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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Zömcv s Mocvenscvrrrr» durch seinen interessanten und belehrenden Vortrag über die Lage der Juden iw ersten Jahrhundert nach der Tempelzerstörung in guter Erinnerung. Wir entbieten auch an dieser Stelle dem gefeierten Jubilar unsere Glückwünsche. Eine herrliche Feier fand Samstag den 7. d. M. in der Synagoge statt. Der Triester Rabbiner Herr Dr. U. Brettholz schreibt uns: „Ich, der jahrelang die Ehre hatte, im Rosenthalschen Hause zu verkehren, bin von der Nachricht ganz überrascht, dieser kernige, kräftige, noch so jugendlich bewegliche Rabbiner soll schon 70 Jahre alt sein! Es ist schade, daß die Kunde von dem 70. Geburtstage Rosenthals so spät in die Oeffentlichkeit dringt, er hätte sich sonst zu überzeugen Gelegenheit gehabt, wie wahr und echt die ' Anhänglichkeit und Liebe ist — die wir — ich darf es ruhig sagen — wir — für den Lehrer und Meister empfinden. Zu seinem 80. Geburtstage wollen wir uns anders einstellen! Möge der noch so jugendliche Jubilar in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit vereint mit seiner guten, freundlichen Gattin, mit seinen überaus begabten, strebsamen und charakterfesten Kindern diese kurze Frist noch abwarten und wir werden Wort halten! Beneidenswert die Gemeinde, die ihn zum Rabbiner hat, man muß aber hinzufügen, daß auch die Gemeinde Breslaus seinen Wert zu schätzen weiß, denn sie läßt keine Gelegenheit Vorbeigehen, ohne ihrem geliebten und wahrhaft geachteten Rabbiner Beweise ihrer Wertschätzung zu gehen! Es erweckt den Anschein, daß Rosenthal absichtlich seinen für uns alle so wichtigen Festtag verschweigen wollte, zum Teil ist es ihm gelungen; für das nächste Dezennium werden wir uns rüsten und er wird sich's schon gefallen lassen müssen!! In stets dankbarer Anhänglichkeit Rabbiner Dr. U. B r e t t h o l z." Militärdienstbefreiung der Rabbiner in der Türkei. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Chacham Baschi von Konstantinopel wurde dieser Tage einer Konferenz des Justizministers und Ministers für Kultus zugezogen, in welcher dem Cacham die offizielle Mitteilung gemacht wurde, daß die Regierung gleich nach Eröffnung des Parlamentes einen Gesetzentwurf über die ^llilitärdienstpflicht der Nichtmohammedaner vorlegen werde. Da diesem Gesetze das Prinzip zugrunde liegt, daß von der aktiven Dienstpflicht die Geistlichen aller Konfessionen zu befreien sind, wurde der Chacham Baschi aufgefordert, so rasch als möglich die Namen derjenigen Rabbiner bekannt zu geben, die dem Rabbinatskörper der türkischen Hauptstadt angehören. Ein jüdischer Polizei-Inspektor in Odessa. Der Odessaer Polizeipräsident erhielt die Erlaubnis der Regierung, den Juden Litinski auf Vorschlag des Generalgouverneurs T o l m a tz o w ausnahmsweise zum Polizei- Inspektor zu ernennen. In dem betreffenden Erlasse wird der Polizeipräsident angewiesen, in dem Aufnahmsdekret des Litinski ausdrücklich zu betonen, daß seine Ernennung eine Ausnahme von den gesetzlichen Bestimmungen bedeute und für die Anstellung von Juden im Polizeidienste kein Präjudiz bilden könne. Eine jüdische Abteilung im amerikanischen Nationalmusenm. Das Nationalmuseum der Vereinigten Staaten besitzt eine große Sammlung jüdischer Zeremonialobjekte, die jetzt gesichtet in einer eigenen Abteilung des Museums untergebracht wurden. Das Museum ließ über diese Gegenstände von den jüdischen Gelehrten Dr. Cyrus Adler, I. M. C a s a n o w i c z einen separaten Katalog anfertigen, in