Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Llocb's Moedenscdrtn. Seite 789 Preise gewonnen. Die meisten schicken ihre Söhne in die landwirtschaftlichen Lehranstalten. Die zweitälteste Kolonie ist als die »Hirsch and Oxbow"-Kolonie an der Estevanlinie der Canadian Pacificbahn bekannt. Auch diese Kolonie steht sehr gut und würde heute am besten stehen, wenn fie nicht unter der allgemeinen Mißernte des vergangenen Jahres zu leiden hätte. Eine einzige gute Ernte wird fie wieder ganz auf die Beine stellen. Dieser Kolonie steht noch eine große Zukunft bevor. Eine dritte Kolonie, bestehend aus 200 Familien, hat sich nördlich von der Station Lipton der Peasant-Hill-Linie der Pacificbahn angesiedelt. Diese Siedlung wurde vor fünf bis sechs Jahren gegründet, viele von ihnen haben sich jedoch erst später angefiedelt. Ich kenne diese Leute aus eigener Erfahrung als fleißige, strebsame Menschen, doch ihre vorjährige, streng genommen erste Ernte infolge der starken Fröste des Vorjahres war eine Mißernte, und da sie auch in diesem Jahre stark unter Frösten zu leiden hatten, so befinden fie sich in recht mißlicher Lage. Diese Erfahrungen haben fie gelehrt, daß für fie das gemischte Farmsystem am entsprechendsten wäre, weshalb fie sich entschlossen haben, an die Baron Hirsch-Gesellschaft um Unterstützungen behufs Einrichtung von Viehzüchtereien zu wenden. Wird ihnen diese Unterstützung gewährt, so dürfte sich ihre Zukunft sehr gut gestalten. Außerdem gibt es ganz junge jüdische Siedlungen in der Nähe von Prince Albert und eine im südlichen Manitoba. Die Kolonisten gehen auch hier zielbewußt vor und der Boden ist gut. so daß aller Grund vorhanden ist. anzunehmen, daß ihr Unternehmen erfolgreich sein werde. Außer diesen jüdischen Kolonisten kam auch eine große Anzahl von Juden ins Land, die über Kapital verfügten. Diese kauften sich selbst Landstücke in der Nähe der Stadt Winnipeg, woselbst sie sich als Farmer betätigen, Gärtnerei und Obstzucht im Großen betreiben und durchwegs gute Erfolge erzielen. Ein jüdisch-politischer Klub in Kanada. In Kanada werden demnächst Landtagswahlen stattfinden und es ist wohl heute das erstemal, daß die Juden als selbstständige politische Partei in den Kampf einzugreifen entschlossen sind. So hat sich in Toronto ein „Hebrew Jndependant Political Club" gebildet, der entschlossen ist, an der bevorstehenden Wahl aktiv teilzunehmen. Aus einem Aufrufe des Klubs an die jüdische Bevölkerung von Toronto geht hervor, daß es in Toronto jetzt 4000 jüdische Wähler gebe, die entschlossen find, im politischen Leben die ihnen gebührende Rolle zu erwirken. Die jüdischen Wähler werden aufgefordert, nicht jedem beliebigen Kandidaten ihre Stimme zu geben, sondern zu fordern, daß die Kandidaten aller Parteien in jüdischen Wählerversammlungen ihr Programm entwickeln und bezüglich ihrer Haltung den Juden gegenüber bindende Erklärungen abgeben. Erst von diesen Erklärungen wird es abhängen, für welchen Kandidaten die Juden sich einsetzen werden. Vermischtes. Wien. Das „Deutsche Volksblatt", welches sich als Wortführer für die Wiener Zionisten neuester Kouleur aufspielt, bringt in der Nummer vom 3. November die Mitteilung, daß die jüdische Kultusgemeinde Wien von den Zionisten Reverse sogar bei einer Gewährung von einmaligen Unterstützungen abverlange. Man möge sich doch, so schreibt das »Deutsche Volksblatt" hierüber bei den Zionisten erkundigen. Wir find zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Mitteilung völlig unwahr, eine pure Erfindung ist. Wien. (Verlobung.) Fräulein Clara Singer, Tochter des Oberkantors Josef Singer, hat sich mit dem Komponisten Oscar Straus verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 8. November d. I. um 3 Uhr nachmittags findet im Tempel, VIEL, Neudeggergafse, die Trauung des Fräuleins Selnra Dawidowicz, Tochter des Advokaten Herrn Dr. Adolf Dawidowicz, mit Herrn Karl Mohr, einem Sohne des Herrn Samuel Mohr, statt. Scholem Aleichem-Abeud. