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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 46 Sr. Moeb's Moevenscdrrn. Seite 805 fällen vertritt, begab und ihn bat, er möge mit Rücksicht auf die namentlich unter den betenden Frauen bestehende ungeheuere Aufregung das Beten gestatten. Unwahr ist es, das; man bei dem Gottesdienste dem antisemitischen Kandidaten den Dank in Form eines feierlichen Mischeberach ausgesprochen hat. Wahr ist vielmehr, daß während des nach der Sperrung neuerlich vorgenommenen Gottesdienstes bis nach Schluß desselben des Bezirksvorstehers gar nicht gedacht worden ist. Unwahr ist auch die neuerlich gemachte Angabe, daß einem notorischen Judenfeinde im Bethause des „Linath Hazedek" vor der offenen Bundeslade an einem der höchsten Feiertage des Jahres ein Mischeberach gemacht wurde. Unwahr und vom Anfang bis zu Ende erfunden ist es, daß am Sonntag den 11. d. W>, am zweiten Tag Sukkoth, die Mitglieder des Vereines nach eingehender Beratung beschlossen hätten, den antisemitischen Bezirksvorsteher bei den kommenden Landtagswahlen tatkräftig zu unterstützen. Vielmehr ist wahr, daß am zweiten Tag Sukkoth eine Beratung der Mitglieder des Vereines gar nicht stattgefunden hat, daß daher ein solcher Beschluß nicht gefaßt werden konnte. Humanitärer Verein „Linath Hazedek": Sigmund L i f c z i s Ehrenpräsident. Salomon W enkert Hillel Schlechter Obmann-Stellvertreter. II. Schriftführer. An die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien IX. Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes fordere ich Sie auf, nachstehende Berichtigung der in der Nummer 43, Jahrgang XXV der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 23. Oktober 1908 in dem auf Seite 756 unter der Ueberschrift „Die neuesten Beschützer der Religion des galizischen Judentums in Wien" von einem gewissen I. Grobtuch unterschriebenen Artikel mitgeteilten Unwahrheiten in der zunächst erscheinenden oder zweitfolgenden Nummer des Blattes, und zwar bezüglich des Ortes der Einreihung, als auch bezüglich der Schrift ganz in derselben Weise aufzunehmen, in welcher der zu berichtigende Artikel zum Abdrucke gebracht war. Es ist unwahr, daß ich in der am 15. Oktober 1908 stattgehabten Versammlung behauptet habe, man habe dem antisemitischen Kandidaten beim öffentlichen Gottesdienste den Dank votiert. Wahr ist vielmehr, daß ich behauptet habe, daß bereits lange nach Abschluß des Gottesdienstes in der Vereinskanzlei dem Herrn Bezirksvorsteher für die Intervention bei Sistierung der Sperre gedankt wurde. Sigmund Lifczis, Wien, IX., Nußdorferstraße 6 Unser geschätzter Mitarbeiter Herr I. Grobtuch schreibt uns in Bezug auf diese „Berichtigungen": Zu der Zuschrift des Vereines „Linath Hazedek" erkläre ich, daß noch am Abend desselben Tages, an dem das Bethaus seitens der Polizei gesperrt wurde, der Rechtsanwalt dieses Vereines, Herr Dr. Karl Lifczis, mir den Vorgang in dem Vereine in der von mir geschilderten Form in Gegenwart des Herrn Dr. Zipser erzählt hat. Uebrigens ist ein ähnlicher Bericht wie jener von mir in der „Oesterreichischen Wochenschrift" publizierte in einem hiesigen jüdischen Wochenblatte schon früher erschienen. Die Berichtigung des Ehrenpräsidenten Lifczis, daß er in der Versammlung nicht behauptete, daß man dem Bezirksvorsteher im Bethause öffentlich den Dank ausgesprochen hat, stimmt nicht überein mit den Tatsachen. Er hat ausdrücklich erklärt, daß dem Antisemiten, der inzwischen zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde, der Dank im Bethause ausgesprochen wurde. Wer die Person des — Ehrenpräsidenten und mich kennt, wird leicht entscheiden, auf welcher Seite die Wahrheit zu suchen ist. Ich