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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-27 · 48 (27.11.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Vloch's WvchsArtzrM» Nr. 48 . «eite 846 Verleumdungen festzustellen. Der Reichskanzler v. Caprivi äußerte sich noch deutlicher. Der sogenannte „Judenflinten"-Prozeß, der sehr gewissenhaft dom 29. November bis zum 9. Dezember 1892 in Berlin geführt wurde, endete mit der Verurteilung Ahlwardts zu fünf Monaten Gefängnis. In den Erkenntnisgründen wurde ausgeführt: „Wieso kommt Ahlwardt zu dem scheußlichen Namen „Judenflinten"? Der eine der Leiter der Fabrik ist jüdischer Religion, der andere, Oberstleudiant a. D. Kühne, Christ und gewesener Offizier, die Gewehre find von christlichen Arbeitern gefertigt, von christlichen Revisoren abgeuommen. Der Angeklagte lagt zwar, er will die Rasse treffen und nicht die Personen, aber das ist nicht wahr. Er will nur die Personen treffen. Bei seinem Judenhaß scheut er sich nicht, den ganzen Beamtenstand zu treffen .... Es ist erwiesen, daß Loewe und Kühne ihr Bestes daran gesetzt haben, um dem Staat gute Gewehre zu liefern." Heute noch schaudern wir vor der Skrupellosigkeit, mit der eine jüdische Persönlichkeit geschmäht wurde, um das Vaterland zu demütigen! Geheimrat Loewe, dem jetzt die Ehrendoktorwürde auf das Haupt gesetzt wird, hat es nie verabsäumt, seine Kraft in den Dienst jüdischer Gemeininteressen zu stellen. Um so mehr dürfte er gleichmütig auf alles, was er als Jude zu leiden hatte, herabblicken, als er zu den bewahrten Ratgebern der Krone zählt, der — gleich dem genialen Leiter der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Geh. Baurat Dr. Ing. RuHeuau — der persönlichen Freundschaft des Monarchen gewürdigt wird. Die türkische Nationalbank. Aus Konstantinopel wird der „N. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Hiesige Kreise find seit einiger Zeit eifrig an der Arbeit, eine türkische Nationalbank ins Leben zu rufen. Es erhellt ohne weiteres, von welch großer Bedeutung die Gründung eines solch nationalen Finanzinstitutes für die Türkei wäre. Man spricht davon, daß die Bank mit einem Kapital von etwa 31/2 Millionen türkischer Pfund begründet werden soll, für das ein ansehnlicher Grundstock bereits gezeichnet ist. Leitende Männer aus Politik, Finanz und Handel treten mit ihrer ganzen Persönlichkeit für das Projekt ein, das demgemäß alle Aussicht hat, in kürzester Zeit realisiert zu werden. Hier wäre ein Angriffspunkt für jüdische Finanziers, der Türkei einen großen Dienst zu erweisen, der jedenfalls beffere Früchte tragen wurde als die Liebesdienste, die man Rußland und der russischen Regierung erwies. Aber die jüdische Geschichte der letzten Jahre ist so überreich an verpaßten Gelegenheiten, daß man kaum zu hoffen wagt, es könnte plötzlich einmal im richtigen Moment das Richtige getan werden. Die Jude» in Tunis. Aus Tunis wird der „N. J.K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Auch in die Judenheit von Tunis kommt nun allmählich neues Leben. Am 5. November erschien hier die erste Nummer -einer jüdischen Wochenschrift „Le Defenseur" (Redaktion: 28, Rue de Naples, Tunis), die das Organ der Juden in Tunis sein will. Man muß nun hinter den Juden von Tunis zwei Kategorien unterscheiden, erstens die eigentlichen tunesischen Juden, die Untertanen des Bey sind und die entschieden in einer weit schlechteren Lage als die übrigen tunesischen Bürger leben, zweftens die europäischen Juden, die, gleichviel, ob sie in Tunis geboren oder erst später eivgewandert find, offiziell den verschiedenen europäischen Nationalitäten, Franzosen, Italiener, Engländer, zugerechnet werden und die alle Rechte genießen, die den anderen Bürgern der betreffenden Nationalität zukommen. Die neue Wochenschrift „Le