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" veranstaltet Samstag den 14. d. M. einen großen Scholem Aleichem-Abend, welcher im Saale des „Goldenen Widder", II. Taborstraße, abgehalten wird. Das Programm wird demnächst dekanntgegeben werden. Wien. Beth-Hamidrasch „Montefiore", II., Taborstraße 38. Sonntag den 8. November um 5 Uhr abends beginnen die Votträge des Herrn Vereinsrabbiners Schönfeld. An den Samstag-Abenden Midrasch; an den Mittwoch-Abenden Psalmen. Als Einleitung wird Herr Rabbiner Schönfeld Sonntag den 8. November um 5 Uhr einen Vottrag (Gedenkrede) über Samson Raphael Hirsch s. A., sein Leben und Wirken halten. Gäste sehr willkommen. Bet-Hamidrasch-Talmud Thora, II., Malzgafse 16. Eine stattliche Versammlung junger Lcule kam der Einladung des Obmannes Herrn Simon B u ch w a l d am Sonntag den 1. d. M. im obigen Vereinslokale nach, um über die jüdisch-religiösen Vorträge im neuen Vereinsjahre mitzuberaten und Besprechungen zu pflegen. Eines mußte jeden unbefangenen älteren Anwesenden fteuen, das warme Interesse und die Begeisterung, mit der die jungen Herren, fast alle dem Kaufmannsstande angehörig, für unser altes heiliges Erbe, die Thora, eintraten und sich verpflichteten, den sür dieselben, wie in den früheren Jahren auch heuer, aber mit Vermehrung der Bortragsstunden. angesetzten Vorlesungen regelmäßig beizuwohnen. Israelitischer Hnmanitälsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen, II., Schmelzgafse Nr. 6. Am 3. d. M. gelangte an 36 in den Genuß der Bereinsbenefizien getretene Mitglieder der Betrag von 36.409 Kr. zur Auszahlung, so daß jede Begünstigte eine Heiratsausstattung von 1400 Kr. bar erhielt. Jede dieser Begünstigten hat seit ihrem Eintritte in den Verein zirka 40 Kr. einbezahlt und ist es dem Wirken des gegenwärtigen Vorstandes zuzuschreiben, daß die Heiratsausstattung eine solche Höhe erreicht hat. Wir gestatten uns» noch darauf aufmerksam zu machen, daß am 11. d. M. um 6 Uhr abends im Hotel „zur Post" eine außerordentliche Generalversammlung stattfindet. Rabbiner Dr. 8. Dobschütz In dem Rabbiner Dr. Lieber Dobschütz, den man am 30. v. M. in Wien zu Grabe getragen hat, ist einer der würdigsten Vertreter seines Standes dahingegangen. 1865 in Brody geboren, besuchte er das Breslauer Rabbinerseminar von 1887 bis 1893. In diesem Jahre wurde er von der Gemeinde Skotschau (Oesterr.-Schlefien) zu ihrem Rabbiner gewählt. Er ist es b s zu seinem so frühen Tode geblieben. Als Hörer des Seminars löste er die Preisaufgabe: „Die einfache Bibelexegese des Tannaim mit besonderer Berücksichtigung ihres Verhältnisses zur einfachen Bibelexegese der Amoraim". Die Arbeit ist 1893 in Breslau im Druck erschienen. In der »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" veröffentlichte Dobschütz einen Aufsatz über »Frankels Einleitung in der Mischna". Beide Leistungen kennzeichnet eine Gründlichkeit, die jedem, der Dobschütz kannte, Achtung vor diesem überaus bescheidenen Charakter einflößte. Sein treues, gütiges Wesen mußte ihm in allen, die ihm näher traten, Freunde werben. Ein langwieriges Leiden entzog ihm mehr und mehr der wissenschaftlichen Betätigung. Tiefe Trauer um den vorzeitig Vollendeten erfüllt jeden, der ihn kannte. Ueber das Leichenbegängnis wird uns noch berichtet: Alan sah nebst der herzzerreißend jammernden Gattin und dem älteren der beiden Töchterchen, den greisen tiefgebeugten Vater, den Schwager des Verblichenen Herrn Oberkantor Landau aus Wiener-