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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-27 · 48 (27.11.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 48 Seite 840 Ox. LLocb s MoedeKsLdNA. wir Marcus in Wien und das Jahr darauf bei dem Hofmechaniker Kraft beschäftigt. Drei Jahre lang war er als Mechaniker am physikalischen Institut des Josephinums augestellt, später Assistent im Physiologischen Laboratorium bei Professor Karl Ludwig. Etwa 1860 richtete er sich in der Mariahilferstraße (Nr. 95?) eine mechanische Werkstätte ein, aus der eine Unzahl wertvoller Erfindungen hervorgegaugeu ist. Er wurde zu den hervorragendsten und talentiertesten Mechanikern und Elektrikern Oesterreichs gezählt. Wie so viele, fühlte sich auch Kronprinz Rudolf von dem originellen Geist angezogen. Von je einem Paar Manschetten- und Chemisetteknöpfen mit Diamanten und blauen Steinen, die er vom Kronprinzen zum Geschenk erhalten, spricht Marcus in seinem Testament vom 6. Juni 1886. Von Marcus gebaut, etwa 1861, waren die ersten Schreiber mit Selbstauslösung, die im Telegraphendienst der österreichischen Eisenbahnen verwendet wurden. Für seine Thermosäuleu, die er übrigens später verbessert hat, erhielt er die goldene Medaille der Wiener Akademie und einen Preis von 200 fl., für seinen Feldtelegraphen, der im deutsch-französischen Krieg in Gebrauch war, eine Anerkennung v. Blum enth als, des Generalstabschefs der Armee des Kronprinzen. Au den deutschen Erfolgen 1870/71 hatte Marcus auch insoweit Anteil, als seine elektrischen Zündapparate, die sogenannten „Wiener Zünder" an den meisten französischen Festungen, wie Straßburg, Joul, Laon usw. zur wirksamen Anwendung kamen. Mit Hilfe des Marcusschen Minenzündapparates haben Payer und Weiprecht auf ihrer Nordpolexpedition, einen Eisbären in die Luft gesprengt. Auch das Walfischmesser, dessen sich die Mitglieder der Expedition bedienten, hat Marcus erfunden. Bekannt sind ferner seine „Sirius"-Gaskarbnratoren und sein lautsprechendes Mikrophon. Bon ihm stammt ein Ruhmkorff eigenen Systems und eine Petroleumglühlichtlawpe von 600 Kerzen Leuchtkraft. Schon in den Sechzigerjahren baute Marcus F u n k e n i n d u kt or en, die im Prinzip auf dem Abreißen eines Ankers von Stahlmagueten beruhen, die er nach einem neuen Verfahren besonders kräftig herstellte. Er verwendete sie unter anderem für seine Feuerzeuge und zur Zündung für zerstäubtes Benzin bei Gasmotoren, um das explosive Gasluftgemisch zu verbrennen. Vor ihm hat man diese magnet-elektrischen Zündungen nicht gekannt. Marcus war der erste, der Gas auf anderem Wege als aus Kohlen erzeugte. Er nannte es Astralgas. Seine Verbesserungen in der Torpedotechnik sind in der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine eingeführt worden. Aehnlich wie einst im 16. Jahrhundert Abraham Colorui am Hose der Este in Ferrara, konstruierte Marcus eine Faustpistole, die hintereinander 100 Schüsse abgibt. Aus seiner Werkstätte kamen die Apparate für Kratky-Baschik, den Zauberer im Wurstelprater, ferner Kreiselpumpen, Bogenlampen, galvanischePropellerelemente, Gasglühlicht-Petroleumlampen („Sturmlampen") und eine Menge anderer Erfindungen, die diesem fruchtbaren Geiste entsprungen sind. Wie seine Bekannten versichern, hat er ohne Zweifel sehr viele unausgenützt ins Grab mitgenommen. Es war ihm unmöglich, eine jede Erfindung unter Patentschutz zu stellen. Er tat dies erst dann, wenn sich ein Reflektant auf eine gefunden hatte. Durch eine einzige Firma erwarb Marcus in den Jahren 1876 bis 1896 27, durch eine zweite zwischen 1892 und 1698 nicht weniger als 76 Privilegien, in Oesterreich 12, Ungarn 4, Belgien 9, England und Frankreich je 8, Deutschland 7, Amerika 6, Italien 4, der Schweiz und Finnland je 3, Spanien, Rußland und Norwegen je 3 usw. Es sind Patente auf einen automatischen Bilderapparat, seine Simplex-Lampe, eine