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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-10 · 47 (10.11.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
47 (10.11.1908)
Date
1908-11-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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H>r. Lised s «ocdenscvrm. matt m Ar. 47 lange herumsuchen, bis ein Advokat in Valladolid sich zu seinem Verteidiger ernennen ließ. Der Prozeß zog sich lange hin und endete mit der Freilassung Luceros. Eine Krähe hackt bekanntlich der anderen nicht die Augen aus. „Cordova hatte kein Glück mit seinen Inquisitoren," meint Lea. Aber es ging auch im übrigen Lande nicht ehrlicher und gerechter zu. Ein Gesetzentwurf der Cortes vom Jahre 1518 zählt eine Reihe von Mißbräuchen und Ungesetzlichkeiten der Inquisition auf, die abgestellt werden sollten. Aber infolge des bösen Einflusses des Kanzlers Gattinara auf König Karl hat er die königliche Sanktion nicht erhalten. Doch kehren wir zu den Verfolgungen, die die Juden besonders zu leiden hatten, zurück: Um die der Anhänglichkeit an ihrem alten Glauben Verdächtigen zu entdecken, befahl die Inquisition allen Rabbinern unter Androhung der Todesstrafe in den Synagogen den Baun über diejenigen auszusprechen, welche nicht alles, was sie von getauften Juden wissen, anzeigen würden. Ein Dekret König Ferdinands vom 10. Dezember 1484 befahl in dieser Beziehung den schärfsten Zeugniszwang gegen Rabbiner und Synagogendiener anzuwenden. Ein Dekret von König Ferdinand und Königin Jsabella vom 28. Dezember 1498 an den Gouverneur von Sevilla befahl ihm, alle wegen Ketzerei verurteilten Juden als Sklaven zu verkaufen und den Erlös dem Jnquisitionstribunal zu übergeben. Ueber die als strafbar geltenden „Judenbräuche" der Getauften erfahren wir aus den Urteilen der Inquisition folgendes: Zwei Mädchen von neun und zehn Jahren wurden im Jahre 1501 verurteilt, weil sie einen jüdischen Fasttag gehalten hatten und eine von ihnen kein Schweinefleisch essen wollte. Der achtjährige Josef Rodriguez war (1660) in Valladolid ein Jahr lang Untersuchungsgefangener, mußte gegen Vater und Bruder Zeugnis oblegen und wurde dann in eine „Besserungs"austalt zur Erziehung gegeben. Ein Seitenstück dazu ist die hundertj ä h r i g e Maria Diaz. welche 1638 ebenda in den Kerker der Inquisition geworfen wurde. Beim Autodafe vom 24. Februar 1486 wurden verbrannt: Salvador Esperauden, weil er an Fasten Fleisch gegessen. Jom Kipur gefastet und am Sonntag gearbeitet hatte. Jsabella Enbra, weil sie Oel für die Synagoge gespendet und sonstige jüdische Zeremonien beobachtet hatte; ferner wegen jüdischer Zeremonien: Pedro Navarro, der Advokat Martinez u. a. Wegen ebenderselben „Verbrechen" wurden verbrannt am 17. Juli 1466: Francisco Clemeuta, Notar, nebst seiner Frau, Miguel de Olibuu, Pedro de Orrac, Anton de Poman und Manuel de Almujan, weil er Amen und Arraquequov (?) gesagt und einen Rabbi für Unterricht in der Thora bezahlt hatte. Doch ich kann die langen von Lea publizierten Listen der zum Feuertode oder geringern Strafen Verurteilten hier nicht kopiereu und muß mich begnügen, nur noch einige besonders markante Fälle anzuführen: Im Jahre 1491 wurde Brianda de Bardachi in Sarragossa schwer bestraft, weil sie als Kind einige Mazoth gegessen, die eine Spielgenossin ihr gegeben hatte. Im Jahre 1622 ist nach dem Tode des Dr. Erriquez, Leibarzt des Herzogs von Alba, sein Körper gewaschen und in ein weißes Hemd gekleidet worden. Dafür wurde die ganze Familie — Witwe, Kinder und Dienstboten — ein gekerkert, gefoltert und endlich nach zweijähriger Haft freigelassen. Der Leichnam mußte eben gewaschen werden, weil er verunreinigt war. Weiße, reine Hemden waren für die Inquisition ein Gräuel, besonders wenn sie am Sonnabend angelegt wurden. Ebenso strafbar war die Weigerung, Schweinefleisch zu essen, das Anzünden von Lichtern und die Ruhe am Samstag u. dgl. Wegen dieser „Verbrechen" wurde 1568 Elvira de Campo in Toledo vor das