Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 43 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 762 L>r- Ltscb's MLocdenscbttN« Nr. 43 Und das sagt der Prophet im Namen Gottes: welö öszi — wo es nicht mich betrifft, wo es sich um materielle Dinge handelt, koröszu Jakob, da nennst du dich Jakob, da bist du der gewöhnliche Arbeiter, der selbst die Rindshaut durch die Gasse schleppt; — ki jugaatu b i — Jiszröel, wenn du aber für mich dich bemühen sollst, — da bist du der Aristokrat Israel, der es unter seiner Würde hält, Esrog und Lulav in die Synagoge zu tragen, da muß es ihm sein Diener nachtragen. Das wollte ich Euch nur sagen, mein lieber Reb Chajim! Und jetzt geht in „Schul". „Ob der Mann", fügte Deutsch hinzu, „am zweiten Tage des Sukkosfestes Esrog und Lulav selber in die Synagoge getragen, weiß ich nicht, aber daß er keine Rindshaut mehr vor dem Hause des Rabbi getragen, ist ganz gewiß." Hierauf nahm Dr. Schwarz wieder das Wort. „Ich weiß nicht, ob Sie die treffende Antwort kennen, die der Rabbi einst einen Neustadtler Talmudisten gab, der ebenso als scharfsinniger Kopf wie als aggressive Natur bekannt war. Einmal bezog derselbe eine Wohnung in der Nähe des Rabbiners und er sagte zu demselben: „Ich freue mich, daß wir nun als Nachbarn öfter Zusammenkommen werden." „O ja", antwortete der Rabbi, „wie Mismor l’szöda und Lamnazeach." „Was ist das?" fragte ein junger Advokat, „ich verstehe den Witz nicht." „Das will ich wohl glauben", antwortete Dr. Schwarz, nun, ich werde Ihnen das erklären. Msmor l’szöda ist ein Psalm, der nur an Wochentagen gesagt wird, der Psalm lamnazeach aber nur an Sabbat- und Feiertagen. Nur ein einziges Mal im Jahre und zwar Biofßhana rabba kommen sie zusammen. Da werden beide Psalmen gebetet. Diese sind auch Nachbarn, stehen im Gebetbuche hart neben einander, aber kommen nur einmal im Jahre zusammen. Das geistreiche Wort fand allgemeinen Beifall. „Nun will ich zum Schluffe", sagte Deutsch, „denn es ist bereits spät geworden, nur noch ein Beispiel dafür anführen, wie frei und ungebunden die Alten auf der Kanzel sich bewegten. Der Großvater machte einst eine Reise nach Hunsdorf, damals die einzige jüdische Gemeinde im Zipser Komitate. Natürlich wurde er, wie allgemein üblich war, mit der Abhaltung eines gottesdienstlichen Vortrages am Sabbat beehrt. Am nächsten Sabbat wird ihm auf der Heimreise dieselbe Ehre in Trencsin zuteil, und er hielt dieselbe Rede Wort für Wort, die er in Hunsdorf gehalten. Da — mitten in der Rede — machte er die Wahrnehmung, daß ein Hunsdorfer zugegen sei. Einen anderen Redner würde das in die peinlichste Verlegenheit gebracht haben; er aber in seiner Schlichtheit ward nicht aus dem Konzept gebracht. Er unterbrach den Faden seiner Rede und sagte: „Da sehe ich einen Mann aus Hunsdorf, der am vorigen Sabbat dieselbe Rede schon von mir gehört hat und er wird gewiß der Meinung sein, daß der Novimester ßöv nur eine einzige Rede am Lager hat. Nun werde ich Euch das erklären." „Wenn ein Arzt zu einem Kranken gerufen wird, so verschreibt er ihm eine Arznei. Wenn nun derselbe Doktor zu einem anderen Kranken gerufen wird, der an derselben Krankheit leidet, wird er vielleicht eine andere Medizin verschreiben? Gewiß nicht! Nun, in Trencsin ist dieselbe „Kränk" wie in Hunsdorf. Muß< ich nicht dasselbe Rezept verschreiben? Und er verschriebe weiter, das heißt, er setzte seine Rede weiter fort." Die Gesellschaft wäre nicht müde geworden, noch ferner zuzuhören, doch es war bereits Mitternacht geworden, und so erhoben sich die Herren und sprachen dem Hausherrn wie dem so angenehmen Erzähler ihren herzlichsten Dank aus. (Fortsetzung folgt.)' Literat«». Grunwald