Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 48 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 48 Vr. Block'« WochrnMrM. -s-ite 839 Das ist im Großen und Ganzen die politische Rechnung einer Gruppe von Leuten, welche die Wiener Kultusgemeinde erobern wollten. Es ist aber noch nicht die ganze Rechnung. Mit welchen Mitteln bei dieser Wahl gearbeitet worden ist, das dürste bei der von der Opposition gegen die „Oesterreichische Wochenschrift" angestrengten Ehrenbeleidigungsklage vor dem Richter sich offenbaren. * * Als Resultat der Sonntag den 22. November 1908 vorgenommenen Wahlen von 8 Vorstandsmitgliedern mit je sechsjähriger Mandatsdauer und 1 Vorstandsmitglied mit zweijähriger Mandatsdauer wurde' folgendes Endergebnis festgestellt. a) für die sechsjährige Mandatsdauer: Anzahl der abgegebenen gütigen Stimmen: 4997. Die absolute Majorität beträgt daher 2499. Diese haben erreicht die Herren: Professor Dr. S. Ehrmann mit 3961 Stimmen Salo Cohn „ 3904 „ Leopold Sachs * 3849 „ Max Frank „ 3842 „ Dr. Isidor Samuely „ 3762 „ Samuel Steiner „ 3713 „ Karl Seligmann „ 3537 „ Dr. B. Rappaport „3187 „ In der Minorität blieben folgende Herren: Adolf Brecher mit 1139 Stimmen Adolf Böhm „ 1110 „ Dr. I. Schalit „ 1058 „ Ob.-Jng. Emil Fried „ 1015 „ Dr. I. Margulies „ 1014 „ Dr. I. Zipser „ 1013 S. Kohn „ 997 „ Max Markus „ 979 „ Bernhard Hofbauer „ 618 „ d) Für die zweijährige Mandatsdauer: Anzahl der abgegebenen giltigen Stimmen: 4941. Die absolute Majorität beträgt daher: 2471. Diese hat erreicht Herr kais. Rat Wilhelm Pollak mit 3749 Stimmen, welcher somit als gewählt erscheint. In der Minorität blieb Herr Dr. Egon M. Zweig mit 1046 Stimmen. * * * Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Mit Berufung auf § 19 P.-G. ersuche ich Sie, nachfolgender Berichtigung, in Ihrer nächsten Nummer Raum zu geben: Es ist unwahr, daß ich als Redner in der am 18. d. M. stattgehabten Wählerversammlung im „Hotel Post" gegen den Präsidenten eine bedrohliche Haltung angenommen und gegen ihn einen Sessel erhoben habe, es ist unwahr, daß zwei Männer auf die Tribüne eilten und erklärten, nicht vom Platz zu weichen, bis ich die Tribüne verlasse/ wahr ist vielmehr, daß ich, während ich den Präsidenten ersuchte, mir endlich einmal Ruhe zu verschaffen, von vier handfesten Männern in der rohesten Weise überfallen und tätlich angegriffen wurde, worüber eine Untersuchung im Zuge ist. Achtungsvoll Adolf Böhm, Wien, XVI., Wilhelminenstraße 28. Siegfried Mare«», der Erfinder des Ken;i«a«t»modits. Von Dr. Max Grrmwald.*) Ein für Wien nicht ganz belangloses Ereignis begibt sich dieser Tage in Fritz Reuters Heimat. In Malchin, *) Aus der „Neuen Freien Presse" vom SS. November. einem stillen Städtchen des^ nährsamen Obotritenlandes, soll an dem Geburtshause des in Wien wohlbekannten Erfinders des Automobils Siegfried Marcus eine Denktafel enthüllt werden. Sie zeigt lorbeerumrahmt Marcus* Kopf, daneben links sein Automobil aus dem Jahre 1875. Rechts sieht man einen modernen Kraftwagen durch die Landschaft sausen. Dahinter ragen Schlote empor, ein Hinweis auf die Automobilindustrie. Im Vordergründe bestaunen zwei gefesselte Sphinxe die beiden Fahrzenge wie eine Mutter ihr Neugeborenes: das der Natur entlockte Geheimnis