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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 804 Dr. Mocv's MLocbenscbrtN. Nr. 46 Die Geistlichkeit haßte die Andersgläubigen nicht bloß aus religiösem Fanatismus, sondern auch aus ökonomischen Motiven: konnte sie doch von ihnen weder Zehnten noch Bezahlung für Messen oder sonstige Gaben erwarten. Und gleiche Motive in noch stärkerem Maße waren beim Volke wirksam. Der Spanier, der der fleißigen Arbeit den Müßiggang, den Militär- oder Staatsdienst vorzog, der später die armen Eingeborenen Amerikas zwang, ihm in schwerer Arbeit Gold und Silber aus den Tiefen der Erde zu holen, beneidete die fleißigen, geschickten, geschäftskundigen Juden und Mauren, welche zu Wohlstand, ja zu Reichtum gelangten. Und leider trugen auch die Juden durch Entfaltung von großem Luxus, durch Zurschaustellung ihres Reichtums, wie es ja auch jetzt törichter Weise geschieht, dazu bei, diesen Neid und Haß zu vermehren. Und dieser Neid erstreckte sich auch auf die getauften Juden und ihre Nachkommen, von denen manche zu Bischofssitzen oder zu hohen Staatsämtern gelangten, wie z. B. die Familie Santaugel, vou denen einer 16.000 Dukaten zur Entdeckungsfahrt des Columbus vorschoß. Mehr als einer aus dieser Familie ist dann auf Urteil der Inquisition verbrannt worden, während einige sich nur durch die Flucht nach Frankreich vor dem-Feuertode retteten. Traurig ist es, daß auch manche der ärgsten Verfolger Abkömmlinge von Juden waren. Kardinal Johann de Torquemada war jüdischer Abstammung, ebenso sein Neffe, der erste Großinquisitor und dessen Nachfolger Diego Deza. Noch im Jahre 1548 klagte der Erzbischof von Toledo in einer Denkschrift an Kaiser Karl V, daß der größte Teil der Geistlichkeit seiner Diözese jüdischer Abstammung sei, und wenn es so weiter fortginge, erklärte er, würde die ganze Kirche Spaniens verjudet werden. „Trotzdem man schon so viele verbrannt habe, gebe es noch immer viele Richter, Advokaten, Steuerpächter und andere Beamte jüdischer Herkunft. Und auch die deutschen Protestanten stammen von Inden ab". Luther ein Judeustämmliug! Was wohl unsere Alldeutschen dazu sagen? Die allgemeine systematische Verfolgung der Juden und „Neuchristen" hat in Spanien mit Einführung des besonderen Glaubenstribunals, der „heiligen" Inquisition, mit ihrem eigentümlich grausamen Gerichtsverfahren 1480 begonnen. Es ist über die Geschichte dieses Gerichtshofes und seiner Filialen von Juden und Nichtjuden schon so viel geschrieben worden, daß wir uns hier begnügen können, nur einige minder bekannte aber doch wichtige und interessante Details nach dem Werke Lea's mitzuteilen. Bor allem muß hervorgehoben werden, daß die Inquisition neben ihrer sogenannten religiösen Tendenz auch eine recht materiell finanzielle hatte. Geldstrafen und Vermögeuskonfiskatiouen bildeten den größten Teil des Einkommens der Inquisitoren und ihr Ertrag diente auch zu verschwenderischer Ausstattung der Autodafes. Manche Verfolgungen wurden nur eingeleitet, manche Verurteilungen nur ausgesprochen, um Geld zu erpressen und ganze Vermögen zu konfiszieren. Manchmal wurden vor vielen Jahren Verstorbene angeklagt und verurteilt, um das Vermögen ihrer Erben konfiszieren zu können, denn der Inquisition gegenüber fand keine Verjährung statt. Bei einer Anklage wurde sogleich das ganze Vermögen des Beschuldigten mit Beschlag belegt und selbst unbezweifelte Forderungen von Gläubigern dursten daraus nicht befriedigt werden. Mit der peinlichsten Genauigkeit, mit den rücksichtslosesten Mitteln wurde dagegen den etwa verheimlichten Vermögeusteilen des Angeklagten nachgespürt. Von allen Kanzeln wurde eine Kundmachung der Inquisition verlesen, womit alle, die solche Vermögeusteile in Verwahrung hatten oder etwas darüber wußten, aufgefordert wurden, binnen drei Tagen der Inquisition davon Anzeige zu machen. Nach Ablauf dieser Frist wurden alle Verheimlicher