direkt rotierende Maschine, Neuerungen an Wagenfedern, ein elektrisches Läutewerk, einen neuartigen Rost, ein neuartiges galvanisches Element und verschiedene neue Beleuchtungskörper für Oel, Gas, flüssige Kohlenwasserstoffe u. a. m. Auf den entlegensten Gebieten der Technik hat sich Marcus mit Erfolg versucht. Seine Geschicklichkeit als Zahnartist wird gerühmt. Nur den wenigsten dürfte es bekannt sein, daß er viele Jahre hindurch eine — künstliche Wange getragen/hat, vermutlich gleichfalls, sein eigenes Erzeugnis. Marcus stand in vielfachen Beziehungen zu den hervorragendsten Geistern unserer Zeit. Er korrespondierte init Helmholtz und Brücke, mit den Physikern Ettinghausen und Mach. Seine Erfindungen wurden in zahlreichen Lehrbüchern und Abhandlungen besprochen. Dabei war er persönlich von einer rührenden Einfachheit und Bescheidenheit. Trotz seines großen Wissens blieb er der einfache Mechaniker. (Bergs, die anerkennenden Worte in der „Allgem. Automobil-Zeitung", IX. Jahrg., S. 54.) Seine unsterbliche Leistung ist aber der Ban des ersten Benzinkraftwagens. Der auf der Wiener Weltausstellung 1873 und der Wiener Spiritusausstellung 1904 vorgeführte Marcuswagen, jetzt im Besitze des Oesterreichischen Automobilklubs in Wien, ist nicht der erste Typ. Nach den Aussagen eines Arbeitsgenossen, der 1864 bei Marcus eingetreten ist — ein anderer lebt noch heute hier — war ein E-'euzinkrastwagen, an dem Marcus etwa fünf Jahre, gearbeitet hatte, schon damals montiert,"^ 1368 ^atTer^bief• g Modell vollendet und bis 1875 zu einem brauchbaren Vehikel verbessert. Marcus benützte dazu einen ganz gewöhnlichen Handwagen. Er nahm die Hinterräder ab und setzte au ihre Stelle die beiden Schwungräder des Benzinmotors, den er übrigens auch damals schon für ein Luftschiff verwenden wollte. Dieser Motor ist 1870 photographisch ausgenommen worden. Zu den nächtlichen Probefahrten lud Marcus aus einem benachbarten Cafe, er wohnte zuletzt am Neubau, Lindengasse 4, Gäste ein. Diese Fahrten wurden aber wegen des Geräusches, das sie verursachten, polizeilich verbotei'. Die Frage nach der Priorität der Erfindung des Automobils und Marcus' Urheberschaft kam bekanntlich in Fluß, als Frankreich und die Vereinigten Staaten hierauf Anspruch erhoben. In Amerika berief sich George B. Seiden auf ein Patent, das er 1879 angemeldet habe, das ihm aber erst 1895 erteilt worden ist. Nach einem Protokoll, das eine Kommission des französischen Automobilklubs verfaßt hat, wurde Lenoirs Automobilgrundtype in das Jahr 1862 verlegt. Nach den Mitteilungen des Arbeitsgeuossen Marcus läge aber dessen Erfindung weiter zurück. Obwohl diese nicht unwichtige Tatsache ftstgestellt worden war, nahmen die beteiligten Kreise in Oesterre'ch wie in Deutschland doch keine Kenntnis davon. Die Fachzeitschriften diesseits wie jenseits der schwarzgelben Pfähle räumten einander gegenseitig dos Anrecht auf den Austro- Germanen Marcus bereitwilligst ein. Und da keiner wollte leiden, daß durch sein Eintreten für Marcus etwa der andere gekränkt werde, so ruhte die Frage Marcus. Und Marcus fand keine Ehrung bis jetzt, ein Jahrzehnt nach seinem Tode (am 1. Juli), auf Anregung des Herrn F. M. Feldhaus durch Beiträge des Kaiserlichen Automobilklubs in Berlin, des Oesterreichischen, Rheinischwestfälischen, Bayerischen und des Thüringischen Automobilklubs, sowie der Firma Siemens & Halske jene Gedenktafel gestiftet wurde, die ihrer Enthüllung^ entgegeusieht. Hektar Mayer Friedmann s. A. Von Dr D. Feuchtwang. „Die Welt geht ihren gewohnten Gang"; aulom keminhogo. So lautete regelmäßig die Antwort dieses ausgezeichneten, still dahinwandelnden Menschen und Forschers auf pie Frage, wie er sich befinde. Sie spiegelt die ganze Abklärung und Ruhe wieder, die über sein Wesen und Leben, sein Wissen und Geistesschaffen gegossen war. „Mnr isch

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