Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Wr. Bioco s Mscvenscvrlkr» Seite 776 New-Aork, stammt aus Budapest und zählt heute erst 35 Jahre. Er lebt seit seinem zehnten Jahre in New-Dork, wo er besonders im Ostend unter der jüdischen Bevölkerung fich großer Beliebtheit erfreut. Auch Politisch hat sich Herr König in hervorragender Weise betätigt und zählt zu den anerkanntesten Führern der republikanischen Partei im Staate NewGork. Vor kurzem hielt König im republikanischen Klub in Anwesenheit vieler tausender Wähler seine Kandidatenrede, die mit großem Jubel ausgenommen wurde. In dieser Versammlung verlas Mr. König auch zwei Briefe, die Präsident Roosevelt und der republikanische Präsidentschaftskandidat Minister Taft an ihn gerichtet hatten. Roosevelt schrieb: Lieber Mr. König! Ich habe mich aufrichtig gefreut, zu hören, daß Sie zum Minister des Innern kandidiert wurden. Bon jener Zeit an, da ich Polizeidirektor von New-Uork war, verbinden mich freundschaftliche Beziehungen zur Ostseite von New-Dork. Zu Taft hat mich auch die Ueberzeugung hingezogen, daß er . jene große Masse unserer Bürger, die auf der Ostseite der Stadt New-Aork leben, zu schätzen weiß. Empfangen Sie. ich bitte, meine vom Herzen kommenden Glückwünsche und Grüße. Ihr aufrichtiger Verehrer Theodor Roosevelt." Von Taft kam das folgende Schreiben: „Lieber M r. König! Mein Jugendfreund und Schulkollege Otto Bannard macht mir soeben die Mitteilung, daß Sie für den Posten des Ministers des Innern kandidiert wurden. Ich habe mich über' diese Nachricht wirklich aufrichtig gefreut, und beeile mich, meiner Freude und meinen aufrichtigen Glückwünschen Ausdruck zu verleihen. Ihr aufrichtiger Wilhelm H. Taft." Mr. König, von Beruf Advokat, gehört zu den Förderern aller bedeutenden jüdischen Institutionen und ist ein hervorragendes Mitglied des Ordens „Free sons of Judah“. Nach der öffentlichen Meinung Amerikas zu urteilen, kann die Wahl Mr. Königs als gesichert angesehen werden. Vermischtes. Wien. Man schreibt aus Breslau: Dem Oberrabbiner der israel. Kultusgemeinde Wien, Herrn Dr. Moritz Güdemann, einem Schüler des hiesigen jüdisch-theologischen Universitätsseminars, ist anläßlich seiner vor 50 Jahren hier erfolgten Doktorpromotion das Doktordiplom unter Anerkennung seiner gelehrten Arbeiten, durch die er die Wissenschaft d.r hebräischen Literatur des Mittelalters gefördert, erneuert worden. Wien. Am 27. d. M. verschied hier nach langem schweren Leiden im 43. Lebensjahre Herr Dr. L. D o b s ch ü tz, der I. Rabbiner der Gemeinde Skotschau in Schlesien, wo er 15 Jahre ein treuer Hirte seiner Gemeinde war. Er hinterläßt eine junge Gattin und. zwei kleine Mädchen, die durch den Schicksalsschlag schwer betroffen wurden. Die Beerdigung findet heute Freitag um 10 Uhr am Zentralfriedhof statt. H. L. Jüdische Toynbee-Halle. Einschreibungen in die unentgeltlichen Unterrichtskurse der Toynbee-Halle (Englisch für Anfänger und Vorgeschrittene, Stenographie für Anfänger und Vorgeschrittene) werden noch Montag den 2. November d. I. von halb 8 bis halb 9 Uhr im Schullokale, I., Seitenstettengasse 2. II. Stock, entgegengenommen. Einschreibegebühr Kl.- per Kurs. Die Eröffnung des Vortragszyklus 1908/9 im Vortragssaale, XX., Othmargasse 46, findet Sonntag den 8. November d. I. statt. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. Samuely, I., Fischerstiege 6, gelangen lassen. Wien. Am 30. Oktober d. I. feiert das Vorstandsmitglied und Schriftführer des israelitischen Tempelvereines für die Bezirke Wieden-Margarethen Herr Franz Frankl seinen 60. Geburtstag. Herr Frankl erfreut fich in allen Gesell - schaftskreisen der größten Hochachtung und nimmt besonders in der Wiener Kaufmannschaft eine hervorragende Stellung ein. Die Anerkennung der Wiener Kaufmannschaft kam auch dari.l zum Ausdrucke, daß er in den Vorstand des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft gewählt wurde, zu