Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 770 DT. LLocd's MocdenscdrtN. Nr. 44 Reiches unter denselben Voraussetzungen und denselben Ansprüchen wie das letztere an. Es wollte kein neues Staatsgebilde sein, sondern als eine Fortsetzung des babylonischen Reiches angesehen werden. Das wesentlichste Moment seines Staatslebe ns erblicktest nderHochhaltung der militärischen Tugenden, des Heldenmutes, der Selb st Verlegung für den König und das Reich. Durch eine politische Einrichtung unterschied es sich aber wesentlich von Altbabylonien: durch die Institution der Völkertransportation. Assyrien war ein Militärstaat. Durch seine fortgesetzten Kriege wurde im Verlaufe der Jahre seine eigene Bevölkerung sehr vermindert. Um die Eroberungen zu behaupten, waren assyrische Besatzungen in den verschiedenen Ländern nötig. Diese nahmen große Teile des Heeres in Anspruch. Das kampffähige Menschenmaterial wurde dadurch noch mehr verringert. Da griff die affyrische Politik zu dem Mittel, die eroberten Völker aus ihren Heimatländern hinwegzuführen und sie in andere Gegenden zu verpflanzen. In der Mitte fremder Stämme unter mehr oder weniger günstigen Bedingungen angesiedelt, war das Reich ihre vornehmste Stütze. Sie konnten auf die leichteste Weise zu Assyrern gemacht werden. Im 16. und 17. Kapitel des II. Buches der Könige wird von zwei Transportationen berichtet, welche die Bevölkerung des Reiches Israel durch assyrische Könige erlitten hatte und von den Völkern, welche im israelitischen Lande angesiedelt wurden. Sanherib zählt auf seiner Prismainschrift alle Länder und Völkerschaften auf, die er auf seinen Feldzügen erobert hat, unter welchen solche sich befinden, die er transportiert hat. (K. B. II. S. 81.) Diese Völkernamen stimmen mit den in Jesaja C. 36. genannten überein. Am deutlichsten finden die Pläne, die Tendenz der Transportationspolitiker in einer Rede eines assyrischen Feldherrn (Rabsak), den Sanherib zur Eroberung Jerusalems zur Zeit des Königs Hiskia geschickt hat, ihren Ausdruck. So ruft der König Assurs: Machet mit mir segensreichen Frieden, kommet zu mir. Es genieße jeder seinen Weinstock und seinen Feigenbaum, bis ich komme und euch nehme in ein Land wie Eueres, Daania pK bx 'nnpbi -«2 ip (Jesajas, 36. 16, 17. II Könige 18, ,31, 32). bei Niederlassung des ouvoi-xiap,os (arabisch hils) annimmt, beim bloßen Durchziehen des Landes aber durch Bezahlung des Schutzgeleites erworben wird. Es finden sich allerdings bereits im Verkehr der altorientalischen Großstaaten die Ansätze zu einem Angreifen der Staatsgewalt in Behauptung von Rechtsansprüchen, allein es handelt sich dabei doch vorwiegend um Rechtsansprüche des Königs. Auch der geistige Verkehr ist durchaus lebhaft und erhält durch den Verkehr von Person zu Person, wie noch im Mittelalter, eine noch tiefergehende Wirkung als der durch das an die Allgemeinheit gerichtete, gedruckte Wort. Kein Tempel, keine Pflanzstätte der Bildung steht außer Zusammenhang mit den Hauptzentren der Kultur. Das Wiffen jener Kulturstufe wird nicht aus der Studierstube und aus dem geschriebenen Worte erworben. Der Schüler muß sich sein Wissen viel mehr als heute an den Pflegestätten der Wissenschaft holen. Wie die Azharmoschee zu Kairo aus dem ganzen Islam Schüler zusammenbringt, so hat man sich die babylonischen und egyptischen Tempel vorzustellen. Kein gebildeter Mann konnte in Israel sein, der nicht sein Wissen von dort empfangen hatte, oder dessen Wissensgrad doch wenigstens danach zu beurteilen war, wie eng und unmittelbar seine Beziehungen zu jenen Pflegestätten des Wissens, nicht nur des theoretischen, sondern auch des praktischen, waren. Befördert wird auch dieser geistige Verkehr durch den Wandertrieb, welcher dem Orientalen eben infolge der Erforder. isse seiner einfacheren Verkehrsmittel angeboren ist. Er klebt nicht an der Scholle, wie der Europäer. Die islamische Pilgerfahrt nach Mekka ist ein notwendiges Ventil für diesen Vagantentrieb und wie unter gleichen Verhältnissen unser Mittelalter, so hat auch der Orient allezeit den fahrenden Scholaren gekannt, den Mann, den Wandertrieb und Wissensdurst durch die Länder führten und der mit der uns unbegreiflichen orientalischen Bedürfnislosigkeit Strecken