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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Wwcb's MocbeswcdrLtt. Seite MS Konfession", vor dem Gesetze gleich sind und Zutritt zu allen Aemtern haben — sollten, stets an unsere Religion erinnert. Ein Unterschied ist aber doch wahrnehmbar: Die judenfeindlichen Regierungen schämen sich jetzt offen als Judenfeinde oder Judenverfolger aufzutreten. Man erklärt, wie der kleine Gernegroß Rumänien, die Juden für Fremde oder läßt die Partei der Antisemiten ungestört die Gesetze verletzen oder umgehen, ruft ihnen auch manchmal ein „Nur zugestoßen! Ich pariere" zu. Unter solchen Umständen bietet ein Rückblick in jene Jahrhunderte offener grausamer Judenverfolgung einen gewissen Trost und läßt uns eine weitere Besserung, ein Verschwinden des als unparteiische Gesetzestreue maskierten Judenhasses, in wenn auch ferner Zeit, hoffen. Zu einem solchen Rückblick bietet uns das eben fertiggewordene vierbändige Meisterwerk des gelehrten Amerikaners Henri Charles Lea vorzügliche Gelegenheit. Lea ist einer der gründlichsten Kenner der Geschichte der christlichen Kirche, über die er schon mehrere Werke veröffentlicht hat, und dabei ein freisinniger, weitblickender, unparteiischer Historiker. Sein neuestes Werk, zu dem er außer der gedruckten Literatur die Manuskripte vieler Archive in Europa und Amerika benutzt hat, ist nicht, wie der Titel lautet „Eine" sondern d i e unübertreffliche „Geschichte der Inquisition in Spanien".*) Wir wollen aus ihr, welche selbstverständlich auch die Verfolgungen der Mohammedaner (Mauren), Protestanten und Freigeister erzählt, einiges, die Leiden der Juden Betreffendes, ausziehen. Und Lea hat nicht bloß Mitleid mit den Juden, er weiß auch ihre guten Eigenschaften und den Verlust zu schätzen, den Spanien durch ihre Vertreibung und durch die Verfolgung der zur Taufe Gezwungenen erlitten hat. „Die Schicksale der Juden seit der Zeit, da das Christentum die herrschende Religion geworden ist, können," sagt er, „ihnen nur zum Stolz, den Christen nur zur Schande gereichen. Die ganze beschichte der Menschheit bietet kein glänzenderes Beispiel der Standhaftigkeit im Unglück, der Jahrhunderte lang mit ungebrochenem Mute ertragenen Unterdrückung, der wunderbaren Lebenskraft, mit der sie, der Vernichtung nahe, sich wieder aufrichteten und erholten und des treuen Festhaltens an einer Religion, deren Lohn in diesem Leben nur Leiden und Verachtung waren. Und ebenso finden wir in der ganzen Geschichte menschlicher Bosheit kein verwerflicheres Beispiel der Leichtigkeit, mit der die schlimmsten menschlichen Leidenschaften sich unter dem Deckmantel der Pflicht austobten, als die Art und Weise, mit der jene Kirche, welche sich die Pflanzung Desjenigen nannte, der sein Leben für die Erlösung der Menschheit hingegeben, die Saat der Intoleranz und Verfolgung säete und fünfzehn Jahrhunderte lang sorgfältig pflegte." Man könnte beinahe sagen, das ganze große Werk Leas sei nur die ausführliche, auf massenhaftem authentischem Material begründete Ausführung dieses am Beginn des zweiten Kapitels ausgesprochenen Urteiles. Den judenfeindlichen Einfluß der Geistlichkeit nehmen wir schon am Anfänge des vierten Jahrhunderts wahr, da das Konzil von Elvira, das vor uns ein erschreckendes Bild der Korruption innerhalb der Christengemeinde aufrollt, schon Verfügungen gegen die Juden und gegen den Verkehr mit ihnen erließ. In ähnlicher Weise gingen spätere Konzilien vor, und die Judenverfolgungen nahmen in dem Maße zu, als der Einfluß der Geistlichkeit auf die Regierung zunahm, besonders nachdem die herrschenden Gothen von der arianischen zur katholischen Konfession übergetreten waren. Unter ihrer Herrschaft begannen die gewaltsamen Juden¬ *) A History of the Inquisition of Spain, by Henry Charles Lea. L. L. D. 4 Bande, New-Iork, Macmillan Company, London. Macmillan & Co. ltd. 1906—1907. taufen, Wegnahmen von Kindern, Vertreibungen, Beraubungen und Mißhandlungen. Das Konzil von Toledo (694) forderte vom Könige, daß alle erwachsenen Juden den Christen als Sklaven dienen sollten, bis sie sich bekehren, die über sieben Jahre alten Kinder sollen ihnen weggenommen werben. Die Eroberung des größten Teiles von Spanien durch die afrikanischen Mohammedaner befreite die Juden von der grausamen Herrschaft der Christen, und selbst als diese nach und nach das Land wieder eroberten, wurden die Inden von den weltlichen Herrschern milde behandelt. Gesetze gegen sie wurden nur auf Antrieb der Geistlichkeit erlassen, das Volk nur von fanatischen Priestern gegen sie aufgehetzt. Lange sträubten sich die Könige gegen die vom lateranensi'chen Konzil 1216 verordnete. von den Päpsten geforderte Nötigung der Juden, ein besonderes Schändlichen an ihrer Kleidung zu tragen. Das Konzil von Zamora (1313) erklärte die Juden für Reptilien, die mau nur am Leben lasse, weil sie doch menschliche Wesen seien; aber sie müßten als Sklaven behandelt werden. Das Konzil befahl, daß alle seine Verfügungen gegen die Juden jährlich in allen Kirchen verlesen und die weltlichen Behörden durch Bedrohung mit dem Kirchenbann zu deren Ausführung gezwungen werden sollten. Das Konzil von Tortosa (1429) beschwor den König von Aragon und alle Edelleute bei ihrem Streben nach der Gnade Gottes, alle Gesetze gegen Juden und Mauren zu bestätigen und deren genaue Befolgung zu erzwingen, um der göttlichen Strafe und dem Zorne des Heiligen Stuhles zu entgehen usw. Einer der ärgsten Aufhetzer gegen die Juden am Ende des 14. Jahrhunderts war der Archidiakonns Ferran Martinez in Sevilla, der trotz der, freilich sehr gelinden, Abmahnungen der Regierung nnd seiner geistlichen Vorgesetzten so lange das Volk aufhetzte, bis (1391) der große „Pogrom" zustande kam, bei dem Tausende von Juden ermordet und beraubt, viele zwangsweise getauft wurden. Lea zählt auch eine Reihe von Verordnungen auf, die im Laufe des 15. Jahrhunderts auf Antrieb der Geistlichkeit gegen die Juden erlassen wurden. Im Anfänge dieses Jahrhunderts wurden schon in einigen Städten Juden und Mauren in besondere Stadtteile (Ghettos) eingeschlossen. Im Jahre 1412 wurde bei schwerer Strafe die Benützung jüdischer und maurischer Aerzte verboten. Aber die christlichen Könige und Großen konnten sie nicht entbehren und um 1462 klagte der Franziskaner Alonso de Espira, daß alle Adeligen und Prälaten „jüdische Teufel" als Hausärzte hätten, obwohl doch die Juden nur Medizin studieren, um ihre Bosheit an den Christen auslassen zu können. „Einen kurieren sie und fünfzig töten sie, dann prahlt jeder von ihnen, er habe die meisten getötet, denn ihr Gesetz befiehlt ihnen, die Christen zu töten und zu berauben." Wenn die höheren Stände fortfuhren, jüdische Aerzte und Finanzmänner zu benützen, so taten sie es wohl, weil diese fähiger und geschickter als die christlichen waren. Auch sonst erwiesen sich die Juden dem Staate sehr notwendig und dienten oft in den Kriegen der christlichen Könige gegeu die Moslim. In der Schlacht bei Zalaca (1086) sollen ihrer 40.000 unter König Alphons VII. gekämpft haben und in der bei Ucles (1108) bildeten sie fast einen ganzen Flügel der kastilischen Armee. Diese Dienste waren auch wohl die Ursache, daß man sie noch einigermaßen schonte, so lange noch die Mauren einen Teil von Spanien besaßen. Mit der Eroberung von Granada durch das christliche Heer schwand auch diese Rücksicht und die uneingeschränkte, grausame, allgemeine Verfolgung auf königlichen Befehl konnte beginnen. Emzelnverfolgungen hatten schon früher wiederholt stattgefunden. So hatte schon 1467 der Vikar des Bischofs von Vilena zwei Getaufte wegen Beobachtung jüdischer Gebräuche lebend verbrennen lassen.

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