Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Dr. Lwcb's TOocbenscbrtfi Seite 779 richtige Lesart und Interpretation — in Uebereinstimmung mit den Tossafisten — wissenschaftlich festgestellt hat. Der Satz findet sich nirgends in den „Scheeltoth". Kaminka mußte erst mutwillig in eine unschuldige Textstelle eine antiheidnische Tendenz hineinlegen, um Gelegenheit zu schaffen, diesen gar nicht dazugehörigen Satz herbeizuzerren und aufzutischen. Dr. Kaminka klagt über „persönlichen Haß", der die Rezension inspiriert habe, er redet auch vom „Pamphlet", „aus der Schwüle des Hasses", von „böswilligen Insinuationen" und „absichtlicher Verleumdung". Er wirft uns „krasse Unwissenheit", „Verunglimpfung" und „Schmähung", „vordringende Ignoranz" vor, er nennt uns „einen bestenfalls als Halbwisser zu bezeichnenden Rezensenten", der ihm „ein Scheker Vilbel" andichtet. Solche Anpöbelung darf billiger Weise ohne Antwort bleiben! Wir erinnern uns, wie Dr. K., als er unter recht unerquicklichen, für ihn wenig auszeichnenden Verhältnissen den Rabbinatsposten in Essegg verlassen mußte und stellungslos nach Wien kam, bei der „Oesterr? Wochenschrift" erschien und um Aufnahme eines Aufsatzes ersuchte, der den Wienern die Meinung insinuieren und suggerieren sollte, er habe um seiner religiösen Ueberzeugnng willen den Posten freiwillig aufgegeben. Der Artikel erschien denn auch in der „Qest. Wochenschrift" und tat seine Wirkung. Als er dann um das Sekretariat der Israel. Allianz sich bewarb, hatte er auch keine Gelegenheit, wahrzunehmen, daß wir ihm hindernd in den Weg zu treten versucht hätten. Dr. K. hat also wenig Ursache, über die „Oesterr. Wochenschrift" zu klagen. Indessen entspricht es seiner längst bekannten Statur, jeden anzuspeien, der ihm je einmal, sagen wir, eine Freundlichkeit erwiesen. Nichts aber ist so widerlich und abstoßend, als von den Lippen eines Kaminka die frömmelnde Moralpredigt: daß man „nicht in ein Heiligtum" beschmutzt mit dem „Straßenkyth" hineingehen soll. Wir dachten, das habe vornehmlich Bezug auf einen Rabbiner und Seelsorger, der die eigene Gemeinde bei der Behörde „vernadert" und unmittelbar darauf vor der heiligen Lade diese Gemeinde „segnet". * * * Zur Sache erhalten wir noch von einem Fachgenosstn folgende Zuschrift: ... 30. Oktober 1908. Geehrter Herr Doktor! Ihre Konstatierung, daß Kaminka ein minderwertiges Manuskript zum Grundtext genommen, wird jeder Sachkenner bestätigen. Ich notiere Ihnen noch einige Belege: Seite 2, Zeile 1 ist entschieden 2-ipb richtiger als 2-im, Zeile 8 höw® richtiger als nawnw. Ganz fehlerhaft ist bxrw' “f?ö -m, es muß unbedingt heißen, wie in den Druckausgaben bnnv' -^0 -IN 1*?'S81. Diese einzig richtige Lesart wird von K. nicht einmal notiert; ich vermute stark, daß auch alle Manuskripte diese Lesart haben, wenn K. auch nichts davon weiß. In der Anmerkung 5 fehlt der Hinweis auf die scharfftmtige Korrektur der R. Jesaja Berlin, dessen Kombination durch, das Pariser Manuskript eine Bestätigung gefunden. Die Angaben über Quellen und Parallelstellen hat K. aber dem pw pwn des R. Jes., Berlin abgeschrieben — „entliehen", ohne ihn zu nennen. S. 3, Zeile 5. Im Epsteinmanuskript kann es unmöglich stehen: pö-i «n j'r'r «mnaa ptrsn pn -on. S. 3, Zeile 15 wird notiert, daß im Manuskripte die Worte (2-1 -iös) fehlen; das Wort ">ös kann unmöglich fehlen. S. 5, Zeile 9. Jeder Anfänger kann sofort erkennen, daß es wie in den Druckausgaben heißen muß '2s und nicht, wie K. bietet, i'2S two Es ist mir völlig rätselhaft, wie man solche Lesarten vorlegen kann! In der Anm. 18 fehlt ein Hinweis auf den Aruch des R. Nathan. Ebenso in der Anm. 21. Der Einwand gegen die Herleitung des Wortes 1-1127 aus dem Griechischen, weil es sonst 21-H27 heißen müßte, ist unwissenschaftlich, da auch sonst im Talmud der griechische Endbuchstabe häufig weggelassen wird. Die Erklärung, die K. selber bietet, gehört in eine Kuriositätensammlung. Anm. 24 steht nicht am richtigen Platze, gehört