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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-10 · 47 (10.11.1908) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
47 (10.11.1908)
Date
1908-11-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr 47 Dr. Lrocv s Mocdenscvrln. Seite 828 Wohlwollens, die seine Gkaubensbrüder vom Kaiser während der sechs Dezennien seiner Regierung empfangen haben. Dr. Rotkopf schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Versammelten laut einstimmten. Nun dankte der Kaiser in herzlichen Worten für die ihm dargebrachte Huldigung der israelitischen Kultusgemeinden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Oesterreich in den neugewonnenen Ländern seine Kulturmission auch weiterhin ersprießlich erfüllen werde. Sodann hielt der Monarch Cercle. Rabbiner Dr. B e s s e l stellte ihm die einzelnen Mitglieder der Deputation vor und der Monarch zeichnete jedes einzelne Mitglied durch eine Ansprache aus und erkundigte sich über die Verhältnisse in den Judengemeinden. Den Rabbiner Dr. Bessel fragte der Monarch über die Verhältnisse der Kultusgemeinde von Sarajewo und ob die Gemeinde einen Tempelbau errichtet habe. Dr. Bessel antwortete, daß die neue Synagoge der Stadt zur Zierde gereiche und daß in dieser Synagoge schon anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ein großer Festgottesdienst stattgefunden habe, an dem auch Vertreter aller Behörden teilgenommen haben. Auch Erzherzog Friedrich habe einmal dieses Gotteshaus besucht. An den Rabbiner von Banjaluka P. Keller richtete der Kaiser die Frage, ob Banjaluka einen Tempel besitze, was Rabbiner Keller bejahte. Auf die Frage, wo er seine Studien absolviert habe, antwortete der Rabbiner, daß er in Preßburg seine Studien beendet habe. Mit dem Deputationsmitglied Hirschler sprach der Kaiser ungarisch und mit Herrn Salom italienisch. Die Deputation weilte über 20 Minuten in der Hofburg. Die Deputation der österr.-ung. israel. Knltusgemeinden Bosniens und Herzegowinas beim Präsidium der Wiener Kultusgemeinde. Donnerstag mittag erschien die Deputation der österr.- ungar. israel. Kultusgemeinden Bosniens und Herzegowinas im Präsidium der Wiener Kultusgemeinde. Der Führer der Abordnung, Präsident der Kultusgemeinde Sarajewo, Rothk o p f, hält an den Präsidenten Dr. Alfxed Stern eine Ansprache, worin er hervorhebt, daß die Deputation der österr.-ungar. Gemeinden sich verpflichtet fühlt, den Anlaß ihrer Hieherkunft zu einer Begrüßung des Kultusvorstandes der Gemeinde Wien, als der mächtigsten der Monarchie, zu benützen und zugleich um Förderung der Bestrebungen der österr.-ungar. Gemeinden zu bitten. Präsident Dr. Alfred Stern erwidert: „Ich danke den Herren sehr, daß sie sich hieher bemüht haben. Ich kann Sie versichern — und es würde der Versicherung gar nicht bedürfen — daß der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien sowie ich als Präsident derselben es stets für unsere Pflicht gehalten haben, unsere Glaubensbrüder, wo immer sie sind und wo immer sie leben, in ihren Bestrebungen, die uns allen gemeinsam sind, zu unterstützen. Die Herren wissen wohl, daß auch die Deputation der spaniolischen Juden Bosniens und der Herzegowina, welche bei Sr. Majestät in Audienz erschien, sich auch beim Präsidium der Kultusgemeinde Wiens vor und nach der Audienz eingefunden hat. Es hat sich unter ihnen bezüglich eines Punktes eine gewisse Beunruhigung fühlbar gemacht und ich weiß nicht, ob sich diese Beunruhigung nicht auch auf Ihre Kreise erstreckt. In der Delegation hat der Reichs- Finanzminister den Satz ausgesprochen, daß im bosnischen Landtag eine Vertretung nach konfessionellen Kurien eingeführt werde und hat hiebei die drei Kurien der katholischen, griechisch-katholischen und moslemitischen Bevölkerung genannt, der Juden aber keiner Erwähnung getan. Für mich steht die Sache so: Wenn im Gesetz vorgeschrieben ist, daß die Vertretungskörper nach Konfessionen zusammentreten, so ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, ebenso wie