Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 47 (10.11.1908)
- Date
- 1908-11-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 820 m* Mocv s MocvenscvrtN. Nr. 47 den Nachwuchs aus der israelitisch-theologischen Lehranstalt und aus den Instituten, die geschaffen wurden und noch geschaffen werden, schwinden. Redner schließt: Setzen Sie das Vertrauen in mich, daß ich für Ihre weitgehenden und gerechten Forderungen eintrete, so bitte ich, mir Ihre Stimmen zu geben, ich gehe den geraden Weg, ich schaue nicht nach rechts und nicht nach links. Ich scheue mich nicht, selbstredend wenn hiezu eine Veranlaffung vorhanden ist, Opposition zu machen und bin auch deshalb nicht der beliebteste. Ich verspreche Ihnen, mich durchzukämpfen, schlecht und recht. Es sprachen nun noch die Kandidaten der Opposition Ing. Fried, Sigmund K o h n, Dr. M a r g u l i e s, Max Markus und Dr. Zw eig. Letzterer leistete sich im Verlaufe seiner Ausführungen den bezeichnenden Satz: Er überschätze sich nicht, wenn er sagt, daß er für den Fall, als er in den Kultusvorstand gewählt würde, mehr leisten wird, als der Präsident Dr. Stern und alle übrigen Vorstandsmitglieder, die ja nur seine Puppen sind. Der Präsident weist diesen Angriff gegen die Mitglieder des Vorstandes entschieden zurück und erklärt die Versammlung für geschloffen. Dritte Wählerversammlung vom 17. d. M im Saale zur „schönen Schäferin" im IX. Bezirke unter dem Borsitze des Präsidenten Tr. Alfred Stern. Der Präsident eröffnet die Versammlung, begrüßt die erschienenen Gemeindemitglieder und teilt mit, daß die Kultusvorsteher Salo Cohn und Profeffor E h r m a n n ihre Abwesenheit schriftlich entschuldigt haben. Herr Lucian Brunner verlangt, die Besprechung des Rechenschaftsberichtes als ersten Gegenstand der Tagesordnung zu behandeln. Der Vorsitzende, unter Zustimmung der Versammlung, verbleibt dabei, zunächst die Kandidaten anzuhören. Im Laufe der Diskuffion wird ohnehin Gelegenheit sein, den Rechenschaftsbericht zu kritisieren. Als erster Redner ergreift Kultusvorsteher Max Frank das Wort. Redner verweist zunächst darauf, daß er, mehr als drei Jahrzehnte in diesem Bezirke wohnhaft, mit den jüdischen Bewohnern dieses Bezirkes in innigem Kontakte sich befindet und den Bezirk als seine zweite Heimat ansehen darf. Das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl kennt indeß keine Bezirksgrenzen und so war er stets bestrebt, für die jüdischen Interessen der Gesamtheit zu wirken. Seit zwei Jahren dem Vorstande angehörend, wurde er von seinen Kollegen mit dem Finanzreferate betraut und er erhielt dadurch Gelegenheit, einen tiefen Einblick in alle Zweige der Gemeindeverwaltung zu gewinnen. Gegen den oppofitionellen Redner von gestern polemisierend, bemerkt er, daß ein großer Teil der Forderungen des oppofitionellen Programmes akzeptabel wäre, wenn der Staat den jüdischen Kultus ebenso dotieren würde, wie die anderen Konfeffionen. Redner zeigt auf Grund der Statistik, daß die Steuerlast der jüdischen Bevölkerung eine weitere Steigerung kaum zuläffig erscheinen läßt. Wenn die Kultussteuer in Berlin relativ höher ist, so find dafür bei uns in Oesterreich die staatlichen und landesfürstlichen Steuern ungleich höher. Dazu kommt noch, daß in Deutschland auch Protestanten und Katholiken Kultusstener zahlen, der Anreiz daher, der Kultussteuer durch die Taufe zu entgehen, dort entfällt. Redner widerlegt die Meinung, als ob durch Herabsetzung des Steuerzensus eine Förderung und Verbefferung der Gemeindefinanzen erwirkt werden könne, und sagt zum Schluffe, wenn sie mit meiner bisherigen Tätigkeit zufrieden waren, so bitte ich neuerdings um ihr Vertrauen und ich gebe Ihnen das Versprechen, meine ganze Kraft dem Wohle des Judentums widmen zu wollen. (Lebhafter langanhaltender Beifall.1 Kultusoorsteher Hoftat Dr.RapPaPort ergreift das Wort erachten würde, auch die Verbesserung der Pensionsverhältniffe der Beamtenswitwen und Waisen herbeizuführen, wenn ihm die Wähler neuerdings das Vertrauen schenken würden. (Lebhafter Beifall.) Kultusvorsteher kaiserlicher Rat Sachs bemerkt, daß es eine ausgezeichnete Idee war, in den einzelnen Bezirken Wählerversammlungen zu