Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 858 m* Vtoev's Mocvensevrm» »Jir. 49 einen Nachruf für G. Sigl in der Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten-Vereines" (Nr. 19) veröffentlichte, des genialen Konstrukteurs dieses wichtigsten Bestandteiles der unterseeischen Höllenmaschinen zu gedenken. Auch bei dieser Erfindung hatten wrhl andere — nicht er — den Nutzen. Wien, 29. November 1908. Hochachtungsvoll F. R. Engel Oberinspektor der österr. Nordwestbahn, Schriftführer des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Ein jüdischer Bäckermeister als Tondichter. In englischen Blättern lesen wir Details über die Karriere des jüdischen Bäckermeisters Boehm-Friesack in London. Boehm-Friesack, der noch bis vor Kurzem in einer kleinen Gaffe der Commercial Road einen bescheidenen Bäckerladen innehatte, wurde in Valparaiso geboren und schon als Kind durch seinen Vater, einem tüchtigen Musiker und Wagner-Enthufiasten, mit den Elementen der Musik vertraut gemacht. Als Knabe noch komponierte Boehm-Friesack mehrere Lieder, die in Valparaiso in Orchesterkonzerten wiederholt gespielt wurden. Vor einigen Jahren kam B o e h m nach England, trat in das Londoner königliche Konservatorium ein, besaß jedoch nicht die Mittel, um seine musikalischen Studien zu beenden und erlernte, um seinen Unterhalt decken zu können, das Bäckergewerbe. Sechzehn Stunden im Tage arbeitete er und die Zeit, die ihm noch übrig blieb, widmete er seinen musikalischen Studien. Von seinen Ersparniffen kaufte sich B o e h m Bücher. Er arbeitet gegenwärtig an zwei größeren Opern, deren eine den Titel „Aurora-Borealis" führt und die Liebesgeschichte der Bradicea und des Königs Arthur zum Thema hat. Die zweite Oper „Das verlorene Paradies" hat die Lebensgeschichte des Helden vom „Fliegenden Holländer" zum Gegenstände. Die englischen Fachblätter sind voll Lobes über die künstlerische Begabung des jüdischen Bäcker-Musikers. Antisemitische Lügen. Das „Deutsche Volksblatt" vom 27. November publiziert eine unverschämte Lüge unter dem Schlagworte: „Unverschämte Judeububeu. Auf der Mariahilferstraße gab es gestern abends eine Szene, die die Wahrheit des Wortes: „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen" dokumentierte. Zwei katholische Geistliche, die mit der bosnischen Deputation nach Wien gekommen waren, um dem Kaiser zu huldigen, gingen in der Abendstunde durch die genannte Straße, um sich die in den dortigen Auslagen befindlichen Kostbarkeiten zu besehen. Die fremdartigen Kleider und die Bärte der Priester mußten zwei Buben im Alter von ungefähr 12 Jahren mit ausgesprochen semitischen Gesichtern gereizt haben. Sie schlichen den Geistlichen nach und zerrissen größere Papierbogen in ganz kleine Fetzen, die sie zusammenballten. In der Nähe des Geschäftes der Firma Herzmansky warfen die unverschämten Bengels plötzlich von rückwärts einen ganzen Haufen von Papierschnitzeln über die Köpfe der beiden Priester. Helle Entrüstung bemächtigte sich der Passanten, die diesen abscheulichen Vorgang mit ansahen, allein die kleinen Fallotten hatten schon mit echter Naffentapferkeit die Flucht ergriffen und konnten nicht mehr eingefangen werden, um die wohlverdienten Prügel zu empfangen. Leider war auch kein Wachmann zur Stelle, um die jüdischen Lausbuben der Strafe zuzuführen. So werden die Gäste der Stadt Wien von den Judenstämmlingen behandelt. Ein katholischer Priesterrock scheint zu genügen, um jeden semitischen Embryo zur Wut und Gemeinheit zu reizen." Wie uns Leser Mitteilen, waren die Exzedenten keine „Judenbuben", sondern gut arische Kinder, welche die Geistlichen verfolgt haben in der Meinung, es seien — polnische Juden. Eine jüdische Selbstwehr in Amerika. Der „Boston Herald" meldet: Seit der großen