Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 48 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr- Llocb's Mscdenscbrm. Nr. 48 lg)ii€ 844 Die Huldigungsadresse hat folgenden Wortlaut: Euere kaiserliche königliche apostolische Majestät! AUergnädigster Kaiser und Herr! In den tausendstimmigen, den millionenstimmigen Jubelchor, der heute an dem weihevollen Gedenktage des Regierung^ubiläums Euerer Majestät, durch die weiten Gauen unseres Vaterlandes brauset, stimmen auch wir aus vollstem Herzen, aus dem tiefinnersten unserer Seele ein, wir, die israelitischen Untertanen Euerer Majestät, deren Repräsentanz, die Israel. Kultusgemeiudeu Oesterreichs, allen voran die israel. Kultusgemeinde Wien. Als Euere Majestät vor sechs Dezennien den glorreichen Thron Allerhöchst Ihrer Ahnen bestiegen, da — es war dies Allerhöchst Ihre erste Regierungshandlung — lösten Euere Majestät Millionen Ihrer Untertanen die knechtischen Bande. Das kostbare Gut des gleichen Rechtes — entsprechend der Gleichheit der Pflicht — verliehen Euere Majestät allen Ihren Untertanen, ohne hievon — wie es in trüben, vergangenen Tagen geschah — unsere Glaubensgenossen auszuschliessen. Ein kaiserliches Machtwort — ein herrliches Ruhmesblatt in der Regierungsgeschichte Euerer Majestät, in der Geschichte Oesterreichs — bannte den Glaubens- und Gewissenszwang, der schwer auf den Gemütern unserer Vorfahren lastete, ihre Lebenswege nach allen Richtungen durchkreuzte. Dank, innigsten herzlichsten Dank darob unserem erhabenen Monarchen, dem gütigen Vater aller seiner Völker, unserem Kaiser Franz Joseph dem Gerechten; Dank, den wir betätigen, indem wir gleich allen Landeskindern Blut und Leben freudig hingeben für unseren Kaiser, unser Vaterland. Dank der Vorsehung, die uns in der geheiligten Person Euerer Majestät einen Herrscher gab, erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit. Und so erheben wir heute in heisser Bitte unsere Seele zu Gott empor: Es möge die göttliche Vorsehung das Leben unseres Kaisers in voller Kraft und Gesundheit, in Glück und Frieden verlängern, bis an die äusserste Grenze menschlichen Daseins. Und in weihevoller Stille lauschen wir dem Priestersegen, der über das gesalbte Haupt unseres Herrn, in allen Gotteshäusern in Oesterreich und weit über dessen Grenzen hinaus, gesprochen wild: «Es segne Dich der Herr, und er behüte Dich, Es lasse Gott leuchten sein Angesicht über Dich, l'nd sei Dir gnädig. Es wende Gott sein Angesicht Dir zu und gebe Dir Frieden.“ Heil, Glück, Segen unserem edlen, weisen, gerechten Monarchen, unserem Kaiser Franz Joseph dem Ersten. Auf zirka 80 cm langem rechteckigen Sockel aus profiliertcm Ebenholz, der von sechs silbernen Füßchen getragen wird, ist eine massive Silberplatte montiert. In deren vier Ecken erheben sich auf reich ziselierten Silberbasen vier polierte Säulchen aus besonders gewähltem blauschillernden, Labrador und tragen die Kassette, in welcher die eigentliche Adresse ruht. Die vier Seiten der zirka 8 cm hohen Kassette sind mit Labradorplalten belegt und mit symbolischen Emblemen in reicher Silberopplikation dekoriert. Der Deckel der Kassette ist aus massivem Silber, am Rande reich mit teils getriebenen, teils montierten Ornamenten verziert und mit blauen Lapislazulisteinen besetzt. In der Mitte des Deckels bildet ein durchbrochen gearbeitetes, reich verziertes Davidsschild den Verschluß. Im Innern der Kassette, das teilweise vergoldet, teilweise mit schwerer weißer Seide ausgestattet ist, befinden sich vier Fächer, in welchen auf 434 künstlerisch umrandeten Blättern die Unterschriften der Vorstände sämtlicher Mischen Kultusgemeinden der Monarchie vereinigt sind. Die eigentliche Huldigungsadresse, deren Text vom Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern verfaßt wurde, ist in kunstvoller Kalligraphie auf drei mit allegorischer und ornamentaler Malerei reich ausgestatteten Pergamentblättern verzeichnet. Der Entwurf für die Kassette stammt von den Architekten Emerich Spielmann und Doktor A. Teller; die Ausführung der Kassette war der Firma Alois Kohn in Wien übertragen. Die Malerei und Kalligraphie der Textblätter wurde vom akademischen Maler David Markus entworfen und ousgeführt. Das Kaiserkinderfest des Vereines „Frauenhort" im IX. Bezirk. Samstag den 21. d. M. waren 210 Schulkinder aus