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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 45 Wr. Kwcd s MocbenscdrM. S eite 701 halachifchen Vortrag und die Festrede, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck ausübte. Nach ihm betrat Herr k. k. Professor Doktor H. P o l l a k aus Wien die Kanzel und hielt eine formvollendete Festpredigt, in der er die Verdienste des Stifters in beredter Weise schilderte. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die Festgäste auf dem Friedhofe bei dem Grabe des Stifters, wo der dermalige Stiftsrabbiner Herr Sal. Hirsch nochmals die Bedeutung der Feier und die Verdienste des Stifters würdigte. Zum Schluffe sprach Herr Kultusvorsteher Karl Beer namens der Gemeinde dem edlen Stifter für den Segen und die Wohltaten, die er in Holleschau geübt, den Dank aus. Die schöne Feier, welche von halb 7 bis 10 Uhr früh dauerte, wird in Holleschau allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Frau Jetti Kaufmann, Ehegattin des berühmten Malers Isidor Kaufmann, spendete der neuen Thora ein sehr kostbares Thoram'äntelchen und Band. Gänserndorf. Ueber Rücktritt des Herrn Dr. Max Baß von seiner Stelle als Kultusvorsteher wurden bei der am 27. Oktober stattgesundenen Wahl Herr Samuel Pisk aus Marchegg zum Kultusvorsieher und Herr Julius Feßler in Gänserndorf zu dessen Stellvertreter gewählt. Nagy-Szentmiklos. Hier ist der Rabbiner Nathan Vogel gestorben, nachdem er mehr als 40 Jahre in der Gemeinde gewirkt hatte. Aus dem Amsterdamer Ghetto. Im alten jüdischen Ghetto von Amsterdam, wo Me Wiege von Baruch Spinoza gestanden, so schreibt „The Volksadvokat", herrscht jetzt große Not. Die allgemeine Krisis hat hauptsächlich den Diamantenhandel getroffen, und die Juden des Amsterdamer Ghettos, die sich mit .dem Diamantenschleifen beschäftigen, haben keine Arbeit. Die Diamantenschleiserei ist die älteste Beschäftigung der Juden in Amsterdam. Die portugiesischen Juden haben diese Industrie im Jahre 1576 eingeführt und Jahrhunderte lang war sieihr Monopol. Heutzutage ist die Diamantenschleiferei stark gefallen, aber dennoch gibt es im Ghetto noch 63 große Fabriken, wo Diamanten geschliffen und li.OOO Arbeiter beschäftigt werden. Diamantenschleiferei ist die einzige Beschäftigung, für welche Frauen oft besser bezahlt werden als Männer. Es gibt spezielle Arbeilen in der Diamantenschleiferei, welche kein Mann verrichten kann, z. B. das Schleifen von kleinen Diamanten, das können nur die langen, zarten Finger der jüdischen Frau, und eine gute Diamantenschleiferin bekommt immer Arbeit und einen guten Lohn. Das war aber alles früher. Heute sieht man im Ghetto von Amsterdam nur traurige Gesichter. Die Menschen wissen heute nicht, woher sie morgen Brot nehmen sollen. Das Amsterdamer Ghetto ist sehr dicht bewohnt. Juden wohnen dort schon seit dem lö. Jahrhundert. Früher zwang man sie, abgesondert zu wohnen von der übrigen Bevölkerung. Heute dürfen sie überall wohnen, aber sie sind schon so sehr gewohnt an die Stätte, wo ihre Eltern und Ureltern gelebt haben,. daß sie sich nicht mehr von dort entfernen wollen. Die Amsterdamer Juden sind stolz auf ihr Ghetto, und alles darin ist ihnen teuer, sogar die halbeingefallenen Häuschen, in denen ihre Eltern gelebt haben. Es gibt angesehene Leute, die in solchen Häusern wohnen, die vor hundert Jahren gebaut worden sind. Das Amsterdamer Ghetto ist eine Stadt in der Stadt. Es gibt dort viele alte Juden, die noch niemals die Ghettomauern verlaffen haben. Geschäfte gibt es dort sehr wenig, obschon man sagt, der Jude sei ein geborener Kaufmann. Aber jeden Tag finden drei Märkte statt, ein Fischmarkt, ein Fleischmarkt und ein allgemeiner Markt für allerlei andere Waren. Die meisten Juden im Amsterdamer Ghetto sistd streng fromm. Die meisten von ihnen sind portugiesischer Abstammung, deren Stammväter im Anfang des 16. Jahrhunderts dort eingewandert sind. Die erste Synagoge wurde im Jyhre 1640 erbaut und sie steht heute noch. Der Streik der jüdischen Diamantenschleifer und die Krisis im Diamantenhandel interessiert die christliche Bevölkerung nur wenig, da die Amsterdamer Juden nicht gewohnt sind, bei Christen Hilfe zu suchen für die jüdischen armen Leute. Das besorgt die jüdische Gemeinde allein und daher wissen die Holländer überhaupt nicht, was im Ghetto vorgeht. Im