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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-10 · 47 (10.11.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
47 (10.11.1908)
Date
1908-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■ zur- Nr. 47 Dr. Vlvch's WochrnkchrM Sette 81» Kultusvorsteher Herr Samuel Steiner bittet die Herren Wähler, ihm ihr Vertrauen auch fernerhin zu schenken. Der erste Redner der Opposition Herr Brecher polemisiert in scharfer Weise gegen den Präsidenten der Gemeinde, wobei er von der Versammlung wiederholt unterbrochen wird, fingt dann ein Loblied für die „Oesterr.-Jsrael. Union" und schildert eine Unterredung des Präsidenten und des Vize-Präsidenten der „Union" mit dem Präsidenten der Gemeinde, und bietet hiebei eine Darstellung, die den Tatsachen, wie der Vizepräsident des Wahlkomitees Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef W i n t e r n i tz, Obmann der Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk, unter Ehrenwort und, wie er auch hinzufügte, vor Gericht unter Eid bestätigen kann, nicht entspricht. Der Sekretär der „Union", Herr Siegfried Fleischer, der bei früheren Wahlen immer als Ober-Wahlleiter des offiziellen Wahlkomitees zu sehen war, trat diesmal in die Opposition und hat während der Erwiderung des Herrn Präsidenten auf die Ausführungen des Herrn Brecher den Präsidenten am sprechen zu verhindern gesucht, indem er trotz der ehrenwörtlichen Erklärung, sowohl seitens des Präsidenten als auch des Augen- und Ohrenzeugen Herrn Dr. Winternitz die Berichtigung als unwahr erklärte, obwohl er selbst bei dieser Unterredung gar nicht zugegen war. Uebrigens haben die anderen Herren des Präsidiums, die bei der Besprechung zugegen waren, ebenfalls die Erklärung des Herrn Kultuspräfidenten bestätigt. Die Versammlung hat dieses sonderbare Benehmen des Herrn Sekretär Fleischer in begreifliche Aufregung gebracht und nach Gebühr gewürdigt. Der offizielle Kandidat Herr med. Dr. I. S a m u e l y, mit stürmischem Beifall empfangen, erklärte in seiner Einleitung, daß er ein Mann des Friedens ist, er gehöre überhaupt keiner Partei an. Er berichtet von seiner bisherigen Wirksamkeit im jüdischen Leben. Die Toynbee-Halle, deren Präsident er gegenwärtig ist, eine von den Zionisten ursprünglich gegründete Institution, konnte von diesen nicht erhalten werden. Da er einsah, daß diese Institution ''r die Bedürfnisse der Wiener jüdischen Bevölkerung eine notwendige ist, so hat er gemeinsam mit einigen Freunden, mit Hilfe der ..Bnai Brith" und der Kultusgemeinde sie übernommen und für ihre Erhaltung gesorgt. Für die Emigration nach den Plänen Zangwill, („ich nenne den Namen, wenn es auch manchen der hier Anwesenden nicht genehm ist") verwendete ich einen großen Teil meiner freien Zeit und bin ich der Wiener Kultusgemeinde, die mich darin tatkräftigst unterstützt, wirklich zu großem Danke verpflichtet. Wenn ich auch in vielen Dingen zur Opposition gegen den Vorstand gehören würde, so erkläre ich hier offen, daß ich heute nicht auf der Seite der Kämpfer für das allgemeine Wahlrecht stehen kann. Es gibt keine derartige Korporation, in der ein so plötzlicher Umsturz nicht schwere Folgen nach sich ziehen würde. Für die Erweiterung des Wahlrechtes und insbesondere für die Herabsetzung des Steuerzensus von K 20.— auf K 10.— werde ich jederzeit eintreten. Zum Schluffe erklärt er, daß er für den Fall, als er die Ehre haben sollte, in den Vorstand der Gemeinde gewählt zu werden, auf das Spital sein besonderes Augenmerk richten werde. Die Ausführungen des Redners werden allseits auf das Lebhafteste akklamiert. Herr Adolf Böhm, der in einer guten Rede als Kandidat der Opposition auftrat, bemühte sich, in würdiger Form Kritik zu üben und trat dann mit den bekannten Schlagworten für die unbedingte Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes ohne Rücksicht auf irgend eine Kultus steuerlei st ung ein. Er beschwert sich über den an den hiesigen Volks- und Mittelschulen erteilten Religionsunterricht. gibt aber zu, daß auf diesem Gebiete seit neuester Zeit eine Besserung zu verzeichnen ist, und erklärt dies damit, daß die neu angestellten Religionslehrer eigentlich Studenten aus den zionistischen Verbindungen find, die das hiesige theologische Seminar besucht haben. Demgegenüber konstatiert der I. Vizepräsident Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, daß bisher nur 2 