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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Bloch's Iahrgrmg UV Zerttralotgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 13. November 1908. attbattt»« und Adsrtmstrktton: u/i. H«h»rasi« m. LS. Tclcfoi Nr. I4.84T.; LrrLbetnt jede« fteftxg« : Vcks-Adrche: Wie». EX/i, H«h»g»sie 18* LeK-ramm^kdreffe: «loch'» »ochNtfchrist, «tt». o(t ===R)c p StitVdnito ftt* «t|b»N|s HalbtL-rt» 8 Xmmb: •taatletempfexe öS 8<lit H8*** »tWlMAt HawjLhri, 10 Xt«m*. »«ÜL-rt, 90 . U»»«t,»»r Dt» 4m«1 itfliO <NI vättuttl 9t Qwk. ÖQ======SBBeB=£Q Inhalt: Leitartikel: Lueger als konfessioneller Friedensapostel.--Die Vertreter der jüdischen Gemeinden Bosniens und der Herzegowina __vor Sr. Majestät dem Kaiser. — Sand in die Augen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Getaufte Juden. Vom Zionismus. Eine-Erbschaft. — Aufgaben einer jüdischen Apologetik. — Die Juden und die spanische Inquisition- — Korrespondenzen: Die y neuesten Beschützer der Religion und des galizischen Judentums. Das Programm der Opposition. „Deutsche Helden". Philipp 1 Falkowicz. Rabbiner Dr. Ferdinand Rosental in Breslau. Militärdienstbefreiung der Rabbiner in der Türkei. Ein jüdischer Polizei 2 .f-j Inspektor in Odessa. Eine jüdische Abteilung im amerikanischen Nationalmuseum. Staatssekretär Root über die jüdische Paßfrage in Ms * Rußland. Ein jüdischer Admrral. Ein jüdischer Matrose als mehrfacher Lebensretter. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. A'r? Vortragsabend im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Wien. Jüdischer iiii Sprachkurs. Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums. Scholem Aleichem- Abend. Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer. Beth Hamidrasch „Montefiore". Barmherzige Brüder in der ^E^MSynagoge der Seitenstettengasse. Theologischer Verein. Austritte aus dem Judentum. Uebertritt zur katholischen Kirche. Baden. Prag. WWPohrlitz. Brüx. Wohltätigkeitsakt. Budweis. Budapest. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Briefkasten. — Inserate. Kueger als konfessioneller Friedensapostel. Vor einigen Tagen kam eine Deputation nach Wien, welche der Regierung einen großen Triumph bereitete, indem sie die Annexion des bisherigen Okkupationsgebiets moralisch legitimierte. Es waren dies nämlich achtzig bosnische Mohammedaner, Vertreter der idealistischen Studentenschaft und aller erwerbenden Stände darunter, welche die weite Reise nach Wien gemacht hatten, um dem Kaiser eine spontane Huldigung darzubringen. Wer da weiß, daß der ernsten Männlichkeit der Mohammedaner jede Lüge ferne liegt und daß eine etwa vorhandene gläubige Sehnsucht nach Stambul und dem Padischah bei ihnen größer wäre als etwa das Verlangen nach einem Orden, der muß anerkennen, daß das Erscheinen dieser neuen Staatsbürger der Monarchie innerlich mehr Wert und Wahrheit besitze, als die kriegerischen Popularitätshaschereien des thronlüsternen serbischen Kronprinzen und die Hetzartikel der englischen gelben Presse, welche gerne einen Brand anfachen möchten, die man aber ins Feuer wirst, Die bosnisch-mohammedanische Huldigungsdeputation brachte als wertvolles Gastgeschenk die Antwort auf eine bange Frage, die sich jeder im Staate stellte: Was sagen denn die Annektierten zur Annexion? Denn es war immerhin die Möglichkeit vorhanden, daß ein serbischer Desperadostreich von einer neuen Insurrektion in unseren Balkanteilen unterstützt würde. Daß Serbien seine scharfe Absage und wir eine große Beruhigung erhalten haben, hat alle Staatsbürger, nicht in letzter Linie die patriotischen und treudynastischen Juden mit großer Freude erfüllt und die Deputation wurde mit den besten Gefühlen empfangen. Der freudige Ernst der Stunde änderte sich jedoch für einen Augenblick in den Eindruck eines Satirspiels, als die Deputation das Rathaus und dessen derzeitige Herren besuchte. Bei dieser Gelegenheit hielt nämlich der unvermeidliche Lueger seine unvermeidliche Rede, bei welcher er sich auf einen ganz neuen Sattel setzte, auf den ihn wirklich noch niemand gesehen hatte. Lueger als Apostel für den Frieden ohne Unterschied des Stammes und,der Konfession! Er, der deutschnationale Retter des christkatholischen Volkes! Man glaubt in einem politischen Fasching zu stehen, wenn man seine Ansprache an die Gäste liest: „Wir gehen nicht darauf aus, die Moslims ihrer Religion zu berauben, sondern wir wünschen, daß sie nach den Gesetzen ihrer Religion fortleben. Wir wünschen einen regen Verkehr mit ihnen, kein Unterschied in der Religion oder des Stammes soll uns trennen, wir wollen gute Oesterreicher und treue Diener unseres Kaisers bleiben." Das spricht ein Mann, der als Erfinder der konfessionellen Hetze groß und berühmt geworden ist, dessen Erfolg der konfessionelle Unfrieden ist, der Zeit seines öffentlichen Lebens sich mit Feuereifer bestrebte, den Juden ihre treuen Dienste für Kaiser und Reich zu vergällen. Viel mehr Juden als Mohammedaner in den annektierten Provinzen leben im übrigen Oesterreich. Ihnen gegenüber hat Lueger noch niemals patriotisch getan, sie hat er mit allen Mitteln verfolgt und unterdrückt und er macht sich lächerlich, wenn er für eine patriotische Einigkeit agitiert, welche er auf der anderen Seite sprengen und zerstören half. Er wird doch nicht behaupten können, daß die Mohammedaner Freunde des christlichen und des deutschen Volkes sind? Der „Schwaba" und der „Giaur" sind nicht eben die Lieblinge in den moslemitischen Altstädten. Wenn es Lueger ernst gewesen wäre mit den so oft ausposaunten Prinzipien, so hätte er wohl Einiges über diese Feindseligkeit reden oder wenigstens vollständig schweigen können. Aber er hat sein Christentum, sein Deutschtum vorderhand in den Hintergrund gestellt, um in den sanftesten Friedenstönen ein neues Evangelium einer Partei zu verkünden, welche bereits regierungsfähig ist und hoffähig werden will. Denn die Großen, die hören es gerne — wenn es um die Mohammedaner oder um die christlichen Serbokroaten geht. Die Juden des neuen Kronlandes wissen, daß in Wien andere, höhere und erleuchtetere Machtfaktoren existieren als Dr. Lueger. An den obersten Schützer des Rechtes und der Gerechtigkeit wenden sie sich. So kamen denn die Vertreter unseres in Bosnien ansässigen Volksstammes nach Wien, nämlich eine Huldigungsdeputation der sephardischen Juden. Deren loyale Gefühle fallen für die Weiterentwicklung des Landes sehr ins Gewicht. Bei ihrer Anzahl wären sie nicht ohne Einfluß bei unruhigen Zuständen, darüber hinaus aber kommen sie fast ausschließlich in

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