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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 786 Sk LLocb s MocdeKscdrtLL. Nr. 45 den historischen Tatsachen, wenn man sie näher betrachtet. Selbst in den Zeiten des Niederganges gab es noch im Nordreiche kriegerische und siegreiche Könige. Jerobeam ben Joaschs war ein kriegsgewaltiger Held, der die Grenze Israels von Chamat bis zum Meere der Wüste wiederherstellte und Damaskus und Chamat wieder an Juda zurückbrachte. (II. Könige 14, 25—29.) Menachem ben Gadi eroberte Tiphsach und all sein Gebiet (das. 15, 16). Die Belagerung Samariens vor seinem Sturze durch den Assyrerkönig dauerte drei Jahre. Harte und dem Feinde gefahrbringende Kämpfe wurden während dieser Zeit von Seile der Belagerten geführt (das. 17, 16). Amazja von Juda besiegte die Jdumäer und eroberte Sela (das. 14, 7). Jotham besiegte die Amoniter und machte sie tributpflichtig (II. Chronik 25, 5). Usija besiegt die Philistäer, die Araber, die Meunäer. Er besaß ein großes, nach vielen Tausenden zählendes, stehendes Herr (das. 26, 3—14). Hiskia schlug die Philistäer bis Gasa und eroberte seine Grenzen. Das große assyrische Heer, welches Jerusalem belagerte, erlitt eine furchtbare Niederlage. Er war, wie Sanherib in seiner Inschrift berichtet, das Oberhaupt und Befehlshaber einer gegen Assyrien gebildeten Liga von mehreren Königreichen. Schon nach der'Zerstörung Samarias, welches unter dem Befehl eines assyrischen Landpflegers stand, kam das ehemalige Nordreich in die Machtsphäre Judas. Denn nicht alle Bewohner des Reiches Israel wurden transportiert; der größte Teil blieb im Lande zurück. Sargon, der mit Salmanassar identisch ist, berichtet in einer Inschrift, daß er nur 27.000 Seelen exilierte, (Schräder, Keilinschristen und das Alte Testament). Gersoniedes bemertt zu II. Könige 17, 41: „Es waren im Lande Israeliten zurückgeblieben; denn nicht alle wurden exiliert, wie aus der Erzählung von Hiskia ersichtlich ist, der zu denen sandte, die dort zurückblieben." '2 b""\ nb®® n*ptn pjn ono .iktev lan 2^12 *6 .OL> Hüb Und als die Herrschaft Assyriens dem Untergange sich zuneigte, fiel Samarien von selbst der Einflußsphäre Judas anheim. Dieses Gravitieren nach dem Südreiche nahm zur Zeit Josias noch mehr zu, in der das ehemalige Israel- Reich durch die isolierte Stellung des Landpflegers ohne strenge assyrische Aufsicht war. Der Norden und der Süden zusammen, wenn auch nicht offiziell politisch geeint, blldeten einen geographisch großen Landkomplex und stellten eine bedeutende Kriegsmacht dar. Unter der chaldäischen Weltherrschaft, welche dem Reiche Juda die weiteste Politische Bewegungsfreiheit gewährte, erstarkte und erweiterte sich dieses Staatswesen in großem Maße. Daher die aufeinanderfolgenden versuchten, völligen Lossagungen vom chaldäischen Reiche, die von den letzten judäischen Königen gemacht wurden. Die große Macht, die geographische Ausdehnung, die anwachsende Bevölkerung steigerten das Selbstbewnßtsein der judäischen Herrscher, welche durch die Verweigeruug des Tributes und der Hilfstruppen vom Gesamtreiche sich' trennten, wodurch sie den Großkönig herausforderten und zur Strafmaßregelung veranlaßten. Nicht aber das judäische Reich zu vernichten und seine Souveränität aufzuheben, zogen die neubabylonischen Großkönige nach Jerusalem. Nein. Dieses konnten und durften sie nicht tun. Denn nach ihren von Altbabylonien übernommenen Religionstraditionen war dieses ihnen strengstens verboten. Nach dieser Religionsdoktrin hat ja jedes Land seinen Gott und seine eigene Herrschaft, welch letztere die anderen Götter schützen helfen. Und ein Eingriff in die Macht eines Gottes wird von den eigenen Göttern, die sich mit dem beleidigten Landesgott vereinigen, hart bestraft. Nur eine Maßregelung eines unbotmäßigen Königs und die Zurückführung zur Pflicht ist gestattet. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 25. Oktober 1908 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Aus dem weiteren Verlauf der öffentlichen Vorstandsfitzung vom 25. Oktober soll nachstehend noch Einiges nachgetragen werden: I. Vizepräsident Dr. Gustav K 0 h n referiert über die Erweiterung des Talmudkurses am Bet-Hamidrasch, der dazu dient, jenen Hörern der Jsrael.-theolog. Lehranstalt, die, besonders aus den westlichen Ländern der Monarchie kommend, über geringere hebräische Kenntnisse verfügen als zum Beispiel die galizischen Hörer, in ihrem jüdischen Wissen zu festigen. Referent ersucht, dem Lehrplan, der in der Unterrichtskommisfion unter Zuziehung von Fachmännern und im Vertreterkollegium angenommen wurde, die Genehmigung des Plenums zu erteilen. Dr. Markus Spitzer begrüßt diesen Lehrkurs, mit welchem ein Anfang für die Errichtung eines Proseminars gemacht wurde. Die Kultusgemeinde habe dafür Sorge zu tragen, daß die Seelsorger auf der Höhe der Zeit stehen und auch über reiches jüdisches Wissen verfügen. Dazu sei ein Proseminar nötig, welches jenes Maß jüdischen Wissens vermitteln soll, welches beim Eintritt in das Rabbinerseminar gefordert werden muß. Im allgemeinen müssen die großen Leistungen der Kultusgemeinde auf dem Gebiete des Kultus und Unterrichtes anerkannt werden, und wenn öfters darauf in den öffentlichen Sitzungen hingewiesen werden wird, dann werden auch dadurch Mißverständnisse ihre Aufilärung, unberechtigte Angriffe Widerlegung finden und laut werdenden Klagen über die diesbezügliche Tätigkeit des Kultusvorstandes wird vorgebeugt werden. Kultusvorsteher S. Steiner konstatiert, daß bisher im XII. und XV. Bezirke stets zu den hohen Feiertagen großer Mangel an Sitzen, besonders für die arme Bevölkerung, war. Mit Unterstützung der Kultusgemeinde wurde heuer in den Weigl-Sälen ein Gottesdienst veranstaltet, wobei von den 3000 Plätzen 600 bezahlt und 2400 an arme Leute gratis verabfolgt wurden. Der Präsident teilt noch mit, daß am gestrigen Tage in sämtlichen Gotteshäusern der Jugendgottesdienst unter großem Andrange eröffnet und sehr würdevoll abgehalten wurde, und hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen. Zur Lage der bosnischen Juden. Einem Briefe aus Serajevo entnehmen wir die folgenden Stellen: In der Landeshauptstadt Serajevo dürsten die Juden den vierten Teil der Bevölkerung ausmachen. Sie sind intelligent, fleißig, arbeitsam und opferwillig wie keine zweite Nationalität; sie sind ein Element der Ordnung und der Ruhe. In jeder Stadt der Provinz sind Juden stark vertreten und das Judentum im Lande stellt ein der Zahl, dem Vermögen, der Bildung und Steuerkraft nach bedeutendes Kontingent des bosnischherzegowinischen Bürgertums dar. Trotzdem hat es der gemeinsame Finanzminister Baron Bunan in seinem vor der Delegation gehaltenen Expose unterlassen, die Juden mitzuerwähnen, als er die Religionen aufzählte, unter welchen die Mandate in jeder Wahlkurie aufgeteilt werden sollen. Ob dies mit Absicht geschehen ist oder infolge eines aus Geringschätzung stammenden Versehens, soll hier nicht untersucht werden. Aber es soll daran erinnert werden, daß anläßlich des Sieges der Jungtürken in verschiedenen Städten der Türkei Meetings abgehalten, große Verbrüderungsfeste gefeiert und hiebei Reden von welthistorischer Bedeutung gehalten wurden. In diesen Reden hat man nie vergessen, die Juden zu erwähnen, wenn die Nationen ausgezählt wurden, mit welchen die Jungtürken die politischen Rechte teilen wollen, da hat man eifersüchtig darüber gewacht, daß neben Griechen, Bulgaren, Armeniern auch die Juden genannt werden.

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