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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 46 Vr. VLoch's WochrnsttzrM. Seite 799 Dem Rabbiner Dr. 2 ö w y fragte der Kaiser, wo er die Studien absolviert habe, worauf derselbe erwiderte, er habe sechs Jahre an der Wiener Universität und an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien studiert. Die spaniolische Deputation beim Reichsfinanzwinister. Nach der Audienz beim Kaiser begaben sich sieben Herren der Spaniolendeputation aus Bosnien und der Herzegowina unter der Führung des Präsidenten der Sarajewoer jüdisch-sephardischen Gemeinde Salom Effendi zum Reichsfinanzminister Freiherrn v. Burian. Der Führer der Deputation, Salom, überreichte dem Minister ein Memorandum, unterschrieben von allen jüdischen Gemeinden Bosniens. Darin wird geschildert, daß die Juden seit vierhundert Jahren in Bosnien und der Herzegowina ansässig sind und während dieser Zeit in allen politischen Wandlungen, welche diese Provinzen durchmachten, immer die volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung mit den anderen Konfessionen und Nationalitäten genossen. Die Juden Bosniens richten nun die Bitte an die Regierung, daß sie gleich den anderen im Lande ansässigen Konfessionen als konfessionelle Einheit gewürdigt und in staatsrechtlicher Hinsicht als selbständige Kategorie behandelt werden. Finanzminister Baron Burian gab die Zusicherung, daß die Regierung, die im Laufe der Jahre Gelegenheit hatte, die Juden Bosniens und der Herzegowina als ein fleißiges, Kultur und Wirtschaft förderndes Element kennen zu lernen, nicht daran denke, sie hinter den anderen Konfessionen des Landes zurückzusetzen. Wenn er, der Minister, in seinem Expose in den Delegationen der Juden Bosniens nicht ausdrücklich Erwähnung getan habe, so habe dies nur darin seinen Grund, weil er nur Anlaß genommen habe, derjenigen drei Nationen und Konfessionen zu gedenken, die früher in politischer Fehde sich befanden. Er erkläre ausdrücklich, daß die Juden in dem zu schaffenden Landtage ihre Vertretung haben werden. Dr. A l k a l a y fragte den Minister, ob die Juden mit Bestimmtheit darauf rechnen können, daß ihnen gleich den anderen Konfessionen im Lande eine bestimmte Anzahl von Mandaten zugesichert werde, worauf der Minister erwiderte: „Alles, was die anderen Konfessionen bekommen, werden Sie auch bekommen." -i- * * Die Deputation der spaniolischen Juden sprach auch im Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde korporativ vor. Der Präsident Dr. Alfred Stern begrüßte die Deputation. Die Herren Bankier Josua Salom aus Sarajewo und Dr. Moritz L ö w y, Rabbinatskandidat, schilderten in begeisterten Worten den huldvollen Empfang beim Kaiser, und berichteten über die Audienz bei Baron Burian. Zum Schluffe bemerkte Dr. L ö w y, daß die Juden vertrauensvoll und mit Beruhigung der weiteren Entwicklung der Dinge im Lande entgegensetzen können. Der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, gibt der Freude Ausdruck, daß die berechtigten Wünsche der Juden in Bosnien an maßgebender Stelle geneigtes Gehör gefunden haben. Es war dies auch vorauszusehen. Es erfüllte sie und' uns alle mit Stolz, daß von der höchsten Stelle im Staate anerkannt wurde, daß die Juden in Bosnien ein friedliches, arbeitssames und tüchtiges Element der Bevölkerung bilden. Das ist auch anderwärts der Fall und wäre auch überall der Fall, wenn man überall den Juden die freie Entfaltung ihrer Kräfte zuließ. Nur dort, wo Beschränkungen bestehen, nur dort, wo die Kräfte sich nicht frei entfalten können, ist ihnen eben die Möglichkeit benommen, all das zu leisten, was sie zum Modle des Ganzen leisten könnten. Wir legen Gewicht darauf, daß