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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-27 · 48 (27.11.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4t Dr. LLocv's Mocbenscbrtn. Seite 841 schalom" war der literarische Name, der durch seine berühmten großen, von ihm edierten und bearbeiteten Literaturwerke weltbekannt ist, und mau kann in diesem Falle vollberechtigt sagen: wie dieser Name so war er. Leuchtend und friedfertig; geistsprühend, ohne zu verletzen; schlagfertig, ohne zu verwunden; treffsicher, ohne zu zerstören. Der Tiefgang seiner Arbeiten, die alle bis auf den untersten Grund gehen und klar find wie eine Gebirgsquelle, erklärt sich aus der umfassenden Fülle seines prachtvollen, imponierenden Wissens, das die klassische, antike halachische und aggadische Literatur des Judentums lückenlos in sich schloß. Er war natürlich aus der alten Schule hervorgegangen, hatte nie eine weltliche Schule besucht und an keiner Universität den Doktorhut erworben. Er geizte auch nicht nach diesem Ruhme, der ihm, was die Gewähr für reiche Kenntnis im Gebiete der jüdischen Literatur anlangt, problematisch erschien. Ein Mangel erwuchs seiner Wissenschaft wenigstens sicher nicht aus dieser unakademischen Erziehung. Er ist trotzdem, gleich Rappaport, ein Beispiel scharfkritischer Methodik und systematischer Kritik. Die breite Basis seiner Forschung waren die Bibel und der Talmud. Sie waren seine vertraute Heimat, die er liebte und nach allen Richtungen unermüdlich, Tag und Nacht, als Knabe, Jüngling, Greis durchwanderte. Hier kannte er jeden Weg und Steg, jeden Strauch und Stein. Alles war ihm zur Stelle präsent und bereit und jedes mit ihm geführte Gespräch auf diesem Gebiete war eine positive, wissenschaftliche Leistung. Das Geschwisterpaar Halachah und Haggadah begleitete ihn auf seinem Lebenswege. Man charakterisiert seine literarische Lebensarbeit aber besser, wenn man sagt, daß der M i d r a s ch, im wissenschaftlichen Sinne, von ihm mit genialer Souveränität beherrscht und durchackert worden ist; der halachische und der aggadische Midrasch. Sie fließen ja in den ältesten, klassischen Midraschwerken aus einer Quelle, dem Thora- und Bibelworte, und laufen bald parallel, bald münden sie ineinander, bald ergießen sie sich vereinigt in ein gemeinsames talmudisches Becken, heiße es Gemarah oder Toseftah, Sifre, Mechiltah oder Pesiktah. Als deutliche,. leuchtende Merkzeichen seiner weit zurückceichenden, wissenschaftlichen Bahn stehen seine Werke da. Doch wir wollen einen Augenblick verweilen, uni vorerst dem Lehrer ein Wort zu widmen. Er war nämlich ein begeisterter Lehrer. Mit mir erinnern sich Tausende Schüler der prächtigen Stunden, die wir im Beth Hamidrasch verlebten. Es war ein Genuß, seine funkelnde — oft von romantischer Phantasie beflügelte — Exegese des Gotteswortes, seine hochoriginelle Interpretation des Midrasch rabbah zn hören, in welchen textkritische Blitze, historische Kombination, religionsgeschichtliche Hypothesen und nicht selten erfreulicher Witz und Humorfunken aufleuchteteu. Man trug immer etwas Schönes, Neues mit nachhause. Und er stand seinen Schülern nahe. Es war keine akademische Scheidewand da. Er fühlte sich nicht so sehr als der „Professor" — womit ich beileibe keinem Professor wehe tun will — denn als „Darschan", dem es darum zu tun ist, der sehr verschiedenartig zusammengesetzten Hörerschaft Liebe, kindliche Liebe zur Thora einzupflanzen. Und es gelang ihm. Er war ein trefflicher Pädagog, der die Seele des Schülers kannte und seine Methodik aus der uralten Cheder-Ueberlieferung geholt, aber durch modernisierte Ideen krystallisiert hatte. Gewiß entsprach seine Tätigkeit als Lehrer an der Theologischen Lehranstalt, die ich nicht kannte, dieser seiner altbewährten Art, die ich selbst mit Hochgenuß kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Er blieb ja doch gewiß immer: der Herr Lektor Fried mann. Sein scharfgeschnittenes, charakteristisches Gelehrtenantlitz konnte niemand vergessen, der es einmal gesehen. Den lächelnden, etwas spöttischen, doch auch gutmütigen Zug um den beredten Mund, das klare, scharfe Auge,, die prachtvolle