erkläre hiemit den Zwischenfall für mich als erledigt und werde ich auf etwaige weitere „Berichtigungen" nicht reagieren. I. G r o b t u ch. Das Programm der Opposition. In einer der letzten Wählerversammlungen des unter der Führung der derzeitigen Wiener Zionisten stehenden oppositionellen Wahlkomitees leistete sich ein Redner, Herr Lucian Brunner, folgende Aufforderung an das Auditorium: „Ich würde mir gar nichts daraus machen, wenn uns die Antisemiten helfen würden, jene Gesellschaft (den Kultusvorstand) hinwegzufegen". Die Rede des Genannten fand wiederholte lebhafte Zustimmung und am Schluffe stürmischen Beifall. Unter den anwesenden „Oppositionsführern" erscheinen die Herren Dr. Max Bernhard, Dr. Egon Zweig. Max Marcus, und nicht einer derselben erhob gegen jene Zumutung, s i ch bei den bevorstehenden Kultus wählen der Hilfe der Antisemiten zu bedienen, auch nur den leisesten Einwurf; ebenso wenig fand aber auch das jüdisch-oppositionelle Organ, die „Jüdische Zeitung", welche einen ausführlichen Bericht über diese Wahlversammlung und die hiebei gehaltenen Reden enthält, gegen die merkwü rdige Zumutung des neuesten Oppositionsführers Herrn Lucian Brunner irgend eine Einwendung. Wir aber richten an die Wähler der Kultusgemeinde die dringende Mahnung, sich aus solchen und ähnlichen Erscheinungen ein Bild über den Charakter der unter der Führung der derzeitigen Wiener Zionisten stehenden Opposition in unserer Gemeinde zu machen, danach ihre Abstimmung bei den bevorstehenden Wahlen einzurichten und nicht etwa durch Saumseligkeit einer solchen „Opposition" den Eingang in die Gemeindestube zu ermöglichen. „Deutsche Helden". . Montag Mittags fand auf der Rampe der Wiener Universität eine Schlägerei statt. Doch diesmal ging nicht der Freisinn gegen die Feinde der Wiffenschaft los. sondern die Feinde schlugen vereint — einen Dritten! <3tol$ hörte man die grünen Jungen rufen: „Heute geht's gegen die Juden!" — Nein, es ging bloß gegen einen Juden, einen mutigen Kämpfer, der in den vordersten Reihen stand und von der übermächtigen Zahl angegriffen und verfolgt wurde — das ist „deutscher" Mut! Pfui über diese Schandtat. Bravo, tapferer Makkabäer, der Du die angetane Schmach der Satisfaktionsverweigerung rächen wolltest. Wenn man sieht, mit welchem Heldenmut das kleine Häuflein der Uebermacht standhielt, ist einem ums Judentum nicht bang. Doch diese Kämpfe gegen jüdische Studenten haben einen gar trüben Hintergrund. Wahrmund ist vergeffen und Hand in Hand gehen „Freisinnige" und Klerikale, um einem klerikalantisemitischen Regime den Platz freiz u m a ch e n. „Die Universitäten müffen erobert werden", hatte Dr. Lueger gesagt — deshalb: Haut den Juden. Vuvdus litigantibus tertius gaudet! A. H. L. Dienstag ging die Schlacht von Neuem los und es gab blutige Schlägereien, bei welchen zahlreiche zionistische Studenten, welche in der Minorität waren, schwere Verwundungen erlitten. Die Schlacht spielte sich auf der Univerfitätsrampe ab. Es war ein schauderhaftes Bild, das sich dem unbeteiligten Zuschauer darbot. Rücksichtslos und mit allen Kräften schlugen die Studenten auf einander los. Krachend fielen die Stockhiebe auf die Köpfe derjenigen, die in den ersten Reihen standen, hie und da sah man einen Studenten blutend zur Erde finken; ein Deutschnationaler schwang sich auf die Balustrade und hieb von dort mit einem schweren Stock zielsicher ans die Köpfe der Gegner ein. Die Jüdifchnationalen, von zwei Seiten angegriffen, konnten ihre Position nicht halten und wurden mit unwiderstehlicher Gewalt die linke Rampe hinabgedrängt. Die Balustrade stürzte ein in der Ausdehnung von etwa zwölf Metern.

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