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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Helte 798 Sr. Mocb s Mocbenscbritt. Nr. 46 Betracht für die volkswirtschaftliche Verknüpfung des Annexionsgebietes mit dem übrigen Reich. Von den historischen Verhältnissen gelungen, haben sie Handel und Gewerbe zu ihrer Domäne gemacht, haben sich wertvolle Beziehungen zu den Nachbarstaaten geschaffen, die noch zur Bedeutung kommen werden, wenn sich die gegenwärtige Aufregung gelegt haben wird. Gerade gegen sie kann man die Landläufigen antisemitischen Vorwürfe nicht machen. Denn die sephardischen Spaniolen, welche noch heute die Tradition jener ritterlichen Zeiten bewahren, in denen sie aus ihrem spanischen Wohnlaube vertrieben wurden, welche unter ungeheueren Opfern ihre religiöse Ueberzeugung gewahrt haben, find bekannt als ein Stamm großzügiger Edelleute. Die sephardischen Juden aber haben beschlossen, eine Huldigungsdeputation nach Wien zu entsenden; sie sind vor Sr. Majestät erschienen, wurden huldreich empfangen, erhielten aus dem Allerhöchsten Munde die Zusicherung väterlichen Schutzes und voller Gleichberechtigung. Die gnädigen Worte Sr. Majestät werden ein Lautes freudiges Echo wecken bei den jüdischen Bewohnern des neuen Kronlandes. Die Uertreter der jüdische« Gemeinde« Kosnirus und der Herzegowina vor Kr. Majestät dem Kaiser. Mittwoch um 11 Uhr hat der Kaiser, der früh um halb 8 Uhr von Schönbrunn in die Hofburg kam, die jüdischspauiolische Deputation aus Bosnien und dir Herzegowina unter Führung des Präses Salom Effendi in besonderer Audienz empfangen und ihre Huldigung eutgegeugenvmmen. Der Deputation gehören 31 Herren an, alle ausnahmslos in Bosnien und der Herzegowina geboren. Sie repräsentieren fast sämtliche spaniolischen Gemeinden in den neuen Provinzen und sind Aerzte, Advokaten, Großindustrielle und Kaufleute. Einige kamen im malerischen Nationalkostüm der Bosnier, die meisten in Salontoilette mit dem roten Fez, den sie aus dem Kopfe behielten, als sie in den Audienzsaal geführt wurden. Als der Kaiser eintrat, erschollen Zivio-Rufe. Josua D. Salom, der Führer der Deputation, hielt an den Kaiser folgende Ansprache: „Kaiserlich und königlich Apostolische Majestät! Unser allergnädigster Herr! In Vertretung der sephardischen Juden Bosniens und der Herzegowina haben wir uns in tiefer Ehrfurcht erlaubt, vor das geheiligte Antlitz Eurer Majestät zu treten,. um unsere Dankbarkeit und tiefergebene Loyalität aus dem'Anlässe zum Ausdruck zu bringen, daß Eure Majestät Allergnädigst geruhten, unsere Heimatlande Ihrer glorreichen Monarchie anzugliedern. Wir Juden waren immer und überall ein Element des Friedens, der öffentlichen Ruhe und der Arbeit, wir wollen uns auch weiter dieser Tugenden befleißigen, um uns Eurer Majestät Gnade würdig zu erweisen. Mit den übrigen Völkern Bosniens, unseren lieben Brüdern, wollen wir unsere Kräfte vereinigen, um an dem Aufblühen unseres Heimatlandes mitzuwirken, auf daß es sich, ein leuchtender Edelstein, würdig in die Krone Eurer Majestät einfüge. Wir sind überglücklich, hier vor dem Thron stehen und aus Eurer Majestät gütigen Augen den Mut zu weiterer patriotischer Arbeit schöpfen zu können. Der Allmächtige segne, beschütze und erhalte Eure Majestät lange, lange Jahre noch zum Heile aller Untertanen Ihrer glorreichen Monarchie. Unser Allergnädigster Kaiser und König Franz Joseph