Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 47 (10.11.1908)
- Date
- 1908-11-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Sette M4 Wr. »locb'L MocdenrebrM. Nr. 47 Leinen seinen Nase, wenig an sich, wobei wunderbarerweise sein langes, lockiges und blondes Haar nicht das Geringste mit dem seines Vaters und ebensowenig mit dem der seligen Rachel gemein hatte. Dessenungeachtet hatte Benjamin trotz seiner Jugend, seiner schönen blonden Haare und seiner dunkeln Augen nicht minder an dem Fluch zu tragen, der auf seinem ganzen Volk, und, wie man sagt, auch auf dem Lande ruht, woher es glommen ist. Der kleine Benjamin durfte nicht spielen mit den Knaben von Mora, wie er ohne Zweifel gern getan hätte. Wo er neben seinem Vater erschien, fich ängstlich anklammernd an den Falten seines Kaftans, erfuhr er von seinen Altersgenoffen dieselbe Verachtung wie sein Vater von den Erwachsenen und wurde unter Spott und Lachen bald hier, bald dort gezupft und gestoßen. Er mußte dies ruhig hinnehmen, und selbst sein Vater konnte ihn dagegen nicht schützen, wenn er auch manchen Blick glühenden Haffes unter seinen buschigen Brauen auf die Beleidiger seines lieben Knaben warf. Jndeffen war Salomon nicht der einzige Jude, der in jenem Lande lebte, vielmehr war die Gegend um Trient bis in eine Entfernung von mehreren Meilen von vielen seiner Glaubensgenossen bewohnt. Aus manchem Alpental stieg der Rauch von dem Herd eines Nachkommen Abrahams in die blaue italienische Lust empor, und manche morgenländische Gestalt saß um Sabbatabend mit Weib und Kind vor der Hüttentür und blickte finnend und in schwermütigen Gedanken in die Nebel hinein, die fich über der Etsch zusammenballten, wie einst vor dreitausend Jahren ihre Väter über die hellen Waffer des Euphrat hinblickten in die gesegneten Fluren Mesopotamiens.. Das hatte denn allerdings seinen guten Grund, wie der günstige Leser sogleich scheu wird, wenn er dem Verfaffer einen kurzen Rückblick in das Jahr 1276 verstattet. In diesem Jahre trug sich in Trient eine Begebenheit zu, die mau wü>er dem Jahrhundert noch den Bewohnern dieser frommen Stadt allzu sehr zur Last legen darf, da fich auch in anderen Städten und in späteren aufgeklärten Zeiten, bis in unsere Tage herab, ähnliches begeben hat. In dem gedachten Jahre lebte in Trient ein Maler. Seinen Namen verschweigt die Geschichte, wohl aber erzählt sie, daß er ausgezeichnete Heiligenbilder gemalt und bei den lieblichen Eugelsköpfen, die er auf den meisten anzubringen wußte, sein Söhnchen Simonino zum Modell genommen habe. Simonino war auch in der Tat ein hübscher Knabe, dem die sanften blauen Augen sowie die lockigen blonden Haare, die sein blühendes Geficht umgaben und über seine Schultern herabfielen, ein engelhaftes Ansehen gaben und ihn deshalb zum Modell für diese himmlischen Wesen ganz besonders geeignet machten. Mü den Heiligenbildern des Vaters war auch Simonino allgemein bekannt und beliebt geworden. Daher darf, es nicht befremden, daß die ganze Stadt in die lebhafteste Aufregung und Unruhe geriet, als eines Morgens fich die Nachricht verbreitete, der kleine liebliche Knabe sei auf unerklärliche Weise verschwunden. Alle Einwohner vereinigten ihre Bemühungen mit denen deS bekümmerten Vaters, irgend eine Spur von dem Verlorenen auftufinden. Man untersuchte auf das Sorgfältigste jede Gasse und jedes Haus und vergaß auch die zahlreichen Kanäle nicht, die, von der Etsch gespeist, die Stadt durchschneiden und von denen einer an dem Hause des Malers vorüberfloß. Nichts war natürlicher, als daß Simonino in einem unbewachten Augenblick an dem Ufer dieses Kanals spielend, in demselben seinen Tod gefunden haben könne. Man fand ihn jedoch weder hier noch anderswo. Erst nachdem acht Tage verflossen und die guten Leute in Trient bereits wieder ziemlich beruhigt waren, brachten Fischer der Umgegend die Leiche eines Knaben, die sie in ziemlicher Entfernung von der Stadt in der Etsch gefunden hatten und in der man ohne Mühe den Körper deS kleinen Malersohnes erkannte. Er war also doch wohl in den Kanal gefallen und aus^ diesem