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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-10 · 47 (10.11.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
47 (10.11.1908)
Date
1908-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sk. 47 Dr. Lloed's MocbenscbUN Seite HS Sie werden durch die Uebersendung derselben oder zum mindesten durch den Hinweis auf sie und ihre nähere Bezeichnung der anzulegenden apologetischen Bibliothek, wie auch den einzelnen .Arbeitern auf diesem Gebiete einen guten Dienst leisten. Ein ausführliches Sach- und Fersonalregister hat über den Inhalt der Sammlungen genaue Auskunft zu geben, sie dadurch der allgemeinen Benützung zugänglich zu machen und die Erledigung der Anfragen über einzelne Gegenstände zu ermöglichen. Das neuanzulegende apologetische Archiv ist für die Sammlung und Ordnung aller einigermassen wichtigen Artikel und Notizen bestimmt, die von jetzt ab in den Zeitschriften — den jüdischen, wie den nichtjüdischen — erscheinen. Eine solche Sammlung hat viele Jahrzehnte seines reichen und arbeitsamen Lebens hindurch der am 20. September aus dem Leben geschiedene Sanitätsrat Dr. Salomon Neumann unterhalten. Aus den verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, die ihm zu Gesicht kamen, schnitt er alle ihn interessierenden Nachrichten über die Juden aus und stellte sie unter bestimmten Rubriken zusammen. Diese kostbare Sammlung hat er noch bei seinen Lebzeiten mit einer grossen Büchersammlung der Bibliothek der jüdischen Gemeinde vermacht. An sie und ihre Anlage wird anzuknüpfen und ihr werden die seit ihrem vor mehreren Jahren erfolgten Abschlüsse erschienenen Nachrichten und Notizen anzusehliessen sein. In ein solches Archiv gehören apologetische Abhandlungen und Nachrichten, sodann aber auch Dokumente von bleibendem Werte, wie die Briefe, welche Theodor Roosevelt und der jetzt verstorbene frühere Präsident der nordamerikanischen Union, Grover Cleveland, an das Komitee der Zentenarfeier der amerikanischen Juden gerichtet haben. Sie sind Ehrenzeugnisse der amerikanischen, wie insbesondere auch der in den jüngsten Jahren eingewanderten russischen Juden und Argumente von grösster Wucht gegenüber den antisemitischen Sammlungen von Zeugnissen gegen die Juden Das Archiv hat ferner die Lebensbeschreibungen und Charakteristiken der Männer, welche in den Dienst der Aufgaben und Interessen des Judentums sich gestellt, zu sammeln, aber auch Mitteilungen über Juden von hervorragender praktischer Tätigkeit, in der Technik, der Industrie und dem Handel, deren Unternehmungen zu grosser nationaler Bedeutung gelangt sind, über die ausgedehnte soziale und gemeinnützige Wirksamkeit einer grossen Anzahl jüdischer Männer und Frauen, über die Leistungen namhafter jüdischer Gelehrter und Schriftsteller auf den verschiedensten Gebieten, über die politische Wirksamkeit von Juden da, wo die staatliche Laufoahn ihnen eröffnet ist. Zu sammeln sind weiter auch die Berichte und Nekrologe über solche Juden, die ihres Glaubens wegen in ihrem Heimatlande für ihren Beruf keine ihnen zusagende Stellung finden konnten, deshalb iu das Ausland wandern mussten und dort zu Amt und hervorragender Wirksamkeit kamen, wie auch diejenigen von solchen, die trotz ihres anerkannten Wissens und Talentes der Lehrkanzel, für die sie geschaffen waren, entsagen mussten, bescheiden in einen stillen oder privaten Wirkungskreis sich zurückzogen und auch da rastlos tätig der Wissenschaft dienten und mit gediegenen Leistungen sie bereicherten. Die sich aus dem Ganzen ergebende Fülle verschiedenartiger interessanter Lebensläufe und deren Zusammenstellung wäre die beste Widerlegung des Geredes von dem „zersetzenden Geiste der Juden“, von ihrer verwiegenden Neigung zur Kritik und Negation, von ihrer der Initiative und schöpferischen Kraft entbehrenden Tätigkeit. Sie würden solchen Vorstellungen, die auch viele derer beherrscht, die jede antisemitische Neigung von sich weisen, ein Bild der Wirklichkeit gegenüberstellen, das seinen Eindruck nicht verfehlen kann. Sie könnte weit über jedes apologetische Interesse hinaus für das unter den Juden lebende ideale Streben, für den Opfermut und die Tüchtigkeit, die viele bekunden, das ehrenvollste Zeugnis ablegen und unserer Jugend eine Reihe wahrhaft edler und nachahmenswerter Vorbilder vor Augen stellen. Auf einer solch breiten und wohl fundierten Grundlage endlich kann sich erst eine umfassende, ihres Gegenstandes würdige und jedem Angriffe standhaltende jüdische Apologetik aufbauen. Denn die redliche und wahrhafte Apologetik ist keine advokatorische Kunst, keine Verteidigung der übernommenen Aufgabe um jeden Preis, kein einseitiges Lichtbild gegenüber einem Schattenbilde. Sie ist die Zurückweisung grundloser Anklagen, die Rechtfertigung des zu Unrecht Beschuldigten, die