durchzog, die selbst bei modernen Verkehrsmitteln gewaltig erscheinen. Unser Mittelalter hat die nationalcu Schranken noch nicht gekannt, oder doch noch nicht in der Weise empfunden, wie wir, und die genau entsprechenden Kulturverhältniffe des Orients würfeln die Menschen in regem Verkehr, in Handel und Gewerbe, nicht zu vergessen im Kriegshandwerke, ohne Rücksicht auf Sprache und Volksangehörigkeit durcheinander. Durch solche Maßnahmen wurde die Zusammengehörigkeit aller Bestandteile des großen Reiches außerordentlich gefördert und der wechselseitige Verkehr der Völkerschaften aufs höchste gesteigert. Die Individualitäten der Nationen mußten unter solchen Umständen geschwächt werden, wenn nicht ganz verloren gehen. In der rabbinischen Tradition wird das allgemeine Jneinandergreifen der Völkerinteressen unter diesem König ebenfalls hervorgehoben. Da heißt es: Längst kam Sanherib, König von Assur, und mischte alle Völker durcheinander. (Berachot 28.) -|bö 2"iwo bp “Da riiainn ba babai "iiivx Groß war der Einfluß dieser gegenseitigen Berührung auf das Leben der Völker. In allen öffentlichen und privaten Verhältnissen kommt er zum Vorschein. Die Nationen durchdrangen einander und erfuhren die Macht der Wechselwirkung aus allen Gebieten des Lebens. Bis auf die Denk- und Ausdrucksweise erstreckt sich dieser Einfluß. Dieses erscheint am deutlichsten, wenn man . die Asurbanipals Analisttzv-Jnschrift des Raffam-Zyliuders mit Stellen des Pentateuchs vergleicht. _ (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorstandes vorn 25 Oktober IÄV8 unte dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Die Vorstandssitzung vom 25. d. M., welche wiederum öffentlich war, bot ein Vorspiel zu den Vorgängen, die sich unvermeidlich in den künftigen Sitzungen des Kultusvorstandes zutragen werden, wenn es mit Hilfe einer Indolenz weiterer Kreise der Gemeinde bei den kommenden Kultuswahlen der heutigen Opposition gelingen sollte, ihre Kandidaten zum Siege zu führen. Schon gelegentlich der zionistischen Versammlung zu Ehren des Parteipräsidenten David Wolffsohn aus Köln a. Rh. am 19. September hat der Berichterstatter der „ Österreichischen Wochenschrift" in Nummer 39 angesichts des Betragens, welches Herr Dr. Michael Egon Zweig in jener Versammlung an den Tag legte, die Bemerkung nicht unterdrücken können: „Dr. Zweig bewies durch sein Vorgehen seine Qualifikation für ein Kultusvorstandsmandat, denn wenn er sich derart gegen seine eigenen und noch dazu sehr hervorragenden Gesinnungsgenossen benimmt, wie würde er sich in Sitzungen des Kultusvorstandes gegen die Herren, die anderer Meinung und anderer Gesinnung sind als er, betragen. Da würde er ohne Zweifel handgreiflich werden." Die öffentliche Sitzung vom 25. d. M. brachte für diese ahnuugsreiche Prophezeiung sehr rasch die traurige Erfüllung und Bestätigung. Dr. Egon Zweig, welcher bei dieser Sitzung — zunächst doch nur — als Zuhörer anwesend war, provo- ^.snrdampal schreibt: (KB, II. S« 157). Seit er den Thron seines Vaters bestiegen hat, ließ Ramman seinen Regen los, öffnete er seine Wasserhöhlen, ward das Getreide fünf Ellen hoch in seinen Aehren, ward die Aehre 5—6 Ellen lang, gelang die Ernte, wucherte das Korn, ließ den Rohrstand beständig emporschießen, ließen die Baumpslanzungen die Frucht üppig werden, hatte das Vieh beim Werfen Gelingen. Während meiner Regierungszeit kam der Ueberfluß massenhaft herab, während meiner Jahre steigte reichlicher Segen nieder. Ramman zunni su u-mas-si-ra Iau-pat-ti-ti-ra nakbi-su hansn ammatu si-am is-ku ina ab-sin-ni-su i-ri-ik su-bul-tu rarab amatu isir iburu napas nidaba Ka-ai-en u-sah-na-bu gi-parn sipa-a-ti su-u-mu-ha in-bu bulu su-ti-sur ma la-lid-ti ma pali-a rnhsu dah-du ina sanali-ia ku-um-mn-ru hi galum. Leviticus XXVI, 3. heißt es: Wenn Ihr in meinen Geboten wandeln und meine Gebote hüten und sie ausüben werdet, so werde ich Euere Regen geben ^zur rechten Zeit, die Erde wird ihren Ertrag tragen und die Bäume des Feldes ihre Früchte geben. Und Deuteronomium XXVIII, 3. lautet: Gesegnet bist Du in der Stadt und gesegnet bist Du im Felde. „Gesegnet die Frucht Deines Leibes, die Frucht deines Bodens, die Frucht Deines Viehs, der Wurf Deiner Rinder und Herden Deiner Schafe."