylonischen Urkunden derselben Zeit finden soll (vergl. Mayer p. V.); er ist hebräifiert zu (Serubabel S. 11). Kittel bemerkt: „Die Bedeutung des Namens Serubabel, über den man zahllose, zum Teile recht gewagte Vermutungen aufgestellt hat (so nach Klost. 231 und von Hoonaker Zorobabel 44 ff.) ist vollkommen durchsichtig, sobald man bedenkt, daß die Juden im Exil, wie schon Sonassar und Seffbassar, — was ihre Urgestalt sein möge — zeigen, mehrfach babylonische Namen lür ihre Kinder wählten. *732117 ist *722x17 d. h. Sproß Babels (a. a. 0. 28) Unserer Ansicht nach ist Serubabel ursprünglich kein Namen, sondern ein spitbstou ornans gewesen, es bedeutet *723 17 oder *732 1.17 Glanz Babels, „die Krone Babels", d. h. die Herrlichkeit der Exulanten im Exil. Es ist ähnlich der späteren Bezeichnung *7*712.1 iiKfc „das Licht (der Juden) im Exil", welche hervorragenden Männern beigelegt wurde. Später wurde dieses spitdston zu einem uomsn proprium. Sein eigentlicher Name ist in Vergessenheit geraten.

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