wir gleich gehalten werden, gleich den Andersgläubigen, in deren Mitte wir leben, gleich allen Stämmen, allen Völkern, allen Konfessionen, allen Angehörigen des Vaterlandes. Sie haben in der Audienz bei Seiner Majestät von Allerhöchster Stelle die beruhigendsten Versicherungen gehört. Wir halten diese Beruhigung gewonnen in dem Hinblicke auf das segensreiche Walten unseres Kaisers während seiner sechzigjährigen Regierungszeit. Es ist der Grundzug der Regierung unseres erhabenen Monarchen, allen seinen Untertanen das gleiche Recht zu gewähren, entsprechend der Gleichheit der Pflichten aller Staatsbürger. Dankerfüllt blicken wir auf das Bildnis Seiner Majestät, welches die Stirnseite unseres Beratungssaales schmückt, und dankerfüllt und vertrauensvoll stimmen wir alle begeistert in den Ruf ein: „Gott erhalte, Gott schütze unseren Kaiser Franz Joseph I." Die Versammelten erhoben sich von ihren Sitzen, brachten ein dreimaliges stürmisches „Hoch" und „Zivio" aus. Sand in die Angen Die in erschreckender Weise zunehmende Verarmung der jüdischen Bevölkerung Galiziens war schon wiederholt Gegenstand lebhafter Erörterung in der breiten Oeffentlichkeit, sowie auch im Wiener Parlament. Nur an der am meisten zustänoigen Stelle, in der Landesregierung, beziehungsweise dem Landtage wurde diese brennende Frage vornehm ignoriert. Zwar haben die meisten Abgeordnetenkandidaten, der städtischen Bevölkerung zumal, die Wichtigkeit dieser katastrophalen Erscheinung anerkannt, zwar haben die Herren feierlich versprochen, sich der Sache ernstlich anzunehmen, ja sogar — das haben die christlichen Kandidaten wirklich versichert — für die — lächeln Sie doch nicht so verletzend überlegen, meine Herren — für die ehrliche Durchführung der bisher doch nur auf dem Papiere gebliebenen Gleichberechtigung der Juden einzustehev. Die hochmögenden Herren Kandidaten haben es wohl alle, alle sehr gut gemeint, allein der Kandidat denkt und der Abgeordnete lenkt. Den vereinigten Anstrengungen der jüdischen Abgeordneten gelang es schließlich, am 19. März 1907 im galizischen Landtage folgende Resolution durchzusetzen: „Der Landesausschuß wird aufgefordert, die Ursachen der unter der jüdischen Bevölkerung des Landes immer mehr um sich greifenden Verarmung zu erforschen, hierauf im Einvernehmen mit der Regierung die zur Abhilfe nötigen Schritte zu unternehmen und hierüber in der nächsten Landtagssession Bericht zu erstatten." Das war deutlich, glaubte man. Allein, wie schon so oft, der Wille des Landtages war stark, doch das Fleisch des Landesausschusses war schwach. Am 33. Oktober 1908, also 19 Monate nach jener „kraftvollen" Resolution, mußten die jüdischen Abgeordneten über das Schicksal derselben interpellieren. Und die Erwiderung darauf ist so lehrreich, daß sie es verdiente, in allen galizischen Judengemeinden verlautbart zu werden. Sie erfolgte am 3. November 1908 und lautet: „Der Landesausschuß ist tatsächlich*) an die Erforschung der Ursachen der konstatierten Verarmung geschritten und hat die Sammlung der einschlägigen Daten und Belege angeordnet. Dieses Material ist wohl schon zusammengetragen, allein es ist so umfangreich, aber auch das zur Diskussion gestellte Problem ist so groß und bedeutungsvoll, andererseits die Lösung so s ch w i e r ig, daß der Landesausschuß in Würdigung der Tragweite desselben (besagten Problems nämlich) es für nötig befunden hat, jenes- Material noch einem eingehenden und gründlichen Studium zu unterziehen, welches längere Zeit *) ..tatsächlich" ist köstlich. Der Referent will offenbar damit einem begreiflichen Mißtrauen bei seinem eigenen Publiblm begegnen. (Anmerkung der Redaktion.)

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