noch zu der vorherigen. Anm. 38 fehlt der Hinweis, daß im sä. Buber S. 20 Anfang, als Tradent dieser Halacha pm iv^s angegeben ist. Anm. 39 zeigt, daß K. n i ch t w e i ß. daß v'P1? eigentlich pwaw geheißen. So er meist sich die Arbeit Kaminkas Zeile um Zeile als eine unsolide. Empfangen Sie u. s. w. Briefkasten. „Leo". Der amerikanische jüdische Maler Julius Sega! hat, wie „Jewish Exponent" meldet, sich durch sein jüngstes Kunstwerk „Jomkippur" wohlverdiente Lorbeeren geholt. Das Bild stellt einen alten Ehasan im Tallis dar, wie er, das Sefer-Thora an seine Brust drückend, vor der Bundeslade steht und das „Schema Jisroel" rezitiert. Das Bild hat großen Eindruck gemacht. Segal ist auch in Europa nicht unbekannt. Seine Genre-Bilder wurden in den Ausstellungen von Paris, Berlin, Dresden, San Francisco und Philadelphia von der Kritik wiederholt lobend hervorgehoben. S. R. Wenn Rosch Choudesch zwei Tage sind, dann sagt man bei der Neumondverkündigung: 2'S2.n, in der Mehrzahl. Nr. 38, Budapest. Wir bitten um Bekanntgabe Ihres Namens, da wir anonyme Mitteilungen nicht verwerten können. K. i. B. Die Gedichte Morris Rosenfelds erhalten Sie in der Buchhandlung Jos. Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasie 2. „Leo". Das hat sich an der Universität Marburg zugetragen. Dort kam ein jetzt in Wien lebender bekannter Naturforscher M . . . mit jüdisch klingendem Namen für die Berufung als Pharmakologe in Frage. Die Marburger Fakultät wandte sich an einen mit M . . . persönlich bekannten Profeffor und bat ihn, unter der Hand zu erkunden, ob M . . . Jude sei oder nicht; man wolle davon die Berufung abhängig machen. Auf die Anfrage schrieb M . . . zurück: „Ich bin zwar nicht Jude, aber wenn die Fakultät besonderen Wert darauf legt, kann ich es ja werden." Ob die Fakultät von der Antwort sehr erbaut war, wisien wir nicht, jedenfalls wurde M . . . berufen. Herrn I. Grobtuch, Wien. Sie wünschen im Anschluffe an Ihren unter dem Titel „Die neuesten Beschützer der Religion und der galizischen Juden" in der vorwöchentlichen Nummer veröffentlichten Versammlungsbericht festzustellen, daß der im Bethause des Vereines „Linath Hazedek" dem christlichsozialen Bezirksvorsteher und derzeitigen antisemitischen Landtagsabgeordneten am Ende des Gottesdienstes ausgesprochene Dank, den Sie mit dem unter Juden landläufigen Worte „Mischeberach" bezeichneten, in deutscher Sprache und nicht bei offener Bundeslade gesprochen wurde. Wir kommen hiemit Ihrem Wunsche nach. Vok8i2Ml der Israelitischen Kultusgemelnde Wien. Am 6. Februar 1909 gelangen die Interessen der Adolf Ingnaz Mautner Eitter v. Markhofschen Stiftung für Wiener Waisenknaben und der Julie Mar zelline Mautner v. Markhofsehen Stiftung für Wiener Waisenmädchen zur Verteilung. Zur Bewerbung um diese Stiftung sind arme Waisenknaben im Alter von 10 bis 14 Jahren, bezw. arme Waisenmädchen im Alter von 10 bis 16 Jahren berufen, welche in Wien heimatberechtigt sind, ie mögen sich in einer Waisenanstalt befinden oder nicht. Aus den vorhandenen Stiftungsinteressen sind mit je K. 600.— zwei Waisenknaben und zwei Waisenmädchen der Israel. Religion zu beteilen. Die Bestimmung jener Waisenknaben und und jener Waisenmädchen, welchen ein Stiftungsbetrag zuzuwenden ist, erfolgt durch das Los in der durch die Stiftbriefe für die Verlosung festgesetzten Weise. Der zugefallene Stiftungsbetrag wird nicht sofort ausbezahlt, sondern fruktiüziert und nach Massgabe der Bestimmungen der Stiftbriefe zum Beginne eines Gewerbes oder als Stipendium zur Fortsetzung der Studien, den Mädchen bei Verehelichung, jedoch erst nach zurückgelegtem 18., eventuell nach vollendetem 24. Lebensjahre ausgefolgt. Mütter, Vormünder oder Pflegeparteien, welche um Verleihung eines solchen Stiftbetrages an die in ihrer Obsorge stehenden Waisen ansuchen wollen, haben ihre Gesuche mit dem Geburtsscheine, Impfungszeugnisse und dem Nachweise über die Wiener Heimatsangehörigkeit ihrer Pfleglinge, sowie dem