Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 48 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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gynpHiTraaMi Nr. 48 scheinlich in fürstlicher Haft gehalten worden. Mit dem bedeutenden Vermögen an Gold und Silber fingen sie an. Handel, Gewerbe und Industrie zu treiben, und gelangten dadurch zu einem großen Einflüsse auf die Hofpartei und auf die öffentlichen Angelegenheiten. Von dem tückischen, arglistigen, wort- und eidbrüchigen Nebukadnezar war, wenn er sich auch schon veranlaßt sah, den Exulanten eine mildere Behandlung auf allen Gebieten des Lebens zu teil werden zu lassen, keine Restauration des judäischen Staates zu erwarten. Sein Sohn, Amil Mavduk, der biblische Eril Merodach, gab zwar dem König Jehojachin, die vollständige Freiheit, errichtete ihm einen Thron, der höher war als die Throne der Könige, die bei ihm in Babylon waren (II. Könige 25, 28), da er aber nach Berosus ungesetzlich und tyrannisch regierte, beim Volke verhaßt war und nur zwei Jahre regierte, so erschien es den Judäern nicht wünschenswert, unter ihm die Restauration anzustreben. Unter den letzten drei babylonischen Königen, die keine Nachkommen Nebukadnezars mehr waren, fing das babylonische Reich bereits in allen seinen Fugen zu wanken an. Der Zusammen« sturz kündete sich mit sicheren Zeichen an und ein judäischer Prophet verkündete bereits im Namen Gottes den Namen Kyros' als den des Besiegers und Eroberers des Chaldäerreiches. (Jesajas 55. 1—4.) Aus vielfachen Gründen konnten die Exulanten auf den Begründer des persischen Großreiches, welches jetzt die Weltherrschaft antrat, betreffs der Wiederherstellung ihres Staates mit Sicherheit rechnen. Daß die Hauptstadt Babylon ohne Schwertstreich in die Hände des Siegers fiel, ist gewiß durch den großen Einfluß der judäischen Exulanten geschehen, die mutmaßlich seine heimlichen Verbündeten waren. Als ein Bund gegen Kyros sich bildete, dem der chaldäische Großkönig Nabunaid, Amasis von Egypten, Krösus von Lydien und der spartanische Staat angehörten, da verkündeten alle griechischen Orakel, an deren Spitze, das berühmte von Delphi, die Niederlage des Kyros. (Eduard Mayer „Geschichte des Altertums", II., S. 76, 7.) Aber der judäische Seher weissagte im Namen des einzigen Gottes den Sieg und die Weltherrschaft des persischen Königs. Zu den eroberten Ländern des chaldäischen Reiches gehörte noch immer Judäa, dessen Einwohner im Verlaufe der Zeit, wenn auch ohne nationale Führung stehend, durch Zusammenschmelzung mit den Bewohnern des ehemaligen Reiches Israel als ein wesentlicher politischer Faktor angesehen werden mußten. Die Exulanten konnten auf diese einen großen Einfluß ausüben. So wie die Namen und die Verehrung des Nirgal, des Aschima, des Nibchan, durch die Verpflanzung der babylonischen Bevölkerung, in den judäisch-israelitischen Landen bekannt wurden, so wurden der Namen und die Lehre des einzigen Gottes, durch die palästinensischen Einwanderer, in Mesopotamien verbreitet. Dieser Religionslkhre stand die persische durch eine innere Verwandtschaft einigermaßen näher als die assyrisch-babylonische. „Die iranische Religion," schreibt Mayer (das. III, S. 122, 123), „kannte weder Götterbilder, noch Gotteshäuser, auf den Berggipfeln rief man den Himmelsgott und seine Manifestationen, Sonne und Mond, Erde und Feuer, Wasser und Wind, an und errichtete die Altäre mit dem ewigen Feuer. Aber auch an jedem Orte