Däfenseur" will sowohl das Organ der tunesischen, wie der in Tunis lebenden europäischen Juden sein. Für die tunesischen Juden wird „Le Defenseur" das Kampforgan zur Erlangung ihrer Bürgerrechte sein und für die europäischen Juden ein Blatt zur Verteidigung des Judentums gegen die üblichen Angriffe, an denen es natürlich auch in Tunis nicht fehlt. Im Direktionskomitee des neuen Blattes find Juden beider Kategorien vertreten. Es besteht aus den Herren Niffim Haddad, Rafael Scemama, Viktor Scialom, Alfred Valenfi. — Die vorliegende erste Nummer enthält eine Anzahl recht temperamentvoll und mutig geschriebener Artikel. Der Programmartikel, der den Titel des Blattes führt, enthält scharfe Angriffe gegen die ungerechte „Rechtspflege" des Dar-el-Bey und eine Kritik der „Entschuldigungsvorschläge", die Herr de Dianous den tunesischen Juden gemacht hatte. In einem weiteren Artikel von Marcel Cauwel „II kaut gue 1a France sache ..." spricht der Verfasser die Hoffnung aus, daß das französische Volk auch die Befreiung der Juden von Tunis durchsetzen werde, und schließt mit dem Satze: „Le penple frangais a dömoli d’autres bastilles.“ — Man kann den Juden von Tunis, die sich nun energisch zu rühren beginnen, nur vollen Erfolg im Kampf um ihre Bürgerrechte wünschen und hoffen, daß sie in ihren auf das Rechtsgesühl der Franzosen basierten Erwartungen nicht getäuscht werden. Vermischtes. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 3. Dezember 1908, präzise halb 8 Uhr, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Doktor Max Grunwald statt. Thema: „Oesterreichs Juden unter dem Kaiser Franz Joseph I." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Eine interessante Konfirwationsfeier. Im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse beging Samstag den 21. November der Komponist Oskar Straus die Barmizwa-Feier seines Sohnes Louis. Der Konfirmand trug den umfangreichen Prophetenabschnitt laut und mit Verständnis vor und machte seinem Großonkel, dem Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern, der ihn im Vortrage der mtaan selber unterwies, Freude und Ehre. Oberrabbiner Dr. Güdemann richtete an den jungen Konfirmanden eine besonders herzliche Ansprache, in welcher er ihn daran erinnerte, daß am selben Tage vor 64 Jahren der Großonkel und verehrte Präsident der Gemeinde die Barmizwa-Feier beging. Dieses Vorbild möge sich der hoffnungsvolle Knabe stets vor Augen halten. Oberkantor Singer trug den Mischeberach in bekannt wirkungsvoller Weise vor. Aus diesem Anlasse machte Herr Oskar Straus eine Stipendien-Stiftung für einen Talmud-Thora- Schüler. Verein sür unentgeltlichen Arbeitsnachweis. 11/1, Taborstraße 59. Samstag den 28. November a. c. um 7 Uhr abends findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, die ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 29. d. M. findet um 3 Uhr nachmittags im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Mizzi Makler, Tochter des Hof- Anstreichermeisters Herrn Max Makler, mit Herrn Paul Weiß statt. Orthodoxer Bethausverein „Marpe Lauefesch". Anläßlich des Allerhöchsten 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers findet Samstag, den 28. d. M., 11 Uhr vormittags, ein Festgottesdienst, verbunden mit einer Predigt, in unserem Bethause statt. Wien. Der Israelitische Tempelverein des XIII. Bezirkes der Stadt Wien, XIII/2, Penzingerstraße 132, veranstaltet anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joseph I. am Mittwoch den 2. Dezember, 12 Uhr mittags, einen Gemeindefestgottesdienst, verbunden mit der Einweihung der Jubiläumsthora. Wien. (K a i s e r f e i e r.) Sonntag den 29. November d. I. um 4 Uhr nachmittags findet im israelitischen Waisenhause, XIX., Ruthgasse 21, die Kaiserfeier statt.

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