Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 47 (10.11.1908)
- Date
- 1908-11-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Nr. 47 De. Llocb's MocdenscbrM. Seite 888 *#» rat Dr. Rappaport hat sich bereits meiner Anschauung angeschloffen und bin ich sicher, daß auch Sie, meine Herren, meiner Erklärung beistimmen werden. Für die Veröffentlichung derselben werde ich Vorsorge treffen. Allgemeine Zustimmung. Hieraus erklärt Herr Hofrat Rappaport: Ich habe gestern zum ersten Male gehört, daß meine Worte, die ich in der Komiteesitzung vom 12. November 1908 gesprochen habe, einer mißverständlichen Auffassung seitens der Beamtenschaft begegnet sind. Ich war in jener Sitzung nicht vorbereitet darauf, daß ich zu Worte kommen werde. Daß gerade seitens der Beamten meine Worte in einem ihnen feindlichen Sinne aufgefaßt wurden, bedauere ich sehr, zumal selbe den entgegengesetzten Zweck verfolgt haben. Ich habe meinem Bedauern über diese mißverständliche Auffassung heute schon gegenüber der Beamtendeputation Ausdruck gegeben. Ich bin überzeugt, daß wir einen ausgezeichneten Beamtenkörper haben und schließe mich nach dieser Richtung den Ausführungen des Herrn Präsidenten vollinhaltlich an. In Details einzugehen hat keinen Zweck, da nur die wenigsten Herren bei der Versammlung zugegen waren. Ich wiederhole, daß ich stets für alles, worauf die Beamten begründeten Anspruch haben, nicht nur im Sinne des Rechtes, sondern auch im Sinne des Wohlwollens eintreten werde. Im Einlaufe befinden sich: Entscheidung des Magistrates, mit welcher das Ansuchen des Dr. Alfred Lanzer und Konsorten an die k. k. n.-ö. Statthalterei und an das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht dem Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien die förmliche Ausschaltung des 8 2 der Wahlordnung der israel. Kultusgemeinde behördlich aufzutragen, abgewiesen wird. (§ 2 der Wahlordnung besagt, daß diejenigen, welche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Wahlreklamationstermines, diesen Tag mitgerechnet, für das laufende Jahr die Kultussteuer nicht bezahlt haben, vom aktiven Wahlrechte ausgeschloffen sind.) Anläßlich des Umstandes, daß ein Mitglied des Vorstandes des Vereines „Adaß Jisroel" (Schiffsynagoge) sich einer oppositionellen Deputation anschloß, welche bei Sr. Exzellenz dem Herrn Unterrichtsminister erschien, ist eine Zuschrift des Vorstandes dieses Vereines hieher gelangt. In derselben wird unter Anerkennung der hervorragenden Sachkenntnis, des Eifers für alle jüdischen Angelegenheiten, der Prinzipientreue und der sonstigen hervorragenden Eigenschaften jenes Mitgliedes ausgeführt, daß dasselbe mit Bestimmtheit ausdrücklich erklärt habe, nicht im Namen der Schiffschule der Deputation zum Minister sich anzuschließen, daß auch für Niemandem ein Anlaß vorlag, diese Audienz in irgend eine Beziehung zur Schiffschule zu bringen, daß viel eher der Vorstand Wert darauf lege, kein Mißverständnis zwischen sich und dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde auskommen zu laffen, und er bitte, diese loyale Erklärung zur Kenntnis nehmen zu wollen." Dankschreiben der Frau Regine Landeis für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, des Herrn Leopold L a n d e i s s. A. Dankschreiben des Ehepaares Leopold und Marie 'Kühner für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Dankschreiben des Religionslehrers Samuel I. Pollak für die Beglückwünschung des Vorstandes zu seinem 70. Geburtstage. Im Präsidialberichte wird ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 31. Oktober 1908 mitgeteilt. Herr Ludwig Mannaberg, welcher am 19. Jänner 1905 aus dem Judentume ausgetreten ist, hat Beschwerde dagegen geführt, daß ihm die Zahlung der Kultussteuer für das