den anderen Konfessionen Bosniens und Herzegowinas, auch den Juden als solchen eine separate Vertretung im Landtag einzuräumen. Würden aber Juden, bloß — um sich so auszudrücken — in die Vertretung eingeschmuggelt werden, so läge darin eine Art Degradierung und es würde dies gewiß weitere nachteilige Folgen nach den verschiedensten Richtungen zeitigen. Es wäre eine Degradierung, wenn dem Juden erst alle Rechte gegeben werden, er aber dennoch den anderen nicht völlig gleichgestellt wäre. Ich habe mich in gleicher Weife den spaniolischen Juden gegenüber geäußert und ihnen geraten, daß sie unter Bezugnahme auf die der Delegation abgegebene Erklärung des Ministers, diesen auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machen. Gelegentlich des Empfanges beim Reichs- Finanzminister ist dies auch geschehen und die Aufklärung, die ihnen Baron Burian über seine Enunziation gab, war im Allgemeinen günstig. Sie dürfte den Herren aus den verschiedenen Tagesblätteru bekannt sein. Ich erlaube mir nun die Herren auch auf diesen Punkt aufmerksam zu machen. Es würde sich auch Ihrerseits empfehlen, auf diesen Punkt zu sprechen zu kommen, damit er sieht, daß wir Juden, obwohl nach verschiedenen Richtungen gesondert, in dem Punkte, wo es sich um unsere Stellung handelt, alle einig sind. Auch können Sie überzeugt sein, daß. so oft Sie unsere Mitarbeit anrufen. von unserer Seite alles geschehen wird, um die auf die Verbesserung der Stellung der Juden abzielenden Bestrebungen zu unterstützen. Dr. Moriz Rothkopf, Präsident der Kultusgemeinde Sarajewo: Auch die österreichisch-ungarischen Gemeinden stehen auf den Standpunkt, daß, wenn eine Vertretung nach konfessionellen Kurien eingeführt wird, der Minister auch auf die jüdische Konfession Rücksicht nehmen und ihr eine Kurie für das ganze Land zugesteheu solle. Rabbiner Dr. Samuel W e c z e l (Sarajewo) dankt für den freundlichen Empfang der Deputation seitens der Kultusgemeinde der Stadt Wien, der er stets ein dankbares Angedenken bewahrt, da er am hiesigen Rabbinerseminar seine Ausbildung genossen hat. Nachdem Redner mit einigen Worten die schwierigen Verhältnisse Sarajewos gestreift hat, preist er das verdienstvolle, uneigennützige Wirken der Wiener Kultusvorstehung und insbesondere deren Präsidenten. Von der bosnischen Landesregierung beauftragt, einen Lehrplan für den Religionsunterricht an Mittelschulen auszuarbeiten, habe er sich den Wiener Lehrplan zum Muster genommen. Auch in sonstigen religiösen Institutionen sei die Wiener Kultusgemeinde den bosnisch-herzegowinischen Gemeinden vorbildlich gewesen. Rabbiner Dr. Weczel schließt feine Ansprache mit den Worten : „Ich danke nochmals dem Herrn Präsidenten für seine Worte, die aus dem Herzen kamen und ins Herz uns drangen und uns unvergeßlich bleiben werden." Hierauf ergreift der Rabbiner von Banjaluka, Herr Dr. Moriz Frankfurter das Wort: Er führt im Wesentlichen aus, daß durch die erfolgte Angliederung Bosniens und Herzegowinas an die Monarchie die Beziehungen der Judenschaft dieser Länder zu der Wiener Kultusgemeiude sich inniger gestalten werden und daß sich insbesondere der erzieherische Einfluß Wiens auf die Länder Bosnien und Herzegowina in weit stärkerem Maße werde geltend machen können. „Ich möchte wünschen", fährt Redner fort, „daß die Kulturrichtung, die der sehr verehrte Vorstand, an seiner Spitze der sehr verehrte Herr Präsident, zum Wohle des Judentums und gegen jede Zerklüftung desselben verfolgt, auch bei uns zur Geltung kommen möge". In Betreff der Vertretung der Juden im Landtage meint Redner, daß erfahrungsgemäß die jüdischen Interessen, wo die Wahlkörper nach Nationen bestimmt werden, nicht mit dem befriedigenden Stolze und jenem Nachdrucke vertreten werden, der sich von Vertretungen, die aus konfessionellen Kurien hervorgehen, erwarten läßt. Der Redner schließt mit dem Wunsche, daß der erzieherische Einfluß Wiens den Gemeinden Bosniens und Herzegowinas zum Wohle gereichen und die Vertretung

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