Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Gerte 790 Wt. Liocd's Mocdenscbritt. Nr. 45 Neustadt samt Frau und Sohn, den Vorsteher der Gemeinde Skotschau Herm Emimuel T p i tz e r, Herrn Vorstand Lind n er aus Bielitz, Mertreter der Chewra-Kadischa Wien und zahlreiche Verwandte und freunde. Herr Kantor Smotritzki sang die Trauerpsalmen unter Begleitung des Männerchores. Hierauf schilderte Herr Rabbiner Meyersohn, ein Verwandter der Frau Dr. Dobsckütz, das bescheidene Wesen des Verstorbenen, der stets seiner Lieblingsbeschäftigung. dem Bibel- und Talmudstudium, oblag. Sodann hielt der Freund des Verblichenen.Herr Rabbiner Dr. B. Templer eine ergreifende Trauerrede. Zuletzt sprach Herr Rabbiner Dr. G e l b h a u s, der .hervorhobwie der Verstorbene seine qualvollen Schmerzen gleich Hiob mit Gottvertrauen, ohne Murren ertrug. Am offenen Grabe nahm Herr Vorsteher Spitzer im Namen der Gemeinde mit folgenden Worten Abschied: . „Geliebter, ehrwürdiger Seelsorger! Mit wehmutschwerem Herzen .stehe ich an Deinem Sarge und will. versuchen, im Namen Deiner trauernden, verwaisten Gemeinde, der Du ein treuer Hirte gewesen. Dir auf heimattichem Boden ein Ebrengrab zu errichten und Dich mit Mim dm verdienten Ehren, unter Teilnahme aller, die Dich gekannt, geliebt und verehrt haben, zu Deiner letzten Ruhestätte begleiten zu dürfen. Im Namen aller dieser muß ich Dir sagen, wie schwer uns die traurige Kunde getroffen. Wie haben wir unsere Gebete vereint zu Gott gesendet und um Deine Genesung gefleht. Doch Gottes Wille, ' dem wir Uns alle beugen müssen, war ein anderer. Hoffnungsvoll hast Du Genesung gesucht und Erlösung gefunden. Doch zurückbleibt Deine treue, hingebungsvolle, von uns allen so - verehrte Gattin, Deine w e in'e n d e n Ki n d e r, Deine trauernde Gemeinde. Jedem einzelnen warst Du ein treuer Freund und Berater. Die Armen haben an Dir einen Fürsprecher gehabt. Du hast es verstanden, trotz größter Schwierigkeiten immer. wieder die Eintracht und den Frieden in Deiner Gemeinde zu erhalten. Du hast Dir die Liebe und Verehrung Deiner Mitmenschen jeder Konfession zu erwerben gewußt. Die Jugend hat an Dir mit ganzen Herzen gehangen und Du hast ihr von Deinem reichen W ffen mit vollen Händen gegeben. Wie hat sich an Deinen glänzenden Kanzelreden die ganze Gemeinde erbaut! Trotz schweren, schmerzvollen Leidens, trotz freundschaftlicher Warnung, bestiegst Du noch am 18. August die Kanzel, um mit übermenschlicher Willenskraft Deine letztePflichtgegenGott, Vaterland und Gemeinde zu erfüllen. Und nun sage ich Dir unseren innigsten Dank für Deine Liebe und Güte; Dank der gesamten Kultusgemeinde für Dein fürsorgliches Walten; Dank des Vorstandes für Dein friedliebendes Wirken; Dank der Jugend für Deine garten Lehren und memen persönlichen Dank für Deine innige Freundschaft. Und so rufe ich Dir, unser treuer Seelsorger, unser letztes Lebewohl zu. Friede sei mit Dir — Ruhe sanft!" Verein „Tefilas haneorim". Wie seit einer Reihe von Jahren veranstaltete der Verein auch Heuer an den hohen Feiertagen Gottesdienste für die reifere Jugend. Dank der hingebungsvollen Leitung (Obmann Herr Direktor Mautner) erfreut sich der Verein eines steten Wachstums und erhöhter Frequenz von Seiten der die Gottesdienste besuchenden Jugend. Es wurden sieben Andachtsstätten errichtet, welche durchschnittlich je 80—100 (in Marahilf sogar 150) junge Leute faßten. Besonders verdient um die Organisation der Andachtsstätten, machten sich der Vereinskaffier Herr Julius P