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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Llocb's MocbLnscdrLtt. Seite 783 Geboren am 10. November 1848 in Mindszent, Ungarn, studierte er an den Universitäten zu Wien, Breslau und Berlin und besuchte auch einige Jahre hindurch das jüdisch-theologische Seminar Fränckelscher Stiftung, zusammen mit seinem Bruder Dr. Alexander Kohut, dem bekannten Orientalisten und Herausgeber des Aruch-Hascholem. Ursprünglich zum Gelehrten-Berufe bestimmt, zwang ihn die Not, zur Journalistik überzugehen. Schon mit 19 Jahren redigierte er ein sehr gelesenes politisches Tageblatt, die ^Breslauer Nachrichten" in Breslau und war dann als Schriftleiter in mehreren deutschen Städten tätig. Von den Zeitungen, die er redigierte, seien hier genannt, die „Düsseldorfer Zeitung", Düsseldorf; die „Tribüne", Berlin; die „Berliner Zeitung", Berlin; das „Schleswig-Holsteinsche Tagesblatt", Kiel, sowie verschiedene literarische und musikalische Fachblätter. Er lebt seit Jahrzehnten in Berlin in' unabhängiger Stellung und zählt zu unseren bekanntesten, geachtetsten und zugleich fruchtbarsten Schriftstellern. Die Zahl seiner Werke übersteigt die Hundert. An dieser Stelle interessieren uns in erster Linie die von ihm publizierten Schriften über Juden und Judentum, aus denen seine große Beles^cheit, seine gründliche wissenschaftliche Bildung auf den Gebieten der jüdischen Geschichte, Literatur und Kulturgeschichte in Vergangenheit und Gegenwart hervorgeht. Das Erstlingswerk, womit er vor 40 Jahren als Buchautor auftrat, betitelt sich: „Johann Gottfried Herder und die Humanitätsbestrebungen der Neuz eit". Das Werk hat seinerzeit großes Aufsehen erregt, denn Dr. Adolph Kohut schildert darin die großen Verdienste, die sich Johann Gottfried v. Herder, der Verfasser des „Geist der hebräischen Poesie", der deutsche Klassiker, um die Judenemanzipation, namentlich aber um die Würdigung der religiösen und nationalen Güter Israels erworben hat. Adolph Kohut gebührt das Verdienst, Imrch seine Schrift in Deutschland das Interesse für die Herder-Forschung aufs Neue angeregt zu haben, was unter anderem kein Geringerer wie der Herausgeber der Herderschen Werke, der jetzige Direktor des Goethe-Archivs, Geheimrat Prof. Dr. B. Suphan, anerkannt hat. Ein sehr bedeutsames Werk, viel Neues und Interessantes bringend, das zugleich mehrere Auflagen erlebte, war „Alexander v. Humboldt und das Judentum". Diese Schrift ist darum schon von besonderem Interesse, als der Verfasser durch sie den Genius des größten Naturforschers des 19. Jahrhunderts gegen die Judenfeinde ins Treffen führte. Ein höchst eigenartiger, sehr dankenswerter Versuch Adolph Kohuts war sein umfangreiches Werk „Die goldenen Worte der Bibel". Hieran schlossen sich die Schriften „Was lehrt die Bibel über denGehorsam gegen Staat und Obrigkeit?" sowie eine juristisch-staatswiffenschaftliche Monographie, betitelt: „Die Staatsregierung und die Frage der jüdischen Friedhöfe". Der Literatur- und Kulturgeschichte des Judentums in alter und neuer Zeit find die nachstehenden Werke gewidmet: „M osesMendelssohnundseineFamili e", „Der alte Prager jüdische Friedhof", „Jüdische Kultur skizzen", „Geschichte der deutschen Juden" (prachtvollillustriert), „Berühmteisraelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit" und andere mehrere. Dem Andenken seines leider viel zu früh verstorbenen. Bruders, Dr. Alexander Kohut, hat er in den von seinem Neffen George Alexander Kohut in New-Iork herausgegebenen „Semitischen Studien" einen ebenso erschöpfenden wie pietätvollen Nekrolog gewidmet. Zahllos find die Abhandlungen, die der Verfasser in Zeitungen und Zeitschriften über jüdische Geschichte, Literatur und Kulturgeschichte, Biographie rc. veröffentlicht hat. Hier nennen wir nur zwei, deshalb, weil