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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 WZ°. Vioch^s WochenMrrlfl. Seite 786 „Sind Sie der Meinung, daß die Juden der Kunst und der Literatur die Richtung und zwar mitunter eine schädliche Richtung geben?" frag ich. „Das ist entschieden meine Meinung." „Es ist das eine seltsame Theorie und ich möchte für ihre Wahrheit nicht gerne die Verantwortung tragen. Die Wahrheit, von der ich mich überzeugt habe, ist, daß die Künstler- und Literatengesellschaft fast in jeder Stadt unter den gebildeten Juden ihr Zentrum hat. Sie sind äußerst gastf rundliche Menschen und es gehört zu ihren besonderen inneren Freuden und Genüssen, einen geistigen Adel um sich zu versammeln. Die Geburtsaristokratie, die jedenfalls sich ohne Genie glücklich fühlt, würde in der Regel ein jüdisches Haus nicht betreten, obgleich die ärmeren Mitglieder des Adels gerne die Töchter eines reichen Juden heiraten. Dort, wo es Mischehen gibt, sind sonst auch soziale Berührungen der verschiedenen Gesellschaftsschichten unvermeidlich. Ader der soziale Kreuzzug gegen die Juden, wie er in Deutschland geführt wird, nimmt einen Charakter an, wie wir es drüben nicht einmal träumen können. Die christlichen Klubs und Hotels schließen sie aus; die christliche Familie meidet sie und der Jude ist vom Tage seiner Geburt an Insulten seitens der Christen ausgesetzt. Das alles sind sicherlich keine Zeichen feiner Kultur." Manche der letztgenannten Symptome von Antisemitismus, schaltet hier das genannte Blatt ein, sind auch im freien Amerika nicht unbekannt. Aber der deutsch-antisemitische Kultus ist bei den westlichen zivilisierten Nationen nur eine Ansnahmserscheinung besonders als Organisation. Dann zitiert das Blatt die folgende Stelle aus dem Buche der Mrs. Sidgwick: „Wenn eine äuß rst intelligente, sensitive, numerisch kleine Rasse Jahrhunderte lang dicht neben einer numerisch starken, brutalen Rasse gelebt hat, die niemals aufgehört hat, die erstere zu insultieren und zu erniedrigen, so dürfen Sie nicht überrascht sein, wenn die geschickten, aber im höchsten Maße sensitiven Menschen im Laufe der Zeit von der peinvollen unerwünschten Ueberzeugung durchdrungen werden, daß die Brutalen ihnen über sind. So können Sie in Deutschland das Schauspiel sehen, daß Juden der christlichen Gesellschaft nachloufen, anstatt sie zu meiden, und sich mit ihrem ..christlichen Umgang" brüsten hören. Sie würden ihren Glaubensgenossen und sich selbst sicherlich besser dienen, wmn sie jeden „christlichen Umgang" von sich weisen würden, bis diese nicht gelernt haben, sich menschlich zu benehmen." In diesem Ratschlag liegt sicherlich ein gesunder Gedanke und eine kluge Philosophie, denn wer könnte sich auch mit einem Verhalten befreunden, als das nachfolgend geschilderte: -„Während der schlimmsten Tage der Stöcker'schen Campagne konnte eine Frau mit jüdischen Gesichtszügen sich nur schwer ohne Begleitung auf die Straße wagen. Und selbst jetzt werden Sie sicherlich irgend eine Bemerkung auffangen können, aus welcher die Sympathie mit der russischen Judenverfolgung heivorklingt. Der tiefe, ohnmächtige Schrecken, der anderswo zur Zeit der Pogrome zum Ausdrucke kam, hat in Norddeutschland nur einen schwachen Abklang gefunden." Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) EimSyncretismus, eine Kultnsvermischung, breitet sich in dieser Zeit im ganzen assyrischen Reiche aus. Wenn früher in einer jeden Gegen!) die Lokalgötter allein angebetet wurden, so fing man an, außer denselben auch den entferntesten Gottheiten Ehre zu erweisen. Die in Israel angesiedelten assyrischen Stämme verpflanzten ihre Gottheiten in ihre neue Heimat. Dieselben werden mit Namen angeführt. Im II. B. Könige 17, 30—32 heißt es: „Und die Leute aus Babel errichteten den Succot Benot, die aus Kut den Nirgal, die aus Chamatden Aschima, die Aväer den Nibchan und den Tirtak", — Götter, die bis dahin in diesen Gegenden vielleicht nur dem Namen nach bekannt waren. Aber auch den Gott, den Israel verehrte, beteten sie ebenfalls an". Und sie fürchteten den Ewigen, ein Teil setzte Höhenpriester ein und diese verrichteten den Dienst an Höhenstätten", heißt es daselbst. In Assyrien war der einzige Gott Israels ebenfalls bekannt, wenn man ihn auch nicht als die alleinige Gottheit, außer der keine andere ist, sondern vielleicht als eine palästinische Lokalgottheit ansah. Dieses geht deutlich aus dem Ausspruch in der Rede Rabsakehs hervor. „Bin ich denn ohne den Willen Gottes hieher gekommen? Gott sprach zu mir, ziehe hin in dieses Land und erobere es." pan by nby 'ba ivn *i nn oipon bs ’rrbj? 