h i l i p p und Herr Lehrer T o ch. Eine Anzahl von Herren stellten in uneigennützigster liebevoller Weise ihre Kräfte in den Dienst des Vereines und zwar: Als Exhortanten die Herren: Rabbiner Dr. Feuchtwang, Oberlehrer Jakob K o h n, Lehrer Deutsch, Lehrer L ö w-V o g e l und Lehrer Oe hier. Als Vorbeter die Herren: Direktor Mautner, Bibliothekar Dr. Münz und Lehrer Toch. Als Leiter die Herren: Joach. Goller st epper, Leopold Goller st epper, Max Kugel, Philipp Weiß und Israel Rosenberg, ferner die Lehrer Zeckendorf, Löw-Vogel, Muschel, Oehler und Toch. Der Verein mit seinem hochverdienten Ehrenpräsidenten, Herrn Joach. Gollerstepper, hat in anerkennenswerter Weise seine Aufgabe erflillt. Er ermöglichte der Jugend, auch an den hohen Feiertagen an einem ihr angemeffenen Gottesdienste teilzunehmen, und verdient daher auch in jeder Beziehung beste Förderung. Austritte aus dem Judentum. Vom 25. bis 31. Oktober 1908. Dirsztay von Dirszta Franz Baron, Privat, geb. 29. Jänner 1888 zu Dresden, III., Rennweg 25. Dikes Adolf, .Hilfsarbeiter, geb. 29. Oktober 1859 Wien, II., Untere Augarten Strasse 31. Eissler Martha, geb. 4. August 1884 Baden, III., Strohgasse 24. Frank Demeter R. v„ geb. 20. Juni 1829, Horitz, I., Grillparzerstrasse 5. Pick Moritz, Michael, Franz, Cand. ehern., geb. 7. November 1856, Präg, III., Aren bergring 19. - Szäbo ida, geh. Strasser, Private, geb. 24. September 1872, Wien, III., ßeatrixgasse 14 b. ~ Szabo Magdalena, geb. 21. März 1902, Budapest, III., ßeatrixg. 14b. Süss Regina, Private, geb. 1. Dezember 1879. Prossnitz, XII., Aichbolzgasse 82. Stux Ludwig, Komptoirist, geb 28. Mai 1880, Wien, XX., Wasnergasse 31. Stettner Josefine, geb. 21. Juli 1885, Prag, X., Triesterstrasse 19. Mähr.-Ostrau Der Ausschuß der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau hat beschlossen, dem Penfionsfond der Beamten und Diener eine Jubiläumsspende von 10.000 Kronen und dem neu zu gründenden „Jubiläums-Kindersürsorgefond der israelitischen Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau" einen Betrag von 1000 Kronen zu widmen Gleichzeitig wurde beschlossen, sich der von der Statthalterei eingeleiteten Landesaktion „Für das Kind" anzuschließen, zu diesem Zwecke zugunsten des eben erwähnten „Jubiläums-Kindersürsorgefond" bei den Mitgliedern der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau eine besondere Sammlung einzuleiten und die Sammelliste mit der Zeichnung des Betrages von 500 Kronen namens der Kultusgemeinde zu eröffnen. Holleschau. Am 26. v. M. wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dawid Frankfurter, Stiftsgelehrter am hiesigen Beth- Hamidrasch, unter g>oßen Ehren zu Grabe getragen. Der Verblichene gehörte zu den in Mähren so seltenen Erscheinungen, die ein profundes, talmudisches Wissen mit unerschütteilicher Liebe zum traditionellen Judentume verbinden. Einer uralten Rabbinerfamilie entstammend, die ihren Stammbaum auf den berühmten „Mharscheschach" zurückführt, erwarb er sich schon frühzeitig bei den bekannten, ungarischen Geonim Rabbiner Eleasar Paschkusz (Galantha), Rabbiner Menachem Katz (Deutschkreuz), Kethab Sofer und Rabbiner Simcho, Bunem Schreiber (Preßburg) ein tiefes, gründliches Wissen auf dem Gebiete der talmudischen und rabbinischen Literatur, die ihn auch durch Verleihung des „Rabbinerdiploms" auszeichneten. Im Jahre 18-0 folgte er einem Rufe als Rabbinatsverweser nach der altehrwürdigen Gemeinde Holleschau, wo er auch später als Rabbiner des dortigen „Beth-Hamidrasch" bis an sein Lebensende wirkte. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer äußerst imposanten Kundgebung der Sympathie und der Verehrung, deren sich der Verblichene erfreute. Außer dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde und der israelitischen Stadtgemeinde, sowie dem Vorstande des Beth-Hamidrasch und der Chewra-Kadischa nahm fast die ganze jüdische Gemeinde an dem Leichenbegängnisse teil. Auch aus der Ferne waren zahlreiche Verehrer und Freunde herbeigeeilt, um dem geehrten Verblichenen das letzte Geleite zu geben. Mit tränenerstickter Stimme nahm vorerst der älteste Sohn, Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Dr. Moritz Frankfurter-Daruvar im Trauerhause in zu Herzen gehenden Worten Abschied vom Verstorbenen. Hierauf schilderte Herr Leopold Blau, Religionslehrer — Wsetin — als langjähriger Freund und Verehrer des Verklärten in einem tiefempfundenen Nachrufe, welchen Verlust das konservative Judentum im Allgemeinen und speziell die Gemeinde Holleschau und nicht zuletzt er selbst in dem Verstorbenen erlitten. Alsdann wurde der Sarg von den Söhnen des Verewigten ins Beth-Hamidrasch, seine eigentliche Wirkungsstätte, getragen, wo sein Sohn, Herr. Dr. A. Frankfurter, Prediger und Religionsprofessor in Wien, einen tieferschütternden Nachruf hielt und im Namen des Beth-Hamidrasch-Vorstehers dem Verklärten für sein jahrelanges, selbstloses und hingebungsvolles Wirken dankte. In der Zeremonienhalle, wohin der Sarg vom Vorstande und den Mitgliedern des „Beth-Hamidrasch" getragen wurde, nahm nun sein Zweitältester Sohn, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor S. Frankfurter - Lobofitz in ergreifenden Worten endgültigen Abschied. Der Sarg wurde sodann in ein von der Kultusgemeinde bereitgestelltes Ehrengrab am Rabbonimplatz. unweit des allberühmten „Schach" zur ewigen Ruhe gebettet. Holleschau. Die in Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 23. v. M. angekündigte S ä k u l a r f e i e r der hiesigen Abraham Herrschen Beth-Hamidrasch-Stiftung, verbunden mit der Einweihung einer neuen Thora, hat programmgemäß stattgefunden und einen überaus würdigen Verlauf genommen. — Sonntag den 1. d. M. um halb 3 Uhr nachmittags versammelten sich die Vorstände der israel. Kultus- und politischen Stadtgemeinde, die Vorsteher der Chewra- Kadischa, der Talmud-Thora, sämtliche Honoratioren und viele fremde Gäste in der Wohnung des ersten Stiftungsvorstehers Herrn Bernhard Ehrlich zu einem Festmahle, wobei die neue Thora in üblicher Weise fertiggeschrieben wurde. Herr Vorsteher Ehrlich begrüßte mit einer Ansprache Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. F r e i m a n n, Herrn k. k. Professor Dr. P o l l a k, sowie sämtliche Gäste aufs Freundlichste und dankte allen Teilnehmern für die Bereitwilligkeit zur Mitwirkung dieser Gedenkfeier. — Montag früh halb 7 Uhr fand die Feier und die Einweihung unter Beteiligung des k. k. Beznkskommissärs und eines überaus zahlreichen Auditoriums statt. Nach dem Ausheben der Thora wurde die neue Thora abgebolt. Herr Kantor Braunfeld intonierte das Boruch habo. Nach Absingung der Hokofus und des Vorlesens des Wochenabschnittes wurden sämtliche Vorsteher und Stifts-Rabbinen, die durch 100 Jahre im Bethamidräsch gewirkt haben, von Herrn Josef Meisel verlesen. Nachdem der Stifts-Rabbiner Herr Salomon Hirsch die erschienenen Festredner und die Gäste begrüßte, bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Freimann die Kanzel und hielt einen