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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-30 · 44 (30.10.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
44 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Wr. Llocd's Moedensedritt. Seite 789 sehr unliebsam daran erinnert. Obwohl von angenehmer Erscheinung, der Sohn eines reichen Vaters und in schöner Position, bekam er dennoch einen Korb nach dem andern. Er verkehrte zwar in zahlreichen christlichen Familien, er wurde dort anscheinlich sogar gerne gesehen, doch als er um die Hand der Tochter des Hauses anhielt, ergab sich stets ein Hindernis. Zumeist konnte das betreffende Fräulein kerne Liebe für ihn empfinden, auch wenn sie sich vorher noch so liebenswürdig und freundlich gezeigt, und als er endlich den vierten Korb weghatte, kam er schließlich darauf, daß ihm sein früheres Judentum im Wege sei. Man konnte nicht vergessen, daß er Jude gewesen und deshalb wurde er abgewiesen. Da ging er in seinem Zorn hin und warb um ein armes Mädchen, um die Tochter eines kleinen Beamten, der weder Vermögen noch Ansehen und nur die Anwartschaft auf ein Erbe nach einem nahen Verwandten, nach einem Bischof, besaß. Er wurde sehr freundlich ausgenommen, seiner Verlobung stand nichts im Wege, da plötzlich wurde die beschichte zu Wasser: Die Hoffnung der Familie, der Bischof, wollte seine Einwilligung nicht geben. Das wurde ihm rundheraus gesagt. Er wollte keinen Proselyten in der Familie, und da man sich mit ihm nicht zerschlagen durfte, mußte sein Wille respektiert werden. Es ist vielleicht überflüssig zu bemerken, daß dieser Bischof derselbe ist, von welchem wir eingangs erzählt haben. Und nun kommt die dritte Abteilung dieser kleinen Geschichte. Sie ist überaus kurz und läßt sich in wenigen Worten wiedergeben: Diese Tochter des kleinen Beamten, welche den reichen und vornehmen Proselyten nicht heiraten durfte, hat sich vor einigen Monaten in einen hiesigen jungen Arzt israelitischer Konfession verliebt und sich vor wenigen Tagen mit Einwilligung des Bischofs mit ihm verlobt. Diejenigen, die, wenn sie ihre Religion von sich werfen, gleich in den christlichen Kreisen als vollwertige Christen ausgenommen zu werden glauben, mögen hieraus ihre Schlüsse ziehen. Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner. (Fortsetzung.) Und selbst in dem eigentlichsten Bezirke des Monotheismus, im Abrahamidischen Kreise, tritt derselbe nicht als eine neue Offenbarung, als eine bisher ungekannte Religionsanschauung auf. Nein, er wird als etwas längst gekanntes, als etwas selbstverständliches eingeführt. Als Gott Abraham erscheint und ihm eine Verkündigung mitteilt, ist Abraham über diese Erscheinung nicht erstaunt. Er fragt nicht, wer der Gott sei, der zu ihm spricht. Er kennt ihn schon von früher her. Daß er ihn kennt, wird von dem biblischen Erzähler als selbstverständlich vorausgesetzt. Nach der Ansicht der streng monotheistischen Kreise in dieser Zeit ist Gott der Vater aller Völker und Menschen, er ist auch Herr und Beschützer derer, die ihn nicht deutlich kennen oder gar nicht kennen. Er wendet seine Fürsorge allen, die in seinem Ebenbilde geschaffen sind, zu. Vor dem Eintritte Israels in die.Geschichte, wo es überhaupt noch kein auserwähltes V o l k gab und nur andere Völker austreten, wird das Walten Gottes über diese Völker beschrieben. Fast das ganze erste Buch Mosis, mit Ausschluß der Erzvätererzählung, schildert das Verhältnis Gottes als das des Allvaters zu allen Menschen. Auch muß selbst in nichtmonotheistischen Kreisen Gott, wenn auch nicht in seiner Einzigkeit, nicht unbekannt gewesen sein. Er erscheint dem Abimelech und dem Laban im nächtlichen Traume und dieselben kennen ihn und befolgen seine Befehle. (Genesis 20, 3. 31, 24.) Und selbst als Gott zu Israel durch die Annahme der Gesetzesoffenbarung in ein besonderes Verhältnis tritt, werden nach der Ansicht der Bibel die Völker von seiner Fürsorge nicht im geringsten ausgeschlossen. „Gott kam vom Sinai, erschien ihnen vom Säir, erstrahlte vom Berge Paran, in seiner Rechten das Feuergesetz ihnen reichend. Er aber liebt auch die Völker, alle seine Heiligen sind in deiner Hand: Ti'21 i'vnp bn v'vp san heißt es Deuteronomium 33, 2, 3. Die Völker und Menschen sind nach der altorientalischen Anschauung durch ein Band der Zusammengehörigkeit miteinander verbunden. Aus den kleinen semitischen staatlichen Verbänden bildeten sich nach und nach Staaten von großem Umfange heraus. Mesopotamien ist der Schauplatz, wo Großreiche entstehen. Zuerst das südmesopotamische, dann