den Volks-, Bürger- und Mittelschulen Wiens, Knaben und Mädchen, -der Einladung des „Frauenhortes" in das Caf6 City im IX. Bez'rk gefolgt. Außer dem Vorstand, an. dessen Spitze die Damen Rosa Ziffer er, Regine Kopstein und Johanna Fröhlich unermüdlich bemüht sind, hatten sich einige Kinderfreunde und Gönner eingefunden, darunter der - Präsident des Tempelvereines im IX. Bezirk, Herr G o t t l i e b Bettelheim, die Herren Dr. Bloch, k a i s. Rat Fröhlich, Julius Kopstein, Baumeister Melcher, zahlreiche Damen sowie junge Fräuleins, welche Spendenlisten für die Kinderbekleidung übernommen haben. Die Präsidentin, Frau Z i f f e r e r, hielt eine dem kindlichen Verständnis angepaßte und zum Kinderherzen gehende patriotische Ansprache, in der sie den Kleinen die Bedeutung des Jubiläumsjahres auseinandersetzte. Alle Anwesenden waren tief ergriffen, als sie den Schützlingen Gutes für ihre Zukunft wünschte und sie aufforderte, sie möchten, wenn sie einst durch ihren Fleiß in glücklichen Verhältnissen leben würden, im Sinne unseres Kaisers, wenn sie Feste feiern, der Hilfsbedürftigen und besonders der Kinder gedenken. Nach einem donnernden Hoch auf den Kaiser stimmten alle Anwesenden die Volkshymne an. Hierauf folgte eine köstliche Jause und eine fast eine Stunde währende treffliche Vorstellung eines, Prestidigitateurs, die von wahren Lachsalven begleitet wurde. Wir heben hervor, daß sämtliche Schulkinder in der neuen Winterkleidung erschienen sind, welche ihnen der „Frauenhort", wie immer am 19. d. M., als dem Namenstage der Kaiserin Elisabeth, auf das Diskreteste in das Haus schickt. Auf diese Weise versorgt der Verein, und zwar stets nur auf Grund eines guten Schulzeugnisses und einer eingehenden Recherche seitens der Vorstandsdamen, die Kinder mit Wäsche, Schuhen, Kleidern, Mänteln, Hüten, Handschuhen,. Schulrequisiten, Zahnbürsten, Kämmen und mit Seife. ,,,Dn diesem Jahre hat sich der Verein bemüht, seine gewohnte vortreffliche Leistung noch zu übertreffen. Eine besondere Freude wurde dem Verein damit zuteil, daß immer mehr Jugendvereine sein Beispiel nachahmen und von öffentlichen Beschenkungen absehen, worin der „Frauenhort" die schönste Anerkennung seiner Einführung sieht. Auch bei der Kaiserjause hatten die Kinder durchaus das Gefühl, geladene Gäste zu sein, und die Stimmung war denn auch bald eine vollkommen ungezwungene und ungemein lustige. Der Verein hat aber auch dafür gesorgt, daß das schöne Fest für immer im Gedächtnis der Kinder haften bleiben wird, denn wer beschreibt ihren Stolz, als sie alle eine Adresse in kunstvoller Enveloppe an ihren ebenso geliebten als verehrten Kaiser unterschreiben durften, die als eigenartige Huldigung Sr. Majestät überreicht werden wird, als .Zeichen, daß auch der „Frauenhort" sich an das segensreiche Kaiserworl gehalten hat und seinen patriotischen Gefühlen nur durch noch erhöhtere Arbeit im Dienst der Jugend, im Dienst der Zukunft Ausdruck gegeben hat. Uork-Steiner über Arth. Schnitzlers „Weg tn’3 Freie". Zu einem wahren Festabend gestaltete sich der 21. November für den Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Wohl waren die Erwartungen recht hoch gespannt, als man erfuhr, daß gerade Jork-Steiner diesen modernsten aller Tendenzromane unter seine scharfe Lupe nehmen werde. Allein die kühnsten Ansprüche wurden befriedigt. Ein geistreiches Thema fand einen geistreichen Interpreten. Glänzendes Publikum im prächtigen Saal des N.-ö. Gewerbevereines, der sich für diesen Zweck als viel zu klein erwies. Alles war im Einklang, die gehobenste Stimmung lagerte über der Zuhörerschaft, die sich besonders zahlreich aus dem schönen Geschlecht rekrutierte. Schon die Ansprache, womit der Präsident des Vereines, der ehemalige evangelische Militärbischof Professor theol. Dr. Szeberinyi die Versammlung eröffnete und die Erschienenen begrüßte, stellte das Ganze auf ein höheres Niveau. In der ihm eigenen, von tiefster Religiosität getragenen Weise welche zugleich den formvollendetsten Kanzelredner verrät, führte er aus, daß der „Verein zur Abwehr" eine Ehrenrettung des Christentums bedeute, welche wenigstens teilweise die Schmach des Antisemitismus paralysiere. Jeden Denkenden und Wissenden sei es ein Rätsel, wie man nicht die Lehren Mofis Hoch- Halten könne, welche ja die Grundlagen des Christentums bilden,