sie auch in Separatabdrucken erschienen und inhaltlich von großem Werte find: „Der jüdische Finanz mini st er Süß-Oppenheimer" und „Imanuel Kant und das Judentum". Was ihn uns hier am meisten lieb und wert macht, ist seine Begeisterung, womit er für das Judentum, seine ethischen Ideale und seine Mission auch in der Gegenwart iu die Schranken tritt, immer und immer bestrebt, auch in der Seele der heranreifenden Jugend die Liebe und Verehrung für die heiligen, religiösen und nationalen Güter des jüdischen Stammes zu erwecken und wach zu halten. Möge es Dr. Adolph Kohut vergönnt sein, noch durch so manches Werk die jüdische Literatur zu bereichern. Nicht umhin können wir, unserem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß dieser Gelehrte und Schriftsteller gezwungen ist, seine ganze eminente Kraft im Auslande zu betätigen, da ihm in seinem Vaterlande Oesterreich- Ungarn nie Gelegenheit geboten wurde, sich eine Existenz zu gründen. In einer bitteren Stunde des Unmuts schrieb er einmal: „Ingrata patria, ne possidebis ossa mea“ (Undankbares Vaterland, Du wirst meine Gebeine nicht besitzen). „Fiir den Kaiser!" Von Rabbiner Dr. D. Feuchtwaug. Der ehrwürdige Herr Landesrabbiner-Stellvertreter in Mähren, Herr Rabbiner Dr. S a l o m o n Funk in Boskowitz, hat unter diesem gut gewählten Titel eine kleine Festschrift verfaßt, die es verdient, allen Schulkreisen und Gemeinden wärmstens empfohlen zu werden. Die Völker Oesterreichs rüsten zu einem ebenso seltenen wie herzerhebenden Feste. Am 2. Dezember werden es sechzig Jahre, seit unser glorreicher Monarch den Thron seiner Ahnen bestiegen hat. Auch die Söhne des uralten Kulturvolkes, die Juden in Oesterreich, werden durch feierliche Gottesdienste und Liebeswerke bezeugen, wie tief ihre Gefühle der Liebe und Dankbarkeit zu unserem Landesvater find. Diesem Zwecke dient auch die schöne Festschrift Funks „Für den Kaiser!", in welcher Propheten- und Psalmenworte, weise Lehren aus grauer Vorzeit gesammelt find, die uns die heilige Pflicht verkünden, das Vaterland zu lieben und mit Stolz, Liebe und Treue an Fürst und Thron z u h ä n g e n. Es ist also eine eminent patriotische Arbeit, die Funk geleistet hat. Er stellt seine ja anerkannte Gelehrsamkeit in den Dienst der Kaisertreue und Vaterlandsliebe und sammelt aus antiken und modernen Schriften der Juden bedeutende Aeußerungen von bindender, verpflichtender Kraft und ewiger Gültigkeit über: Regierung und göttliche Weltordnung; Treue und Ehrfurcht vor Thron und Herrscher; Kaiserherrlichkeit und Würde; Achtung vor dem Staatsgesetze; „Bete für den König". — Außer den unsterblichen, aller Welt bekannten, wundervollen Psalmen, Sprüchen und Prophetenworten vernimmt man die hohen Weisheitslehren ehrwürdiger Tannaiten und Amoräer, hergeholt aus dem babylonischen und palästinensischen Talmud und aus den ältesten klassischen Midraschsammlungen. Aber auch die Responsen hochgerühmter Rabbiner des vierzehnten und sechzehnten Jahrhunderts erheben ihre Stimme für die Unantastbarkeit und Heiligkeit des Staatsgesetzes. Maimüni tritt auf und seine Epigonen, die späteren Dezisoren und Kodifikatoren. Neben der „heiligen Sprache" aber erklingt, getreu historischer Ueberlieferuug — Japhet in Sems Zelten — das griechische Wort des Philo und Josephus Flavius und der Bücher „Baruch" und „Makkabäer", das von alter, unwandelbarer Herrschertreue spricht. Die ehrwürdigen Gestalten, Ezechiel Landau, Moses Chages, Samson, Raphael Hirsch, Simon Schreiber, Philippsohn, schreiten an uns vorüber und schärfen ihren Zeitgenossen in eindringlicher Rede Liebe zum Kaiser und Vaterland ein. Sinnige, innige, formschöne, warme Gedichte und Hymnen des Herrn Landesrabbiners Dr. B. Placzek dienen dem Buche zur Zierde und zum Schmuck.

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