Religionslehrer aus dieser Anstalt öffentlich in Wien wirken. Herr Böhm stellt auch die Behauptung auf, daß infolge des Vorgehens der Studenten gegen die Kandidatur des Herrn Vizepräsidenten Doktor K o h n gelegentlich der Reichsratswahl den Studentenverbindungen mit Entziehung der Subventionen seitens der Kultusgemeinde gedroht wurde, was sofort seitens des Präsidenten und des I. Sekretärs der Kultusgemeinde Herrn kais. Rat Dr. Lieben als unwahr bezeichnet wurde. Kandidat Karl Seligmann bemerkt, daß er aus Pflichtgefühl sich veranlaßt fühle, zu kandidieren; früher habe er aus Geschäftsgründen die Kandidatur abgelehnt; nunmehr ins Privatleben eingetreten, wolle er den Rest seines Lebens der Allgemeinheit widmen. Als gewesener Kaufmann werde er gewiß in der Lage sein, im Vorstande der Kultusgemeinde mit Erfolg zu wirken. Als ersten Programmpunkt nenne er die Aenderung des Steuersystems in einer Weise, welche die Beteiligung großer Massen der jüdischen Bevölkerung am Gemeindeleben bezweckt. — Als zweiten Programmpunkt möchte er die Erweiterung des Religionsunterrichtes nennen, aber auch die Fürsorge zur Heranziehung würdiger Lehrer. Redner will die Versicherung geben, daß er, in den Kultusvorstand gewählt, bestrebt sein werde, dort fleißig zu arbeiten und seine kaufmännische Erfahrung zur Geltung zu bringen. Herr Bernhard Hofbauer stellt als Konservativer sich nach den Rednern, die, dem modernen Prinzip der Arbeitsteilung folgend, erklärt haben, in einzelnen Zweigender Verwaltung wirken zu wollen, als Kandidat vor, der im Jntereffe religiöser Angelegenheiten arbeiten will, die dem Juden Lebenselement find, aber in dem Sinne, daß auch demjenigen, der nach Befriedigung der religiösen Bedürfniffe als Lebenselement verlangt, in benützbarer Weise dieselbe geboten werde. Wenn auch die Herren Zionisten in manchem, ja in vielem recht haben, so werden Sie doch zugestehen müssen, daß die Statistik die Lehrerin der Menschheit ist und daß eben die Statistik ihn seinerzeit, da er als Mitglied der Steuerkommisfion für eine bedeutende Herabdrückung des Steuerzensus eintreten wollte, schließlich hievon abgehalten habe. Denn die Statistik habe die bedeutende Anzahl von Exekutionsführungen bei der Eintreibung von Steuern des niedrigsten Zensus ergeben. Redner schließt seine Ausführungen mit der Anekdote von dem Weinhändler, der seine Söhne belehrte, man könne auch aus Trauben Wein bereiten — und sagt: „Wenn Sie, meine Herren, der Meinung find, daß man für die Kultusgemeinde auch einen Jehudi brauchen kann, bitte ich um Ihre Stimme." (Bravo.) Kais. Rat Wilhelm P o l l a k sagt, er habe die Aufstellung seiner Kandidatur in dem Wahlkreise, der ihn früher als Vizepräsidenten gewählt habe, mit großer Freude angenommen, weil er hierin die Anerkennung für sein 16jähriges Wirken erblicke. Was die Zionisten betreffe, so könne man ihnen nicht absprechen und nicht dankbar genug dafür sein, daß sie den Mut und die Qualität der Jugend gestärkt haben, die nun einen gewissen Rückhalt und Grundstock für das Judentum bilden wird. Redner stehe zu keiner Partei so recht und echt, er stehe zwischen drin, er stehe auf keinem Programm, die Wählerschaft jedoch kenne sein Programm und er würde zu weit ausholen müffen, wollte er dasselbe hier entwickeln, wollte er das Vorbringen, was er in verschiedenen Versammlungen während 16 Jahren vorgebracht hat. Redner erklärt, sich zur Erweiterung der Wahlordnung zu bekennen; die diesbezüglichen Anschauungen der Opposition gründen sich auf die von ihm seit 16 Jahren wenn auch nicht so weitgehend propagierten Ideen. Er halte das Programm der Opposition in gewiffen Punkten für gut, die aus taktischen Gründen mehr verlange, um wenigstens etwas zu erreichen. So werde sie wohl wißen, daß sie das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht nicht erreichen könne. Anders stünde es in dieser Beziehung, wenn die Regierung aus dem Religionsfonds einen Beitrag leisten würde, weil dies aber nicht der Fall sei, müsse, um die größeren Masten der jüdischen Bevölkerung heranzuziehen, der Steuerzensus herabgesetzt werden. Redner habe sich als Mitglied des Kultusvorstandes in Friedhofs- und Schulangelegenheiten betätigt. Speziell was den Religionsunterricht betrifft, sei es schwer, neuernd an denselben heranzutreten. Die Not früherer Jahre an gediegenem Lehrermateriale werde durch

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