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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Llocd's Mocvenscvrttr. Nr. 46 Seite 806 Eine ganze Reihe von Studenten stürzte mit den Trümmern hinab. Es mochten etwa fünfzig gewesen sein, die da in mehreren Schichten Übereinanderlagen. Auf die oberste Schicht schlugen die Deutschnatioualen, ohne durch den Einsturz die Fassung zu verlieren, los. Auch durch den Sturz selbst wurden zahlreiche Studenten nicht unerheblich verletzt. Wenige Augenblicke hatten die Deutschnationalen die Rampe in ihrer ganzen Ausdehnung besetzt. Während einzelne Züdischnationale sich noch mit größeren Gruppen schlugen, stimmten die Eroberer der Rampe die „Wacht am Rhein" an, der fie noch andere nationale Lieder folgen ließen. Die Vertreter der jüdischnationalen Studenten Wiens überreichten dem Rektor Profeflor E x n e r ein Memorandum, das im Wesentlichen folgendes ausführt: „Die jüdischnationale Studentenschaft Wiens protestiert auf das Entschiedenste gegen das Vorgehen der deutschnationalen Studentenschaft während der letzten Tage. In brutaler Weise wurden einzelne jüdischnationale Studenten, die bei der an sie gerichteten Frage, ob sie Juden seien, den Mut hatten, sich als solche zu bekennen, mißhandelt. Der Grund zu diesem pöbelhaften Betragen der Blüte deutscher „Kulturträger" ist in einem alten, tiefen Gegensatz gelegen, der seit der Zeit des sogenannten Waidhofener Beschlusses datiert. Seit mehr als 12 Jahren wird den Juden laut diesem Beschluß die Ehre abgeschnitten und ihnen eine Inferiorität allen anderen Nationalitäten gegenüber zuerkannt. Wir jüdischen Akademiker haben damals und dre game Zeit über mit Verachtung geschwiegen und nur dort, wo sich Uebermut und das Majoritätsgefüdl unserer Gegner in empfindlichster Weise geäußert haben, haben wir den Weg der Notwehr betreten. Zur Rettung unserer Ehre haben Uir jene gezüchtigt, die frech unsere Ehre antasteten. Wir haben es hiebei ängstlich vermieden, den Kampf auf die alma mater zu tragen und niemand kann uns den Vorwurf machen, daß wir die heilige Stätte des Studiums und des akademischen Betriebes jemals gestört hätten. Der Eigendünkel der deutschnationalen Kulturträger empfand schon Regungen der Notwehr als Anmaßung. Es sei betont, daß in dem konkreten Falle Alemannia- Kadimah sich jüdischnationale Studenten die entsprechende Genugtuung außerhalb des akademischen Bodens verschafften. Als Revanche überfielen unsere Gegner mit Mannesmut in Horden einzelne ahnungslos aus den Vorlesungen kommende Studenten. Dies geschah an einem Orte, den Präzedenzfälle von Relegationen zum akademischen Boden gestempelt hatten und am 9. November wurde derselbe von Kanzleidirektor Dr. v. Blumauer, derselbsteinerJuden Satisfaktionverweigernden Verbindung als a. H. an gehört, zum nichtakademischen umgewandelt und die einzige Maßregel, die zu unserem Schutze ergriffen wurde, war ein Farbenverbot für die akademische Verbindung „Kadimah". Es scheint, daß das Kriterium des nichtakademischen Bodens darin liegt, daß er überall dort ist, wo jüdische Studenten von deutschnationalen ungestraft bedroht und mißhandelt werden. Die Juden sind vogelfrei und ihren Schutz schiebt eine Behörde der anderen zu." „Sollte uns der Schutz der akademischen Behörden in unserer gerechten Sache nicht in wirkungsvoller Weise zuteil werden, so werden wir zu einem ^Schritte gedrängt werden, den wir zwar selbst perhorreszieren: der Selbstwehr der Desperados." Philipp Falkowicz. Prag. Wieder ist einer der Besten aus der hiesigen jüdischen Gemeinschaft mitten in seiner noch rüstigen Schaffenskraft dahingegangen, kais. Rat Philipp Falkowicz ist am 8. d. M., nach einem Leben an Inhalt und Arbeit reich, dahingeschieden. Vom fernen Osten war er vor etwa einem Vierteljahrhundert nach Prag gekommen, ausgerüstet mit ungewöhnlichen geistigen Fähigkeiten, umfassender Bildung und hinreißender Beredsamkeit, nicht minder aber mit warmer Empfindung für alles Schöne und Gute; und so gelang es ihm, der in feinem Berufe als Generalrepräsentant der „Fonciere" mit den weitesten Kreisen in Berührung kam, auch in kurzer Zeit einen ersten Platz sich in der Gesellschaft und insbesondere in der israelitischen Gemeinde Prags zu erringen. Der Verblichene war unter anderen eines der eiftigsten Mitglieder der Kultusgemeinderepräsentanz, Direktionsmitglied