solcher Vermögensobjekte in feierlichster furchteiajagender Weise aus der Christengemeiude ausgeschlossen, verflucht und dem Zorne Gottes, der Apostel und aller Heiligen überantwortet. Entdeckte Verheimlicher wurden mit Geld- und anderen Strafen heimgesucht. Außerdem wurde den Anzeigern solcher Verheimlichungen reiche Belohnung zugesichert, manchmal bis zu einem Drittel, ja bis zur Hälfte des Wertes. So bildete sich bald eine Klasse von solchen Spitzeln und Angebern, im Dienste der „heiligen Inquisition", zur Ehre Gottes und Schutz der Religion. Ueberhaupt wußte die Inquisition durch Belohnungen, Protektion, Schutz vor gerichtlicher Verfolgung u. dgl. sich eine Schar von Anhängern und Helfern zu sichern. Ein Beispiel, das jetzt bei uns von einer Partei nachgeahmt wird, der es aber bis jetzt noch nicht gelungen ist, die Inquisition wieder einzuführen. Auch müßte sie früher alle Juden zur Taufe zwingen, denn nur die Getauften, die Neuchristen, unterstanden ihr und konnten als Ketzer und Rückfällige oder des Rückfalls ins Judentum Verdächtige ihres Vermögens beraubt werden. Der einzige Schutz auf den diese und, vor der Austreibung, die Juden hoffen konnten, war der päpstliche Hof. Denn ,,in Rom ist alles käuflich", sagte man damals. Hin und wieder gelang es ihnen, dort durch Geld eine kleine Erleichterung oder einen Aufschub zu erwirken, öfter aber hatten die gebrachten Opfer keinen Erfolg, da Rom sich lau zeigte oder die Inquisition die päpstlichen Mahnungen und Befehle nicht beachtete. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Die neuesten Beschützer der Religion und des galizischen Judentums. An die Redaktion der „O e st e r r e i ch i s ch e n Wochenschrift", Wien. Auf Grund des § 19 Preßgesetzes fordern Sie die Gefertigten auf, nachstehende Berichtigung der in der Nummer 43 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 23. Oktober 1908 in der auf Seite 756 unter der Ueberschrift: „Die neuesten Beschützer der Religion des galizischen Judentums in Wien", von einem gewissen I. Grobtuch unterschriebenen Artikel mitgeteilten Unwahrheiten in der zunächst erscheinenden oder zweitfolgenden Nummer Ihres Blattes, sowohl bezüglich des Ortes der Einreihung als auch bezüglich der Lettern ganz in derselben Weise aufzunehmen, in welcher der zu berichtigende Artikel zum Abdrucke gebracht wurde. Es ist unwahr, daß der gefertigte Verein „Linath Hazedek" ein Konkurrenzunternehmen zu den Vereinen „Schomre Hadath" und „Bene Brith" ist. Unwahr ist es, daß wir überhaupt ein Unternehmen bilden, vielmehr ist im Sinne der Statuten Zweck des Vereines einzig und allein die Förderung der Gottesfurcht und Unterstützung von Kranken und bildet daher der Verein gar kein Unternehmen. Unwahr ist es, daß Protektoren unseres Vereines am heiligsten Festtage, am Roschhaschona, den Wagen bestiegen und sich nicht zum Präsidenten der Kultusgemeinde oder zum 1. Sekretär begeben haben, um die polizeiliche Maßregel rückgängig zu machen, vielmehr ist wahr, daß unser Rechtsfreund, Herr Dr. Karl Lifczis sich in diverse Tempel begab, um den jüdischen Referenten für Bethäuserangelegenheiten zu suchen, denselben nirgends angetroffen hat, daß unser Präsident Herr Sigmund Lifczis trotz wiederholter telephonischer Anrufe von den Bureaus der Kultusgemeinde eine Antwort nicht erhielt. Unwahr ist es, daß unsere Protektoren zum antisemitischen Bezirksvorsteher fuhren, um ihn, welcher Kandidat der antisemitischen Partei für den Landtag ist, Gelegenheit zu geben, diese Schichte naiver, jüdischer Wähler sich zum Danke zu verpflichten. Wahr ist vielmehr, daß Sonntags das kompetente magistratische Bezirksamt nicht amtierte, unser Präsident, Herr Sigmund Lifczis über ausdrückliche Weisung des journalhabenden Expeditsbeamten sich zum Bezirksvorsteher, welcher an einem solchen Tage auch die politische Behörde erster Instanz in Not-

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