Brandkatastrophe im April d. I. befindet sich die Bevölkerung von Chelsea in aufgeregter Stimmung. Erst neulich wieder wütete in dieser verrufenen Vorstadt von Boston ein großes Feuer, dem Werte von 1 Million Dollars zum Opfer fielen. In allen diesen Fällen waren Juden die Hauptbeschädigten und in allen Fällen handelte es sich um Brandlegung. Vorige Woche wurde wieder der Versuch gemacht, mehrere große Stallungen, die zufällig gleichfalls Juden gehören, in Brand zu stecken. Da die Juden nunmehr sahen, daß die Brandlegungen sich hauptsächlich gegen ihr Eigentum richten und daß die Feuerwehr, so oft es sich um die Rettung jüdischen Gutes handelt, gewöhnlich „zufällig" zu spät kommt, organisierten die Juden des bedrohten Viertels eine eigene Feuer-Selbstwehr, welche Tag und Nacht in Permanenzdienst ist und durch die Straßen patrouilliert. Der jüdischen Feuerwehr gehören angesehene jüdische Persönlichkeiten an, die sowohl durch Beiträge, als auch durch aktive Dienstleistung die Organisation fördern. Rehabilitierung der jüdischen Nase. Mrs. Edith Whartons neues Buch „Mit dem Motor durch Frankreich" ist nach Ansicht des „American Hebrew" auch für die Juden von besonderem Interesse. Nicht eben deshalb, weil sich in diesem Buche Daten über di^ Juden in Frankreich fänden, sondern deshalb, weil es einige interessante Reflexionen über — Nasen enthält. Mrs. Whartons kam auf ihrer Fahrt auch nach Rouen und hatte Gelegenheit, in einer Kapelle unter den vielen Bildern verstorbener Kardinäle besonders die — Nase eines Kardinals zu bewundern. - Und in Bewunderung dieser Nase ruft Mrs. Whartons aus: „Wir leben in einer Zeit der kleinen Nasen, jene stattliche, feudale, aristokratische Nase, die Dante mg.6üiouo8oo nennt, ist zu einer demokratischen Bedeutungslosigkeit zusammengeschrumpft, wie so mancher andere feine Ausdruck starker Individualität. Und so muß man heute die Werke alter Maler und Bildhauer aufsuchen, um einen Begriff davon zu haben, was eine Nase für ein Gesicht bedeutet. Die Nase verrät die Stärke ihres Trägers und die Kraft, so Manches zu überwinden." Also — meint „American Hebrew" — wir Juden brauchen uns unserer Nase nicht mehr zu schämen. Der alle Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Die im Exil lebenden und wirkenden Propheten und ihr Anhang, die Priesterschaft mit ihrem Annex, den Leviten, der entstandene, zu großem Ansehen gelangte Orden der gesetzesgelehrten Gottsuchenden und die judäische königliche Familie. Unter all diesen Vertretern der Gola erschien aber Kyros, dem großen Organisator, die königliche Dynastie als die geeignetste Repräsentantin ihres Volkes, durch die der gefaßte Entschluß seine Ausführung finden konnte. Denn der judäische König war schon von Amel Marduk rehabilitiert. Er erhielt einen glänzenden Hofstaat, es wurde ihm eine fürstliche Apanage eingeräumt. (II. Könige 25, 28, 29.) Das Davidische Haus besaß große Reichtümer, wie die Aufzählung der Besitztümer des Königs Hiskia im II. Kronek C. 32, 27) es dartut. Das Vermögen wurde seinerzeit konfisziert, aber wieder restituiert. Mit Hilfe des großen Besitzes konnte ein prunkvolles Hoflager errichtet und weite Kreise herangezogen werden. Das judäische Königshaus bot einen weithin imponierenden und vertrauenerweckenden Anblick dar. Kein Wunder, daß Kyros die Dynastie als den Mittelpunkt erwählte, von dem aus die Wiederherstellung des judäischen Staates ausgehen soll. Er erwies derselben große Gunst, zeichnete sie durch Ehrenbezeugungen aus, wodurch er kundtat, daß er sie als in die Reihen der herrschenden Häuser gehörig ansah. In seiner Thorzylinder-Jnschrift zählt er alle die Könige und die Völker auf, die ihm in Babylon huldigten. Dann fügt er hinzu: „Der König des Landes A ch i r i, die Bewohner von