des israelitischen Knabenwaisenhauses, Obmann des Verwaltungsausschuffes des Kaiser Franz Joseph-Jubiläumstempels und Obmann' des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten. Insbesondere in letzterem Vereine wirkte er durch mehr als zwei Dezennien mit rastloser Hingebung und sein Hauptstreben galt mit bestem Erfolge dem einträchtigen Zusammenwirken aller in diesem Vereine vertretenen Richtungen. Gar oft entschied sein treffliches Wort die Lösung mancher heikeln Frage und noch wenige Tage vor seinem Tode brachte er mit Ueberwindung körperlichen Ungemachs das Opfer, einer bis in die späten Nachtstunden währenden Ausschußsitzung zu präsidieren. Durch viele Jahre war kaiserlicher Rat Falkowicz auch Handelskammerrat, Beisitzer des Handelsgerichtes, Direktionsmitglied des deutschen Kasinos und Schatzmeister des Schriftsteller- und Künstlervereins „Concordia". Auch im heurigen Jahre fungierte er noch mit hohem Eifer im Komitee der Jubiläumsausstellung. Trotz seines hohen Alters — er zählte bereits 69 — war sein Aufstieg zu neuem Schaffen und neuen Ehren noch nicht beendet, und vieles für das Gemeinwohl ließ sich noch von ihm erwarten, wenn nicht der jähe Tod ein rasches Ziel gesetzt hätte. Mit Falkowicz ist einer der besten jetzt lebenden Versicherungs-Arithmetiker dahingegangen, seine reiche Erfahrung, die er auch in manchen fachwisienschaftlichen Arbeiten betätigte, kam einer ganzen Reihe von Wohlfahrtseinrichtungen zustatten. Für sein ersprießliches Wirken auf mannigfachen Gebieten wurde er denn auch gerade vor einem Jahre durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung seltener Art. Die weite Zeremonienhalle des israelitischen Friedhofes konnte die Zahl all Jener nicht fassen, die aus allen Schichten der Bevölkerung herbeigeströmt waren, um diesen seltenen Mann die letzte Ehre zu erweisen. Sämtliche Rabbiner in Prags mit Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d an der Spitze, die Kultusgemeinderepräsentanz mit den Präsidenten Dr. Rosenbacher und Dr. Bendiener, sämtliche jüdische Humanitätsvereine Prags mit ihren Repräsentanten, der Gesamtausschuß des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, das Direktorium des israel. Krankenhauses mit sämtlichen Zöglingen desselben, dann die Vertreter der Prager Handelskammer, das Direktorium des deutschen Kasinos, der Ausschuß des Schriftstellervereines „Concordia" die Präsidenten des Handelsgerichtes Hosrat 8 i n d e l a r und Ritter des Loges, mit dem gesamten Gremium, Hofrat Klein und Oberlandesgerichtsrat Dr. U n g e r, Abgeordneter Alexander Richter und noch unzählige andere waren erschienen. Laut ausdrücklicher letztwilliger Verfügung unterblieben alle Grabreden, nur Rabbiner Dr. Deutsch vom Regierungsjubiläumstempel hielt an der Bahre eine kurze und empfindungsreiche Ansprache. — Und als sich die Erde schloß über der sterblichen Hülle Philipp Falkowicz' wurde man so recht inne, was die Prager Gemeinde an diesem arbeitsfrohen und hilfsbereiten Manne verloren hatte und welche empfindliche Lücke sein Hinscheiden für dieselbe bedeutet. Für ihn gilt aber — wenigstens in dem begrenzten Kreise seines Wirkungsbereiches — das Dichterwort: „Wer den Besten seiner Zeit genug getan, Der hat gelebt für alle Zeiten!" Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal in Breslau. Breslau. Dienstag den 10. d. M. vollendete der allgemein verehrte Rabbiner Herr Dr. Ferdinand Rosenthal sein 70. Lebensjahr, aus welchem Anlasse dem gefeierten Jubilar seitens seiner Gemeinde, aber auch aus zahlreichen Städten Deutschlands vielfache Zeichen der Verehrung und Sympathie zugekommen sind. Dr. Rosenthal, ein Schüler des sel. Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer und ein Schwager des verewigten Prof. Dr. David K a u f f m a n n, ist einer der gelehrtesten Rabbiner Deutschlands, von Geburt ein Oesterreicher. Im Jahre 1867 wurde er zum Rabbiner in Beuthen gewählt, seit 1887 wirkt er als Rabbiner in Breslau. Von seinen gelehrten Arbeiten sind zu erwähnen: „Das Erste Makkabäerbuch", Leipzig 1867; „Die Erlässe Cäsars und die Senatusconsulte in Josephus", Breslau 1879; „Vier Apokry- Phische Bücher aus der Zeit und Schule R. Akibas", Leipzig 1885. Den Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist er

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