Denkerstirne. Und dazu stimmte die etwas singende, aber präzise, kräftige Sprache, die er wie ein Volksredner, nicht wie ein Prediger, handhabte. Denn ein Prediger war er nicht; wollte er nicht sein; jede Ansprache verwandelte sich ihm in eine Abhandlung. Das Beth- Hamidrasch verliert also in ihm die zweite Säule. Jachin- Weiß ist schon lange, lange gestürzt, nun folgte Boas-Friedmaun. Die Wände des Beth-Hamidrasch werden von ihren Lehren wiederhallen. Die ganze jüdisch-literarische Welt beklagt den Verlust eines ihrer wackersten, tüchtigsten und sympathischesten Gelehrten. Er ist offenbar mit der Feder in der Hand abberufen worden und seine großangelegte Edition des „Torath Kohanim" bleibt vielleicht ein Torso. Ueber seine Werke läßt sich in diesen wenigen Worten nichts sagen. Der Gelehrte, der sie kennt, schätzt sie als musterhaft. Und sie sind zumeist so beschaffen, daß man sie nicht nur einmal studiert, sondern — da es Fundamentalwerke der rabbinischen Wissenschaft sind, immer wieder und wieder studieren muß. Seine kritischen, nach den ältesten Drucken und Handschriften veranstalteten Editionen des Sifre d'b e R a b, der Mechilta, Pesiktah rabbati sind unentbehrliche Handbücher, die sozusagen zum täglichen Gebrauche für den jüdischen Gelehrten gehören, Quellenwerke ersten Ranges, deren Verläßlichkeit. Gründlichkeit und Genauigkeit tausendfach erprobt ist. Sind es doch die ältesten, halachischen und aggadischen Midrasche, die uns Friedmann mit seinen lichtvollen Kommentaren „Meir ajin" hier gespendet hat, die großen Quellenwerke, deren freilich mündlicher Überlieferung entstammender Grundstock die Wurzel der Talmude gebildet hat; die klassischen Zeugen ältester Tradition. Den gleichen Stempel tragen seine ebenfalls durch „Meir ajin" kommentierte Ausgabe des „Seder Eliahu rabbah weseder Eliahu suttah" und die der „Baraita di-Melecheth Ha-Mischkon. Die großen Einleitungen der genannten Werke allein würden genügen, Friedmanns literarischen Ruhm zu begründen, denn sie enthalten eine Ueberfülle von Gelehrsamkeit und kritisch-literarischen Ergebnissen, die als eiserner Fond der jüdischen Wissenschaft angehören werden. Das hat insbesondere von der prachtvollen Einleitung zum „Eliahu rabbah" Geltung, die für sich allein ein erstklassiges kritisches Werk ist.Eliahu rabbah ist ja einesder köstlichsten aggadischen Werke, das die hebräische Literatur besitzt; und der glänzende Aggadist Friedmann hat ihm seine ganze Liebe und Sorgfalt gewidmet. Willkommene Ergänzung findet dieses Buch durch die Schrift: Pseudo-Seder Eliahu z u t a, deren Herausgabe der unermüdliche Forscher, charakteristisch genug, als eine literarische Pflicht bezeichnet hat, um die Literatur von einer Irreführung zu befreien, die ein alter Gelehrter (Haida) verschuldet hatte. Das gehört mit zu der Art Friedmanns, daß er ohne viel Aufsehen hunderte Jrrtümer in aller Stille richtig stellt; andere hätten aus seinen tausenden vou Noten und Glossen ebensoviele Artikel hergestellt; er streut die klaren Perlen seiner bewundernswerten kritischen Ergebnisse und Hinweise verschwenderisch . aus. Sein fast alle Werke begleitender kritischer Kommentar „Meir ajin" erleuchtet das Auge wirklich und bringt Licht und Helle in dunkelste, literarische Schachte. Nicht vergessen darf man bei dieser Gelegenheit seiner Pesach Haggadah, die zum Besten gehört, was über sie geschrieben worden ist. Alle bis nun angeführten Werke sind in hebräischer Sprache geschrieben, der Sprache, die Friedmann so unendlich geliebt und die er sich, wie selten einer, zu eigen gemacht hat. Sein Stil ist klar, wie sein Blick; sein Ausdruck einfach, wie sein Wesen. Es lag in der Natur seiner ganzen Geistesbildung, daß er mit Vorliebe hebräisch schrieb; aber auch seine deutsch geschriebenen Artikel, Aufsätze und Werke sind trefflich. In seinem Buche O n k e l o s und A k y l a s faßt er ein altes, strittiges Thema mit starker Hand an und sucht in das Hypothesengewirre Ordnung zu bringen; ein leiser Spott gegenüber den zünftigen Gelehrten ist darin zu verspüren. — Seine Aufsätze in allen Fachzeitschriften sind überaus

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