konnte mau ohne weitere Vorbereitung zur Gottheit beten. Auch zur Zeit der Weltherrschaft noch sah der Perser, wie zahlreiche Angaben der Griechen lehren, mit GerinSchätzung herab auf die übrigen Völker, welche die weltumfassenden Götter inMenschen- oder garTiergestalten bildeten". Hinsichtlich seiner Religionsvorstellung war es daher nicht schwer, den Entschluß zu fassen, den Exulanten die Rückkehr in ihre Heimat und die Erbauung ihres Gotteshauses in Jerusalem zu bewilligen. Wenn von der persischen Regierung diejenigen jüdischen Kreise in Betracht gezogen wurden, mit denen die Durchführung der politischen Restauration angestrebt werden sollte, so boten sich ihr mehrere dar. (Fortsetzung folgt.) Seite 843 Korrespondenzen. Huldigungsdeputation der israel. Knltusgemeinde» Oesterreichs vor Sr. Majestät dem Kaiser. Anschließend an die Huldigungsaufwartung der Konfessionen fand Donnerstag den 26. November um 12 Uhr der Empfang der Huldigungsdeputation der israel. Kultusgemeinden Oesterreichs durch Se. Majestät den Kaiser in der geheimen Ratsstube statt. An der Deputation haben teilgenommen: Dr. Alfred Stern, Wien Dr. Gustav Kohn, Wien Oberrabbiner Dr. Moria: Güdemann, Wien Dr. Arnold Rosenbacber, Prag Dr. Simon Schaff, Lemberg Dr. Graf und Dr. Brettholz, Triest. Bernhard Biller, Graz Dr. Hieronymus Fialla, Brünn Dr. Samuel Tilles, Krakau Dr. Beno Straucher, Czernowitz Benedikt Schwager, Linz Wilhelm Dannhauser, Innsbruck Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau Der Präsident der Wiener israel. Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, richtete an Se. Majestät folgende Ansprache: „Euere kaiserliche und königliche apostolische Majestät! Allergnädigfter Herr und Kaiser! Tiefbewegten Herzens erscheinen die Repräsentanten der israelitischen Kultusgemeinden Oesterreichs vor dem geheiligten Antlitze Euerer Majestät, um namens der gesamten Judenschaft Oesterreichs, namens 1V4 Millionen Bekenner des mosaischen Glaubens ihre innigsten, herzlichsten Glückwünsche Euerer Majestät zu Allerhöchst Ihrem Regierungsjubiläum ehrfurchtsvoll darzubringen. Euere Majestät geruhen von Anbeginn Allerhöchst Ihrer Regierung den Grundsatz des gleichen Rechtes, entsprechend der Gleichheit der Pflicht, allenJhrenUntertanen, so auch uns gegenüber, konsequent walten zu lassen, lleberströmenden Herzens, aus dem Tiefsten unserer Seele sagen wir Dank, , ehrfurchtsvollen heißen Dank und geben diesem Danke Ausdruck in einer Huldigungsadreffe, welche die Unterschriften von 450 Kultusgemeinden trägt und welche wir Euerer Majestät mit der ehrfurchtsvollen Bitte unterbreiten, dieselbe allergnädigst entgegennehmen zu wollen. An dem Gedenktage des Allerhöchsten Regierungsantrittes werden wir Juden Oesterreichs in tausenden israelitischen Gotteshäusern in feierlichem Gottesdienste heiße Gebete zu Gott emporsenden, dankend der göttlichen Vorsehung, die uns einen Herrscher gab, erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit und bitten: Gott beschütze, Gott erhalte, Gott segne Seine Majestät, unseren geliebten Kaiser Franz Joseph I.!" Erwiderung Sr. Majestät: Für die Huldigung der israelitische« Kultusgemeindensage Ich Ihnen Meinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet; Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltn». Seien Sie versichert, daß Ihre Glückwünsche Meinem Herzen wohlgetan haben und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein können. Dr. Vlocb's MscdeRscdrm.