ganze Jtchr 1905 auferlegt wurde, da er dieselbe seiner Meinung nach nur für achtzehn Tage zu bezahlen hätte. Hierüber entschied der Verwaltungsgerichtshof, daß der Anspruch der Kultusgemeinde auf die ganzjährige Kultussteuer eines Verwaltungsjahres am 1. Jänner dieses Verwaltungsjahres existent wird, sohin die Verpflichtung zur Entrichtung der ganzjährigen Kultussieuer durch den — wie im vorliegenden speziellen Falle — im Monate Jänner oder zu irgend einem anderen Zeitpunkte des Verwaltungsjahres erfolgten Austritt des Kontribuenten aus der israelitischen Religionsgenossenschaft nicht aurgehoben wird. Herrn Kultusvorsteher Dr. Adolf Stein, der den Kultusvorstand in der oberwähnten Angelegenheit vor dem Verwaltungsgerichtshose vertreten hat, wird der wärmste Dank votiert. Weiters wird berichtet, daß in der „Wiener-Zeitung" vom 31. Oktober 1908 die Konkursausschreibung für die Stelle eines Oberlehrers an einer Knabenvolksschule in der Leopoldstadt verlautbart wird, in welcher von dem Bewerber die Bsähigung zur Erteilung des mosaischen Religionsunterrichtes gefordert ist. Verlängerung der Mandatsdauer der Vorstandsmitglieder Emanu-l Grünwald und Dr. Jakob König. NM Mit Rücksicht auf die Ordnung der Floridsdorfer Verhältnisse, die sich infolge mannigfacher Schwierigkeiten sehr verwickelt gestalteten und daher bis heute noch nicht geregelt werden konnten, beantragt der Präsident namens des Vertreterkollegiums, an die k. k. niederösterreichische Statthalterei mit dem Ersuchen heranzutreten, die Zustimmung zur Verlängerung der Mandatsdauer der beiden genannten Herren, die durch ihre Kenntnis aller einschlägigen Fragen unentbehrliche Mitarbeiter bei den Agenden der Uebernahme geworden sind, auf weitere 2 Jahre, eventuell bis zur Genehmigung des zu ändernden Statutes zu erteilen. Der Antrag des Vertreterkollegiums wird bei Anwesenheit von 26 Mitgliedern einhellig zum Beschlüsse erhoben. Dem Vereine zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern „Bezalel" wird ein Beitrag von K 100.— pro 1908, dem jüdischen Vereine „Einheit" für deffen Volksküche pro 1908 eine Subvention von K 200.— bewilligt. Nach Erledigung einer Reihe von Schulangelegenheiten und Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Die Deputation der israelitischen Kultusgemeinden von Bosnien und der Herzegowina beim Kaiser. Freitag, am 13. November um 1 Uhr nachmittags wurde die Huldigungsdeputation der bosnischen und herzegowiüischen israelitischen Kultusgemeinden vom Kaiser in der Hofburg in Audienz empfangen. Es waren 27 Kultusvorsteher erschienen, und zwar als Repräsentanten der Gemeinden von Sarajewo, Banjaluka, Tusla, Bricka und B ih ac. Aus Sarajewo waren unter anderem die Herren Dr. Rotkops, Bernardo Klein und Rabbiner Dr. B e s s e l, aus Ban jaluka die Herren Rabbiner P. Keller und Präses M. Grünwald, aus Tusla die Herren Moritz L i s k a und Leon Schuster, aus Bricka die Herren H o f f m a n n und Markus N a s ch i tz und endlich aus Bihac Dr. Körbel erschienen. Als Sprecher der Deputation fungierten die Herren Rabbiner Dr. B e s s e l und Dr. R o t h k o p f. Als der Kaiser in den Audienzsaal getreten war, bedeckten die Deputäiionsmitglieder das Haupt, worauf Rabbiner Dr. B e s s e l, nachdem er das weiße Gebetbuch um seine Schultern gelegt hatte, den Segen sprach. Rabbiner Dr. Beffel sprach, die Hände über den Monarchen haltend, die Segensformel im hebräischen Urtext mit lauter Stimme; in das „Amen!" stimmten dann zum Schluffe sämtliche Deputationsmitglieder ein. Nun ergriff Dr. Rotkopf das Wort zu einer Ansprache an den Kaiser, in der er der Loyalität, der Liebe und Verehrung der Judenschaft Bosniens und der Herzegowina für Kaiser Franz Joseph I. gedachte und Dank sagte für alle Beweise deS