Hoch! Zivio Die Antwort des Kaisers. Der Kaiser erwiderte: „Ihr Erscheinen und der Ausdruck Ihrer loyalen Gesinnungen gewährt Mir aufrichtige Befriedigung, da es Mir wohl bekannt ist, daßJhreGlaubensge nossen stets ein Element der Ordnung in Ihrer Heimatgewesensind. Durch die fortgesetzte Betätigung der bürgerlichen Tugenden in brüderlicher Eintracht mit dem gesamten Volke Bosniens und der Herzegowina werden Sie auch in Hinkunft ein wertvoller Faktor des kulturellen und wirtschaftlichen öffentlichen Lebens bleiben. Meines landesväterlichen Wohlwollens mögen Sie bei Ihren patriotischen Bestrebungen versichert sein." Dreifache Zivio-Rufe folgten der in deutscher Sprache gehaltenen Rede des Monarchen, welche hierauf Sektionschef Baron L a z z a r i n i in serbokroatischer Sprache verlas. Bei dem hierauf folgenden Cercle sprach der Kaiser, obgleich ursprünglich nur eine Anzahl prominenter Herren zur Vorstellung bestimmt waren, jedes einzelne Mitglied der Deputation an und kouversierte mit den Herren über berufliche und wirtschaftliche Verhältnisse in ihrer Heimat. Er war sehr erfreut, daß die meisten auch gut deutsch sprechen, mit anderen konversierte er italienisch. Besonders äußerte der Kaiser seine Freude über die von Industriellen und Handelsleuten ibm gemachten Mitteilungen von der günstigen wirtschaftlichen Lage einzelner kaufmännischer Zweige. Die Audienz währte 20 Minuten. Die Herren der Deputation, die in langer Rfihe von 16 Wagen zu ihrem Absteigquartier „Hotel de l'Europe" in der Praterstraße fuhren, waren sichtlich beglückt über die Huld des Kaisers. * * -r- Mit ganz besonderer Auszeichnung behandelte der Kaiser den greisen Präsidenten der sephardischen Gemeinde in Sarajewo Salom Effendi. Herr Salom, ein 78jähriger Privatier, trug an seiner Brust neben vielen türkischen Dekorationen auch den Franz Joseph-Orden. Beim Cercle, als der Präsident vorgestellt wurde, erinnerte sich der Kaiser seiner sogleich und meinte: „Wir haben uns erst vorgestern wiedergesehen?" Salom Effendi war nämlich als Mitglied des Gemeiuderates in Sarajewo auch mit der bosnischen Bürgerdeputation in Audienz erschienen. Er erwiderte mit ehrerbietiger Verbeugung: „Schon zum viertenmal habe ich das Glück, mit Sr. Majestät zu sprechen, das erstemal im Jahre 1878 nach der Okkupation, als ich mit einer Deputation aus Sarajevo hieher kam." Den Lederfabrikanten Ascher S. A l k a l a y fragte Se. Majestät nach dessen Beschäftigung, und auf die Antwort, er sei Industrieller und habe vor einigen Monaten eine Lederfabrik errichtet, sprach Se. Majestät die Hoffnung aus, daß die Industrie in Bosnien rasch aüfblühen werde. Mehrere Mitglieder der Deputation, welche an der Grenze Bosniens gegen Serbien und die Türkei wohnen, befragte Se. Majestät um die Verhältnisse dortselbst, worauf dieselben erwiderten, daß allgemeine Ruhe im Lande herrsche und daß sie glücklich seien, sich unter dem Schutze Sr. Majestät zu wissen. An den Advokaturskandidaten Dr. A l k a l a y aus Bielina, der in strammer soldatischer Haltung vor dem Kaiser stand, richtete Se. Majestät die Frage, ob er beim Militär gedient habe. Als derselbe die Frage bejahte, bemerkte Se. Majestät, man erkenne dies an seiner strammen Haltung. Beim Rabbiner Josua M. S a l o m aus Sarajevo erkundigte sich der Kaiser über die Zahl und das Alter der Synagogen im Lande.

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