in den großen Teich gelangt, wobei er, an die Pfeiler der Brücken oder an die Ufersteine, oder an irgend einen anderen Gegenstand anstoßend, manche Wunde an seinen zarten Gliedern empfangen haben mochte. Simonino war natürlich , sehr blaß, als man ihn aus dem Wasser zog und seine Adern blutleer, auch die Wunden, die sich hie und da an seinem kleinen Leibe zeigten, wie wir oben schon andeuteten, sehr erklärlich. Aber den guten Leuten in Trient genügten diese natürlichen Erscheinungen nicht, seinen Tod zu begreifen. Irgend eine weise Frau oder sonst ein besonders scharfsinniger Kopf fand nichts gewisser, als daß die Juden, das Musterbild so vieler Engelsköpfe auf den Heiligenbildern mit ihrem teuflischen Haß verfolgend, Simonino aufgefangen, ihn zur Verspottung des erhabenen Symbols des christlichen Glaubens gekreuzigt — die Nägelmale fanden sich leicht — und sein Blut zu den gräßlichen Zeremonien ihrer scheußlichen Feste gebraucht hätten. Eine an Wahnsinn grenzende Aufregung ergriff Jung und Alt in der frommen Stadt Trient. Fanatische Weiber und Mönche rannten durch die Straßen und riefen gräßliche Verwünschungen auf die Häupter der unglücklichen Juden herab, der Pöbel erbrach ihre Häuser, raubte ihre mühsam erworbenen Schätze, mißhandelte ihre Personen und schleppte sie blutend, mit zerrissenen Kleidern, mit gebrochenen Gliedern und fast leblos vor den Bischof, um die Urheber eines so großen Frevels dem geistlichen Gerichte zu übergeben. Welche Erfolge diese gerichtliche Prozedur hatte, ist unschwer zu erraten. Die Juden wurden durch wirksame Anwendung aller Grade der Folter überführt, das ihnen schuldgegebene Verbrechen begangen zu haben, und empfingen ihre gerechte > Strafe. Fünf alte siebzigjährige Greise hatte bereits die Folter getötet, zwei kräftige Männer wurden als die eigentlichen Mörder Simoninos mit glühenden Zangen gezwickt und dann ihre zuckenden Leiber auf mächtigen Scheiterhaufen verbrannt, einundzwanzig Männer und Weiber zum Galgen begnadigt, alle übrigen aber für ewige Zeiten aus der guten christlichen Stadt Trient verbannt. Was geschah mit der Leiche Simoninos? Sie wurde einbalsamiert und Seine Heiligkeit, der damals auf dem Stuhl Petri fitzende Papst Sixtus IV. sprach den kleinen Märtyrer selig und heilig. Santo Simonino ist nicht der schlechteste unter den Heiligen der Kirche, und die gute Stadt Trient genießt den Vorzug, ihn noch heute in Person zu besitzen. (Fortsetzung folgt.) §ntfkaflm, Fred 845. Der 8. Cheschwan 5633 war am 9. November 1872. Der 21. Weadar 5635 war der 28. Marz 1875, der 6. Tischri 5628 war am 5. Oktober 1867. A. Z. In vielen Gemeinden ist es üblich, zu patriotischen Tempelfeierlichkeiten die Spitzen der Behörden einzuladen. Bürgermeister 1000. Wenden Sie sich mit Ihrer Frage an den Präsidenten des „Elisabeth-Lehrmädchen-Hortes", Herrn kaiserl. Rat Dr. S. Krüger, Wien, II., Lilienbrunngasse 2. F. K. Das von Frau Jetti Kaufmann gespendete Thoramäntelchen stammt aus dem Atelier Jos. Schlesinger, Wien, 1. „Naturwissenschaftler". Sie fragen über die Schöpfungsgeschichte, 1. B., M., Kap. I, Vers 7, betreffend „Die oberen und die unteren Gewässer" und meinen, daß da eine naive Vorstellung vorherrscht, wonach die Erde auf Waffer schwimmt. Diese Ihre Auffaffung ist unrichtig. Die moderne Naturwissenschaft bestätigt die Darstellung der Bibel, daß, abgesehen von den Meeren und Flüssen der Erde, auch in den Höhen ungeheure Mengen von Gewässern angesammelt sind. Es ist Tatsache, daß zum gedeihlichen Leben eine in bestimmter Menge mit Feuchtigkeit geschwängerte Luft gehört und daß die Wolken, beziehungsweise die Regenfälle aus den Wolken die Vermittlung übernehmen, um die Luft immer von neuem wieder feucht zu erhalten. Ja, man hat kaum eine Ahnung von der ungeheuerlichen Menge Wasser, die sich in den überirdischen Reservoirs aüfsammelt, um zu gelegener Zeit als Regen über die ganze Erde herabzufallen. Nach den Forschungen und Berechnungen des Meteorologen Fritsche ist die Regenmenge auf den einzelnen Erdteilen sehr verschieden. Am wenigsten regnet es in Australien, nämlich