welchem nebst den Abbildungen der interessanteren Objekte auch das Historikum derselben gegeben wird. Die Herausgeber des Kataloges sagen in ihrem Seite 807 Vorworte, daß diese Sammlung des amerikanischen National* museums eine der wertvollsten und bedeutendsten in der ganzen Welt ist und ihre Katalogisierung und Beschreibung den Forschern dieses Faches hervorragende Dienste leisten können. Staatssekretär Root über die jüdische Paßfrage in Rußland. Staatssekretär Elihu Root, der auch dem Kabinet des neuerwählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Taft, angehören wird, hat an den bekannten jüdischen Finanzier vor einigen Tagen einen Brief gerichtet, in welchem er sich über die Paßfrage wie folgt äußert: „Unsere Regierung hat ihre Haltung bezüglich der Durchsetzung einer gleichmäßigen Behandlung aller unserer Bürger in Rußland nicht geändert. Unsere Administration hat die Aufmerksamkeit der russischen Regierung auf diese Angelegenheit wiederholt gelenkt und die Errichtung eines neuen Vertrages, durch welchen die Frage geregelt werden soll, des öfteren urgiert. Wir haben erst vor kurzem wieder eine ungünstige Antwort erhalten und haben daraufhin der russischen Regierung unseren Wunsch nach einer vollständigen Revision und Amendierung des ganzen Vertrages vom Jahre 1832, durch welchen die gegenseitigen Wohnrechte der Bürger beider Staaten geregelt werden, wissen lassen." Ei» jüdischer Admiral. Die amerikanische Regierung hat das Kommando über die atlantische Flotte dem Admiral Adolph M a r i x übertrage». Admiral M a r i x, ein Jude, hat sehr rasch Karriere gemacht und wurde durch ein eigenes Gesetz des Kongreffes zweimal außertourlich befördert. Seine Beförderung erfolgte „in Anerkennung seines hervorragenden heldenmütigen Verhaltens in zwei Feldzügen". Ein jüdischer Matrose als mehrfacher Lebensretter. Vor zwei Wochen ereignete sich in Lang Island Sound eine Kollision der zwei amerikanischen Dampfer „Commonwealth" und „Volund". wobei der „Volund" zum Sinken kam. Der an Bord des „Commonwealth" befindliche Matrose der amerikanischen Kriegsflotte Alfred Bernstein hat fast allein die Mannschaft und einen Teil der Paffagiere in die „Commonwealth" hinübergerettet. Das heldenmütige Verhalten Bernsteins bei diesem Anlasse war die Ursache, daß bei dieser Schiffskatastrophe kein Menschenleben zu beklagen ist. Bernstein wurde von seiner Vorgesetzten Behörde für eine höhere Auszeichnung empfohlen. Vermischtes. Kranzablösuugsspendeu zugunsten derChewra-Kadischa in Wien I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sei. Felix Lackenbacher: Von Julius Mein; L 10.—, Armand Fehr 10.—, Armin Bergt 10.—, Arthur Horner K 30.-. Zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Siegfried Eisner: Von Emil Fürth K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob F i s ch l: Von Dr. Kraus und Dr. Stern K 20.—, Julius Beck 20—, Friedrich Schiller 30.—, Rob. W. 10.—, Arnold Bachwitz 20.—, Ernst Pinoll K 20.—. Zusammen K 120.—. Vortragsabend im Verein znr Abwehr des Antisemitismus. Samstag den 31. November 1908 wird der bestbekannte Schriftsteller und Erzähler Herr Jork-Steiner im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgaffe 11, abends halb 8 Uhr, über Schnitzlers Roman „Der Weg ins Freie" sprechen. Eingeführte Gäste willkommen. Vorher wird ihr Schriftsteller Otto Strauß aus Frankfurt a. M. über einen geplanten Anschluß des Wiener Vereines zur Abwehr des Antisemitismus mit dem Brudervereine in Berlin referieren.

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