deffen bedeutendsten Mitgliedern er jetzt zählt. Herr Frankl hat sich auch schriftstellerisch betätigt. Sein Festspiel „Des kleinen Meisters Kaiserjubelfeier" wurde im Deutschen Volkstheater aufgeführt. Außerdem erhielt der Autor von der kaiserlichen Kabinetskanzlei für die Uebersendung der Arbeit an Se. Majestät ein Dankschreiben. Auch im Jntereffe des Baues des neuen Tempels für die Bezirke Wieden-Margarethen entfaltet Herr Frankl eine dankenswerte rege Tätigkeit. Akademischer Verein „Jüdische Kultur". Die Chargenwahl für das laufende Wintersemester 1908/9 ergab folgendes Resultat: Oand. ing. Joief Gottlieb, Präses; stad, teebll. Leo Haber, Vizepräses; stad, tecbn. Michael Hellmann, Schriftführer; «and. ing. Baruch Schajowier, Bibliothekar; «and. med. Abraham Katz, Kassier. Jüdische Sprachkurse. Der akademische Verein „Jüdische Kultur" hält auch heuer seine jüdischen Sprachkurse ab. I. Kurs (für Anfänger): Elemente der Sprache. Lektüre leichterer Erzählungen. II. Kurs (für Fortgeschrittene): Lektüre von bedeutenderen Werken aus der jüdischen Literatur. Literaturgeschichte. Grammatik und Etymologie. Der erste Kurs wird nur dann abgehalten, wenn eine genügende Anzahl fich für denselben meldet. Die Kurse find unentgeltlich. Die nähere Zeit wird später bekanntgegeben werden. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich im Verein? - lokale (II., Floßgasse 9/1) jeden Dienstag und Donnerstag von 1 bis 8 Uhr abends einzubringen. Die Anmeldung n werden am 10. November d. I. abgeschlossen. Jahrmarktseft für Groß und Klein. Ueberaus reges Treiben herrschte am Sonntag in den Räumen des „Hotel Continental", die in geschmackvoller Ausstattung den Rahme» des Jahrmarktfestes bildeten, welches nun seit einer Reihe von Jahren vom Mädchenkomitee „Die Jugend für die Jugend" zuglmsten armer skrofulöser Kinder veranstaltet wird. Neblt Ringelspiel und Wurstel und einer Reihe von Buden, in welchen allerlei Näschereien feilgeboten wurden, gab es für die großen und kleinen Besucher auch künstlerische Darbietungen, die den lebhaftesten Beifall fanden. Die kleinen Schwestern S t e i n l e i n von der Ballettschule der Hofoper entzückten durch die Grazie und den Chick ihrer Tänze. Große Heiterkeit fanden die gelungenen Kopien unserer beliebtesten Soubretten, welche von den Geschwistern Finkler, gleichfalls einem Kinderpaare, ausgezeichnet ausgeführt wurden. Schnellmaler Robins entledigte fich unter vielem Beifall humorvoll seiner Aufgabe. In einem improvisierten Kaffeehaus, einer Konditorei und einer Bodega walteten eifrigst die Damen des Komitees in geschmackvollen Kostümen ihres Amtes und eine mit reichen Gewinnsten dotierte Tombola fand zahlreichen Zuspruch. Die Ausschmückung der Räume und Buden welche von den Herren Oberinspizient Fried und Schikaneder der k. k. Hofoper besorgt wurde, fand berechtigte Anerkennung. Den Schluß des Abends bildete ein flottes Tanzkränzchen. Dem edlen Zwecke dürste ein ansehnliches Reinerträgnis zufließen. Wie». (Mädchenunterstützun gsverein.)Jn den von diesem humanitären Vereine unterhaltenen Arbeitsschulen find noch einige Plätze frei. Neueröffnet wurde ein Kurs für Spitzenputzen. Aufnahmswerberinnen (unbemittelte israelitische Mädchen, die das 14., für die Fachschule für Kleidermachen das 15. Lebensjahr zurückgelegt haben) können fich in der Schulkanzlei, II., Pillersdorfgaffe 8, melden. Hebräischer Konversationsklub. Samstag, präzise halb 8 Uhr abends, spricht Dr. Tartakower im Klublokale Cafe B ramm er, IX., Liechtenstein straße 1, über „Palästina". Gäste herzlich willkommen!^ Die polnisch-deutsche Operetten-Gesellschast ans Lemberg, „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12, wird ab 30. Oktober 1908 täglich die weiteren Vorstellungen im H o t e l „P o l o n i a", TL, Rothen Sterngasse 7 a, abhalten. Am Freitag den 30. d. M. beginnt ein neues Stück „Der Jude in Rumänien" oder „Unschuldig vernrteitt".