Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 47 (10.11.1908)
- Date
- 1908-11-10
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Llocb.s MocbenscbrM, Seite 833 manen Institution übernahm die edelherzige Dame, Frau Betty Körper geb. Herzog, die auch Leiterin des hiesigen Frauendereines und Kuratorin des Altersdersorgungshauses ist. Dank dem eifrigen Bemühen dieser Dame hat sich diese Institution schon bis jetzt zu einer der schönsten Wohltätigkeitsanstalten des Ortes entwickelt. In der Eröffnungsrede des Gründers, Ehrw. H. Oberrabbiner Samuel Reich, hob derselbe die Verdienste der Familie Herzog um die humanitären Institutionen des Ortes hervor, denn selbst die in der Fremde wohnenden Mitglieder, wie Frau Markus Manheim, Pozsony, und Frau Julius Herzog (Cafe Gartenbau), Wien, sind die meistspendenden Mitglieder unserer Vereine und sichern deren Fortbestand. In dieser Familie, deren Ahnin „Jitele Mehlhändlerin" noch heute als Musterbild der Wohltätigkeit genannt wird, ist diese Tugend Tradition. Slatina. Auf den infolge des noch erinnerlichen tragischen Todesfalles des Oberkantors Friedman» s. A. in unserer Kultusgemeinde erledigten Posten wurde auf Grund seines allseits beifällig aufgenommenen Probevortrages Herr Oberkantor - Stellvertreter Josef A. Levlnsky aus Kaschau mit Stimmeneinhelligkert gewählt. Herr Oberkantor Levinsky hat das Erbe nach dem Verstorbenen auch insoferne angetreten, als er den durch Herrn Friedmann organisierten Tempelchor, bei dem freilich das Gelernte im Laufe der V.jährigen Vacanz im Oberkantorposten fast in Vergessenheit geraten war, reorganisierte, resp. in kurzen vier Monaten derart neu einstudiert hat, daß er mit seinem Vortrage während der soeben abgelaufenen hohen Feiertage und des Sukkothfestes die vollste Zufriedenheit nicht nur der Gemeindemitglieder, sondern auch der wiederholt zahlreich erschienenen Gäste anderer Konfessionen erwarb. Eine freudige Ueberraschung bereitete Herr Levinsky am vorletzten Samstag, Pan Noah, einem der angesehensten Mitglieder unserer Kultusgememde. Infolge eines glücklich Lberstandenen Eisenbahnunfalles behufs Verrichtung des obligaten Dankgebetes zur Thora gerufen, hatte der Betreffende kaum den „Gomel"ipruch beendet, als Chor und Orgel den in den hohen Festtagsgebeten vorkommenden, auf bte Bestimmung des Schicksals der Menschheit Bezug habenden Satz »drosch hasehonoh jikoszerun, uvjom zom kipur jechoszemun« vortrug, was sowohl auf den glücklich der Gefahr entronnenen und auf dessen Familien- Angehörige, wie auch auf die sonstigen zahlreichen Tempelbesucher einen sehr stimmungsvollen, ja geradezu rührenden Eindruck machte, und dem Initiator dieser Aufmerksamkeit mit Dankesworten der betreffenden Familie quittiert wurde. Israelitischer Frauenverein von Orlau und Umgebung. Bei der am 8. November d. I. stattgefundenen Vollversammlung des „Israelitischen Frauenvereines von Orlau und Umgebung" wurde der schöne Beschluß gefaßt, statt der, wie alljährlich abzuhaltenden Chanukafeier einen Wohltätigkeitsakt zu üben, der zugleich eine Kaiserhuldigung bedeuten soll. Die Präsidentin Frau kais. Rat Elise Eichenwald wies auf einen eben eingelaufenen Brief hin, in welchem ein ganz armer, jüdischer Vater um Unterstützung anläßlich der Geburt eines Knaben bittet. Frau Präsidentin beantragte, diesen Brief als Fingerzeig für die oben erwähnte Absicht des Vereines zu betrachten und es wurde nun einstimmig beschlossen, diesen Knaben im Sinne unseres Kaisers, also „für das Kind" zu versorgen und zwar für denselben, jährlich am 2. Dezember, bis zu seinem 14. Lebensjahre, eine Summe in die Sparkassa zu legen, wodurch dem Kinde einegute Existenz geschaffen werden soll. Der Knabe, dessen Lebenspfad nun durch eine Schar mildtätiger Frauen geebnet ist, wird den Namen „Franz Joseph" erhalten. Ein junger Wiener Jude in England ausgezeichnet. Herr Dr. Arthur F r i e d l, Sohn des Oberlehrers Josef F r i e d l in Wien, wurde wegen hervorragender Leistungen auf dem Gebiete der