Amsterdamer Ghetto haben viele berümhte Personen gelebt. Auch der berühmte Maler Rembrandt hat sich im Jahre 1640 dort niedergelassen und seine Bilder dort gemalt. Das von ihm bewohnte Haus wird jetzt in ein Museum umgewandelt. Ein jüdisches Weltdranra. Eine interessante Aeußerung des bedeutendsten amerikanischen dramatischen Dichters Augustus Thomas geben amerikanische Zeitungen wieder: „Ich bin von der festen Ueberzeugung durchdrungen", sagte Thomas, „daß das nächste die ganze Welt ergreifende Theaterstück ein jüdisches Stück sein wird, ein Stück, das den Juden verwertet. Aber nicht den Shakespeareschen Juden, noch den verfolgten Juden aus Rußland oder den Immigranten aus Polen, auch nicht den rückschrittlicken Juden aus Spanien, sondern den großen amerikanischen Juden, wie wir ihn kennen; einen Mann von großer Organisationsfähigkeit, den Mann von mutigem Vorwärtsschreiten auf dem Gebiete kommerziellen Wagens, besonders aber den Mann des weichen Herzens und großer Mildtätigkeit, den Mann, der nicht nur die Not seiner eigenen Nation lindert, sondern bereit ist, die aller Völker seiner Heimat zu verringern, sobald er von ihr Kenntnis erhält. Das müßte ein Theaterstück, sein, das hauptsächlich die liebreiche Häuslichkeit des amerikanischen Juden darstellt. Dieser Jrüre, den. ich hier in kurzen Strichen gezeichnet habe, ist derjenige, den das amerikanische Volk teils durch persönliche Berührung, teils im Wege der Zeitliteratur kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat. Er bildet ein wichtiges Element in unserer amerikanischen Zivilisation, das beschrieben werden muß, vorausgesetzt, daß der Dichter die Pflicht des Dramendichters erfüllen will, zur rechten Zeit und rechten Stunde seiner Zeit den wahren Spiegel vorzuhalten." Thomas fügte hinzu, daß er selbst sich nicht berufen fühle, ein solches Drama zu schreiben, daß aber der Dichter zur rechten Zeit nicht fehlen werde. Bagdad. Die reaktionäre Partei hat hier und in Hill« eine lebhafte Agitation veranstaltet. Zwei Tage lang hat die Bevölkerung die Israeliten, die sich auf den Straßen sehen ließen, mißhandelt. Die Folge davon war eine große Panik. Erhebliche Schädigungen haben nicht stattgefunden. Die Ruhe ist wiederhergestellt. St. Louis (U. S. A.), 19. Oktober. Letzten Freitag wurde hier ein neuer israelitischer Tempel eingeweiht, bei welcher Gelegenheit verschiedene christliche Geistliche Reden gehalten haben. Ebenso ist es sehr oft geschehen, daß der Rabbiner bei Festlichkeiten der christlichen Gemeinden eingeladen wurde, Reden zu halten. Ferner wurde dem hiesigen Erzbischof anläßlich der Grundsteinlegung des neuen Domes von Seiten der hiesigen Jsraelitengemeinde ein Goldbecher überreicht. zfeuMeton. Eine Kabirirrerivahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. XIII. Kapitel. Auch Deutsch war abgereist und nun galt es, zur Entscheidung zu kommen. Unter den drei Kandidaten hatte Seemann, was seine Erscheinung und die elegante Form seiner Predigt betrifft, besonders in den Reihen der Intelligenz die meisten Chancen aber — der Regenschirm und seine Reformsucht hatten ihn bei der Mehrheit des Volkes unmöglich gemacht. Zudem trat nun Steiger in Aktion und drohte, im Falle der Wahl Seemanns mit sofortiger Teilung der Gemeinde. Auch gegen Kohn und Deutsch sprach er sich offen aus. Was aber war seine Absicht? Was war das Ziel, dem er entgegensteuerte? Eines Abends, als er bemerkte, daß Gustav Weber und seine Schwester ihren gewohnten Spaziergang machten, ging er auf Umwegen in die Rabbinerwohnung. „Frau Rabbinerin," sprach er sie an, „ich komme in einer für uns Beide höchst wichtigen Angelegenheit. Wie Sie wissen, war ich stets ein guter Freund Ihres Hauses und ein großer Verehrer des in Gott ruhenden Rabbi, und darum möchte ich nicht, daß Sie das Haus, in welchem Sie mehr als vierzig Jahre wohnen, verlaffen sollen. Auch möchte ich nicht, daß ein Anderer, minder Würdiger den Platz dieses Frommen, im „Ganeden" ruht er, einnehme, kurz, ich will dahin wirken, daß Ihr Sohn, wie es ihm gebührt, der Nachfolger seines Vaters werde. Sie werden dann mit Ihrem einzigen Sohne beisammen bleiben. Der Wunsch, daß auch meine Tochter, mein einziges Kind, mich nicht verlasse und ich meine alten Tage in ihrer Nähe verlebe, erfüllt auch mein Herz.

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