'i 'irbon .nrvrwm rmi Diese in beiden Rezensionen der Rede gleichlautenden Worte schließen jeden Zweifel über das Bekanntsein Gottes in assyrischen Kreisen aus. Nicht minder spricht für das Bekanntsein der jüdischen Gottesverehrung in Assyrien die Sendung des Propheten Jona nach Nineveh und die Anrufung Gottes seitens der Nineviten. npira o'mbn bs inipi Der biblische Schriftsteller setzte bei seinen Lesern die Annahme des Bekanntseins Gottes in Assyrien als selbstverständlich voraus. (Jona 1, 1, 3, 8.) Am eklatantesten aber beweist dieses der Umstand, daß ein jüdischer Prophet Weissagungen über Assyrien verkündete. Diese prophetische Rede hielt der Gottesmann zur Warnung und Mahnung Judas und des übermütigen assyrischen Eroberers. „Wehe Assur ist die Rute meines Zorns", vx v3v mm 'in „Ich werde ahnden den Uebermut des Königs Assur" -tok “ibo sab bia 'iss Pr npss« ruft der Gott erfüllte Jesajas CIO, 5—20). Prophezeiungen und Warnungen hervorragender Seher wurden aber allen Herrschern des vorderen Orients von ihren Organen stets eiligst überbracht und wurden von ihnen mit großem Ernst ausgenommen. Diese wie alle über fremde Völker ergangenen Prophezeiungen, welche alle einen unmittelbaren, aktuellen Zweck hatten, konnten aber nur ihr Ziel erreichen, wenn sie von denjenigen verstanden wurden, um derentwillen sie erfolgten. Daß man in Assyrien die judäische und in Palästina die assyrisch-babylonische Sprache verstand, bezeugt außer den Tel Amarna-Briefen, die noch vor der Einwanderung der Israeliten in Kanaan geschrieben wurden, der Umstand, daß nach den beiden Berichten über die Rede Rabsakehs der assyrische Feldherr und die Abgesandten Hiskias beider Idiome sich bedienen. Das Assyrisch-Babylonische wird mit ri'vin und das Palästinensische mit nurr bezeichnet. „Rede zu deinen Dienern aramäisch, denn wir verstehen es, und rede mit uns nicht judäisch". iaar 13m bsi uro« n'yüw '3 jvöik -pap b« m iai mw riefen die judäischen Delegierten. „Aber Rabsakeh erhob sich und rief judäisch mit hoher Stimme": min’ bna bipa Kipn npwai löjm heißt es II. Könige 18, 25, 27. Jesajas 38, 11, 12.*) Der Prophet Ehabakuk, der ein judäischer Prinz in assyrischer Gefangenschaft war, führt direkt einen assyrischen Namen. Denn Hambakuk bedeutet in der Sprache der Keilinschriften : Gartengewächs. (Vergl. „Peiser, der Prophet Habakuk". S. 12.) (O. L. Z. V. 43. Winkler Altorient. Forschungen III. S. 16, 5.) Die enge Zusammenfassung aller Reichsteile in allen Manifestationen des politischen und sozialen Lebens, welche von der assyrischen Reichspolitik als Norm festgesetzt wurde, wurde von dem neubabvlonisch-chaldäischen Reiche, welches an Stelle des assyrischen die Weltherrschaft antrat, nicht aufrecht erhalten. Die Chaldäer wollten nicht als Nachfolger Assyriens, sondern Altbabyloniens angesehen werden. Sie suchten auf allen Gebieten die Traditionen des alten Reiches zu erwecken. Ein Nachlassen des straffen Zentralismus macht sich überall geltend. Die Reichsbestandteile gehören wohl auch jetzt zusammen. Aber das Band wird loser und lockerer gebunden. Die Staaten und Völker des Reiches können jetzt ihre Individualitäten mehr hervorkehren und ausbilden. Den Königen und Fürsten wird der weiteste Spielraum gewährt. Ihre Reichszugehörigkeit bekunden sie bloß wie in alter Zeit durch Tribut und Stellung von Hilfstruppen. Diese Neugestaltung kam Niemandem so sehr zu statten wie dem Königreiche Juda, welches dadurch wieder zu einem großen und mächtigen Staate wurde. Es ist eine sonderbare Manie der modernen Forscher, das Reich Israel, besonders aber das Reich Juda als klein und winzig, als geographisch sehr beschränkt und militärisch sehr unbedeutend darzustellen. Aber diese Behauptungen widersprechen direkt *) Im Talmud heitzt eS, daß Rabsakeh ein israelischer Renegat war. ,171 bxiw iöiö npsai (Sanhedrin 80 a.) i

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