Chemie, insbesondere des künstlichen Kamphers, welcher auf der letzten englisch-französischen Ausstellung in London mit dem Grandprix gekrönt wurde, durch Verleihung der goldenen Medaille für Kunst und Wiffenschaft ausgezeichnet. Feuilleton. Der Inde von Trient. Von O. D ö r r y. Zwischen Bozen und Trient, etwa eine Meile von dem letzteren, liegt am linken Ufer der Etsch das Dörfchen Mora im tiefen Einschnitt zwischen Bergen. Ringsumher an deu Bergen schimmern die weißen Häuser der glücklichen und friedlichen Bewohner, von der Rebe umgrünt, von Kastanien- Und Nußbäumen umschattet. Mitten im Dorfe steht ein altes graues Kirchlein, dessen Turm bescheiden zum Himmel hinausweist. Wie es hier in Mora im Jahre 1563 aussah, das weiß, ich freilich nicht; vielleicht war damals die Kirche noch neu und die Häuser weniger freundlich und sauber, als heute, aber eins weiß ich: die Alpen grünten damals wie heute und ihre weißen Häupter leuchteten nicht minder schimmernd und in Abendrot glühend über die dunkeln Schluchten und Spalten herab, die in ihre Eingeweide zu führen scheinen; an den Häusern herauf rankte damals wie heute die Weinrebe, und die jungen Burschen und Dirnen schäkerten an dem Röhrbrunnen, der das frische Bergwasser mitten in Mora unter einer riesigen Kastanie ausströmte, im 16. Jahrhundert ebenso heiter und harmlos als ihre Urenkel im 19. Jahrhundert. Bei den heiteren Versammlungen der Bewohner und Bewohnerinnen Moras, die in jener längstvergangenen Zeit täglich in duftiger Abendkühle an dem Dorfbrunnen stattfanden, sah man gewöhnlich auch ein dunkles Judengeficht schüchtern und demütig herumschleichen, sein schwarzes, krauses Haar mit einer gelben Kappe bedeckt, dem Kennzeichen des verachteten - Stammes, dem er angehörte und seine stämmigen Glieder mit einem dunkeln Talar umhüllt. Unter dem linken Arm trug er bei solchen Gelegenheiten stets ein Päckchen, das, so armselig es auch aussah, doch sehr beliebte Schätze verbarg. Alles, was die schmucken Mädchen des Dörfchens bedurften, ihr dunkles Haar und ihren braunen, vollen Hals zu schmücken, ihr Mieder und ihre kurzen roten Röcke noch leuchtender zu machen; alles, wonach des Burschen Herz ein sehnsüchtiges Verlangen trug seit dem Augenblick, wo er nach seiner ersten Kommunion die Kirche verließ — der buntgesteppte Leibgurt, die rote Zipfelmütze, der Stoßring und das breite Hutband — alles befand sich sicherlich in dem unscheinbaren Pack des würdigen Salomon und dieser zögerte nicht, es den Kauflustigen anzubieten, und schloß manchen guten Handel ab, unbekümmert um die Spottreden und gelegentlichen Verwünschungen, die über sein krauses Haupt hereinbrachen. ’ Während der handelslustige Kaufmann so allen Schmähungen und Beleidigungen, denen er niemals entging, Trotz bietend, unter den Versammelten umherschlich, begleitete ihn ein etwa sechs Jahre alter Knabe, der, jedem seiner Schritte und Bewegungen folgend, ängstlich und schüchtern einherlief. Dieser Knabe war Benjamin,. der einzige Sohn Salomons, den ihm sein Weib Rachel zurückgelaffen hatte, als sie vor einem Jahre versammelt wurde zu ihren Vätern. Seit diesem unglücklichen Tage verließ Benjamin seinen Vater keinen Augenblick, weder bei Tag noch bei Nacht; er schlief an seiner Brust in der ärmlichen Hütte, die nicht fern von Mora unter dem Schutz eines Felsen stand, er aß mit ihm aus derselben Schüssel, er wanderte neben ihm auf allen seinen Wegen, sie mochten nah oder fern, rauh oder eben sein. Salomon war kein armer Maün, trotz seines armseligen Aeußern und seiner halbzerfallenen Wohnung, aber sein größter Schatz war Benjamin, sein Sohn; er hütete ihn wie seine» Augapfel, er hätte für ihn, so lieb er auch Gold und Silber hatte, doch willig alles hingegeben, was er besaß, und sein Leben dazu. Benjamin war aber auch ein lieblicher Knabe, der selbst einem guten katholischen Christen gefalle» konnte. Bon de» charakteristischen Kennzeichen seiner Rasse hatte er, außer dem großen dunkeln Auge und dem orientalischen Schnitt seiner