Darstellung des wirklichen Wertes der vertretenen Sache, die Würdigung und Erhebung des Verkannten oder nicht genügend Beachteten. Sie wendet sich an einen gerechten, die Verteidigung wie die Anklage prüfenden Richter oder sie appelliert von dem schlecht unterrichteten an das besser zu unterrichtende Publikum. Auch sie steht im Dienst der Wissenschaft und der Wahrheit und muss auf Gründe und Beweise sich stützen. Und da, wo sie solche nicht Vorbringen kann, muss der warme Hauch der eigenen tiefen Ueberzeugung aus ihr sprechen. Dann wird sie bei denjenigen, an die sie sich wendet, wenn auch nicht immer vollständige Zustimmung, so doch jedenfalls Achtung und Anerkennung sich erwerben. Me Inden und die spanische Inquiklion. «Schluß.) Die Finanzen der Zentralinquifition standen dabei trotz der großen Ausgaben nicht schlecht. Im Jahre 1635 hatte sie ein Einkommen von zehn Millionen Maravedis (bei drei Millionen Kronen) aus Gütern und Staatsanlehen. Wenn fie über Geldmangel klagte, geschah es wohl nur, um Geschenke und Begünstigungen zu erlangen. Und auf welch' sonderbare Weise kam fie manchmal zu Geld! So wurde z. B. 1511 in Sevilla ein Schiff, auf dem fich einige „Ketzer" befanden, mit seiner Ladung konfisziert. Letztere, aus Pfeffer bestehend, gehörte einem portugiesischen Kaufmann und der König von Portugal verlangte die Freigabe der Ladung. Die Inquisition erklärte aber und König Ferdinand bestätigte, daß der Portugiese für den Pfeffer mit Wechseln von Ketzern bezahlt habe und mit ketzerischem Gelde gekaufte Waren verfallen dem heiligen Glaubensgericht! Ueberhaupt wurden Forderungen auswärtiger Gläubiger von diesem nie berücksichtigt. Was einmal in seinen Klauen war, konnte trotz aller Berechtigung und aller Klagen nicht wieder erlangt werden. Selbst bei Freilassung oder geringerer Personalstrafe blieb ein Teil des Vermögens in den Händen der Inquisition, ihrer Beamten und Administratoren. Die portugiesische Inquisition verschenkte mitunter 6, 8 bis 14 Tausend Kronen an ihre Beamten. König Ferdinand schenkte einmal aus dem konfiszierten Vermögen eines von der Inquisition Verurteilten seinem Beamten Dr. Perez Manso eine maurische Sklavin namens Alia und dem Lizentiaten Fernando de Majuncos eine andere Sklavin „zum beliebigen Gebrauch". Außerdem waren Unterschleife seitens der Inquisitoren und ihrer Beamten nicht selten und mancher von ihnen hinterließ ein großes Vermögen. Doktor und Diakonus Guiral, Inquisitor in Cordova, hat nicht weniger als 150.000 Maravedis an Bestechungsgeldern eingenommen; im Einverständnisse mit dem Administrator der konfiszierten Güter beging er Unterschleife, von den Prämien für denunzierte Vermögensverheimlichungen erhielt er seinen Anteil. eingehobene Geldstrafen legte er manchmal, wohl aus Versehen, in seine Tasche anstatt in die Kaffe des Tribunals, mit den Neuchristen traf er ein Uebereinkommen, demzufolge fie für Zahlung von 2,200.000 Maravedis von allen Konfiskationen befreit sein sollten und erhielt dafür eine Provision von 150.000. Es wurde endlich eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet, aber ihr Resultat ist aus den erhaltenen Akten nicht zu ersehen. Noch ärger trieb es sein Nachfolger Jnigo Rodriquez Lueero, der Habsucht und Unehrlichkeit mit höchster Grausamkeit verband. Er ließ einmal 107 Personen in einem Auto verbrennen, weil sie die Predigt eines ins Judentum zurückgefallenen Bacealaureus angehört hatten. Er genoß die besondere Gunst König Ferdinands, der ihn für seine Strenge, Eifer und Findigkeit belohnte und damit fortzufahren ermahnte. Der Gouverneur der Provinz schrieb aber am 15. Juli 1507 dem Sekretär des Königs : „Lueero, der Erzbischof Deza von Sevilla. und Juan de la Fuente find imstande, das ganze Königreich in üblen Ruf zu bringen, gegen Gott und Gerechtigkeit den größten Teil desselben zu ruinieren, indem fie morden, rauben. Frauen und Mädchen schänden." Lueero ließ auch Leute in jüdischen Bräuchen und Zeremonien unterrichten, damit sie als Zeugen aussagen könnten, sie hätten gesehen, wie die augeklagten Getauften solche ausübten. Wir können hier nicht alle Missetaten Luceros anführen, wie deren in den Klagen der Bürger von Cordova an König und Papst aufgezählt wurden. Es kam sogar im November 1506 zu einem Aufstand, wobei das Gebäude der Inquisition erstürmt, die Gefangenen befreit und Lueero zur Flucht gezwungen wurde. Aber er kehrte bald zurück und trieb es noch ärger als früher. König Ferdinand hielt seine schützende Hand über ihn. Erst im Jahre 1508 gelang es nach vieler Mühe die Zentrale der Inquisition zu einem gerichtlichen Verfahren gegen ihn zu bewegen. Es ist charakteristisch für den Ruf dieses Mannes, daß kein Advokat eine Verteidigung übernehmen wollte. König Ferdinand mußte

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