das nordmesopotamische. Hammurabi, welcher mit Amraphel der Bibel identisch ist, vereinigt beide zu einem Großkönigtum. (Genesis 14 werden Kämpfe zwischen den Königen Mesopotamiens geschildert. Diese gehören zu den Kriegen, welche zur Bereinigung Nord- und Südmesopotamiens führten.) Der Bildung jedes großen Staarswesens muß eine große Idee zugrunde liegen. Diese Idee ist der Kitt, welcher die verschiedenen Länder und Völker zusammeuhält. Ohne eine solche gleicht dasselbe und mag es auch durch ungeheueren Kraftaufwand zu Stande gekommen sein, einem gewaltigen Bau, der auf einem lockeren, sandigen Boden errichtet ist. Ein heftiger Sturm reißt ihn um und stürzt ihn zu Boden. Die leitende Idee, der große Gedanke, welche dem alten babylonischen Reiche zu Grunde lagen, waren die Kultur und die Wissenschaft. Es bildete sich in demselben ein auf astrologischer Grundlage ruhendes System heraus, welches alle Interessen des menschlichen Lebens umfaßte. Alle Zweige des menschlichen Wissens und Könnens, alle sittlichen und ästhetischen Betätigungen wurden als von denselben beeinflußt angesehen. (Vergl. Winklers Geschichte Israels, S. 276.) Babylon war die Hauptstadt des Reiches und der Mittelpunkt dieses wissenschaftlichen und ästhetischen Systemes während der Dauer vieler Jahrhunderte. Dieses Reich erhob den Anspruch, über alle Völker, über alle Länder, welche der Kultur angehören, zu herrschen. Durch die Schaffung eines Zentrums für die Kulturvölker des alten Orientes traten aber die vielen Völker miteinander in nahe wechselseitige Berührung. Die früheren kleineren, selbständigen Reiche wurden nicht zerstört, ihre Könige nicht entthront. Jedes Land behielt seinen eigenen Herrscher und seine eigene Herrschaft. Aber über alle erhob sich der König von Babylon als Großkönig, dem die anderen Fürsten Vasallen waren und Tribut an Geld und Hilfstruppen leisten mußten. Die Völker des großen Länderkomplexes aber umschloß ein Band der politischen Gemeinsamkeit. Sie alle waren Angehörige des gesammten Großreiches. Diese Zusammengehörigkeit wurde unter der Herrschaft Assyriens, welches die altbabylonische ablöste, zum obersten Staatsprinzip erhoben.*) Assyrien trat die Erbschaft des altbabylonischen *) Winkler schreibt: (KAT. S. 169). „Man wußte in Juda und selbstverständlich noch mehr in den Provinzen Samaria und Simmira ganz genau, was am assyrischen Hofe vorging. Man empfing von dort seine offiziellen Anweisungen und man hatte seine Freunde, welche die Nachrichten liefern mußten, die den königlichen Befehlen die nötigen Zusätze boten. Man hatte sich die Verhältnisse des alten Orients gewöhnlich als ein abgeschlossenes Fürsichleben der Völker vorgestellt. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Der Orientale hat die Zustände der übrigen Völker seines Kulturkreises besser gekannt, als der moderne Durchschnittsmensch. Die freilich auch viel verwickelteren seiner Nachbarvölker. Vor allem fehlt dem alten Orient völlig der Begriff der Nation und der Sprachverschiedenheit als trennende Schranken. Wie der Islam sein gewaltiges Ländergebiet zu einer über Völker und Nationen sich erstreckenden Gesamtheit zusammenschließt, so hat auch im alten Orient der Verkehr und eine gemeinsame Kultur die Völker über die Grenzen von Stadt und Reich hinaus verbündet. Der Verkehr mit den ursprünglich einfachen Mitteln bringt die Völker in viel engere Berührung miteinander, als der mit unseren modernen Verkehrsmitteln. Der Kaufmann zieht selbst hinaus und sucht die Orte und Menschen selbst auf, an die er seine Maaren absetzt. Ein viel größeres Menschenmaterial ist nötig, um den Karavanenverkehr zu bewältigen, als den von Eisenbahn und Dampfer. Die Karavane' nimmt Ort für Ort mit und kommt mit der Bevölkerung in Berührung, die Vermittler des modernen Verkehrs kennen nichts als die Nachtquartiere ihrer Endstationen und die Hafenstädte. Von den Völkern, die sie nur berühren, haben sie keine Vorstellung, ihre Sprache lernen sie kaum, während der Handelsmann der Karavane seine Waren selbst an den Mann bringt und darum diesen und seine Eigenheiten kennen muß. Das Nationalgefühl tritt zu dem mit seinem dem Auslande gegenüber trennenden und die Angehörigen der Nation verbmdenden Wirkungen im Verkehrsleben der Völker des Altertums stark zurück, weil den Kaufmann und Reisenden weniger sein Staat schützt, als das von ihm selbst zu dem fremden Staate eingegangene Verhältnis, das bei längerem Aufenthalt die Form des Gastrechts (arabisch gär) oder

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