Max, Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien und der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg. Leipzig, M. W. K a u f m a n n, XI. Jahrg., 4. Heft. 43 S. Inhalt: Dr. F. Falk, Die Bücher Samuelis in deutschen Nibelungenstrophen des XV. Jahrhunderts (Fortsetzung). — Wolf-Grunwald, Fahrende Leute bei den Juden (Fortsetzung). — D. Weißenberg, Die kaukasischen Bergjuden (Schluß). — Toch-Feuchtwang, Nikolsburger Regesten (Fortsetzung). — Bücherschau. — Preis des Jahrganges 4 Mark, für Mitglieder der Wiener „Gesellschaft für Sammlung" usw. 3 Kronen. IVIonumenIa Judaica. Herausgegeben von August Wüns ch e, Wilhelm N e u m a n n, Salomon Funk Altera Pars: Monumenta Talmudica. Erste Serie: Bibel und Babel, bearbeitet von Salomon Funk. Akademischer Verlag, Wien und Leipzig 1907. Schält man, was hier geboten wird, aus den Hüllen etlicher Vorreden, so bleibt eine Zusammenstellung der Notizen im Talmud, Midrasch und der älteren kabbalistischen Literatur, die von Babylon, seinem Land und seinen Leuten, sowie seinen astronomischen Anschauungen handeln. Es ergeben sich folgende Rubriken: A. Land und Leute: 1. Name des Landes Babel. 2. Gewässer. 3. Fruchtbarkeit. 4. Bewirtschaftung. 5. Verkehrsmittel. 6. Steuern. 7. Wohnungen. 8. Städte. 9. Bevölkerung. 10. Kulte. B. Babylonische Geschichte: 1. Assyrisches Reich. 2. Neubabylonisches Reich. 3 Medopersisches Reich. 0. Weltbild: 1. Himmlische Weltordnuug. 2. Irdische Weltordnung. Den Schluß bildet eine „Landkarte von Babel nach talmudischen Quellen", die den Lesern der „Juden in Babylonien" desselben Verfassers bereits bekannt ist und durch den Bau der Bagdadbahn erneutes Interesse gewinnt. Das Ganze umfaßt 242 Folioseiten. Links findet man den von M. Berköwiz punktierten Text, rechts die Uebersetzuug von S. Funk. Funk war nach dem Verlauf seiner Studien für diese Arbeit wie selten einer berufen, und er hat sie wacker geleistet. Wir hätten freilich an manchen Stellen, zumal das Werk doch auch für Talmudlaien bestimmt ist, zur Erleichterung des Verständnisses eine kurze Erläuterung des gebotenen Textes gewünscht. Außer für den Fachmann müssen Abkürzungen, wie Dikd. Sof. (Dikduke Soferim) S. 14, unverständlich bleiben. Schanwatha S. 18 haben wir S. 7 als Schauwasa kennen gelernt. Chulin (in seinen „Juden in Babylonien" schreibt Funk: Cholin) 6a (S. 21) hätte unter „Kulte" gehört. „Babel" S. 25 war ja schon S. 20 zu erledigen. S. 26 ist die alphabetische Reihenfolge nicht inuegehalten. Uebersetzungen, wie (S. 28) „Tal" Dura, empfehlen sich nicht, da sie konsequenterweise auch bei „Be Dura" u. s. w. durchgeführt werden müßten und Mißverständnisse veranlassen können. Ebensowenig ist S. 30 „Hirtendors", ferner das „also ebenfalls" bei Daravmatha zu billigen. Doch dies sind Kleinigkeiten, die sich im ferneren Verlauf des Unternehmens vermeiden lassen und jedenfalls den Wert der vorliegenden Leistung nicht beeinträchtigen. Man ist doch überrascht von der Fülle kulturgeschichtlichen Stoffes, der uns hier lebendig, wie im Kinematographen möchte man sagen, entgegentritt. Die geschichtliche Ausbeute dürfte allerdings sehr fraglichen Wertes sein, wo zwischen der Quelle und dem Vorgänge Jahrhunderte liegen. Das Geographische und Kosmographische verdient besondere Beachtung. Wenn auch der Titel „Bibel und Babel" für diese Arbeit sich kaum wird rechtfertigen lassen, so stellt sie doch einen wertvollen Beitrag zur Erschließung der nicht zu unterschätzenden Vorräte des Talmuds an positiven Nachrichten über die Länder und Völker dar, die für ihn in Betracht kommen. Wir dürfen die beiden Herausgeber beglückwünschen und zur Fortsetzung des Unternehmens in diesem Geleise ermuntern. ' G-.