veranstalten, wenn dadurch auch die bedauerliche Tatsache mit in den Kauf genommen werden muß, daß einzelne Wähler dasselbe wiederholt anhören müssen. Vor vier Jahren herrschte noch eitel Frieden, heute redet die Opposition von uns, als wäre der Vorstand ein Ausbund von Schlechtigkeit. Allein aus innerster Ueberzeugung versichert Redner, daß der Vorstand voll und ganz vom Bewußtsein seiner Pflicht erfüllt ist. Von Jugend auf in demokratischer Gesinnung erzogen, werde er bemüht sein, auch für die Forderungen der Opposition, soweit sie realisierbar find, einzutreten. Allein das Verlangen nach einem allgemeinen Wahlrecht für den Kultusvorstand kann er dazu nicht zählen. Dieses Postulat ist gerechtfertigt für die Wahlen zum Reichsrat. Landtag oder andere politische Körperschaften, nicht aber für die Kultusgemeinde, welche eine indirekte Besteuerung nicht hat. Bei seinem Wirken im Vorstände hat er stets das Wohl der Gemeinde im Auge behalten und war nach Kräften bemüht das polnisch-galizische Element zu fördern^ denn dieses bildet das Reservoir für die Zukunft der Gemeinde. In diesem Geiste würde er weiter wirken, wenn das Vertrauen der geehrten Wähler ihn neuerdings in den Vorstand berufen werde. Der Kandidat der Opposition Herr Böhm hält neuerdings ein ausführliches Plaidoyer für das allgemeine Wahlrecht als Hauptpunkt des oppositionellen Programmes, denn die reichen Leute kennen die Bedürfnisse des armen Volkes nicht. Redner beschuldigt den Vorstand des Wahlrechtsraubes, weil im Sinne des Statutes die Steuersäumigen aus der Wählerliste gestrichen wurden. Redner erhebt sogar gegen den Vorstand die Anklage, daß er teilnahmslos blieb angesichts der in Rußland gegen unsere Brüder verübten Greuel, dermaßen, daß versucht wurde, bei der veranstalteten Protestversammlung im Sofiensaale den Oberrabbiner am Reden zu verhindern. Die Opposition begleitet diese Ausführungen mit lärmendem Beifall. Allein der Vorsitzende Dr. Alfred Stern unterbricht den Redner und erklärt, daß er bereits in dem traurigen Jahre 1881 — also bereits zu einer Zeit als die heutigen Wortführer der Opposition ihr Judentum noch nicht entdeckt hatten, — mit Hintansetzung und Unterbrechung seiner beruflichen Tätigkeit im Aufträge und als Delegierter der großen Wohltätigkeits-Organisationen an die russische Grenze geeilt war und dort wochenlang zubrachte, um den Unglücklichen Hilfe zu bringen. Damals habe er das Leiden seiner russischen Brüder und ihr trauriges Elend mit eigenen Augen gesehen, er kann sagen, 'W 'V nu „ich sah die Not meines Volkes, die mir seitdem unvergeßlich bleibt". Für die russischen und rumänischen Brüder wirkte er nicht allein als Vorsteher der Kultusgemeinde, sondern als Mitglied des Präsidiums der Israelitischen Allianz, welche den unglücklichen Brüdern im Osten ihre ganze Sorgfalt widmet. Und wenn in den großen Journalen Wiens in ausführlichen Artikeln die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses unsägliche Leiden gelenkt worden, so darf er heute wohl verraten, daß jene Artikel von seiner Hand herrühren. Aus dem Tätigkeitsberichte des Vorstandes für die Jahre 1904—5 verliest der erste Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben folgenden Paffus: „Anlässlich der erschütternden Ereignisse in Bussland wurden am 13. November 1905 in allen Bethäusern der Kultusgemeinde Trauergottesdienste abgehalten. In der am selben Tage 1 abgebaltenen öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde und zeichnet als Programm des Vorstandes: Erhaltung des Bestehenden ohne Verknöcherung und Ausgestaltung ^8.^folgende Resolution gefasst: Gegenwärtigen im Geiste der modernen Zeitbedürfniffe. RednerZW »Wir Vertreter der Wiener Jndenschaft haben uns heute Müftert sein Wirken «ir Erweiternna de« NersoraunasundUI^bammelt, um im Namen derselben öSentUch Ausdruck zu geben IS* t. r* r- « Erweiterung veS «er,orgungS- UNvM^r aus tiefstem Herzen quellenden Empörung über die Duldung Stechenhauses, ferne Bemühungen zur Regelung und VerbefferungM^er erschütternden Vorgänge in Russland, welche gegenwärtig her Beamtengehalle und erklärt, daß er es als seine Aufgabe^» die ganze zivilisierte Welt mit Schrecken und Entsetzen erfüllen