hat der Erfindung das Dasein gegeben. Die Inschrift der Tafel lautet: „Geburtshaus von Siegfried Marcus, Erfinder des Automobils, geboren den 18. September 1831." Für den 18. September d. I. war ursprünglich die Enthüllungsfeier geplant. Plötzlich wurde sie verschoben. Auf eine Anfrage nach dem Grunde des Aufschubes antworteten Bürgermeister und Rat von Malchin unter dem 3. Oktober, „daß hier Näheres über das Wirken des Siegfried Marcus und dessen angebliche Erfindung nicht bekannt ist. Auch hat der Eigentümer des Geburtshauses des Marcus bisher seine Zustimmung zur Anbringung einer Gedenktafel nicht erteilt, und es ist zweifelhaft, ob die Genehmigung überhaupt erfolgen wird." Diesen Zweifel behebt nun eine Mitteilung des mecklenburgischen Ministeriums vom 26. Oktober, dahingehend, daß es die Bedenken der Stadtverwaltung in Malchin zerstreut habe. Daß dieser Wink von oben nötig war, kann übrigens nach der Tragikomödie der Heine-Denkmalsfrage niemanden befremden. Je ablehnender aber die Heimat des Meisters sich zeigt, umso wärmer darf Wien, die Geburtsstadt seines Werkes, ihn würdigen, in deren Mauern er die weitaus längste Zeit seines Lebens geweilt und rastlos geschaffen hat. Siegfrieds Vater, Liepmann Marcus, aus einer in Mecklenburg weitverbreiteten Familie stammend und wohl auch mit dem mecklenburgischen Deputierten im Frankfurter Parlament Dr. Marcus verwandt, hat sich als Mitglied des Oberrates der Israeliten Mecklenburgs um deren Organisation verdient gemacht Seine „Kurze Uebersicht der Verhältnisse der Einwohner mosaischen Glaubens in den großherzoglich mecklenburgisch - schwerinischen Landen" (Güstrow, 1833) leitet er mit den Worten ein: „Vorliegendes Merkchen ist die Frucht des Nachdenkens und der Arbeit dreier Tage." Augenscheinlich ein Beweis energischen Geistes. Eine Nichte Liepmanns war eine Schwägerin jenes Dr. Liebmann in Stavenhagen, der als Freund Fritz Reuters bekannt ist. Eine andere, die Schriftstellerin Rosa Warrens, hat mit Alexander v. Humboldt Briefe gewechselt und sich im dänischen Kriege 1864 als Krankenpflegerin betätigt. Sie kam damals mit Frau v. Bismarck in Berührung, von der sie auch als Mitglied eines gemeinsamen Frauenvereines gelegentlich zum Tee geladen wurde. Zwei Neffen Liepmanns, Ludwig und Rudolf Philipp, vertraten das österreichisch-ungarische Generalkonsulat in Gothenburg. Siegfried Marcus zeigte als Knabe eine ungewöhnliche, musikalische und besonders gesangliche Begabung. Seine heftige Abneigung gegen Obst mußte seine Mutter zu Hilfe rufen, wenn sie das Musikzimmer nach dem Aufräumen eine Zeit lang rein halten wollte. Sie brauchte nur Aepfel hineinzulegen und Siegfried betrat trotz aller Sehnsucht nach seinem Piano die Schwelle nicht. Etwa 1848 kam er zu einem Hamburger Schlosser in die Lehre. Drei Jahre später trat er bei der damals neugegründeten Firma Siemens u. Halske in Berlin ein. Werner Siemens wurde auf seine Begabung aufmerksam und bestärkte ihn in seinem Bildungsstreben. Seinen ersten Erfolg erzielte Marcus, als er mit dem großen Werner von Siemens die erste unterirdische Telegraphenlinie von Berlin nach Magdeburg legte. Er erfand bei dieser Gelegenheit ein Relais, für das ihm die sächsische Regierung 1000 Thaler zahlte. Schon 1852 finden c_