Jnquisitionsgericht gebracht und wiederholt gefoltert. Sie gestand das reine Hemd und die Weigerung Schweinefleisch zu essen, leugnete aber jede böse Absicht. Das war aber den Unmenschen nicht genug, sie verlangten unter fortgesetzter Tortur weitere Geständnisse. Die Arme schrie immer: „Liebe Herren! sagt mir, was ich gestehen soll, ich werde alles sagen, was Ihr wollt, nur quält mich nicht weiter; o weh, man bricht mir Arme und Beine, man zerreißt mich, erbarmt Euch um Gottes willen!" Aber die Martern hörten nicht auf: sie solle gestehen, warum sie kein Schweinefleisch essen wollte. Nach einigen Tagen wurde die Folter wieder begonnen und einer der höchsten Grade, die Wassertortur, dem aus dem dreißigjährigen Kriege bekannten „Schwedentrunk" ähnlich, aber noch grausamer, angewendet, bis die arme halbtote Frau, wie man verlangte, gestand, sie habe es wegen ihres Judentums getan. Wer starke Nerven hat, mag das bei Lea drei Seiten einnehmende vollständige Protokoll dieser Verhandlung vor dem „heiligen" Gerichtshof Nachlesen. Ich habe stark abgekürzt und gemildert. Ein Gegenstück zu dieser Unglücklichen bilden drei schöne junge Frauen in Valladolid, welche sich (1691) bis zum Tode offen und mutig zum Judentum bekannten. Sie wurden merkwürdigerweise nicht lebend verbrannt, sondern vorher erdrosselt. Männliche, auf ihren Glauben beharrende Märtyrer waren selbstverständlich häufiger, nicht weil sie glaubensstärker waren als die Frauen, sondern weil sie zahlreicher in die Hände der Inquisitoren gerieten. Auch ein „Ger" erlitt (25. Juni 1644) in Valladolid den Märtyrertod: Lope de Vera (nicht der Dichter Vega, der ein Vertrauter der Inquisition war), aus angesehener, altchristlicher Familie, hatte als Student in Salamanca, hebräisch und arabisch gelernt, die Bibel studiert und war aus Ueberzeugung zum Judentume übergetreten. Ein Kollege, den er bekehren wollte, denunzierte ihn, und er wurde verhaftet. Er machte anfangs Ausflüchte und versuchte zu leugnen, schließlich bekannte er sich offen zum Judentume, das, wie Gott ihm in seiner Gnade eingegeben habe, die einzige, wahre Religion sei. Im Gefängnis hat er sich selbst beschnitten. Fünf Jahre dauerte sein Prozeß, da die Geistlichen immerfort mit ihm disputierten und ihn wieder zum Christentum zu bekehren suchten. Aber weder ihre Argumente noch die fünfzig Peitschenhiebe, die man ihm liebevoll applizierte, konnten ihn von der Wahrheit der christlichen Religion überzeugen. Wenn die Inquisitoren in seinem Kerker kamen, rief er ihnen zu: Es lebe das Gesetz Mosis! und erklärte, er hoffe, lebend verbrannt zu werden und ins Paradies zu gelangen. Der erste Teil dieser Hoffnung ist schon erfüllt worden und an Erfüllung des zweiten wird kein frommer Jude zweifeln. Unerschrocken und in vollem Gottvertrauen hat Vera den Scheiterhaufen bestiegen. Und selbst der Inquisitor Moscoso erklärte, er habe noch nie solche Sehnsucht nach dem Märtyrertode, solche unerschütterliche Festigkeit und Vertrauen auf die ewige Seligkeit gesehen. ^MMit den von der Inquisition verhängten Strafen — Verbrennen bei lebendigem Leibe oder nach Erdrosselung, Auspeitschung, mehrjährigem oder lebenslänglichem Kerker, öffentlicher Ausstellung und demütiger Abbitte, Tragen von Schandkleidern usw. — begnügte sich dieser heilige Gerichtshof nicht. Schwere Strafe traf auch Familie und Nachkommen der Verurteilten. Sie wurden nicht nur durch schwere Geldstrafen, häufiger durch Konfiskation des ganzen Vermögens an den Bettelstab gebracht, sondern bis ins, wer weiß wievielste Glied mit schwerem Makel behaftet, der ihnen jedes Fortkommen erschwerte oder ganz unmöglich machte. Sie waren von den Universitäten, allen Staats¬ und Kirchenämtern ausgeschlossen, konnten nicht Notare, Advokaten, Aerzte werden, manche Mönchsorden und Handwerkerinnungen verweigerten ihnen die Aufnahme. Bis zum Jahre 1859 hatten sie keinen Zutritt zu den Kadettenschulen. Damit solche Abstammung nicht vergessen werde

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